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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Agnes oder Das Geheimnis von Schloss Blutenburg
Eingestellt am 28. 01. 2018 07:57


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amelkin
Wird mal Schriftsteller
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AGNES oder DAS GEHEIMNIS VON SCHLOSS BLUTENBURG
Autor: Alexander Amelkin


Am Abend war'n die Lichter schwach.
Die Reflektionen wurden blasser und schwÀcher...
Die Winterreifen rauschten wach.
Die fernen bleichen Sterne glÀnzten und glÀnzten...

Ich hörte das Signal,
das um die Ecke kam.
Die Tram voll froher Menschen hetzte!
Die Dunkelheit verschwand!
Mein Kopf, der wurde klar.
Die Tram war weg. Es war die letzte...



Dieses traurige Lied kam mir plötzlich in den Kopf, als ich an einem Dezemberabend auf meinem alten Fahrrad die Agnes-Bernauer-Straße entlangfuhr und an Agnes' Schicksal wie auch an meines dachte. Was wissen wir ĂŒber das Schicksal, und können wir es aus freiem Willen kontrollieren?

Die letzten 15 Jahre versuchte ich vergeblich, mich in diesem Leben als freiberuflicher KĂŒnstler zu positionieren. Meine GemĂ€lde wurden lĂ€ngst nicht mehr gekauft, die Arbeit als StraßenkĂŒnstler brachte kaum Einkommen, und ich beschrĂ€nkte mich nur noch auf reine Auftragsarbeit.

Mit der Zeit verwandelte ich mich so von einer ehemals kreativen Person in einen Yuppie. Und eines Tages schrieb ich in einem Ausbruch von Selbstironie den Yuppie-Blues ĂŒber mich selbst:


TĂ€glich. Rund um die Uhr.
Jahrelang. Und wofĂŒr?
Business-Plan. Plan-Prospekt.
Atelier. Kunstprojekt.

Telefon. Telefax.
Wenig Schlaf wegen DAX!
Krise kommt! Dann Progress.
Atemnot! Ewig Stress!

Das ist der Yuppie-Blues,
mein Yuppie-Blues.
Wie mache ich mit meinem
alten Leben Schluss?

Das ist der Yuppie-Blues,
mein Yuppie-Blues.
Na, schön, dann sag ich gern
dem alten Leben TschĂŒss.



In dieser Zeit stieß ich auf einen Ausspruch des amerikanischen Genetikers Bruce Lipton, wonach unsere Gedanken, unsere Haltung und unser Lebensstil einen entscheidenden Einfluss auf unsere innere und Ă€ußere Wirklichkeit haben und die Gene steuern können.

Da beschloss ich mein Schicksal zu Àndern. Ich versammelte alle meine KrÀfte, innere Haltung und Gedanken und... plötzlich passierte mir eine ganz unglaubliche Geschichte!

Ende MÀrz 2015 bekam ich den Auftrag, anhand eines Fotos das Portrait einer jungen, blonden Dame zu zeichnen. Als ich mir das Bild nÀher ansah, war ich fasziniert: Diese Frau sah aus wie die Agnes Bernauer auf ihrem Portrait, das vor Kurzem im Schloss Blutenburg ausgestellt war.

Noch am selben Tag begann ich mit dem Zeichnen. Meine Arbeit wollte aber nicht so recht vorangehen, und draußen stĂŒrmte es laut. Die Stadt wurde fĂŒr ein paar Tage in Dunkelheit getaucht, und der starke Wind brach die BĂ€ume.

Tage spĂ€ter beschĂ€ftigte ich mich wieder mit dem Auftragsportrait der Agnes Ă€hnelnden blonden Frau, wĂ€hrend im Hintergrund der Fernseher lief. ZufĂ€llig hörte ich die Nachricht von einem alten Manuskript, das ein SchĂŒler in der NĂ€he von Schloss Blutenburg unter den Wurzeln eines umgestĂŒrzten Baumes gefunden hatte.

Auf der Suche nach einer Inspiration beschloss ich, das Schloss Blutenburg mit dem originalen Agnes-Portrait zu besuchen. Dort fand ich mich unerwartet in einer Ausstellung wieder. Ich erinnerte mich an die damalige TV-Sendung; das Museum prÀsentierte das von dem Jungen gefundene alte Manuskript.

Im Folgenden erzÀhle ich Ihnen jetzt eine kurze Zusammenfassung des gefundenen Manuskripts.

Anfang des 15. Jahrhunderts lebte in Augsburg ein Bader Kaspar Bernauer mit seiner Frau. Gott gab ihnen keine Kinder, aber sie trÀumten sehr von einer Tochter und hofften auf ein Wunder.

In der Familie von Kaspar wurde von Generation zu Generation einen Sage weitergegeben, wonach die WĂŒnsche auf der magischen WĂŒrminsel "PlĂŒdenberg" in Menzing bei MĂŒnchen wahr werden konnten. Der Wunsch sollte jedoch außergewöhnlich stark sein. Es sollte reichen, einfach auf die Insel zu kommen, am Ufer des magischen Menzinger Sees zu sitzen, sich etwas zu wĂŒnschen und sich mit Wasser aus dem See zu bespritzen.

