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Leselupe.de > Humor und Satire
Abenteur im Supermarkt
Eingestellt am 12. 12. 2007 21:45


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P Maria F
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2007

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Der jĂ€hrliche Weihnachtswahnsinn kommt Anfang Dezember so richtig in Fahrt. Neben den steigenden BesucheranstĂŒrmen in KaufpalĂ€sten aller Art erleben nun auch die SupermĂ€rkte höher werdende Frequentierung, wenn es gilt, mit ersten Adventsveranstaltungen unter Freunden den kulinarischen Höhepunkt zum Fest einzuleiten.

BackbĂŒcher werden gewĂ€lzt, Omas altbewĂ€hrte PlĂ€tzchenrezepte in loser Blattsammlung sortiert und erste Entscheidungen getroffen. Wie jedes Jahr die halbherzige Frage, ob denn die Zubereitung eines Christstollen nun endlich einmal gewagt werden soll oder ob es dafĂŒr nicht ohnehin zu spĂ€t ist – muss dieses TraditionsgebĂ€ck zur Entfaltung des ultimativen Aromas nicht vor dem Verzehr wochenlang ziehen, und wenn ja, wie gelagert? Die Frage geht in der reichhaltigen Auswahl der gewĂŒnschten Kekse unter, und wird wieder einmal verschoben. NĂ€chstes Jahr dann aber wirklich mal einen.

Bestens ausgestattet mit einer meterlangen Zutatenliste – es empfiehlt sich neben der thematischen Zusammenstellung aller Ingredienzien die Einzelrezepte mitzufĂŒhren, um entsprechend der nicht auffindbaren Zutaten den Einkauf an die gewĂŒnschte Mindestmenge Backwerk anpassen zu können – startet der praktische Teil des Projekts „ZuckerbĂ€ckerei in der heimischen KĂŒche“. Die Parkplatzsituation beim grĂ¶ĂŸten Supermarkt am Platze lĂ€sst erahnen, dass das Vorhaben so wenig neu wie unbeliebt ist. Nach mehrmaliger Umfahrung der zugehörigen privaten Parkraumbewirtschaftung ist der Eingang zum Fachhandel bei Einbruch der frĂŒhen DĂ€mmerung nur noch einen kurzen Fußmarsch entfernt.

War noch in Anbetracht der Menschenmassen eine kleine MeditationsĂŒbung zum Zeitvertreib in der zu erwartenden Schlange in der Kassenzone angedacht, deutet der Tumult im Wartebereich fĂŒr die Einkaufswagen an, dass doch volle Konzentration fĂŒr den gesamten Projektauftakt gefragt sein wird. Der Begriff „kick off Meeting“ bekommt eine völlig neue Bedeutung, das saisonbedingt erhöhte Kaufverhalten scheint bei manchen Zeitgenossen erste SchĂŒbe Aggressionspotential freizusetzen, was jeden Gedanken an meditative Einlagen im Keim erstickt.

Freie Einkaufswagen stehen hoch im Kurs und werden bei Sichtung lautstark zum Eigentum des Entdeckers erklĂ€rt. Vorbesitzer weisen energisch auf ihr Recht auf Entladung vor Weitergabe hin und zeigen wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr den Siegestaumel der erfolgreichen Finder. Irgendwann ist es dann soweit, eine PfandmĂŒnze sichert die Nutzungsdauer eines der begehrten Objekte und dem fröhlichen Einsammeln von TĂŒtchen, PĂ€ckchen, GlĂ€schen und Becherchen scheint nichts im Wege zu stehen.

