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Leselupe.de > Kurzprosa
Abgesang auf ein Jahrhundert
Eingestellt am 02. 08. 2001 18:43


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Dietmar Hoehn
Schriftsteller-Lehrling
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A B G E S A N G A U F
E I N J A H R H U N D E R T


Statt eines Vorwort’s, eines langen,
erkläre ich mich für befangen,
was Geist und Inhalt dieser Schrift
sowie das Thema anbetrifft.

Natürlich könnt’ ich konziliant
behaupten, es sei interessant
zu schreiben über dies’ Jahrhundert,
das sterbende, doch was mich wundert,
beziehungsweise Wunder nimmt,
ist doch die Frage ob es stimmt,
dass es sich lohnt zurĂĽckzublicken
auf Zeiten, die besonders drĂĽcken,
aus allgemeiner Deutscher Sicht.
Wieso verspür’ ich keine Pflicht,
den Menschen, den verdrängenden
und sich auf sich verengenden,
zu öffnen mit der Worte Pein
die Augen, oder kann es sein,
dass man als König unter Blinden,
gefährdet ist, sich zu verbünden
mit seinesgleichen, den Zyklopen,
die ihrerseits sich wieder dopen
mit ungeheuren Hybrisdosen,
so dass sie eher wie Mimosen
auf alle Blinden reagieren,
um „radab surdum“ sie zu führen.
Und also weis’ ich daraufhin,
dass dieses Werk von Anbeginn
nicht sucht Moral zu predigen,
vielmehr sich zu entledigen
der allgemeinen Denkungsart,
wo Torheit sich mit Hybris paart.

Der Rückblick lässt mich still nur trauern.
Der Ausblick eher kalt erschauern,
da angesichts der Zeitenwende
kein Licht erscheint an Tunnels Ende.

Herausgefordert frag’ ich prompt:
Wer soll dem trotzen, was da kommt?
Und stelle - simpel sozusagen -
vorab diverse Zwischenfragen:
War freier Wille je im Spiel?
Hat alles ein verborg’nes Ziel?
Was ist der Sinn, der Hintergrund?
Ist alles Denken eitel Schund?
Betrifft es mich wie alle ander’n,
muss jammernd ich im Tale wandern?
Was ist er wert, der Geist der Zeit?
Und was der Ismen-Wertestreit?
Wogegen soll man sich erheben?
Macht Weisheit einen Sinn im Leben?
Bedarf es einer Geisteswende?
Sind wir durch uns nicht schon am Ende?
Birgt ReligionsverheiĂźung SĂĽĂźe?
Bekam selbst ER nicht kalte FĂĽĂźe?
Macht Hinterfragen - und so weiter -
den Hinterfragenden gescheiter?
Verliert er sich, weil er wohl muss,
nicht ständig im Gedankenstuss,
der subjektiv und ich-gebeugt
doch immer nur sein Bild erzeugt,
von allem was da ist und war?
Wird jemals irgend einem klar,
dass er trotz aller Denkungslist
ein Sechsmilliardstel Teil nur ist?
Und wär’ es daher nicht gescheit,
dem hirnverbrannten Ismenstreit
die Stirn’ zu bieten, unverbohrt,
auf dass die Erde bald ein Ort
des Wohlgefallens wäre?
So lang’ im Kopf die Schere
sich weiter spreizt und sticht
hab’ ich die Hoffnung nicht.

Der Mensch in seiner Geistesnacht
weiĂź nicht einmal, was Hoffnung macht.
Blind folgt er - starr vor Angst und Schreck -
dem allerschlimmsten Ismendreck;
hält dennoch sich für aufgeklärt.
Ein Widerspruch, der sich bewährt,
wird paradox so lang’ verdreht,
bis dass er zur VerfĂĽgung steht
beim dialektischen Disput,
nicht ahnend, dass die dumpfe Wut,
die man verborgen in sich schĂĽrt,
nur neuen Hass gebären wird,
dem jeder willenlos verfällt
in einer kalten Einheitswelt.
Und also hoffe ich verzagt,
dass sich ein jeder hinterfragt
im Sinne einer Pflicht;
nicht primär dies’ Gedicht!
Dass nun der Ausblick - sehr konkret -
nicht optimistisch mir gerät,
liegt leider stark, ich kann’s nicht hindern,
an eben euch, den Menschen(s)kindern!!!

__________________
Einsam wie beim Hoeh'nflug
fĂĽhl'ich mich, das reicht, genug!

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ElsaLaska
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lieber dietmar,

da ist dir wieder was ganz was feines gelungen!!!
muss ich hervorheben, dass wiederum die form vom feinsten, der inhalt aber unĂĽbertroffen ist?
nein, du wirfst selbst soviele fragen auf, fragen ĂĽber fragen, dass meine obige nur noch so rhetorisch hier herumstehen soll...
und die conclusio, tja, die hätte ich mir zwar origineller gewünscht, aber mein gott, sie trägt halt ewige und immergleiche wahrheit in sich.
könnten wir nur alle so herrlich die menschlichen eigenschaften und dummheiten aufs korn nehmen.
es salutiert beglĂĽckt
elsa

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Lothar
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Abgesang

Hi Dietmar!
FĂĽr den Text-Rausch eine 10. Du liegst voll auf meiner Welle. Kann und will dem nichts hinzu fĂĽgen.
Beste GrĂĽĂźe
Lothar

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Dietmar Hoehn
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Ich danke dir sehr, liebe elsa

für dein großes Lob. Du verstehst es immer wieder, mit minimalstem Aufwand, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Daher lese ich grundsätzlich alle deine Kritiken und natürlich deine Threads. Formidable, kann ich nur sagen.

Habe doch tatsächlich -und das ist eine Schande- vergessen, hier noch einmal, wie vorgesehen, reinzuschauen, um dir zu danken. Ist ja nicht zu spät.

Ganz heiße (z.Z. 34° C) Sommergrüße von Dietmar
__________________
Einsam wie beim Hoeh'nflug
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Dietmar Hoehn
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Textrausch

Lieber Lothar,

etwas verspätet aber um so herzlicher möchte ich auch dir für dein ebenso kurzes wie aussagekräftiges Statement zu meinem Jahrhundertrück- und ausblick danken. Vielleicht habe ich da ein etwas zu Düsteres Bild gemalt, bin allerdings nicht sehr optimistisch, was die Zukunftsaussichten betrifft.

Habe in den letzten Tagen nur sehr wenig hier in der LL vorbeigeschaut, eher flüchtig, dabei aber nicht die Fülle deiner neuen Beiträge übersehen. Werde mich jetzt erst einmal darin vertiefen und melde mich dann.

Alles Gute dir und auf bald. Herzlich grĂĽĂźt Dietmar
__________________
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Lothar
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Abgesang auf ein Jahrhundert

Lieber Dietmar!

Du malst kein Bisschen zu pessimistisch. Das Problem ist die unsere Gesellschaft prägende, ziemlich verworrene 68er-Philosophie hinsichtlich Gewalt (des Einzelnen und von Gesellschaften). Der Rest war ja so halbwegs okay. Gewalt wird es immer geben, denn sie ist unser Leben. Eine Eliminierung der Gewalt aus dem Leben kann daher nie funktionieren, auf welche Weise man immer auch dies versucht. Wir haben mehr als 100 Jahre lang versucht, die Gewalt aus dem Leben zu Reden und zu Schreiben. Auch Sloterdijks neue Phantasien von der Manipulation des Gewaltgens werden Scheitern. Er hat ja damit wahrscheinlich nur Spaß gemacht, aber es gibt genügend Leute, die daran glauben. Die einzige Chance, die "böse Gewalt" ein wenig besser in den Griff zu bekommen, ist, sie zu akzeptieren und sie zu bekämpfen. Ich sehe die Gesellschaft als ein Haus. Wenn ich ein Haus bauen und erhalten will, muss ich mir manchmal die Hände schmutzig machen, oder ich muss dafür jemanden bezahlen, wenn ich es mir leisten kann.

Wenn nun ein Gewalttäter mein Haus bedroht, dann muss ich mich wehren, auf welche Weise auch immer. Ich habe ja nicht mit der Gewalt angefangen, also brauche ich auch kein schlechtes Gewissen haben. Wir haben immer gleich ein schlechtes Gewissen dabei. Und der größte Fehler in der Vergangenheit lag darin, dass wir unser "Ur-Wehrrecht" immer mit den Missetaten der Obrigkeit in der Vergangenheit verglichen und bewertet haben. In einer humanen, demokratischen Gesellschaft, wie wir sie heute haben, sieht eine evt. Anwendung dieses unseres Ur-Wehrrechtes ja ganz anders aus. Es wird immer vom mehrheitlichen Willen der Menschen in einer Gesellschaft getragen sein.

Und sieh Dir bloß an, wo unsere Politik der Gewaltlosigkeit, des Friedens, hingeführt hat. Ein Beispiel: Es wird immer Krieg geben. Also ist unsere Friedenspolitik die reine Lüge. Ergebnis: Unsere Gesellschaft hält einen Wahn am Leben. Zukunft:?! Verlustfreie Kriege. Wir führen zwar Kriege, haben aber keine eigenen Toten und Verletzten mehr, siehe den feigen Bombenkrieg gegen Serbien. Wir im Verbund der Nato sind technisch so weit voraus, dass wir keine Soldaten mehr verlieren. Denn wenn wir sie verlieren, bekommen wir große Schwierigkeiten mit unseren Humanisten zu Hause.

Dies ist für mich die absolute Lüge, die absolute Feigheit. Mehr geht nicht mehr. