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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Abbé
Eingestellt am 29. 10. 2006 12:55


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Inu
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Abbé


Samstags morgens schlenderte ich oft über den Frankfurter Trödelmarkt am Mainufer zwischen Eisernem - und Holbeinsteg.

Eines Tages fand ich in einem Karton unter alten Dokumenten und vergilbtem Schriftkram, der einst wichtig gewesen, jetzt aber offensichtlich sinnlos war, ein Couvert. Aus dem Couvert fielen mir zwei Schwarz-weiß-Fotografien entgegen. Es waren, mit blass-bräunlicher Patina überzogen, die Aufnahmen eines sehr jungen Mädchens in strengem, religiösem Habit, mit großen, dunklen Augen und Nonnenhaube um das schmale Gesicht. Mein Herz schlug schneller, meine Neugierde erwachte, weil im gleichen Couvert noch zwei zusammengefaltete, handbeschriebene Briefbögen steckten. Wer oft in verlassenen Sachen stöbert - ich tat das professionell, besaß damals ein kleines Antiquitätengeschäft - der erkennt augenblicklich das Wertvolle unter dem Plunder. Diese Bilder und Bögen waren nicht wertvoll, aber sie zogen mich magisch an.

Mir war klar, hier hatte ich Fotos und Aufzeichnungen vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Händen. Leider fehlte der obere Teil des einen Briefbogens. Er war anscheinend absichtlich weggeschnitten worden, sodass mir die ersten Sätze der Aufzeichnung unbekannt bleiben mussten. Neugierig begann ich die Sütterlinschrift zu lesen, mit der ich mich schon vor Jahren - auch dies aus beruflichen Gründen - vertraut gemacht hatte:

...... „Nehmen Sie Ihren Mantel, kommen Sie mit, stellen Sie keine Fragen!“, sagte er, und legte seine Hand auf meine Schulter, ER, dessen bloßer Anblick mir Schauder der Erregung durch alle Adern jagte, er, der berühmte Abbé, der Mann, den ich lange schon aus der Ferne begehrte ... und fürchtete.
Niemand hätte je vermutet, dass er sich mir nähern würde, die ich so jung, unwichtig, mittellos ...
Ich wusste, er bedeutet viel in der Welt. Er wird von unzähligen Menschen verehrt, von anderen gehasst, von seinen frömmlerischen Glaubensbrüdern nicht wirklich verstanden ...

Was er der Menge bedeutet, bewegt ihn nicht. Ich spüre es. Er ist sich selbst genug. Sein Geist ist ebenso mächtig, wie seine äußere Schönheit jeden Betrachter in ihren Bann zwingt.
Ich habe lange Zeit versucht, aus der Ferne seinen Gedanken zu folgen, seinen Gedanken und Vorstellungen, die weit über unser Land hinaus wahrgenommen und diskutiert werden ... Nein ich konnte ihnen nicht folgen. Mein Verstand, meine Bildung - so sehr ich mich auch abmühte - reicht nicht bis in seine Höhen hinauf.
Aber die Kraft seines Geistes würde nur halb so viel Anziehung auf Menschen in aller Welt ausüben, wenn er nicht so dunkel, geheimnisumwittert, undurchschaubar wäre. Für mich nicht erreichbar. Seine hoch aufragende Gestalt, die engen, nachtschwarzen, alle menschlichen Schwächen kühl registrierenden Augen, in deren Grund stets eine düstere Flamme zu lodern scheint ......





Hier war der Rest des Bogens glatt und sauber wie mit einer Schere, weggeschnitten. Schluss.
Es gab aber noch den zweiten Bogen. Ich las:


...... Er sagte kein einziges Wort. Er war in mir und gleichzeitig hielt er mich wie mit eisernen Bändern gefesselt. Ich war hilflos. Ich war so unendlich klein und zierlich, verglichen mit seinem kraftvollen Körper, den ich überall an dem meinen, um den meinen geschlungen, gleichzeitig den meinen tief ausfüllend, wahrnahm. Ich war vollständig von ihm eingehüllt und durchdrungen. Er hatte mein ganzes Sein an sich gerissen und während ich vor Schmerz nicht aufhören konnte, zu schreien, war ich doch von unsagbarer Lust erfüllt. Er tat mir weh. Noch nie hatte mir ein Mann so weh getan. Doch der Schmerz war kostbar und es schien mir, als ob ich mich auflöste unter seinen erbarmungslosen Stößen. Er nahm abwechselnd Vagina und Anus in Besitz, mein Aufbäumen und Wehklagen fochten ihn nicht an. Er hielt mich umfasst, an sich gefesselt, er schien hundert Kräfte zu haben, die mich an seinen Körper banden. Jede einzelne seiner Zellen schien sich mit jeder der meinigen zu vereinen. Was machte er nur mit mir? Diese Wollust war mehr, als ich aushalten konnte. Ich fühlte ... ich würde gleich ohnmächtig werden. Hatte er mir, zusammen mit dem roten Wein beim Nachtmahl, eine Droge eingeflößt? Ich spürte mich eins werden mit ihm. Er hatte mich übernommen, nein, mich in sich aufgesogen, ich war plötzlich ein Teil von ihm, als ob er mich in sich integriert, mein Selbst ausgelöscht habe.
"Lassen Sie es geschehen", sagte er.
Da wusste ich: Er war ALLES. Meine Seele war in seiner Macht. Von nun an würde ich nie mehr nach Gott suchen müssen.

