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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abbruch der Beziehungen
Eingestellt am 27. 08. 2012 20:54


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Kaspar Neumann
Hobbydichter
Registriert: Jan 2001

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Abbruch der Beziehungen

Ein kurzer Abriss des Himmels

von Matthias Nowak


Stellt man die Schrift, ĂŒberrascht man sie in den dunklen Regalen der Buchhandlungen, in den dĂŒsteren Sackgassen der Bibliotheken, wie sie ihrem Verbrechen nachgeht, heißt das nicht, dass der Schriftsteller ĂŒber jeden Zweifel erhaben ist. Äußerlich mag er ein gutes Werk vollbracht haben und weitere Verbrechen verhindert haben. Innerlich hat er sich schon lange von der Schrift korrumpieren lassen. Er macht gemeinsame Sache mit ihr und deswegen kann man dem Schriftsteller grundsĂ€tzlich nicht glauben, wenn er von Verbrecherjagd spricht. Blumig etikettiert er seine tiefen Verletzungen und Seelenkrater und umgarnt seine Leser und Kritiker mit den Einzelheiten seines ask?ethischen! und Ent BĂ€h Run GSG Neun Reich Gottes, um sich zum Opfer seines Berufes hoch zu stillem Ross Irisieren. Wie ein Tatort-Kommissar.

Ganz ruhig! Ganz ruhig! Still ruht die Starre auf dem Gesicht einer Puppe. Nur ihre Augenblicke und rasenden Puppenillen verraten die Hektik in ihrem Kopf. Ihr Haupt ruht auf der Verkehrsstraße der Innenstadt. Sieben Uhr dreißig im Stau. Seit Monaten drĂ€ngeln sich alle um diese Zeit an einer Baustelle vorbei, die sich eines Tages grundlos auf die Straße gesetzt hat, um sie zu blockieren. Sie will auf die Arbeit. Der Wille, ein Trieb im Schoppen haut er Sinne, wird hier herunter gedrĂŒckt wie der Knopf in der AutotĂŒr. Verschlossen, verpackt, eingeengt, fĂ€hrt sie, die sich Nina nennt, zur Arbeit.

Schimanski trug immer einen grauen Trenchcoat. Ich trage immer unvollstĂ€ndige Gedanken, die zu nichts fĂŒhren, außer Abriss Reifen SĂ€tzen. Mir fehlt die Geschichte zum Erfolg oder der Erfolg zur Geschichte. Ich höre unverkĂ€uflich durch die Straßen, die sich wie Regale in einem Kellerarchiv fĂŒr deutsche Hektoliter auf Tour aneinander reihern und schmiegen, auf der Suche nach der einen bedeutsamen Geschichte, die mir Erfolg bringt.

Schaufelblatt bricht in Kies ein. Splitter fliegen umher. Staub pudert Nebel ĂŒber den Untergrund unter der Teerschicht. Acht Uhr dreißig. Heiße Sonnenstrahlen fließen ĂŒber seinen RĂŒcken und seinen Hinterkopf. Schweiß bricht den Hautdamm und das Tropfenheer fĂ€llt auf seinem Körper ein wie mordsĂŒchtige Reiterhorden. Es wird ein unangenehmer Tag. Er ist das ErdmĂ€nnchen. Mit einer Schaufel bewaffnet, grĂ€bt das ErdmĂ€nnchen seinen massigen Leib in die Unterschicht ein. Seit fĂŒnfunddreißig Jahren schuftet er fĂŒr Gott, Vaterland und die Familie. Der Zweck heiligt das Leben. Gott+Vaterland+Familie=heilige Dreifaltigkeit des Nichts. Gleichung ohne Inhalt. BruchstĂŒcke durch Null dividiert. Die Schweiß Raider horten den Sinn ohne Vers Tand.

