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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abgang
Eingestellt am 29. 12. 2000 23:15


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JCC
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Abgang





In einem Hinterzimmer des Hilton, das nach jahrzehntealtem Puder und Schwei├č roch, stand eine gro├če, schwarze Kiste, ├╝ppig mit silbernen Beschl├Ągen verziert.

Ein hochgewachsener Mann mit grauem Haar stellte seine Ledertasche mit der Pr├Ągung ÔÇ×Dr. NickÔÇť auf die Couch neben einen wei├čen Teddy mit rotem Lippenstift am Ohr und lie├č sie aufschnappen.

Dann ├Âffnete er die schwarze Kiste und tat - das ├ťbliche.





Das Licht erlosch, Scheinwerfer flammten auf.





ÔÇ×Bright light city gonna set my soul, gonna set my soul on fire -ÔÇť

Das Publikum strahlte ihn erwartungsvoll an.





ÔÇ×There's a thousand pretty women waiting out there, they're all living, the devil may care -ÔÇť

Frauen in der ersten Reihe streckten mit gl├Ąnzenden Augen ihre H├Ąnde der B├╝hne entgegen.





ÔÇ×Viva Las Vegas!ÔÇť

Der Mann auf der B├╝hne lebte, und wenn er je selbst daran gezweifelt haben sollte, dann wurden alle Zweifel jetzt ausger├Ąumt durch seine Stimme, die die ganze Halle erf├╝llte, die Leute hinri├č und ihm selbst durch Mark und Bein ging.

Die Menschen begannen zu jubeln.





ÔÇ×There's a lot of living I've got to do, give me time to make a few dreams come true -ÔÇť

Es hatte ihm so verdammt gefehlt...





ÔÇ×Tell me that tonight will last forever, say that you will leave me never -ÔÇť

Eine brodelnde Menge unter ihm, die auf jedes seiner Worte, auf jede Bewegung, auf jeden Schlag seiner Band im Hintergrund reagierte... seine Band, fast wie ein eigenes K├Ârperteil, die jede Improvisation, so schien es, noch im gleichen Augenblick begleitete, in dem sie ihm selbst durch den Kopf ging... und wieder das Publikum.

Es liebte ihn.





ÔÇ×Say that you will leave me never -ÔÇť

Es liebte ihn!

Ein Schauer lief durch seinen K├Ârper.

Yes!





Ein zweiter Schauer. Sein Gesicht kribbelte. Die Menge verstummte.

Einige glotzten mit offenen M├╝ndern.

Was denn? Sein Publikum! Wollten sie nicht weiter feiern?

Was!?





Ein Schleier senkte sich vor seine Augen. Er griff zu seinem Gesicht und f├╝hlte Papier. Papier?

Rosa Fetzen blieben am Schwei├č seiner Hand kleben. Er starrte sie fassungslos an, versuchte dann, von Ekel ├╝berw├Ąltigt, sie abzusch├╝tteln. Fingern├Ągel flogen in die Menge, die Leute kreischten auf.

Um seine Taille, dort, wo der G├╝rtel im schlaffen Fleisch sa├č, bildete sich ein dunkelroter Ring auf seinem wei├čen Anzug. Warme Fl├╝ssigkeit lief ihm in den Kragen, er wollte glauben, da├č es Schwei├č sei. Warme Fl├╝ssigkeit lief auch seine Beine hinunter, durchn├Ą├čte seine Socken und bildete schlie├člich gelbliche Pf├╝tzen auf der B├╝hne, in denen er, unf├Ąhig, sich zu bewegen, stehenblieb.

Er starrte in die Menschenmenge, verst├Ąndnislos, auf der Suche nach der Begeisterung und Bewunderung, die sie ihm gerade noch entgegengebracht hatten.

Die Leute starrten angewidert zur├╝ck, vor Ekel schien die Menschenmenge zu zittern und zur├╝ckzuweichen.

Irgendwo fing ein kleines Kind an zu weinen.

Seine Beine gaben nach und mit einem f├╝rchterlichen Knacken und Bersten sank er in seine eigenen stinkenden ├ťberreste.





Der Grauhaarige betrat die leere Halle.

Die Ver├Ąrgerung ├╝ber das vorzeitige Ende der Show war seiner gew├Âhnlichen Gesch├Ąftigkeit gewichen. Schlie├člich hatte man nichts zu bef├╝rchten, getreu dem Motto ÔÇ×Es gibt keine schlechte PublicityÔÇť.

Nur der allzu deutliche Eindruck davon, da├č kein Material vor Verschlei├č gefeit war, schon gar nicht das stark Beanspruchte, warf noch einen Schatten auf seine Laune, aber... zur H├Âlle damit! Wenn der Kerl hier endg├╝ltig seinen Geist aufgab, w├╝rde er selbst schon mehr als genug verdient haben, um sich in Miami gepflegt zur Ruhe setzen zu k├Ânnen. Und mit ÔÇ×gepflegtÔÇť meine er beileibe keine Eigentumswohnung.