Ich erwachte auf dem fremden Bett, als die Sonne schon hoch im Mittag stand. Er war nicht da. Durch das offene Fenster hörte ich Meereswellen rhythmisch ans Ufer schlagen. Auch drang Kiefergeruch vom nahen Wald herein.

Ich war in mein züchtiges Kleid gehüllt, die Knöpfe bis zum Hals zugeknöpft. Ja, ich trug wieder das weiße Kleid, mit dem ich zu ihm gekommen war ... er musste es mir angezogen haben, denn ich war nackt gewesen während der ganzen Nacht. Er musste mich auch mit der silberbestickten, roten Seidendecke zugedeckt haben, unter der ich nun lag. Das letzte, was ich von der Nacht erinnerte, war, dass er mich nackt auf seinen Armen zum nahen Meer, zum Strand getragen, dass er mich immer wieder ernst und schweigend genommen ... ...

Kaum hatte ich Zeit, meine Gedanken halbwegs zusammenzufügen, als er schon ins Zimmer trat. Er kam zu meinem Bett, beugte sein Gesicht über mich. Auch er war vollständig angekleidet.
„Ich liebe dich, ich liebe dich“, stammelte ich und streckte die Arme begehrend nach ihm aus.
Da sprang mich sein Blick an, fremd, kalt, gleißend wie eine Klinge aus Stahl. Und doch glaubte ich für eine Sekunde Bedauern, auch Zuneigung in seinen Augen zu spüren. Er wandte sich zur Seite:
„Ich werde Sie jetzt verlassen“, sagte er und ging zur Tür.

Mit einem Sprung war ich aus dem Bett, warf mich zu Boden. Ich umklammerte seine Füße, küsste die Spitzen seiner Schuhe und Tränen brachen mir aus den Augen. Er hob mich behutsam auf und sah mich lange an:
„Sie werden mich nicht kontaktieren, und Sie werden niemals einem Menschen von dieser Nacht erzählen. Ich verlange es", sagte er ... "jetzt lasse ich Sie allein. Wenn Sie ausgehbereit sein werden, läuten Sie die kleine Glocke da neben dem Bett. Ein Diener wird hereinkommen und sie dem Kutscher übergeben. Er wird sie nach Hause bringen. Fragen Sie nichts. Es wird Ihnen ohnehin niemand antworten."

Nun erst spürte ich, in welch außergewöhnlichem, ja entrücktem Zustand ich mich befand und wie mein Leib noch immer von seinem Liebemachen brannte, lohte, bebte. Ich wusste, dass ich für alle anderen Männer verloren war.

Zurückgekehrt in meine gewohnte Welt, stellte ich fest, dass mir mein früheres Tun und Lassen, die Freunde und Vertrauten, die alten Wünsche und Freuden nichts mehr bedeuteten. Immer spürte ich IHN in mir und um mich, war eingetaucht in seine Kraft, in seine Dunkelheit. Ich würde ihm gehören, auch wenn er mich niemals mehr seiner Nähe für würdig befinden sollte ...


Am 18. Mai 1888 trat ich ein in den Konvent unserer lieben Frau vom heiligen Rosenkranz, wo ich mich jetzt schon seit zwanzig Jahren befinde. Ich habe ihn nur noch zweimal ...

Auch der Rest dieses Bogens war fein säuberlich mit der Schere abgetrennt ...


*




Copyright Irmgard Schöndorf Welch, den 29. Oktober 2006




Version vom 29. 10. 2006 12:55
Version vom 17. 08. 2008 07:36
Version vom 17. 08. 2008 07:55

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Law
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@ Inu,

ein guter Einstieg eine Story dieser Art zu konstruieren.
Diese Devotion einer Frau die diesen " Egomanen" noch die "ewige Treue" schwört. Ich hoffe man liest nicht heraus wie widerlich ich dieses für mich empfinde. Aber eben auch diese Art der Erotik ist existent und wird klasse in Bilder umgesetzt. Auch gut zu argumentieren das Blatt wurde abgeschnitten bzw. ist nicht vollständig um eben lediglich einen kurzen Blick zuzulassen ist eine für mich schöne Idee.

Gruß
LAw

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Burana
Guest
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Dem stimme ich voll und ganz zu.
Liebe Grüße, Burana

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lapismont
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Hallo Inu,

ich weiß nicht, stilistisch sind mir die Bögen zu modern. Das sollte noch mehr nach Kaiserzeit klingen.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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Inu
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Hallo Law und Burana

Ihr seid hin- und her gerissen - wenn ich das recht verstehe -und auch nicht so ganz von dem Text begeistert. Ich hab die Briefbögen einfach abgeschnitten, um die Geschichte schneller und lebendiger zu machen und erotische Überlängen zu vermeiden. War einfach mal so eine Idee.

Ich danke Euch fürs Lesen und Kommentieren

Ich werde wahrscheinlich als Titel: Abbé nehmen. Ist ein männlicher Vorname, bedeutet aber auch Abt. Mir ist bis jetzt nichts Besseres eingefallen.

Liebe Grüße
Inu

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Inu
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Lap
Du schreibst:

quote:
ich weiß nicht, stilistisch sind mir die Bögen zu modern. Das sollte noch mehr nach Kaiserzeit klingen.
Kaiserzeit ja ... aber worauf sollte sie sonst geschrieben haben? Briefbögen hört sich wirklich sehr sachlich ( zu sachlich an ), ein Notiz- oder Tagebuch mit nur zwei Seiten wäre auch merkwürdig, oder? Vielleicht weißt Du ja Abhilfe?

Liebe Grüße
Inu

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