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Leselupe.de > Kurzprosa
ATEM
Eingestellt am 12. 01. 2002 17:58


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Manfred Ach
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2001

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ATEM

Atman, im Sanskrit ursprĂŒnglich der Atem, dann die Lebenskraft, die Persönlichkeit, das Selbst; in der indischen Philosophie die Seele. Wenn ich mir das so ĂŒberlege. Sie atmen alle, sie atmen sogar im Wasser: WĂŒrmer, Krebse, Wasserschnecken, Muscheln, Seeigel, Fische, Amphibienlarven. Der Atem der Natur. Und ich mit eingestĂŒlpten SĂ€cken und SchlĂ€uchen, die OberflĂ€che von kleinen Blutkapillaren umsponnen, nach innen getaucht, gestaffelte und geschachtelte Kammern und AuffĂ€cherungen. Über 100 Quadratmeter FlĂ€che. Und elastische Fasern und Erweiterung und VerlĂ€ngerung des Brustkorbs und Auf- und Absteigen des Zwerchfells. Und ein luftleerer Spalt zwischen der InnenflĂ€che der Brustwand und der LungenaußenflĂ€che, der auf die Lunge eine Zug- oder Saugwirkung ausĂŒbt. Und dringt Blut oder Luft in diesen Spalt, so ist der Teufel los und die Lunge fĂ€llt in sich zusammen und nimmt nicht mehr an der Atmung teil. Das natĂŒrliche Ende des Atems der Natur.
EingestĂŒlpte SĂ€cke und SchlĂ€uche. Die im Osten fangen mit AtemĂŒbungen an. Befreien ihr Selbst. Schauspieler fangen auch mit AtemĂŒbungen an. Das Gebet ist das Atemholen der Seele, steht im Katechismus. Befreien ihre Seele. Machen sich bereit fĂŒr Obsessionen. Hauchen Atem aus und ein. Paradiesisch. Blasen ihre Seele auf wie bei einer SĂ©ance. Der Atem der Natur etc., aber lassen wir das Teorema. Das Sanskrit war noch nĂ€her dran, ist aber nicht so bĂŒhnenwirksam. (Wie starb MoliĂšre?).
Eine vollstĂ€ndige Erneuerung der Luft tritt nie ein, weil ein Teil der Luft nur in den AtemgĂ€ngen hin und her geschoben wird. Geregelt wird die Zahl der AtemzĂŒge durch den Zustand des Blutes, der das Atemzentrum umspĂŒlt. Vor Angst bekomme ich Atemnot und vor Atemnot Angst. Der Fachmann nennt das KohlensĂ€ureanhĂ€ufung im Blut. Blut kann man natĂŒrlich fasten und waschen. Neuer Wein gehört in neue SchlĂ€uche. Wer sich in Sanskrit auskennt, kennt sich aus. Ekstase reinigt, sagten die Alten. Bei allzu hĂ€ufiger Reinigung hat man am Morgen Blutdruckschleier vor den Augen, die muss man lĂŒften, der Puls geht flach und langsam, und man atmet mit Bauch- und Flankenatmung wie ein SĂ€ugling. Und beim SĂ€ugling treffen sie sich manchmal wieder, die Ekstase und der Seestern, die Schauspieler und die Kopfsteher, die Seele und der Atem der Natur. Und der Engelmacher, der Bier und Weinkrampf in einem Atemzug hinunterspĂŒlt.

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Manuel
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Hm da stockt einem ja der Atem!! Ich glaube es stimmt, dass das Atmen wirklich wohl fast identisch mit dem Leben ist, auch wennich nichts vom Sanskrit verstehe. Allerdings glaube ich, dass der Mensch mehr als nur der Körper ist. Also glaube ich, ist die Seele zwar beeinflußbar aber wird trotz Atemstillstand nicht verenden...

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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echt

beeindruckend, wie du aus atem eine geschichte zauberst. da wird man ja ganz atemlos! ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Atem

Hallo Manfred,
recht interessant deine AusfĂŒhrungen. Kam in Versuchung zu denken, aha, medizinische Abhandlung.
Dennoch frage ich mich schon lange: Wer sagte: Es atmet mich? Denn es geschieht, wir können nicht einfach den Atem anhalten oder willkĂŒrlilch steuern (doch bedingt bei AtemĂŒbungen. Doch woher kommt dieser Atem, der uns erst zu Lebenden macht.
Gruß
Sansibar

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