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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abendessen
Eingestellt am 11. 02. 2003 22:44


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Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

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Abendessen

Die Br├Âtchent├╝te knisterte. Wie jeden Abend sa├čen sie sich an ihrem wei├čen Plastik-Esstisch gegen├╝ber. Zwei Holzbrettchen, zwei Messer, zwei Tassen Pfefferminztee, eine mit S├╝├čstoff, eine mit Zucker, Paprikasalami, Teewurst, Mittelalter Gouda, Margarine und vier Mehrkornbr├Âtchen. Immer dasselbe.
Die m├Ąchtige Wohnzimmeruhr schlug ihren Takt zur Volksmusik, die aus dem kleinen K├╝chenradio im Hintergrund heraussprudelte. Wie immer sa├č er an der Fensterseite. Zur Rechten stand seine Teetasse, zur Linken breitete sich die Tageszeitung gen├╝sslich ├╝ber den kleinen Tisch aus und m├╝ndete mit ihrem Seitenende im Margarinentopf. Seine Hornbrille umklammerte seine Nasenfl├╝gel und w├Ąhrend seine Augen den schwarzen Druckschlagzeilen folgten, fuhr seine Hand automatisch in die Br├Âtchent├╝te, um sich eins der Mehrkornbr├Âtchen zu angeln. Wie immer.
Sie sa├č ihm gegen├╝ber. Er bl├Ątterte die Vorderseite der Zeitung um und sie wusste genau, dass er sich im n├Ąchsten Moment hinter dem rechten Ohr kratzen und anschlie├čend seine Brille gerade r├╝cken w├╝rde. Wie immer.
Sie umfasste den Wurstteller mit ihrer faltigen Hand und schob ihn zu ihm her├╝ber. Blind griff er nach ein paar Scheiben Salami und legte sie auf sein Brettchen. Er schnitt sein Br├Âtchen auf, belegte es und biss zweimal hinein. Er kaute und sp├╝lte die Reste mit einem gro├čen Schluck des hei├č dampfenden Tees hinunter. Wie immer.
Sie beobachtete ihn. Sein schwarzes Haar war von grauen Str├Ąhnen sanft durchzogen und sein rundes Gesicht zeigte kleine F├Ąltchen.
Sie konnte jede einzelne der vielen Falten exakt zuordnen. Die oberen, an der Stirn, kamen von seinem Gr├╝belgesicht. Die F├Ąltchen um die Augen herum waren gewachsen, wenn er in grelles Sonnenlicht geblickt oder seine Brille beim Lesen vergessen hatte. Um die Mundpartie waren die Falten jedoch am tiefsten.
Sie schmunzelte. Es waren sch├Âne F├Ąltchen, sch├Ân, weil sie nicht vom Gr├╝beln, sondern vom Lachen kamen. Sie betrachtete ihn weiter und ihr Herz machte einen Sprung.
Ein warmes Gef├╝hl von W├Ąrme und Geborgenheit durchflutete ihren K├Ârper. Weit mehr als tausend Abende hatte sie mit ihm an diesem Plastiktisch zusammen gesessen und jeder einzelne Abend war sch├Ân gewesen. Sie liebte es, dass er ihr gegen├╝ber sa├č und einfach nur da war. Sie liebte es, ihn zu kennen, wie sich selbst, vielleicht sogar besser. Sie liebte es, ihren Weg mit ihm zu Gehen und sie liebte die Best├Ąndigkeit, die er in ihr Leben brachte.
Sie beugte sich zu ihm her├╝ber und ber├╝hrte seinen Mund mit ihren Lippen. Er blickte sie an, grinste und k├╝sste sie zur├╝ck. Er liebte sie. Wie immer.

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo flitzi,

ein st├╝ck gl├╝ckseligkeit und heile welt. (nicht mein ding, aber warum nicht)

zwei dinge sind mir aufgefallen:
der mittelalte gouda stammt sicher nicht aus dem mittelalter, und ist deswegen klein zu schreiben.
das bild der sich "gen├╝├člich" ├╝ber den tisch verbreitenden zeitung ist schr├Ąg, da die zeitung beim ausbreiten (und auch sonst) keine gef├╝hle haben d├╝rfte.

gru├č

rainer

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Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

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Antwort

Vielen Dank f├╝r die Anregungen! Eigentlich ist diese Eint├Ânigkeit und heile Welt auch nicht mein Ding. Als ich angefangen habe zu schreiben, sollte die Geschichte auch ganz anders verlaufen. Eigentlich sollte die Frau ihren Mann verlassen, weil er so langweilig war, aber die Figuren haben sich selbst├Ąndig gemacht. :-)

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