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Leselupe.de > Humor und Satire
Abenteuer Bahn Teil II
Eingestellt am 11. 07. 2002 09:49


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rudolf.guertler
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2002

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Abenteuer Bahn Teil II

Er, der gesch├Ątzte Leser, der bereits den ersten Teil der Bahnfahrmemoiren eines Fahrgastes, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, dem geneigten Auge zugef├╝hrt hat, wartet wahrscheinlich bereits schon sehns├╝chtig auf die Geschichte mit der Versp├Ątung von nur 75 Minuten, mit der er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, sein Heim erreichte.

Und auch hier zeigt sich wieder, die Preiserh├Âhungen der Bahn sind berechtigt, denn wer so viel Abenteuer f├╝r seine Kunden organisieren muss, der kann dies zu so niedrigen Preisen nicht realisieren. Die ganze Geschichte beginnt nat├╝rlich wieder mal

18:10 Uhr M├╝nchen Ostbahnhof

Die S-Bahn hatte, wie ├Âfters, mal wieder etwas Versp├Ątung. Normal w├Ąre sie, die S-Bahn, um 17:56 Uhr am Ostbahnhof. Aber irgendwie gehen die Zeiger der Uhr bei der Bahn wohl manchmal anders. Nun ja, ├╝berlegt sich der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, fahr ich halt gleich durch bis zum Hauptbahnhof. Denn den Interregio am Ostbahnhof noch zu erwischen, ist schon zu knapp. WENN ER, DER INTERREGIO MAL P├ťNKTLICH IST, dann erreiche ich ihn nicht mehr.

Gedacht, getan, zum Hauptbahnhof durchgefahren.

Mit dem Erreichen des Hauptbahnhofs fing das Drama an.

18:23 Uhr M├╝nchen-Hauptbahnhof

Die den Lesern des ersten Teils bekannte Anzeigetafel f├╝r abfahrende Z├╝ge ├╝ber dem Service Point zeigt bereits eine Bemerkung hinter dem Interregio an: ca. 20 min. versp├Ątet.

Der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, wendet sich wieder dem Gleis 17 zu. Auch hier die Anzeige: ca. 20 min. versp├Ątet.

Nun denkt sich der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, dann kann ich ja in aller Ruhe mal vorlaufen.

Auf halbem Wege knackt der dem bewu├čten Leser des ersten Teils bereits bekannte Lautsprecher: „Meine Damen und Herren, der Interregio von Salzburg nach Karlsruhe versp├Ątetet sich voraussichtlich um weitere 10 Minuten. Der Eurocity nach Basel darf heute bis Stuttgart zuschlagsfrei benutzt werden. Dieser Zug steht abfahrbereit am Gleis 18.“

Eine wichtige Durchsage, denkt sich der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, was mach’ ich, wenn sich der Interregio noch mehr versp├Ątet, au├čerdem wei├č ich nicht, wann ich daheim bin. Also nehme ich den Eurocity bis Augsburg und fahre dann mit der Regionalbahn weiter bis G├╝nzburg. Vorausgesetzt, die Versp├Ątung des Interregio bleibt.

Er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, dreht sich um und geht den bereits zur├╝ckgelegten Weg zur├╝ck, um sich dann zum Nachbarbahnsteig mit den Gleisen 18 - 19 zu begeben. Der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, sucht und findet, wor├╝ber er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, sehr erstaunt ist, noch einen freien Platz.

Weiter vorn im Waggon waren sogar noch zwei freie Pl├Ątze sichtbar. Sie, die Sitzpl├Ątze, waren aber nicht sehr lange frei. Einige Pendler waren auf der Suche nach freien Pl├Ątzen. Und so kam, was kommen mu├čte, die Pl├Ątze waren schnell belegt, wobei es bei einem Platz zu einem Wettlauf zwischen einem Kr├╝ckstock schwingenden grauhaarigen Rentner und einem elegant gekleideten Juppi kam.

Der Wettlauf wurde von ihm, dem Rentner, um eine Kr├╝ckstockl├Ąnge gewonnen. Manche Rentner k├Ânnen sehr schnell sein, wenn es um einen Sitzplatz geht.

18:47 Uhr M├╝nchen Hauptbahnhof

Der Eurocity nach Basel setzt sich mit zwei Minuten Versp├Ątung in Bewegung. S├Ąmtliche Fahrg├Ąste im Inneren des Zuges frohlocken. Die Chancen, p├╝nktlich in Augsburg anzukommen, steigen nahe an die 100%-Marke. Aber nahe 100% hei├čt vielleicht nur, 99,9 oder 98,7 oder noch weniger %.