Jörg starrt auf Veronikas Lippen. Volle FleischwĂŒlste, gut durchblutet, wie feine Rotwurst in der Auslage des Metzgers, genauso pökelsalzig, genauso bewegungslos. Dass FrĂŒhstĂŒck ist der Vogel fĂ€ngt den Wurm, ohne Wurm und Kaffee, the Cross Saint, Murmel lade und hartgekochtem Ei beginnt der Tag ohne einen rechtswirksamen Anfang. Der Urlaub ist die Verhandlung. Jörg, der Angeklagte, wird von Veronika in ein stummes Kreuzverhör genommen. Sie will etwas sagen, ihn fragen, vielleicht, was er denkt oder denken könnte, ob er ansonsten eventuell wirklich morgens auf die Arbeit geht, ob er jemals daran gedacht habe, sie wirklich lieben zu können, auch wenn sie ihm kein Nachwuchs gebĂ€re. Die GebĂ€rde fehlt, mĂŒndlich, gestisch. Deswegen wartet er darauf, dass ihre Lippen sich bewegen, sich formen, auftĂŒrmen, bis sich aus ihrer tiefen Kehlenschlucht ein riesiger Sturm erhebt, der ihn erfasst, der ihn glauben lĂ€sst, dass sie nicht die StaatsanwĂ€ltin, sondern die Zeugin der Verteidigung sei, die endgĂŒltig den ĂŒber ihn gebrochen Stab wieder flickt und ihn in den Stand der Menschen erhebt. Der Mensch muss wissen, wo er hingehört. Jörg hat gehört, dass er nichts hört und deswegen nirgendwo hingehört. Fehl am Platze.

Der Schriftschuft schuftet den ganzen Tag, die ganze Nacht, unsichtbar in seiner Kopf K Lause, unter den Fair Laus T N Haaren. Arbeit, die nicht bezahlt wird, die keinen N-Wert hat. Er entkernt seine wahllosen zufĂ€lligen Begegnungen, liest in den Gesichter und Körpern, seine Pfannenamnesie erschafft den Rohbau und er fĂŒllt sie an mit Geschichten, denen er Bedeutung beimisst. Der erfolgreiche Schriftsteller findet das richtige Maß eines möglichst großen Leserteigs, der bereitwillig gĂ€rt und wĂ€chst und wie ein Hefeteig bei ausreichender Temperatur ĂŒberall festklebt. Findet man das Maß, indem man die Wirklichkeit kopiert oder mit der LĂŒge kopuliert? Das Geld ist das Maß des Erfolges. Ist der Erfolg erfolgt, mir gefolgt, wenn ich Wahrheiten erkenne? Wer bezahlt mir die Wahrheit? Wollen wir nicht alle B-logen werden? Ich sitze in der Fußball Drogengang Ostzone und lutsche an meinen Lippen, um den bitteren Geschmack des Kaffees und meiner Ex-Konsistenz Weck zu B-kommen. Weckt mich ein Gesicht? Kann ich es entkernen, ihm eine Geschichte zuordnen? Niemals, niemals, niemals finde ich die Wahrheit. Ich bin nur ein Ordner, mit einem Schild auf dem RĂŒcken, der meinen Inhalt beschreibt: Auf der Suche nach einer Geschichte inmitten der Stadt, um ruhmsĂŒchtig mit der LĂŒge Unzucht zu betreiben. Darunter in Klammern: und dann auch noch Wahrheit und Erkenntnis zu heucheln. Bezahle mein Kaffee und gehe fort. Ich folge dem Er folg.

Singsang eines fund Affen mentalen Ei-Fahrers:“Gott ist ĂŒberall. Sein Sohn Jesus hat uns diese Boot schaft ĂŒberbracht. Rette sich, wer kann. Senioren und Wohlhabende zuerst.“

Nie nach dem Woher und Wohin fragen.

Nie nach den HÀnden fragen, die geschickt Pullover, T-Shirt und Hosen in eine imaginÀres G-Stell packen, in Form bringen.

Nina schickt ihre HĂ€nde, beauftragt, entmĂ€chtigt sie und fragt nicht nach ihnen. Gottvertrauen in die FĂ€higkeit der HĂ€nde. Als könnte den HĂ€nden nichts passieren, als könnten sie ewig befreit von SĂŒnde Pullover, T.Shirts und Hosen in das ImaginĂ€re packen. Ihren Kopf hat sie schon lange vernachlĂ€ssigt. Alle ihre Horror Mormone, M-Otionen, G-Danke sagen der Mami, auch wenn es schwer fĂ€llt, schwappen in der Hirnschale umher wie in einer Sektbowlingkugel, die ein Schlafwandler auf dem Dachfirst seiner TrĂ€ume balanciert. Kann es so etwas geben?

