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Leselupe.de > Kurzprosa
Abendstimmung oder verliebt in einen Himmel
Eingestellt am 07. 11. 2006 06:55


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Astrid
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Registriert: Jun 2003

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Ich sitze auf dem Balkon und lehne mich an die Wand, die die W├Ąrme des Tages gespeichert hat. Die vergangenen Stunden fallen von mir ab wie Bl├Ątter im Herbst und mir wird leicht.
Heute ist einer dieser sp├Ąten Augustabende, die mich immer ein bisschen wehm├╝tig stimmen. Die Erinnerung an den Urlaub lebt noch einmal auf, ehe ein Windzug sie sanft davontr├Ągt.
Es wird k├╝hler und es riecht nach Herbst. Der Wind spielt mit der Schaukel auf dem Hof, sie pendelt vor und zur├╝ck, als w├Ąre soeben ein Kind von ihr abgesprungen.
Ein kr├Ąftiger Sp├Ątsommerwind t├╝rmt Wolken zu Himmelsgebirgen zusammen ÔÇô wei├če, hellblaue, graue. Aus allen Richtungen holt er sie, bis er schlie├člich nur noch die satten, dunkelblauen findet. Imposante Gebilde entstehen.
Als Kind habe ich oft auf der Wiese im Park gelegen und Wolken geguckt. Da, ein dicker Wal, ein Dinosaurier, nein ein gro├čer Vogel und dort, das ist eine Frau, die ein Kind im Arm h├Ąlt. Sie sitzt auf einem hohen Berg, einem Wolkenberg, der langsam unter ihr zerflie├čt.
Alle Sonnenstrahlen des vergangenen Tages treffen sich ein letztes Mal und zeichnen zum Abschied ein breites, glutrotes Band, als wollten sie uns Menschen diesen Abend als Geschenk einpacken.

Meine Augen fotografieren jede Sekunde dieses Farbenspiels; auf Vorrat f├╝r die dunkleren Tage und langen Abende, die es bald wieder geben wird.

Langsam beginne ich zu frieren. Auch die Wand im R├╝cken w├Ąrmt nicht mehr. Der fr├╝he Einbruch der Dunkelheit tut mir fast k├Ârperlich weh.
Am Himmel wandern kleine Lichtpunkte, es scheint, als w├╝rden sie aus dem Nichts auftauchen und irgendwann sind sie meinem Blick wieder entschwunden. Kommen und gehen.
Meine Augen folgen den Bahnen der Flugzeuge. Sie fliegen zur Landung an, und neigen schon ├╝ber meinem Haus ihre Spitze leicht nach unten, als wollten sie mich gr├╝├čen.
Fr├Âstelnd kuschle ich mich in meine flauschige Jacke.

Immer schmaler wird das rote Band, bis es schlie├člich v├Âllig verschwunden ist. Die Nacht hat den Himmel verschlungen und alle Wolkenbilder beschlagnahmt.

Der Wind ist eingeschlafen. Die Schaukel wartet still auf den n├Ąchsten Tag.

__________________
Astrid

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Beba
Guest
Registriert: Not Yet

Ein sehr sch├Ânes Stimmungsbild. Der ausklingende Sommer kommt wunderbar her├╝ber. Besonders gut gefallen hat mir dabei das Bild von der w├Ąrmenden Hauswand, deren W├Ąrme dann sp├Ąter nachl├Ąsst. Dazu die Erinnerungen an die Kinderzeit, die wie der Sommer nun schon zur├╝ckliegt. Und alles mit warm, gef├╝hlvoll und IMHO stets mit den richtigen Worten geschrieben.
Einen Einwand h├Ątte ich noch: vielleicht h├Ątte ich den ersten Absatz komplett weggelassen? Aber dar├╝ber werde ich selbst noch einmal nachdenken. ;-)

Kurzprosa, wie ich sie mag. ;-)

Berni

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Astrid
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

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Hallo Berni,

ich habe es einfach getan. Der erste Absatz ist weg und ich glaube, er fehlt nicht wirklich. Dein Hinweis ist gut, vielleicht geh├Âren die ersten Zeilen in eine ganz andere Geschichte? Auf jeden Fall beginnt die Abendstimmung - und so habe ich den Text ja genannt - auf dem Balkon. Danke also f├╝r dein aufmerksames Lesen und dein Lob. Was soll ich sagen, ich mag den Text, aber so noch mehr. Es war ein Versuch, mit den ersten Zeilen neugierig zu machen, vielleicht auf eine falsche F├Ąhrte zu locken... Aber das braucht der Text nicht.
Danke und einen guten Tag und hoffentlich sch├Âne Sommererinnerungen.
Astrid
__________________
Astrid

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