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Leselupe.de > Humor und Satire
Aber sprich nur ein Wort.
Eingestellt am 30. 01. 2004 14:12


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pleistoneun
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Sein massiver Unterarm streifte die feuchte Mauer, an der er entlang glitt. Der Blick reichte in dieser dunstigen Grottenluft keine zehn Meter. Mit behutsamen Bewegungen wirbelte sein cosmobionischer Schussapparat die Dunstglocke vor ihm auf, sodass der infrarotgek√ľhlte Okularsensor ein sch√§rferes Bild auf die Netzhaut werfen konnte. Der feinschuppige Tarnanzug verhinderte nicht nur den Ausbruch von Angstschwei√ü, sondern vermochte bei Eins√§tzen wie diesen, wo es um Leben und Tod ging, zudem Geruchsentwicklung. √úberall verstreut befanden sich hier in diesen un√ľberschaubaren Tunnellabyrinthen Thermo- und Olfaktorzellen, die den Feind sofort identifizierten und eliminierten. Weit in den Tiefen des Tunnelsystems h√∂rte man die dumpfen Schreie der Gefangenen, die es zu befreien galt.

Pl√∂tzlich zeigte das halomorphe Display seines Schussapparates eine ungew√∂hlich hohe Mentalaktivit√§t. Das Seltsame daran: die Aktivit√§t kam von ihm selbst. Er dr√ľckte auf einen Knopf, um einen neuerlichen Check durchzuf√ľhren und bekam eine abermals ungew√∂hnlich hohe Auspr√§gung seiner Gehirnaktivit√§t. √úberrascht hielt er inne. Gerade jetzt. Mitten im Einsatz musste sowas passieren. Selbstst√§ndiges Denken setze ein. Er dachte, ohne dass er es wollte, an zuhause, an seinen K√ľchentisch, wo er sein unfertiges Kreuzwortr√§tsel liegen hatte und er dachte unvermittelt an den Begriff, der ihm schon seit zwei Tagen Kopfzerbrechen bereitete: "Anderes Wort f√ľr Gef√§hrte". Unm√∂glich. Keine Querverweise konnten dienlich sein, zu wenige Buchstaben zur L√∂sung. Das Display zeigte maximale Aktivit√§t im gesamten Cortex, das bedeutete nicht nur, dass die v√∂llig diffuse Begriffssuche im Kopf f√ľr Verwirrung sorgte, sondern auch, dass er nicht unbedingt ein Einstein war. V√∂llig versunken in Gedanken bemerkte er nicht, wie sich ihm aus dem Dunkel eine Gefahr n√§herte. Im n√§chsten Augenblick trat aus den dichten Nebelschwaden ein feindlicher K√§mpfer hervor, mit seiner Waffe im Anschlag und einem durchdringenden Blick, der nur eines bedeutete: den Tod. "Anderes Wort f√ľr Gef√§hrte, anderes Wort f√ľr.....", gr√ľbelte er "... ich habs, ICH HABS!!!". Vollkommen erl√∂st von den Anstrengungen, die ihm das Kreuzwortr√§tsel bescherte, lachte er seinem Feind mitten ins Gesicht und rief: "FREUND!!". Das finstere Gesicht des Feindes wich der Verwunderung √ľber den pl√∂tzlichen Erkenntnisgewinn seines Gegen√ľbers, der ihn nun auch noch umarmen wollte. "Frrrreuuuund", wiederholte der Feind in gebrochenem Akzent, denn in Soldatenschulen bringt man den Rekruten immer das notwendige Grundvokabular jener Volksgruppe bei, gegen welche sie jeweils in den Kampf zogen. Denn w√§ren Gefangene zu nehmen, m√ľsste man sich verst√§ndigen k√∂nnen. "Freund".... "Frrreuuund", sch√§kerten und alberten die beiden Killermaschinen sitzend am modrigen Boden.

Jene Gew√∂lbe, die bisher nur Schrecken und Angst erlebt hatten, erlebten zum ersten Mal ihres Daseins vers√∂hnliche Szenen zweier Soldaten, die noch wenige Minuten zuvor auf Vernichtung allen Lebens eingestellt waren. Und so schreibt man auch in alt√ľberlieferten Schriften den Satz: "...aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund...". Das gesuchte Wort ist Freund. F√ľr Bibelliebhaber und Soldaten gleicherma√üen.

__________________
http://www.1yl.at/pleistoneun

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