Doch schnell macht sich ErnĂŒchterung breit. Trotz unablĂ€ssiger Berieselung mit deutsch- und englischsprachigen Weihnachtsklassikern ist die Stimmung im Laden wenig besinnlich. Die Idee des Filialleiters vom ruhig fließenden Strom der Konsumenten durch sein reichhaltiges Angebot wird empfindlich gestört, palettenweise neue Ware versperrt die GĂ€nge. Einem Feldwebel alter Schule gleich erklĂ€rt er eine SchĂŒler-Aushilfsriege zur Ursache fĂŒr den gestörten Lauf der Dinge und liefert mit seiner Ansprache an dieselben eine mögliche ErklĂ€rung dafĂŒr, warum Jugendlichen das höfliche Formulieren ihrer Anliegen oft nicht gelĂ€ufig zu sein scheint.
„Mama, warum schreit der Mann so?“, fragt ein vorbeigeschobener Knirps im Kindersitz einer Drahtschubse verĂ€ngstigt seine Mutter, „und was ist ein FaulsĂ€cke?“. Der Grundstock fĂŒr Unhöflichkeiten im Umgang mit Mitmenschen wird frĂŒh gelegt. Die Antwort der bemĂŒhten Mutter geht im ohrenbetĂ€ubenden LĂ€rm eines fallenden Bierkastens unter, der bereits leicht angetrunkene Verursacher dieser zusĂ€tzlichen Unpassierbarkeit macht lallend die erhöhte Schwerkraft in diesen Breitengraden fĂŒr das Missgeschick verantwortlich.
Sogleich plantschen ausgebĂŒxte Kleinkinder kichernd mit ihren Stiefelchen in einem Meer aus Gerstensaft und Scherben, kinderlose Kunden prangern wortreich die Verletzung der Aufsichtspflicht deren MĂŒtter an, eine Seniorin stĂŒrzt erschrocken aber weich in die Joghurtauswahl, als ein Ladendieb die Beine in die Hand Richtung Ausgang nimmt. Die KĂ€sethekenleitkuh weigert sich bĂŒhnenreif lamentierend, eine unentschlossene Kundin weiter zu bedienen, Babies schreien gegen die ungewohnte GerĂ€uschkulisse aus den daunenbedeckten Tiefen ihrer Kinderwagen an, und eine Gruppe SchĂŒler, augenscheinlich auf Klassenfahrt, bewertet den Trubel als ultimativen Grund, in einer Großstadt zu leben, und endgeil. Endlich mal was los! Der Marktleiter kocht.

„Sti-hille Nacht, heilige Nacht... Frau Schneider bitte Kasse 3, SCHON WIEDER STORNO!...nur das traute hochheilige Paar...“, tönt es aus den Lautsprechern an der Decke. Der Chef vom Dienst sucht Rettung vor dem Herztod im hysterischen Heranbeordern der Reinigungskolonne, die, wie sollte es anders sein, nichts als Pause im Kopf hat anstatt sich der aktuellen Einsatzgebiete anzunehmen. Ein paar studentischen AushilfskrĂ€fte in Engels- und NikolauskostĂŒmen lĂ€cheln gequĂ€lt und verteilen stoisch Schokoladenkleinteile an die nicht enden wollende Prozession aus Einkaufswagen, wĂ€hrend sie wohl insgeheim darĂŒber nachdenken, ob die Stille der Nacht in dieser Jahreszeit nicht doch nur beim nĂ€chtlichen Austragen von Zeitungen zu finden sei.

Nur ein paar KatastrophenschauplĂ€tze weiter ist endlich der Kassenbereich in Sicht, oder besser, das Ende der Schlangen, hinter der er sich befinden muss. Jetzt heißt es erhöhte Aufmerksamkeit. Nach Besitznahme eines Transportmittels am Eingang und dem erfolgreichen Erjagen unvorhergesehener Sonderangebote mĂŒndet der Marathon hier in die alles entscheidende Schlussphase. Mit maximaler Auslastung der LadekapazitĂ€t des heroisch ergatterten RolltrĂ€gers gilt es nun, wenigstens Zeit beim Zahlen zu sparen, koste es, was es wolle. Dabei fĂŒhrt das Auftauchen von wenig beladenen und damit extrem wendigen GefĂ€hrten auf dem Weg zur „Maximal-10-Teile-Kasse“ zu ungeahnt innigen Allianzen zwischen den sonst verfeindeten Vollbeladenen, die auf Grund ihrer Masse und Unbeweglichkeit zu unĂŒberwindbaren Hindernissen werden. Und auch der entspannteste WenigkĂ€ufer sieht schnell ein, dass nur geschicktes Rangieren und beherztes Voranschreiten im GedrĂ€nge um die besten PlĂ€tze geeignet ist, den Ort des Geschehens doch noch kurz vor Ende der verlĂ€ngerten Öffnungszeiten verlassen zu können.
Sti-hille Nacht, heilige Nacht... ...alles schlÀft, keiner backt.