Ein, wenn auch noch so geringes Restrisiko, ├Ąhnlich den bei Atomkraftwerken, bleibt also f├╝r all diejenigen, die unbedingt noch einen Anschlu├č, sei es Bahn, Bus oder Flugzeug, erreichen m├╝ssen. Auf dieser Fahrt zeigte sich nun, da├č das Restrisiko nicht umsonst Restrisiko hei├čt.

Er, der Eurocity, bleibt ohne erkennbaren Grund scheinbar einfach so stehen. Bei zweimal 6 - 8 Minuten kann sich also durchaus eine Viertelstunde Versp├Ątung daraus ergeben, legt man die Uhren der Bahn zugrunde.

Nun bedeutet dies aber, der Zug trifft versp├Ątet in Augsburg ein.

Er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, blickt auf die Bahnhofsuhr. Seine gekrauste Stirn gl├Ąttet sich wieder.

19:27 Uhr. Die Regionalbahn nach Ulm ├╝ber Gessertshausen, Dinkelscherben, f├Ąhrt um 19.25 Uhr, wartet aber normalerweise auf die Fahrg├Ąste des Eurocity. Merke: Rechne bei der Bahn nie mit dem Normalen, glaube an das Abnormale und du wirst nicht entt├Ąuscht.

Die Regionalbahn nach Ulm vom Gleis 8 Nord stand nat├╝rlich nicht mehr dort, sondern war p├╝nktlich abgefahren.

Zur├╝ck zur Bahnhofshalle an die Anzeige f├╝r abfahrende Z├╝ge. Beim Interregio nach Karlsruhe stand als Bemerkung: 60 min. sp├Ąter. Nett, das bedeutet, Abfahrt 20:00 Uhr statt 19:00 Uhr ab Augsburg. Und weil die Regionalbahn nach Ulm ├╝ber G├╝nzburg nur alle 60 Minuten f├Ąhrt, hat man diese wohl fahren lassen. Also hin zum Service Point der Bahn und sich beschweren. Es gab da nur ein Problem: der Service Point war umlagert von vielen Menschen, die ihre Begeisterung dar├╝ber kundtaten, da├č die Regionalbahn nicht gewartet hatte.

Er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, erinnert sich daran, da├č er Anfang des Jahres schon einmal hier stand. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Viele neue Bezeichnungen f├╝r den Bediensteten hinter dem Schalter lernte der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, heute.

20:00 Uhr Augsburg Hauptbahnhof, Bahnsteig Gleis 2 - 3

Sinnend betrachtet er, der Fahrgast, ├╝brigens zahlender Bahnkunde, die Anzeige am Bahnsteig Gleis 2. Dort stand zu lesen: 60 min. versp├Ątet. Das w├╝rde bedeuten, der Zug m├╝├čte jetzt so langsam kommen. Auf einmal klappen die Buchstaben um. Vom Gleis 2 f├Ąhrt jetzt der ICE nach Hamburg. Am Gleis 3 steht jetzt daf├╝r die Anzeige des Interregio.

Nachdem 8 Minuten vergangen waren, fuhr tats├Ąchlich der Interregio am Gleis 3 ein. Drei Minuten sp├Ąter kam dann der ICE nach Hamburg. T├╝ren auf. Leute steigen aus, Leute steigen ein. Trillerpfeife. Die T├╝ren gehen zu. Der ICE f├Ąhrt, der Interregio steht.

Nach weiteren vier Minuten ert├Ânt auch hier die Trillerpfeife. Die T├╝ren des Interregio schlie├čen sich und er, der Interregio, setzt sich tats├Ąchlich mit 75 Minuten Versp├Ątung von Augsburg aus in Bewegung.

Und die Moral von der Geschicht:
Mu├čt du mal p├╝nktlich sein, die Bahn ist’s nicht.
__________________
Rudolf G├╝rtler
G├╝nzburg (Schwaben)

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Gerhard H├╝bl
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2002

Werke: 1
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Hallo,

Schreiben hat durchaus was Therapeutisches. Auch ich habe, wie es bestimmt jeder schon einmal getan hat, Beschwerden formuliert und diese dann am Ende doch in M├╝lleimer geworfen, weil man eigesehen hat, dass es nix bringt. Seit einigen Jahren jedoch gibt es aber f├╝r solche F├Ąlle das Internet, denn wenn man schon Zeit investiert hat, dann sollte es wenigstens auch jemand lesen. - Recht hast Du!

Nur eines, - wieviel kostet es eigentlich vom Ostbahnhof nach G├╝nzburg?

Sch├Âne Gr├╝├če,

Gerhard

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