Er trat mit seinem Koffer in die Mitte der B├╝hne, schickte einen Arbeiter nach dem Formalin und begann, die menschliche Form des schleimigen Haufens, der vor ihm lag, wieder herzurichten.

Beim n├Ąchsten Mal besser eine h├Âhere Dosis vor dem Auftritt - die Chemie ist ein modernes Wunder.





Glei├čendes Scheinwerferlicht. Ein bi├čchen benommen f├╝hlte er sich noch, aber das w├╝rde zweifellos vergehen. War es nicht immer so gewesen? Seine Erinnerung konnte keinen einzelnen Auftritt von den anderen trennen, ihm war, als h├Ątte er immer hier gestanden - die Gesichter vor ihm mochten sich ver├Ąndern, aber blieb die Menge nicht die gleiche?

Er l├Ąchelte ihr zu, und ein Schauer ├╝berlief sein Gesicht.

Pl├Âtzlich sah er die peinigende Erinnerung schrecklich klar vor sich stehen.

Er zuckte zur├╝ck, blickte wieder das strahlende Publikum an - und eine Idee erf├╝llte ihn mit unerwarteter, lange nicht mehr gekannter Energie.

Er entspannte sich, seine Bewegungen wurde rhythmischer, und schlie├člich sprang er, in der Manier seiner Jugendtage, auf ein Podest zu einem Verst├Ąrker.

Er ergriff ein Kabel und ri├č es mit aller Kraft mitten durch. Funken spr├╝hten zwischen den beiden Enden und das Publikum johlte. Er l├Ąchelte und sprang wieder auf den Boden, das eine Kabel noch in der Hand.

Zum letzten Mal winkte er den Menschen zu, dann verschwand er hinter dem Vorhang.





Langsam f├╝hrte er das blanke Ende des Kabels zum Mund, und der Beifall klang noch in seinen Ohren nach, bis Rauch zur Decke stieg.

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Alex
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Bildhaft, aber irgendwie vermute ich stark dass da eine Aussage drin ist.
Sollte es so sein, dann ist sie auf dem Weg zu meinem Gehirn irgendwo gegengekracht und nie angekommen.
Wie gesagt nett beschrieben, aber kapiert hab ichs net.

Alex
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JCC
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Hum... als ich die Geschichte anfing, war sie auch nur zur Unterhaltung.
Das ist sie auch immer noch.

Wom├Âglich hat sie tats├Ąchlich eine Aussage.
Wenn dem so ist, dann w├Ąre das wohl, da├č die Hauptperson in meiner Geschichte lieber halbwegs w├╝rdig abtritt, als sich weiter von seinem Frankenstein auf Biegen und Brechen durch s├Ąmtliche Shows treiben zu lassen.
Es lebe die Selbstbestimmung!

Weil ich das Gef├╝hl habe, da├č ich hier mal einen einigerma├čen ernsthaften Charakter habe, und nicht so einen Comic-Charakter oder einen Verr├╝ckten wie in manchen anderen Geschichten von mir, h├Ątte ich gern noch ein paar Kommentare dazu.

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Alex
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Hey Verr├╝ckte sind cool. Ich schreib eigentlich nur ├╝ber Leute, die auf die eine oder andere Art wahnsinnig sind, so wie ich selbst eben auch. (nicht nur wahnsinnig in dem Sinn, dass ich mich f├╝r nen guten Schriftsteller halte)

"Weil ich das Gef├╝hl habe, da├č ich hier mal einen einigerma├čen ernsthaften Charakter habe, und nicht so einen Comic-Charakter oder einen Verr├╝ckten wie in manchen anderen Geschichten von mir, h├Ątte ich gern noch ein paar Kommentare dazu." Den Miami Typen? Aus dem k├Ânntest du bestimmt was machen!

Tschau

Alex
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JCC
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Ich wei├č, Verr├╝ckte haben's mir auch angetan.
Aber der Arzt ist doch nicht verr├╝ckt. Im Gegenteil, er scheint sehr vern├╝nftig zu kalkulieren.

Aber so viel Potential scheint er mich doch nicht zu haben.

Ich werde jetzt im Kurzgeschichten-Forum mal "Rote Augen" posten, mit einer Verr├╝ckten, und im Satire-Forum "F├╝nf Feinde", mit Comic-Charakteren.

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Alex
Wird mal Schriftsteller
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Bin schon Unterwegs, apropos gut kalkulierende, da hatte ich doch auch mal einen, anders gelagert aber immerhin. Post ich gleichmal ne Sci-Fi-Kurzgeschichten-Satire.
Blo├č wo? Das ist jetzt die Frage!
Problematik am laufenden Band, ├╝ber sowas muss ich mal ne Geschichte schreiben.
Unschl├╝ssiger Internetusender Schriftsteller bei Problembehandlung.

Alex
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Das Herz ist eine Festung! Uneinnehmbar

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