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
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Liebe Maria,

zuerst mal herzlich willkommen hier im H&S-Forum.

Nun zu Deinem Text:

Erstens: was mir gleich mal auffĂ€llt sind die sperrigen SĂ€tze. Viel zu lange und konstruiert. Also: kĂŒrzen, zerspalten, und die Worte angepasst.

Zweitens: Thema. Ein bekanntes und oft verwendetes Motiv. Dass heisst fĂŒr Dich: jede Menge Konkurrenz z.B. Die Eskalation der Besinnlichkeit, Eine Wintergeschichte und Weihnachtsbeleuchtung.
Das heisst weiters, Du solltest nicht nach Schema F verfahren, sondern Deine eigene originelle Herangehensweise verwenden. Viele Leser kennen zumindest einen der genannten Texte.

Noch was: die Beschreibung eines Betrunkenen, der irgendwelche Bierkisten umwirft, ist meistens nicht lustig.

Ein Fehler in dem Text ist meiner Meinung nach auch der geringe Fokus auf vielleicht eine konkrete Person. So sind das nur AllgemeinplĂ€tze (Kinder, die elternlos herumlaufen blablabla). Mach's konkreter. Mach's z.B. aus der Sicht einer Mutter oder besser, eines ĂŒberforderten, schusseligen Vaters mit seinem Naseweis. Bring nicht das "eh erwartete", sondern ĂŒberrasch uns, z.B. der Knirps der mit dem rollstuhlfahrenden Grossvater durchrollt, aber das VernĂŒnftigkeitsverhĂ€ltnis umgedreht ist (beispielsweise - und ich spinn jetzt bewusst los - der Grossvater eigentlich gaga ist und vermeintlich auf Benimm der Kinder achtend, der Knirps aber die Situation rettenmĂŒssend).

"Drahtschubse" fand ich originell, diese Begriff kannte ich noch nicht.

Marius
__________________
Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor fĂŒr Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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P Maria F
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2007

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Lieber Marius,

danke fĂŒr Dein Willkommen!

ich grĂŒbele noch ĂŒber Deine Kritikpunkte zu meinem Text, die ich inhaltlich noch nicht so ganz nachvollziehen kann. In einem Punkt geb ich Dir schon mal recht: das Motiv bietet sich im Moment an.
Ist das Grund genug, das Motiv zu meiden? Oder bezieht sich das darauf, Texte dieser Art hier nicht einzustellen? Ich bin noch neu und frag mich das.
Die 3 Beispiele, die Du nennst, gehen alle in einer Art Tagebuch/Logbuch daran. Ob meine Heransgehensweise grundsÀtzlich originell ist oder nicht, mag jeder anders sehen, eindeutig ist sie anders als die Beispiele. Immerhin ;-)
Aus Ă€hnlichem Grund habe ich eine Situation ohne Personenfokus gewĂ€hlt. Hauptakteur ist die Hektik, all die Kleinigkeiten, die passieren, jede fĂŒr sich nicht weltbewegend und doch in der Ballung ein Abenteuer.

Deine Anmerkung, dass die SĂ€tze zu lang und sperrig seien, erstaunt mich gleich zweifach. Zum einen gibt die Satzkonstruktion die Lage vor Ort wieder. Zum anderen, es gibt den Text in vertonter Version, 1:1 mit HintergrundgerĂ€uschen. Weder vom Sprecher noch von den Zuhörern kam das Argument "sperrig". Nun ĂŒberlege ich, ob die gesprochene Version einfacher zu verstehen sein könnte... wobei der Sprecher ja auch erst mal nur den Text hatte... aber Übung hat mit solchen Sachen...

Jedenfalls vielen Dank fĂŒr Deine Argumente, jede Kritik bringt mich mit meinen Texten weiter.

Wie auch immer, schöne und/oder ruhige Feiertage ;-)

Maria

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

Werke: 51
Kommentare: 464
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Das thema selber ist in Ordnung, nur wenn Du das hier in Humor&Satire postest, dann kann man davon ausgehen, dass dieses Thema in anderer Form von den Lesern schon wo gesehen wurde. D.h. Deine Herangehensweise muss originell sein, denn bei H&S ist das Überraschungselement das wichtige.
Wenn Du bei einem Krimi schon von der ersten Seite weisst, wer der Mörder ist (weil die Geschichte so schon einmal woanders erzÀhlt wurde), dann ist das nur in den seltensten FÀllen interessant.