So nahm Kaspar im Jahre 1409 seine Frau, kam auf die Insel und tat alles nach alter Sitte. Und bereits nach einem Jahr hatten sie ein blondes MĂ€dchen namens Agnes.

18 Jahre spÀter entspannte sich Albrecht, der einzige Sohn des Herzogs Ernst, in den Augsburger BÀdern nach seiner Teilnahme an einem Ritterturnier. Dort lernte er die schöne Baderstochter Agnes Bernauer kennen und verliebte sich in sie.

Er widmete der Bernauerin das folgende Liebeslied:


Als eine alte Seele
trieb mich bestÀndig um
nur Dunkelheit, nur Leere.
Ich war so taub, so stumm...

Man schenkte mir ein Leben,
die TrÀume im Fluss der Zeit,
die Freude an der Freiheit.
Damit kam ich soweit.

Dem Jubel meiner Seele
fehlte noch ein StĂŒck,
bis ich Dich getroffen hab.
Du bist mein wahres GlĂŒck!



Agnes erzĂ€hlte Albrecht die mystische Geschichte ihrer Geburt, und Albrecht war so fasziniert, dass er auf dieser magischen WĂŒrminsel in Menzing fĂŒr seine Gemahlin das Schloss Blutenburg baute, wo sie glĂŒcklich zusammenlebten.

1433 ernannte Herzog Ernst seinen Sohn zum Regenten in Straubing, weshalb Albrecht und Agnes sich fast gÀnzlich in Straubing und nur selten im Schloss Blutenburg aufhielten.

Die nicht standesgemĂ€ĂŸe Liaison missfiel Herzog Ernst, und nachdem Albrecht sich nicht von der Bernauerin trennen wollte, sah sein Vater keine andere Möglichkeit, als Agnes unter dem Vorwurf der Hexerei anzuklagen und zum Tode verurteilen zu lassen.

Nachdem man Albrecht auf Erlass seines Vaters nach Landshut entfĂŒhrt hatte, wurde Agnes Bernauer am 12. Oktober 1435 von einer BrĂŒcke in die Donau gestoßen. Agnes' Leiche wurde aber nie gefunden...

Sehr betrĂŒbt von Agnes' Tod zog sich Albrecht in das Schloss Blutenburg zurĂŒck. Völlig unerwartet kam wenig spĂ€ter Agnes' Vater Kaspar Bernauer zu ihm, und in seiner Kutsche war eine erstaunliche Überraschung versteckt.

Bevor diese mysteriöse Geschichte fortgesetzt werden kann, ist es notwendig, etwas ĂŒber die besonderen UmstĂ€nden der Hinrichtung zu erzĂ€hlen...

Kurz vor Agnes' Verhaftung war Kaspar Bernauer nach Straubing gekommen, um seine Tochter zu besuchen. DarĂŒber hinaus traf er seinen alten Freund Jacob, der als lokaler Henker in Straubing arbeitete. In seinen alten Tagen war Jacob oft bei den Bernauers zu Besuch, und er kannte Agnes schon seit ihrer Kindheit.

Nun sollte ausgerechnet Jacob das Todesurteil vollstrecken. Da Agnes fĂŒr ihn immer wie eine Schwester war, entwickelte er einen Rettungsplan. Am Ort der Hinrichtung auf der DonaubrĂŒcke ersetzte er das Seil, mit dem er Agnes die HĂ€nde band, durch ein halb verschlissenes. Bevor er sie dann von der BrĂŒcke stieß, flĂŒsterte er Agnes ins Ohr: "Das Seil ist faul. Versuch dich zu befreien und schwimm unter Wasser zu einem Busch. Verzeih mir."

Mit diesen Worten schubste Jacob die arme Agnes von der BrĂŒcke.

Die Hinrichtung war vollzogen, und die Zuschauermenge begann sich zu zerstreuen.

Nachdem alle gegangen waren, tauchten Kaspar und Jacob in die Donau, um nach Agnes zu suchen. Sie fanden den bewusstlosen Körper, und zu ihrer Überraschung war Agnes noch am Leben.

In einer Kutsche brachte Kaspar Agnes heimlich zum magischen Menzinger See in der Hoffnung, sie mit dessen wundersamen Wasser zu heilen.

Als die Kutsche die Burg erreichte, rief Kaspar sofort nach Albrecht. Der erkannte die Stimme seines Schwiegervaters, kam zu ihm hinaus und gemeinsam trugen sie Agnes zum Seeufer. Albrecht war außer sich vor GlĂŒck, weinte, lachte, umarmte und kĂŒsste seine Geliebte! Agnes lĂ€chelte in TrĂ€nen, konnte aber kein Wort sagen...