Ver Ronika hat die TĂŒr zu ihrem Herzen Ver riegelt. Viel leicht hat er ihn aus Ver sehen weggeworfen. Viel schwerer ist es, den Punkt zu benennen, an dem er die Kontrolle verloren hat.

Die HĂ€nde haben keine Pause. Sie sind Sklaven am GĂ€ngelband zweier Arme, die die Befehle ihrer Herrin R-barmungslos weitergeben und ihre AusfĂŒhrung ĂŒberwachen. Die HĂ€nde sind dressiert, darauf abgerichtet ihr Handy in die Hand zu nehmen und mit verwinkeltem Daumen verzweifelte Nachrichten in den Himmel zu senden.

Verflixtes ErdmĂ€nnchen hört nicht auf seinen Polier. Sofort Aufhören! Der Bagger soll sich in die Erdwunde graben, die das ErdmĂ€nnchen mit schweren Armen und gebeugten Oberkörper mĂŒh selig sind die geistig Armen, denn ihnen ist das Erdreich, im Himmel so auf Erden, fĂŒr den Bagger vorbereitet hat. Die Zeit rennt weg. Der Polier steht am Rand des Erdloches und schreit unverstĂ€ndliche Hiebe hinein. Keiner kann das ErdmĂ€nnchen leiden. Der Chef, ein Philadelphia FrischkĂ€se Trophy, hĂ€lt an ihm fest, kann den alten Mann nicht in Rente schicken. Der alte Mann braucht Geld. Zuhause erwarten ihn eine schiefe Alte und die Armut. Dem Polier ist das egal. Er hat Termine einzuhalten. Er weist den Baggerfahrer an, die Schaufel seines ArbeitsgerĂ€tes genau ĂŒber das ErdmĂ€nnchen zu heben. Das ErdmĂ€nnchen spĂŒrt den Luftzug nicht, riecht den Schatten nicht. Das Schaufelblatt kratzt unermĂŒdlich am Kies. Er wird erst wach als ein Tyrannosaurus Rex sich zu ihm herabsenkt und ihn anblafft. Die Dinosaurierschaufel hebt sich ĂŒber ihn und er fĂ€llt in den Staub zu Staub, Asche zu Asche.

DENKST DU AN TEMIN

HEUTE ABENT UM 17.00 BEI MEINE KOSMETIK IM HINTERHOF NICH VERGESEN DEIN SCHNUZI

OH
.HAT MICH VATGESEN: MELDEST DICH NICH. SCHNUZI IS

Der Ei-Fahrer hat ein Sing-Sang Problem. Möchte er doch klingen wie ein Mönchschor in einem Dom. Es kommt nur RÀuspern und Katztratenbrei.
„See Licht sind die, die Gottes Wort hören und B-Waren.“ Nicht nur Gottes Wort ist eine Ware, denke ich, als der Ei-Fahrer mit seinem selbstgebastelten Schild wie ein Knappe des Himmels mit seiner Stand Arte an mir zum drittenmal am dem selbigen Morgen vorbei schreitet. Mein Produkt sind die eigenen Worte, herausgeschĂ€lt aus dem Hirnkasten, verbreitetet wie ein Giftgas, unbegreiflich und nur mit Gasmaske zu ertragen. Hat mein Therapeut nicht gesagt, ich solle nicht so schlecht ĂŒber mich und mein Produkt reden?

MELDE DCHI BR ACHE DOCH DIHC.

WAS IS LOS HASTE MUFFE WOLLTEN ZUSAMEN MACKEN.

Meine Macke: Zehr breche an den Klippen der MittelmĂ€ĂŸigkeit und G-wöhnlichkeit. Klebe am Fels und will sie B-Steigen, mich aufschwingen, mich nicht gewöhnen, wĂ€hne mich im Olymp und bin doch nur ein Sterblicher. Brauche doch nur die eine Geschichte, die ich aus dem Steinbruch der Gesichter, die mir begegnen, herausbrechen muss.

BRAUCHE DICH BEI MIR. MELTE DICH.

