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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abenteuer im Wald
Eingestellt am 13. 11. 2004 07:33


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flammarion
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Abenteuer im Wald

Der Tag, den ich nie vergessen werde!


Wir sind schon immer leidenschaftliche Pilzsammler gewesen.
Es war ungef├Ąhr vor zwanzig Jahren, kurz nachdem ich meine Rente bekam, an einem Freitag im Herbst. Ich und mein Mann G├╝nter standen schon sehr fr├╝h auf und machten uns mit unseren Fahrr├Ądern auf den Weg in den Wald. Pilze sammelten wir oft am Freitag, das hatte einen bestimmten Grund. An diesem Tag kamen unsere S├Âhne mit ihren Familien zu uns.
Mein ├Ąlterer Sohn war Konditor und brachte immer ganz leckere Sachen mit. Wir sa├čen beisammen, redeten und oft blieben die Kinder bis zum Abend und wir a├čen dann auch noch das Abendbrot zusammen. An diesem Freitag sollte es zum Abendessen Pilze geben.
Wir kamen in unseren Wald, ich sage absichtlich unseren, denn wir kannten ihn durch die vielen Jahre wirklich in und auswendig. Wir schlossen an einem Baum unsere Fahrr├Ąder ab und verabredeten, uns in einer halben Stunde an der selben Stelle wieder zu treffen. Wir gingen beide in unterschiedliche Richtungen in den Wald hinein.
Wie es so beim Pilze sammeln ist, schaut man nicht zum Himmel, sondern zum Boden. Man muss sehr aufmerksam sein, am besten auch noch das Moos durchsuchen. Und wenn ein Pilz auftaucht, ist es klar, dass sich in der N├Ąhe ganz viele verbergen.
An diesem Freitagmorgen war ich sehr erfolgreich. Meine Tasche f├╝llte sich schnell mit sch├Ânen Maronen. Ich habe alles um mich vergessen und sah nur den Waldboden und die vielen Pilze. So bemerkte ich gar nicht, dass sich innerhalb k├╝rzester Zeit um mich herum ein sehr dicker Nebel ausbreitete. Es gab ja immer wieder starken Fr├╝hnebel, aber heute hatte ich nicht mehr mit ihm gerechnet. Ich schaute zum Himmel und sah nichts. Der Nebel war so dick, dass man nicht die Hand vor den Augen sehen konnte. Ich bekam Angst.
Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich glaubte, dass es das Beste w├Ąre, wenn ich mich nicht bewege, dass ich einfach an dieser Stelle stehen bleiben sollte. Aber ich konnte nicht. Ich fragte mich schon damals, wieso Menschen, die sich in extrem gef├Ąhrlichen Situationen befinden, immer diesen Trieb, sich weiter zu bewegen, versp├╝ren? Wahrscheinlich m├Âchten sie auf keinen Fall mit ihrer Angst alleine stehen bleiben, denn so wirkt sie noch bedrohlicher.
Also ging ich los, dabei stie├č ich an B├Ąume, fiel in einen Graben. Ich stand aber immer wieder auf und lief weiter. Der Nebel wollte nicht weichen und ich bekam immer mehr Angst.
Diese unheimliche Atmosph├Ąre wurde durch die Waldger├Ąusche verst├Ąrkt. Um mich herum raschelte, knirschte und piepste es. Ich dachte, dass mich jeden Moment ein gro├čes Ungeheuer ├╝berraschen wird. Mehrere Male rief ich in den Wald hinein den Namen meines Mannes, aber er meldete sich nicht.
So bekam ich auch noch Angst um ihn. Er h├Ątte stolpern und sich dabei was brechen k├Ânnen. Ich war fest entschieden, nie wieder alleine Pilze sammeln zu gehen. Es verging eine lange Zeit, ich war ersch├Âpft und hatte das Gef├╝hl, ich laufe im Kreis. Nein, sagte ich zu mir, jetzt kann ich wirklich nicht mehr! Ich machte noch einen letzten Schritt zur Seite und wollte mich an einen Baum anlehnen. Aber es war kein Baum, es war mein G├╝nter! Wir stie├čen zusammen und lie├čen vor Gl├╝ck einen Schrei los. Wir umarmten uns und waren ├╝bergl├╝cklich, dass keinem was passiert ist. Das Lustigste war, dass wir uns an der gleichen Stelle getroffen hatten, wo wir uns trennten hatten, an der Stelle, wo auch unsere Fahrr├Ąder standen.
Ja, und zum Abendessen gab es auf Butter und Zwiebeln ged├╝nstete Maronen und beim Erz├Ąhlen unseres kleinen Abenteuers schmeckten die Pilze uns allen doppelt so lecker als sonst.


__________________
Old Icke

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