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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ALDI vielen Leute an der Kasse...
Eingestellt am 03. 05. 2012 22:07


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HajoBe
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Noch mindestens Acht vor mir. Die Einkaufswagen randvoll. Ist ja Samstag. Es gilt das Wochenende zu √ľberleben. Und was die alles kaufen....! Sonderangebote, weil sie gesondert oder absonderlich angeboten werden. Das Meiste braucht man nicht, ist aber sonderverbilligt. Einfach mitnehmen, man wei√ü ja nie...., denken besonders "die von dr√ľben r√ľbergemacht sind", DDR-Nostalgiker. Dort musste man vor der Warenentnahme anstehen, hier darnach...

Von sechs Kassen zwei besetzt. "Liebe Kunden, wir √∂ffnen Kasse 3 f√ľr Sie!" Prompt schlie√üt die 1.
Die eingepferchten Blumen davor lassen schon die K√∂pfe h√§ngen, trauern einundeinhalb Tagen D√ľsternis entgegen. Montags werden sie dann verwelkt sonderangeboten. Verstr√∂men schnell noch letzten sp√§rlichen Duft treibhausgez√ľchteter Spezies in die brathuhngeschw√§ngerte Luft, die vom T√ľrkenstand vor dem Eingang her√ľberweht. Dort winden sich die letzten Exemplare fetttriefender H√ľhnerv√∂gel ruckartig um die eigene vom Spie√ü durchdrungene Achse.

Das Laufband zur Kasse kriecht nur unmerklich voran. Ist noch weit bis nach vorne. Stau wie auf der Autobahn. Einkaufswagen werden in Hacken und Kniekehlen gerammt. Geht trotzdem nicht schneller.
Eine Frau drängt sich vor. Sie habe nur die Butter zu bezahlen. Da könnte ja jeder kommen, wird aus der Reihe kommentiert. Die Frau sieht ein, dass sie nicht jeder ist und geduldet sich, zumindest dem Anschein nach.
Überhaupt...was so in den Köpfen vorgeht? Das Laufband ruckelt einige unbedeutende Zentimeter weiter. Begrenzungsstäbe - oder wie die Dinger heißen - werden neu zwischen die Warenstapel positioniert, wie beim Staffellauf.

Man solle die Flaschen bitte legen, t√∂nt ein Ruf von vorne. Manche folgen der Aufforderung. Eine ist umgefallen. Der Deckel war nicht zu, der Inhalt ergie√üt sich. Das Zeug scheint klebrig. Der Nochnicht-Eigent√ľmer der Pulle schaut bedripst drein, quetscht sich - Entschuldigungen murmelnd - nach hinten, um eine neue Flasche zu ordern. Die Zahlungsvorg√§nge geraten ins Stocken. Gemaule wird h√∂rbar. Er l√§sst auf sich warten. Wer wei√ü wo die Flaschen standen? Jetzt - er zw√§ngt sich wieder vor. Das Band bewegt sich vielversprechend.

Ein Kind br√ľllt wie am Spie√ü. Sitzt zwischen Krautk√∂pfen im Wagen. Die Mutter hat ihm den Lutscher weggenommen. Muss schlie√ülich erst bezahlt werden vor der Aufl√∂sung im Mund. Der Stiel w√§re umsonst.
Der lange Lulatsch von Mann daneben in seiner Jeans mit dem durchh√§ngenden Hosenboden hat sein Portemonaie in der Ges√§√ütasche verwahrt. Guckt zur H√§lfte raus. K√∂nnte man rausziehen. Der w√ľrde nichts merken. Leichtsinnig sind manche Zeitgenossen.

Aus dem Lautsprecher eine Frauenstimme oder so √§hnlich: Man sollte unbedingt jenes besondere Waschmittel kaufen, die W√§sche w√ľrde sogar sauber damit....Versprechungen! Hoffentlich nimmt das keiner in der Schlange zum Anlass, nochmal zur√ľck zu gehen!
Allmählich wird in verheißungsvoller Entfernung der Kurzhaarschnitt der Kassiererin sichtbar. Das Band kriecht voran, die Menschen machen einen weiteren Schritt Richtung Freiheit.

Das br√ľllende Kind hat sich beruhigt, darf die Sachen aus dem Wagen auf das Band legen. Nat√ľrlich l√§sst es die H√§lfte fallen. Mutter b√ľckt sich. Alle weichen einen Schritt zur√ľck. Mutter ist nicht die Schlankeste.
Plötzlich Stillstand. Die Dame an der Kasse wird abgelöst. Die Neue ist langhaarig, blond, umfangreich, doch nicht hässlich. Wechsel der Geldkassette. Privatgespräch...Verdammt noch mal! Na endlich, sie hat sich auf den Stuhl fallen lassen. Aufatmen in der Reihe.
Die Ware wandert √ľber den Scanner. Der l√§sst den Piepton vermissen, nimmt nicht an. Zweiter und dritter Versuch der Blonden. Dann wird einzeln eingetippt, nochmal gel√∂scht, wieder eingegeben. Jetzt funktioniert es, das Band springt wieder an.

Die Eink√§ufe stapeln sich jenseits der Kasse. Erst jetzt sucht die Frau seelenruhig in den unergr√ľndlichen Tiefen der typischen Damenhandtasche nach dem Geldbeutel, der sich zudem schwer √∂ffnen l√§sst. Scheine werden √ľbergeben, Kleingeld gez√§hlt, einzeln auf den Kassentisch gesch√ľttet. Die Kassiererin sammelt die M√ľnzen auf. Reicht nicht! Alles wieder ins Portemonnaie zur√ľck. Suche nach der Brieftasche. Die Kreditkarte kommt zum Vorschein. Wie war nochmal der Pin? Moment, bitte! Der steht auf einem Zettel im Portemonnaie. Da ist er ja....Eintippen. Die Kasse spuckt die Endlosquittung aus. Dann die Waren in einen zu kleinen Beutel. Der Wagen steht nat√ľrlich im Weg. Vorher noch Vergleich der Eink√§ufe mit dem Kassenbon. Herr-du-lieber-Gott...kann man denn nicht seine Erledigungen in der Woche fr√ľhmorgens machen, wenn die meisten Menschen arbeiten?

Die Reihe einen Schritt weiter, die Kasse r√ľckt n√§her. Die Kassiererin √∂ffnet die Eierschachteln. Fahndet nach verstecktem Diebesgut. Auch zwischen den Seiten von "Wochenend" und "Frau im Spiegel", der einschl√§gigen mittelst√§ndischen Seniorenliteratur. Ein Joghurtbecher hat ein Loch im Deckel. Die Kassendame entschuldigt sich und...steht doch tats√§chlich auf, um Ersatz zu holen. Zu sehen allgemeines Kopfsch√ľtteln, zu h√∂ren verhaltenes Geschimpfe..

An einem Obstbeutel fehlt das Preisschild. Bl√§ttern in der Kladde √ľber der Kasse. Steht offenbar nichts drin. √úber den Lautsprecher klingt gereizt: Bitte, Filialleiter zur Kasse 4.
Warten. Der kommt nicht. Jetzt...es geht weiter.
Das Kind br√ľllt wieder, die Mutter genervt, die Leute frustriert im Wartestand.
Endlich! Ich bin dran. Bezahle.
"Schöner Tag noch!" lässt sich die Blonde stereotyp vernehmen.
Warum können diese Badener Nominativ und Akkusativ nicht auseinanderhalten?
Und √ľberhaupt....Der Tag ist gelaufen.

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