Trottet auf dem Trottoire in seinem gleichmĂ€ĂŸigen Trott wie ein Dromedar, die HĂ€nde auf den RĂŒcken gebunden, hinter seinem D-Plazierten WĂŒnschen her. Veronika hat seit Stunden seine Gegenwart geleugnet, durch kurze Seufzer und SelbstgesprĂ€che, die auch an ihn hĂ€tten gerichtet sein können, seine Existenz auf die eines Geistes reduziert. Reduziert wie ein Sonder angeln im Boot. Wenn es so ist, wie es ihm vorkommt, er wie ein Gespenst ĂŒber den Konsumpfad der Stadt wandeln muss, hat er doch eine einzige Machtoption. Jörg entwirft sich neu, baut aus den Ab G rauchten Ruinen einen neuen Jörg. Schluss mit dem Betsy ungS BomB Appartement. Raus aus dem Bombodrom der nicht vollzogenen Liebe. ER kann sich retten, indem ER handelt. Veronika wird nur schmollen. Bis ans Ende ihrer Tage.

Es gibt Hoffnung am Ende des Schachtes. Das Mittagslicht brennt ihm auf das schĂŒttere graue Haar. Zeit fĂŒr Mittagspause. Er arbeitet weiter, pflicht b-wußt, um die RĂŒckstĂ€nde aufzuholen. Nein, nein, nein, um den anderen keinen Anlass zu einem GesprĂ€ch ĂŒber ihn zu geben. Er will seinen Kollegen beim Essen nicht begegnen. Ihre schadenfrohen Augen, ihr jungen Gesichter, sollen seiner nicht angesichtig werden und sich bemĂŒĂŸigt fĂŒhlen, ihn mit HĂ€me zu ĂŒberschĂŒtten. Das machen sie bei jeder Gelegenheit. Wenn aus Empathie Mitleid und aus Mitleid Arroganz wird sieht man die dunkle Seite des Mondes, die Abscheu und dĂŒstere Wahrheit ĂŒber das Menschliche zum dem ein Un gehört. Ein Paar a doxon. 2 Dinge, die 1 sind!!

Unerhört findet Nina sein SMS-Schweigen. Heute Abend war der Zeitpunkt Komma Strich fertig ist das Mondgesicht, das grĂ¶ĂŸte Ereignis, der große Test. HĂ€lt er den Schmerz aus, den sie aushalten muss, um zu sein, wie er es will. Wie eine Puppe mit Porzellangesicht, starre Miene, schön anzusehen, innen leer. Der Feigling.

Enthaarung der Intim Zoo Nee, bitte nicht fĂŒttern, verstehen schon, ist ein Liebesbeweis und der Anlass altmodische Rituale auszulösen, wie z.B. ein Bund der Ehe man es sich versieht, vor Gottes Antlitz, das man vergessen hat, wie die Toten auf dem Friedhof, dem man sich dann auch aussetzt, wenn er spĂ€ter einmal stirbt und die Frauen leben nun einmal lĂ€nger. 1 Schmerz mehr auf der Rechnung, die einen Preis ausweist, den er fĂŒr seine Vorteile bezahlen soll. Aber er prellt die Rechnung und ihr GemĂŒt.

Höre zu: „Du musst ihr direkt ins Gesicht sagen, dass sie Scheiße gebaut hat. So ein Verhalten kann man unter Kollegen nicht dulden. Du gehst ja nicht auf die Arbeit, um dich fertig machen zu lassen.“ Mann und Weib mit Zwei Hosenscheißern und eine Frau, augenscheinlich die Freundin des Weibes, sitzen neben mir und trinken ihren Kaffee. Die Kinder toben um sie herum. Das ist das Leben und keine Geschichte. Die Überschrift in kleinen Buchstaben, grau unterlegt, fast zĂ€rtlich ins Papier gepumpt: Streit mit Kollegin wird mit bester Freundin beim Mittagessen zelebriert. Zerebrale Bewegungsstörungen werden durch Hirn-SchĂ€del-Traumata und Hirnblutungen erworben. Erworben wie ein Schulabschluss, Schwimmabzeichen oder ein Auto. ErwerbsunfĂ€higkeit fĂŒhrt nicht automatisch zur Abwesenheit von Dingen oder AbschlĂŒssen. Ich schweife ab, schweife aus und vorbei. Das ist keine Geschichte. Höre zu:“Wenn nicht, musst du zu deinem Chef gehen, der muss als weisungsbefugter Vorgesetzter deiner Kollegin zurechtweisen. Kennt der nicht die Paragraphen des AGG?“ Überschrift:“Ich, mein Anwalt und meine Rechtschutzversicherung.“ Diesmal pingelig aneinander gereihte Buchstaben in a whiter shade of pale. Mein Lauschangriff beende ich und verlasse die Cafeteria des Kaufhauses.