In Deinem Fall las ich und las ich und dachte mir die ganze Zeit: also wo wird der Text jetzt originell, im Vergleich zu den Texten, die ich kennen? Als dann nix kam, war fĂŒr mich nur ein schales GefĂŒhl. Auch wenn Du die Texte nicht kennst, Deine Leser mögen Sie kennen und es ist die Pflicht des Autoren, ein bisserl die "Konkurrenz" in dem Gebiet zu kennen, um die Leser nicht als schalen Abklatsch zu enttĂ€uschen.

Weiters ist im humoristischen Fach ist eine einfachere Satzkonstruktion meistens besser. Deine SĂ€tze erstrecken sich ĂŒber 4-5 Zeilen. Das ermĂŒdet.
Ich gebe Dir dieses Feedback, weil wir hier im Forum genau solche Texte auf die humoristischen Elemente analysieren. Was geht, was geht nicht. Und SatzlĂ€nge ist ein wichtiges Element, das zu berĂŒcksichtigen ist. Das mal der obligate lange Satz vorkommen darf, ist natĂŒrlich klar, solange es ein humoristisch bewusst eingesetztes Element ist. Das scheint mir aber im vorliegenden Text nicht der Fall zu sein.
Ebenso sehe ich mehr eine Hektik die Du beschreiben willst. Und Hektik wird am besten durch kurze knappe SĂ€tze beschrieben.

So wie der Text jetzt ist, sind's Allgemeinheiten (was an sich nicht schlecht ist), aber darum sind sie fĂŒr mich noch lange nicht lustig oder satirisch.

Ein Zuhörer wird Dir in der Regel nur das Feedback geben, ob's ihm gefallen hat oder nicht, aber er wird's Dir kaum erklÀren können. Die meisten - vor allem wenn sie Dich persönlich kennen - werden Dir auch nie ehrliches Feedback geben. Erwarte nie konstruktiv wertvolles Feedback von Deinem (auch erweiterten) Freundes- und Familienkreis. Und der Sprecher ist nicht hier, Deinen Text zu verbessern (sonst wÀre er ja selber Schriftsteller geworden), sondern ist da, den Text möglichst gut zu lesen.

Servus und ebenso schöne Feiertage.

Marius
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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 28
Kommentare: 516
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Hallo Maria,

auch ich habe deinen Text gelesen und komme zu einer Ă€hnlichen Meinung wie Marius ... das Humorige bzw. die Pointe fehlt. Viel eher sind ein paar Szenchen drin, die einem ein Schmunzeln entlocken, die dann aber auch schnell wieder zu Ende sind, quasi nur angerissen. Um deinem Argument Rechnung zu tragen, dass du ja gerade nur einen Anriss bringen wolltest, ist das sicherlich stimmig - mir als Leserin fehlt dann aber doch die Möglichkeit, in den Text und die Situation eintauchen zu können. Am besten geht das immer noch, wenn man sich einer Person im Text anschließen kann und etwas durch deren Augen sieht und erlebt.

Die Idee ist nachvollziehbar - jeder hat in der Vorweihnachtszeit im Supermarkt schon geflucht und genau das alles erlebt, was du beschreibst. Aber um deinen Text als Satire oder "witzig" verstehen zu können, fehlt das wirklich Witzige.

Da geht es mir wie Marius, wenn ich das Forum "Humor & Satire" auswÀhle, will ich lachen, da erwarte ich eine knackige Geschichte mit Pointe.

Vielleicht wĂ€re es eine Idee, hieraus eher eine Kurzgeschichte zu machen, z. B. aus Sicht eines Penners am Eingang, der all diese Begebenheiten jedes Jahr wieder zu sehen bekommt, unbeteiligt bleibt und still vergnĂŒgt in sich hinein beobachtet - und dabei zufrieden an seiner Flasche nuckelt ;-) ...

Viele GrĂŒĂŸe,
Eve

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