Alle drei wĂŒnschten sich leidenschaftlich ihre Heilung und bestreuten Agnes mit dem Wunderwasser... FĂŒr eine kurze Zeit wurden sie von einem grĂŒnlichen Dunst umhĂŒllt und ihre Sinne schwanden... Als Albrecht und Kaspar wieder zur Besinnung kamen, war Agnes verschwunden, und in UfernĂ€he schwamm ein schöner Schwan.

Jahre vergingen und Albrecht fĂŒhlte, dass seine Tage gezĂ€hlt waren. Er ging zum See und wĂŒnschte sich die Wandlung in einen Schwan, um sich endlich mit Agnes zu verbinden. Agnes schwamm auf ihn zu, winkte mit den FlĂŒgeln und bespritzte ihren Geliebten mit magischem Wasser. Wieder umhĂŒllte sie ein grĂŒner Nebel, und kurz darauf schwammen zwei SchwĂ€ne auf dem See! So blieben Albrecht und Agnes als SchwĂ€ne fĂŒr immer zusammen.

Damit endete das Manuskript.

Diese mystische Geschichte ereignete sich im 15. Jahrhundert im Schloss Blutenburg. Im Jahr 2013, im Vorbereich von Schloss Blutenburg, errichtete der Bildhauer Joseph Michael Neustifter im Auftrag des Stifterehepaares Ursula und Fritz HeimbĂŒchler das Denkmal fĂŒr die liebende Bernauerin und gab ihm den Titel "Ein Denkmal fĂŒr die Liebe". Immer, wenn ich seitdem das Schloss besuchte, spĂŒrte ich, dass ich durch den Einfluss des Denkmals eine Ladung kreativer Energie erhielt.

Auch dieses Mal, im Mai 2015, nachdem mich das alte Manuskript aus der Ausstellung so beeindruckte, nĂ€herte ich mich dem Denkmal fĂŒr die Liebe. Ich hatte den starken Wunsch, wunderbare PortrĂ€ts schaffen zu können, die positiven Einfluss auf die innere und Ă€ußere Wirklichkeit der Menschen haben wĂŒrden!

Es war niemand in der NĂ€he. Meine Hand strich ĂŒber das Gesicht von Agnes... Plötzlich lĂ€chelte sie und sprach zu mir, dass ich von diesem Moment in der Lage sein werde, solche Portraits zu schaffen, aber nur von der Natur, mit persönlichem Kontakt zu einer Person. GrĂŒner Dunst verhĂŒllte das Denkmal... Das GerĂ€usch von plĂ€tscherndem Wasser weckte mich auf und ich spĂŒrte ein paar Spritzer auf meiner Haut. In der NĂ€he schwammen zwei SchwĂ€ne...

Ich wandte mich wieder dem Denkmal zu, aber es war nichts Ungewöhnliches daran. Trotzdem hat sich etwas in mir gewandelt...

Seit diesem Tag verÀnderte sich meine Wahrnehmung der Welt. Ich begann, diese besondere Vision in meinen Portraits zu reflektieren, und ich bemerkte, dass meine Portraits positiv auf die Menschen wirkten. Ich nannte dieses PhÀnomen "Portrait der inneren Schönheit".

Plötzlich dÀmmerte es mir! Ich hatte den Portraitauftrag von der blonden Frau völlig vergessen! Ich konnte aber meine neue Gabe nicht durch das Abzeichnen eines Fotos aktivieren. Deswegen musste ich die Frau persönlich kennenlernen.

Wir trafen uns in einem CafĂ©. Ich war wie vom Blitz getroffen als ich sah, dass die junge Frau eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Agnes hatte! Und diese Stimme
 Die Stimme war die selbe, in der das Denkmal fĂŒr die Liebe zu mir sprach! In meinen Augen verdunkelte sich, aber ich nahm mich selbst in die HĂ€nde und stimmte mich auf den kreativen Prozess ein.

WÀhrend des Zeichnens erzÀhlte die Frau, dass es ihr sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich nicht gut ginge...

Insgesamt brauchte ich nur wenige Minuten, um das Portrait zu vollenden. Zufrieden verabschiedeten wir uns voneinander.

Einige Wochen danach erhielt ich eine E-Mail von der heutigen Agnes-Schönheit, in der sie mir mitteilte, dass sie eine echte GlĂŒcksstrĂ€hne hatte.

Seit ich die Gabe von Agnes bekam, "Portraits der inneren Schönheit" zu schaffen, fĂŒllte sich mein Leben mit neuer Bedeutung. Und es funktioniert immer wieder!


QUELLEN

1. Marita A. Panzer (2016): Ermordung der Agnes Bernauer, Historisches Lexikon Bayerns

2. Agnes-Bernauer-Festspielverein e.V. (2017): Herzog Albrecht und Agnes Bernauer

3. Raimund Meisenberger (2013): Neustifters Denkmal fĂŒr die liebende Bernauerin, Rottaler Anzeige, Eggenfelden/MĂŒnchen, 11.09.2013


Vielen Dank an Cornelia Kreitmeier, Anna Neumann, Jörg Hahn und Albert Zwilling fĂŒr die UnterstĂŒtzung!

__________________
Alexander Amelkin, MĂŒnchen-Obermenzing

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