In der ganzen Stadt Baustellen, Löcher, GrĂ€ben, herausgerissene Kabel und Rohre, die wie ausgeblutete Adern aus dem Fleisch der Stadt ragen. Eine gute Infrastruktur ist die Grundbedingung fĂŒr eine funktionierende Zivilgesellschaft. Nur dann können sich Rechtsstaat und Demokratie entfalten. Weil in einer gesunden Infrastruktur die Wege kurz, die Vernunft angebracht, die Information verfĂŒgbar, die ExistenzbedĂŒrfnisse befriedigt sind. Geteerte Bahnen und grauer Beton schaffen Struktur und machen die Wege frei zu den Herrschaftssitzen des Volkes. Es thront und dröhnt in den SupermĂ€rkten, den Einkaufszentren und KaufhĂ€usern, Ladenketten und bevorzugten GeschĂ€ftslagen. Dort hat das Volk die Macht ĂŒber sich selbst. Indem es konsumiert, schafft es Wachstum und Wachstum schafft ArbeitsplĂ€tze und ArbeitsplĂ€tze schaffen Wohlstand, Frieden und Ruhe. Jörg weiß das. Er hat diese Einsichten als Kind mit der Muttermilch aufgesogen. Aufgezogen haben ihn die Lehrer, das Fernsehen und der kleinste gemeinsame Nenner. Und jetzt mit Ende dreißig, kinderlos, gottlos, bloß, ohne Los mit Hauptgewinn, versteht er, dass er nicht zum Volke gehört. Niemand gehört zum Volke. Irgendwie hat das alles mit Politik zu tun, denn die Politik schafft durch Gesetze die KomplexitĂ€t in dem seine Verzweiflung ĂŒber die Jahre hinweg prĂ€chtig gedieh. Auf Gedeih und Verderb musste alles mehr werden und er fĂŒhlte sich immer schuldig, weil nichts mehr wurde, sondern weniger. Seine Emotionen, seine Ausgeglichenheit, sein Engagement, seine Freude, alles wurde weniger. Der Bundesrepublik Deutschland hat er aber versprochen, dass es mehr wird. Jetzt, am Minimum angekommen, erkennt er seine wirklichen Potentiale als Potentat. ER hat die Macht ĂŒber sich zurĂŒckgewonnen und spinnt sein unsichtbares Netz, dass er ĂŒber seine Mitmenschen werfen wird, um sie zu beeinflussen, um sie zu Taten anzustiften, die sie glĂŒcklich machen und am Schluss wird Veronika von ihm beglĂŒckt. ER wird sie zum Lachen und Sprechen bringen.

Der Irre irrt durch die Irrenabteilung. Vorbei an schwarzen AnzĂŒgen, bunten Hemden und blauen Jeans. Alles fĂŒr die irren Herren. Hier gibt es nur Leben. Keine Geschichten. Vampire, Massenmörder, Zombies, Psychotiker, Zauberlehrlinge, Blut, Schlachtfleisch, Verwestes auf dem Tisch des Gerichtsmediziners, das sind Geschichten, die Geld und Ruhm bringen. Ich kann aber darĂŒber nicht schreiben. Ich kann kein Grauen Fun Da Zieren, Pro Du Zieren. Ich habe kein geeignetes Produkt fĂŒr den Markt. Egal, was mein Therapeut mir einflĂŒstert. Aus lauter Frust, greife ich nach einem in Zellophan gepacktes Hemd und gehe an die Kasse, um es mir zu kaufen. Ich habe noch nicht einmal nach der GrĂ¶ĂŸe geschaut. GrĂ¶ĂŸe ist unbedeutend. An der Kasse ĂŒberrasche ich die Kassiererin, die mit flinken Fingern auf ihrem Handy herumhackt. Sie schaut mich an. Ihren Schrecken kann ich nicht erkennen. Zu starr blicken ihre Augen an meiner Seele vorbei. Das Zellophan verschwindet in einer PlastiktĂŒte, ich reiche meine Plastikkarte zum Bezahlen. Nein, es ist keine Kundenkarte und ich will auch keine. Auf ihrem Namensschild steht Nina. Sie dreht sich sofort weg. Ich habe sie ertappt. Sie ist keine Geschichte. Nur das Leben, wie es ist.

