Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92193
Momentan online:
69 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abgefahren
Eingestellt am 15. 09. 2005 18:44


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
KurzeXL
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2005

Werke: 5
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um KurzeXL eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

ABGEFAHREN

Auch die bravsten Familienv├Ąter machen eines Tages mal alles ganz anders.



Gerda ist mal wieder sauer. Das ist nun das 3. Wochenende, was sie allein mit den Kindern verbringen mu├č, denn ihr Horst hat einmal mehr eine Extra-Schicht ├╝bernehmen m├╝ssen. Dabei wollten sie diesmal zu seiner Schwester fahren. Die Kinder waren zwar schon gro├č und kamen kaum noch mit den Eltern mit, doch hatten sie sich schon auf ein paar sch├Âne Stunden an der Ostsee gefreut. Jetzt schmollten sie. Dabei sollten sie froh sein, dass er das Geld f├╝r ihre Ausfl├╝ge heim bringt. Gerdas Stelle in dem kleinen Laden an der Ecke brachte nicht genug Geld, f├╝r sie war es eine willkommene Abwechslung in ihrem sonst so gleichf├Ârmigen Alltag.


"Sei doch nicht so m├╝rrisch, Gerda. Wir holen das Wochenende nach, sobald ich wieder frei habe." Gerda sch├╝ttelt den Kopf: "Jaja, das kenn ich! Du und deine Eisenbahn! Manchmal frage ich mich, ob ich nicht unsere Stube in ein Eisenbahn-Abteil einbauen lassen sollte, damit wir wenigstens ann├Ąhernd ein Familienleben haben k├Ânnen." Dabei schmunzelte sie jedoch verschmitzt.
Horst war seit seiner Jugend Zugbegleiter bei der Bahn. Es tat ihm manchmal schon leid, wenn er die Familie zu Hause zur├╝ck lassen mu├čte, aber andererseits hatten sie eben oft zu wenig Geld und er musste diese Gelegenheiten wahrnehmen. Nicht selten in der letzten Zeit jedoch hat er sich dabei erwischt, ganz froh zu sein, dem tristen Alltag daheim auf diese Art zu entfliehen. Er liebte das Geratter der Schienen unter den R├Ądern und die ewig bunt gemischte Schar von Fahrg├Ąsten.
Jetzt dr├╝ckt er seinen Kindern einen fl├╝chtigen Kuss auf die Wangen, k├╝├čt seine Gerda noch einmal in alter Gewohnheit und steckt das von ihr zurecht gemachte Stullenpaket in seine Aktentasche: "Bis morgen fr├╝h dann!"


Horst begr├╝├čt Frank, den jungen Lokf├╝hrer. Sie sind schon oft mit einander gefahren und Horst wei├č, da├č er sich auf Franks Fahrweise verlassen kann. Er ist keiner von diesen jungen Wilden, die sich auf der tonnenschweren Lok erstmal beweisen wollen. So kann er heute ganz beruhigt die Fahrt antreten.
Nun betritt Horst den Wagon, schliesst sein Dienstabteil auf und richtet sich ein. F├╝r die n├Ąchsten 10 Stunden wird dies sein zu Hause sein. Hoffentlich gibt es nicht zu viele Probleme unterwegs, damit er ab und an hier sein kann. Er ist eigentlich ein bissel m├╝de und w├╝rde nachher gern mal eine halbe Stunde die Beine lang machen.


Sie haben bereits den zweiten Haltepunkt angefahren, bisher sind nur wenige Fahrg├Ąste zugestiegen. Wenn die Nacht so ruhig bleibt, wird es wieder mal eine dieser tristen Fahrten und er wird nicht viel zu tun haben. Zwei Fahrscheine hat er eben verkauft und vielleicht 30 Fahrg├Ąste kontrolliert. Alles ist in bester Ordnung.
Er geht in sein Abteil und gie├čt sich einen Kaffee aus der Thermoskanne ein. Gerda hat ihm ein leckeres Schinkenbrot eingepackt, wie immer extra f├╝r ihn mit Senf bestrichen. Ja, so ist seine Gerda! Aber heute schmeckt ihm das Brot nicht. Seine Gedanken schweifen zu ihr nach Hause ab. Fast 20 Jahre sind sie nun verheiratet und eigentlich ist immer alles in geregelten Bahnen gelaufen. Die Kinder sind beinahe erwachsen und gehen bald aus dem Haus. Gerda macht liebevoll alle Hausarbeit und geht immer Mittwochs zu ihrem Kegelverein. Sie ist still und unauff├Ąllig. Meist tr├Ągt sie ihre Kittelsch├╝rze oder die schlichte Hose mit dem gr├╝nen Pullover dar├╝ber. Seine Gerda ist keine Modepuppe und mag Styling nicht. Ob sie sich manchmal mit ihm langweilt? Sie hat nie etwas davon gesagt, aber irgendwie scheint die Luft doch raus zu sein. Wie Bruder und Schwester leben sie eigentlich mit einander. Einer ist f├╝r den anderen da, soweit er kann. Aber wo war denn die Liebe geblieben, die Schmetterlinge? Wann waren sie beide das letzte mal aus? Wann eigentlich hatte er ihr die letzten Blumen mitgebracht, wann das letzte mal gesagt, da├č er sie liebt? Liebte er sie denn wirklich noch oder war alles nur eine Art Gewohnheit geworden? Horst wu├čte es nicht zu sagen. Er f├╝hlte sich irgendwie leer.

