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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
AMBIVA LAND
Eingestellt am 08. 12. 2008 23:54


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Beatifikat
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Ambiva Land


Die TĂĽr ist immer offen fĂĽr dich, mein Kind!
Wie kannst du das deinen Eltern nur antun? Woher hast du das nur? Auf welche schiefe Bahn bist du geraten? Du Schauspieler! Wir haben dich doch immer gefördert.. immer wollten wir nur das beste für dich!
Wann kommst du wieder? Hoffentlich bald!
Das war das letzte Mal, dass du von mir Unterstützung bekommen hast! Gibt man den kleinen Finger – nimmst DU die ganze Hand! Geh zu deinen Schwuchtelfreunden!
Du bist wieder die Alte! Wie schön Du bist! So bist Du unsere Tochter! Wie Du dich anziehst, das steht Dir! Du hast abgenommen!
Du läufst rum wie das Letzte! Du bist gar keine junge Frau mehr! Wie ein Kerl! Schlampig! Ungepflegt! Dick! Du hast Fettwürste! Schäm dich! Iss nicht zu viel! Iss das nicht!
Ich habe dir noch etwas zu essen eingepackt! Lass es dir schmecken! Lass dich umarmen!
Warum lässt du dich nicht umarmen? Ich will dich lieb haben! HAB MICH LIEB! Ich hab dich nur lieb, wenn DU SO BIST WIE ICH DICH HABEN WILL!
NatĂĽrlich verstehe ich, dass Du zurzeit viel um Deine Ohren hast! DU schaffst das schon! Du machst das, ich vertraue Dir!
Du bist nichts! Du wirst nie etwas sein! So wird das nie was! Du hast nicht den Mumm dazu! Du bist eben nicht so!
Dein Zimmer ist zu Recht gemacht. Leb dich nur ein.
Geh mir aus den Augen! Ich will dich nicht mehr sehen!

So bin ich ausgezogen und habe mein Elternhaus verlassen – mit zwei Stimmen in meinem Kopf. Meine Koffer stehen in einer kleinen Wohnung, in einer anderen Stadt, in einem anderen Land. Hier lernte ich IHN kennen.

Ich liebe Dich! Ich hab dich lieb! Du! Meine Liebe! Bist so schön, riechst so gut. Tust mir gut. Gefällst mir wie du dich bewegst. Schön dass es dich gibt!
Ich versteh dich nicht! Wieso bist du so? Kannst du mich nicht verstehen?
Ich verstehe Dich. NatĂĽrlich wĂĽrde ich auch so fĂĽhlen. Komm her!
Ich verstehe dich, aber warum verstehst du mich nicht? Tu was! Ă„ndere das! ..DICH!
Ich will mir Dir zusammen sein. Ich möchte eine Waschmaschine mit Dir, ein gemeinsames Bad mit Zahnputzbecher und zwei Zahnbürsten darin.
Ich will allein sein. Deine Haare stören mich. Du bist schmutzig! Du bist aufdringlich! Du bist seltsam.
Lass uns das gemeinsam anpacken – zusammen. WIR beide.
Mach dich doch nicht abhängig von mir. Entscheide du – ich hab so entschieden. Lass mich in Ruhe. Geh jetzt!
Bleib doch. Ich habe eine Ăśberraschung fĂĽr dich. Ein Geschenk. Ich begehre Dich! Ich will dich!
Warum schläfst du nicht mit mir? Warum küsst du mich nicht? Warum berührst du mich nicht!? Ich hasse dich!
Wir sind ein Paar.
Ich will nicht mehr – ich will mich trennen.

So bin ich nie mit ihm zusammengezogen – mit zwei Stimmen in meinem Kopf habe ich immer gezweifelt an der Kraft unserer Liebe. Meine Koffer stehen in einer kleinen Wohnung, in einer Stadt, in einem Land – mir unbekannt, fremd.

Ich fühl mich wohl hier. Alles ist da. Ein gutes Gasthaus mit guten Gerichten. Ein schönes Lokal mit netten Menschen. Ein Fluss mit kleinen Booten, Wiesen mit tollenden Hunden und spielenden Kindern.
Ich gehöre nicht dazu. Ich bin allein – jeder sieht: ich bin allein. Niemand ist da. Zu niemand kann ich gehen.
Ich werde heute Fahrradfahren, baden, singen, tanzen.
Ich bin zu nichts fähig. Gelähmt. Schwer und nutzlos.
Mein Telefon klingelt. Ich telefoniere. Ich antworte auf mails. Ich öffne meine Türe, weil es geklingelt hat. Ein Freund tritt ein.

So habe ich ausgepackt - zwei Stimmen sind in meinem Kopf.
Meine Koffer stehen in einer kleinen Wohnung, in einer Stadt, in einem Land – in einem Land.






__________________
Linda

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jon
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Ich wünsche dir, dass du die Balance findest – den "gefühlten Lagrange-Punkt" zwischen "komplett angenommen" und "komplett abgelehnt".

Zum Text:

Ich hatte ein echtes Problem damit, den ersten Teil zu glauben. Eltern, die tatsächlich so sprunghaft zwischen den Extremen agieren, mag es geben ("gestörtes Verhalten") – aber so, dass das Kind BEIDE Teile als "echt" annimmt? Offenbar war es bei dir/dem LyrIch so – oder deine/seine Wahrnehmung hat sich verschoben.

Eigentlich entsteht bei einem Kind in so einer Situation aber doch eher ein Misstrauen gegenüber dem Lob, so dass das Problem nicht der Gefühlswechsel zwischen "angenommen" und "nicht angenommen" ist, sondern die Vermutung, dass das "angenommen sein" nur vorgetäuscht wird. Das mag nur ein Nuance sein, aber die entscheidet für mich (in dieser Art des Erzählens) über "glaubbar" und "nicht glauben".
Versteh mich nicht falsch: Auch das führt zu ganz ähnlichen Situationen wie in Teil 2 und 3 – aber Teil 1 klingt, so betrachtet, "falsch plakatiert".
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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