ErdmĂ€nnchen krabbelt in seinen Bau. Weg von der Sonne. In die schattige Gruft. Seine Schaufel zertrĂŒmmert den festen Untergrund und legt eine weiße Schicht frei, die matt Perlen Mutter Farbig, wie Elfen Bein zwischen dem Kies schimmelt. Nieder G-beugt, hinab G-senkt kratzt er mit seinen stumpfen Patina FingernĂ€gel den Staub zwischen Kies und weißer Schicht weg. Er legt ein G-Lenk frei und buddelt sich ein paar Zentimeter in die Tiefe. An dem Knorpelkopf hĂ€ngt ein ganzer Knochen. Unter- Oberarm, Schenkel irgendetwas. Zwischen unfreiwilliger GrabschĂ€ndung und zufĂ€lliger ArchĂ€ologie findet er keinen Gedanken und keine Worte, die sein mulmiges GefĂŒhl hĂ€tten B-Schreiben können. B-Eil Ungerecht ist die Welt, die Gott geschaffen hat.

ICH WILL NICHT MEHR. MACHE SCHLUSS. HOLE HEUTE ABEND MEINE SACHEN.

Un ZĂ€hl igitt Spinnenfeten hat er in den freien Raum gewoben. Die Enden wie weise Punkte an den ExtremitĂ€ten vieler Menschen klebend und alle mit seinem ĂŒbermĂ€chtigen Gehirn verbunden. FĂŒr ihn sichtbare Leitungen, die ER mit unsichtbaren Befehlen beschickt, um diese in die Hirne fremder Menschen zu pflanzen. Sie bewegen sich, wie ER es ihn B-Fohlen stehen auf der Wiese und warten auf den Cowboy, der sie mit dem Lasso fangen will. ER zwĂ€ngt ihnen wie eine Zwangs Kacke seinen Willen auf. Es brennt in seinem Kopf. Wilde Striche, zuckende Glieder zerstĂŒckeln den Raum in kleine Hours d`ouvre.

Ninas HĂ€nde arbeiten prĂ€chtig. FĂŒllen Regale mit Zellophan, schieben Hosen ĂŒber BĂŒgel, fassen Jacken am Revers, schieben sie auf die Stangen. Doch sie schlummert in den welthassenden Traum einer depressiven A Theis Tim schlĂ€gt ĂŒber die StrĂ€nge und verteilt Kirschsaft auf seiner Kinderbibel. Erst zum Feierabend liest sie die Nachricht auf ihrem Handy. Ihre HĂ€nde zittern, erledigen die Trauerarbeit fĂŒr sie. Ihr Gesicht bleibt im Regen stehen. Jeder Muskel, der zucken könnte, lĂ€sst sie die Wassertropfen auf ihrer Haut spĂŒren.
Eine TĂŒte voller kalkiger staubiger Knochen liegt neben ErdmĂ€nnchen. Ein SchĂ€del kommt Vorschein. Ecce Hommo,! Er blĂ€ttert in einem ausgefransten, angefressenen Dokument, das er unter den Knochen gefunden hatte. Feste grĂŒne Pappe, darauf die ausgeblichenen GoldrĂ€nder eines Bundesadlers. Der Vogel aus der alten Bundes Reh Po blickt ErdmĂ€nnchen in die AbgrĂŒnde der Geschichte, die einem Mörder die Gelegenheit gegeben haben, in einer Baugrube eine Leiche zu entsorgen. Das Passfoto zeigt das Antlitz eines jungen Mannes. Die Mode: ein gelber Pullunder, karierte Schultern. Die Frisur: Scheitel nach links, Haare ĂŒberwuchern strĂ€hnig die Stirn. Ein Student, der nachts besoffen in die Baugrube gefallen war. Am nĂ€chsten Morgen hat keiner gemerkt, dass er dort lag und hat ihn unter eine Schicht aus Dreck, Kies und Erde lebendig begraben. Alles Geschichten, die er nicht denken mochte. ErdmĂ€nnchen warf den BPA in die TĂŒte und schlich mit der TĂŒte aus der Grube.

Ich schreibe einen Abriss. Einen Abriss ĂŒber den Abriss des Himmels. Die Abrissbirne schiebt sich langsam in die Mauern des Paradieses und stĂŒrzt Steine ins Verderben. Abbruch, ich breche ab, ich erbreche meine SchriftstellertĂ€tigkeit, ich breche mit meinen Idealen. Die Ideale meines Himmels. Die Vorstellung, ich könne Ruhm mit billigen Schreibertricks ernten, könne auf einer Erfolgswelle in mein höchstpersönliches Paradies surfen, gebe ich auf. Die Stahlbirne versenkt sich in meiner Birne und stĂŒrzt mich in das Leben, das ich nun anerkennen will, weil es keine Geschichten mehr gibt. Schluss mit dem Himmel. Planierte FlĂ€chen, Panierte Erdkrummen. Unter den Pflastersteinen kein Erbarmen. Es gibt keine Geschichten unter den Lebenden. Ich habe Kopfschmerzen.

Die Wirklichkeit zerfĂ€llt. Veronika bleibt. Ihr Gesicht zeigt sich in seinem Blickfeld. Ihre Haare fallen auf seine Nasenspitze. Watte umschließt seinen Körper. Seine Nase mĂŒsste jucken. In Folge mĂŒsse er sich an die Nase packen und sich kratzen.

Veronikas G-Sicht drĂŒckt B-Sorgniserregung aus. Die SpinnenfĂ€den sind verschwunden. Die Menschen gehen wieder ihre eigenen Wege. Das ist nicht schlimm. Er hat sein Ziel erreicht und Veronikas Auf Merk Sam spricht in das Handy und B-Stellt einen Krankenwagen. Jörgs Lider fallen wie schwere Kunststoffroll LĂ€den haben schon geschlossen und öffnen erst am nĂ€chsten Morgen. Keine Macht mehr fĂŒr niemand.

Es wurde dunkel. Noch nicht schwarz. Eher dĂ€mmernd rotglĂŒhend. Der aufgerissene Himmel lag wie eine kochende Erdspalte ĂŒber seinem SchĂ€del. ErdmĂ€nnchen lĂ€uft gemeinsam mit einer blauen MĂŒlltĂŒte durch den Park. Die Arbeitsstelle hat er verlassen, so verlassen, wie er verlassen war, ohne VorankĂŒndigung, Angabe eines Grundes oder Urlaubsschein oder Krankenschein. Er fĂŒhlt sich bedroht. Vom sterbenden Himmel, der unablĂ€ssig Hitze abstrahlt, von dem jungen Mann, dessen Knochen er in der TĂŒte herumschleppt. Seine Einsamkeit vergrĂ¶ĂŸert sich, schwĂ€rmt aus ins Ewige. Er kann nicht bis ans Ende aller Tage mit diesen Knochen unter dem erbarmungslosen menschenfeindlichen Himmel herumlaufen.

Nina lĂ€uft ihrem Termin entgegen. Die Reinigung der Intimzone. Entfernung der Haare, Zerstörung der Natur. Das muss sein. Alles zeigen. Auch ohne Freund, ohne B-Weis ohne B-StĂ€tig rinnt die Wut aus ihrem Leib in ihre HĂ€nde. Sie hat sich das Recht auf Liebe R-Arbeitet. Der Himmel schickt ihr einen Blitzableiter. Eine junge Frau, unscheinbar, hochgeschlossen, den Kopf mit einem rosa Seiden Tuch verhĂŒllt. Man hört ja allenthalben, dass ein unausgesprochenes Vermummungsverbot auf den Straßen gilt, das es nicht gut ist, nichts zu zeigen. Diese Frauen wollen nicht dazugehören, sie wollen das Spiel nicht mitspielen, haben keine Rechte, sind religiöse Fanatiker. Ninas HĂ€nde, als ihr Werkzeug, reagieren auf den persönlichen Angriff einer gegenwĂ€rtigen Gefahr. Es ist nicht gut, nicht schön sein zu wollen. Ninas HĂ€nde packen die Frau, reisen ihr das Tuch vom Kopf. Sie werfen die Frau zu Boden. Nina schaut nach Pelz, schwarzem Flaum im Gesicht der Frau. Obwohl sie verpackt ist, missgönnt Nina ihre Frei Heidentum. Keine Einengung durch die oberflĂ€chliche ErfĂŒllung gesellschaftlicher Normierungsschönheit. Ninas HĂ€nde schlagen zu.

Veronika spricht mit dem Arzt. Der Arzt erzĂ€hlt wie ein Priester in der katholischen Messe von lateinischen Wundern und Wunden in HandflĂ€chen und Köpfen. Wunden, die nicht bluten, deren Herkunft keiner kennt. Er sagt, es kann immer wieder kommen, AnfĂ€lle epileptischer Natur. Der Arzt schließt den Mund, schlĂ€gt seine Augen und Jörgs Zukunft nieder. Veronika dreht sich um und geht. Sie verlĂ€sst die lateinische Messe ohne etwas verstanden zu haben, aber entschlossen, nie wieder zu kommen.

Das ErdmĂ€nnchen ist wieder in die von Gott und seinen Kollegen nach Feierabend verlassene Baugrube zurĂŒck G-Krochen. Knochen hat er in den Fluss der Zeit löst sich alles auf. Dort treibt eine blaue TĂŒte in die Welt des Glaubens. Einer wird sie finden und das Volk spekulieren lassen. Nicht mit Aktien und Deri Vater kommt nicht mehr nach Hause, sondern mit der Biographie der Menschenknochen. Die Preise werden in Höhe schnellen und ein Mann, der schreiben und lesen kann, wird ein Roman darĂŒber schreiben und damit viel Geld verdienen. Ein versöhnliches Ende fĂŒr das ErdmĂ€nnchen.

Der Ei-Fahrer hat seine Schilder mit den göttlichen Botschaften auf den GepĂ€cktrĂ€ger seines Fahrrads gepackt. Sein Gesang ist verklungen. Ich begegne ihm auf dem Nachhauseweg und einen Moment bleibe ich stehen. Es ist schwer, ein Ende fĂŒr eine Geschichte zu finden. Vielleicht sollte ich mich mit dem Mann Gottes unterhalten. Ein Medium, der anscheinend EigentĂŒmer tiefer Einsichten und Schildern ist, die mir einen neuen Weg weisen. Der Mann grĂŒĂŸt mich mit einer tiefen vollen weltlichen Stimme. Auch er hat Feierabend. Er möchte nicht mit mir reden, sondern nach Hause gehen. Anstatt tiefe Einsichten, tiefe EnttĂ€uschung.

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Kaspar Neumann
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Abbruch der Beziehungen

Lieber Raineru,

danke fĂŒr dein Kommentar.

Joyce habe ich gelesen, auch den Gagateil in der Mitte von Ulysses. Bettelbriefe muss ich keine schreiben. Habe ein Job, der mich nÀhrt. Auf eine neue deutsche Literatur können wir gemeinsam drauf warten, bis wir den Stift abgeben und unsere Texte ungelesen im Datennirvana verschwinden.

Trotzdem hĂ€tte ich gerne einmal von Dir als Leser gewußt, was von dem Text bei Dir angekommen ist, außer meine Wortverfremdungen?

Vielen Dank im Voraus

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Matthias Nowak

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Kaspar Neumann
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Hallo Rainer!

Vielen Dank fĂŒr deine Beschreibung des Textes. Wow, hĂ€tte ich niemals so in drei SĂ€tzen zusammenfassen können. Ich hatte mit meiner StolpersteinĂ€sthetik beabsichtigt, den Inhalt zu verstĂ€rken. Der dekonstruierte "Nochmensch", wie du es so schön nennst, bedarf einer Beschreibung mittels zerhackter, zerbröselnder Sprache, die seine fragmentierte zerissene Welt widerspiegelt.


GrĂŒĂŸe
Matthias (Kaspar)




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