Als die Bremsen zu quietschen beginnen, rei├čt er sich aus seinen Gedanken. Der Zug h├Ąlt an einem gr├Â├čeren Bahnhof. Die Bahnhofsuhr zeigt 23.38 Uhr. Hier w├╝rden sie jetzt 20 min. Aufenthalt haben.
Horst schliesst seine Abteil-T├╝r und geht, entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, an den kleinen Imbiss-Wagen vor dem Bahnhof. Er kauft sich ein kleines Bier, trinkt es auf der Stelle aus und blickt versonnen in die Ferne, dann l├Ąuft er los...


Wie war er denn hier her gekommen? Horst schaut sich um. Er steht in einer der Hauptstrassen dieser fremden Stadt. Es ist weit nach Mitternacht. Still ist es um ihn herum und kein Passant ist zu sehen. Er ist noch immer wie benommen. L├Ąngst hat man ihn am Bahnhof vermisst. Da├č er seine Pflicht vergessen hat, kommt ihm nicht in den Sinn.
Er winkt nach einem Taxi: "Bitte fahren sie mich zum Flughafen." Der Fahrer sch├╝ttelt verwundert den Kopf: "Mein Herr, das sind fast 100km!" Aber Horst ist das egal. Soeben hat er einen Entschluss gefa├čt.


Die Schalterhalle des Flughafengeb├Ąudes ist hell erleuchtet. Reges Treiben herrscht selbst um diese Zeit darin. Aufgeregte Flugg├Ąste mit schwer bepackten Gep├Ąck-Transport-Karren suchen nach ihrem Schalter, andere Leute scheinen gelassen auf Ankommende zu warten. Horst h├Ąlt seine Aktentasche unterm Arm. Darin noch immer die Thermoskanne und Gerdas Schinkenbrot. Er liest die Anzeigetafel der Abfl├╝ge:


Buenos Aires..................... 03.45 Uhr
Athen................................ 03.55 Uhr
Antalya.............................. 04.15 Uhr
Gran Canaria...................... 04.25 Uhr
Nairobi............................... 04.50 Uhr
Rom.................................. 05.00 Uhr
Amsterdam........................ 05.20 Uhr
Los Angeles...................... 05.35 Uhr
Paris................................. 05.45 Uhr


Dann geht er an den Abflug-Schalter: "Haben sie noch einen Flug nach Gran Canaria offen? Die junge Dame hinter dem Schalter schaut auf ihre Liste und nickt. "Sie m├╝ssen sich aber mit ihrer Gep├Ąck-Aufgabe beeilen, der Flug geht in 45 Minuten.", sagt sie. Horst l├Ąchelt. "Ja, danke.", sagt er. Er hat ja kein Gep├Ąck, aber das kann die junge Frau nicht wissen. Er nimmt seine EC-Karte und bezahlt das Tiket. Dann geht er durch die Personenkontrolle. Der Beamte mustert ihn irritiert, denn er tr├Ągt nicht nur seine Aktentasche unterm Arm sondern auf dem Leib seine Dienst-Uniform.
Horst setzt sich auf eine der B├Ąnke vor den Flugsteigen und schaut ins Leere. Er gr├╝belt nicht, er tr├Ąumt: In Gedanken liegt er am Strand und h├Ârt die Wellen rauschen. Er wei├č, dort wo er jetzt hin fliegt, scheint die Sonne. Aber er macht dort keinen Urlaub... Der Aufruf f├╝r seinem Flug erfolgt, Horst erhebt sich und geht festen Schrittes auf die T├╝r zu.


Als er die Bordkarte abgegeben hat und seinen Platz aufsucht, wird ihm klar, was er hier tut. Er, Horst, wird jetzt in dies ferne Land fliegen. Er wird nicht zur├╝ckkehren. Er wird sich ein kleines Zimmer und einen Job suchen. Hart wird es werden, wenn er ├╝berleben will. Aber er will nicht mehr in dies triste Leben zur├╝ckkehren. Seine Gerda wird auch ohne ihn zurecht kommen, sie ist eine t├╝chtige Frau. Irgendwann wird er ihr und den Kindern schreiben, dass er nicht anders konnte. Was auf ihn zu kommt, davon hat er keine Ahnung. Doch er pfeift leise.
Vor einem Monat hatte er seinen 48. Geburtstag gefeiert. Er hatte sich gefragt, was wohl das Leben f├╝r ihn noch offen hat. Damals war er zu keinem Ergebnis gekommen. Alles schien auf geraden Gleisen nach festem Fahrplan zu fahren. Jetzt sa├č er pl├Âtzlich hier in diesem Flugzeug, pfeifend auf Job und Alltag, und f├╝hlte sich wohl wie seit Jahren nicht mehr.
Die Motoren des Flugzeuges wurden angeworfen, langsam setzte sich der Vogel in Bewegung. Horst sah noch einmal hinaus in den erwachenden Morgen ├╝ber der Stadt: F├╝r ihn fing heute ein neues Leben an.







__________________
Euch viel Spa├č beim Lesen und mir konstruktive Kritik w├╝nscht
die Kurze

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


AliasI
???
Registriert: Apr 2005

Werke: 27
Kommentare: 108
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um AliasI eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


hallo,
im prinzip ist die story nicht schlecht, sie handelt vom aussteigen an einem gewissen punkt im leben. Das ist okay.

Ich bin jetzt auch nicht so ein buchstabenfurzer, der dir die story UMSCHREIBT, bis sie nicht mehr zu erkennen ist, aber du solltest ein paar kleinigkeiten ber├╝cksichtigen:

1.) benutze keine Ziffern oder Zahlen. Beispiel: "20 min. Aufenthalt haben". Das liest sich bl├Âd, andererseits k├Ânnte es eine bundesbahnpolitische ursache haben.

2.) wieder das gleiche: "fast 100km!"

Aber das sind eigentlich nur ├Ąu├čere sachen.
Ganz am Anfang ist mir aufgefallen, dass die ehefrau gerda auch zu worte kommt, aber hinterher ist sie nicht mehr vorhanden. Vielleicht solltest du die sache nur von SEINER warte aufziehen.

IHRE sache k├Ânnte man in einer anderen story behandeln.

Wenn du das ber├╝cksichtigst, dann kriegst du bestimmt zwei gute stories hin, aber... wahrscheinlich wirst du keine Lorbeeren daf├╝r ernten. Oder vielleicht doch?

also nichts f├╝r ungut
Ingrid


__________________
Die Lust ist eine Kunst, aber die Kunst ist nicht immer eine Lust (von mir oder von irgendeinem anderen).

Bearbeiten/Löschen    


Druckmaus
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Aug 2005

Werke: 4
Kommentare: 19
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Druckmaus eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Kurze,

habe deine Geschichte gelesen.

Ich denke es ist eine Story die du vielleicht so erlebt hast. Die Idee finde ich gut.

1. Ich schlie├če mich den Ausf├╝hrungen von Aliasl an.

Aus dieser Geschichte k├Ânntest du zwei Stories
erarbeiten.
Einmal die Aussteigergeschichte von Horst, und eine
Story aus der Sicht von Gerda. Deine Protagonistin kommt
hier ziemlich kurz.

2. Du hast die Story im Pr├Ąsens geschrieben. Schreib sie mal
im Perfekt.

3. ├ťberleg mal, ob du nicht einen spannenden Einstieg
hinbekommen k├Ânntest, der den Leser neugierig werden l├Ą├čt.

Ich hoffe das war jetzt nicht zu viel.

Viele Gr├╝├če Druckmaus

__________________
Ig/Druckmaus

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ja,

so geht es leuten, bei denen die schienen rattern. normal rattern n├Ąmlich r├Ąder.
gr├╝├čle
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


KurzeXL
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2005

Werke: 5
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um KurzeXL eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

och man! jetzt bist du aber ziemlich ├╝ber-kritisch, old icke. ja klar, auch auf so etwas mu├č man achten und wo du recht hast, hast du recht.
__________________
Euch viel Spa├č beim Lesen und mir konstruktive Kritik w├╝nscht
die Kurze

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!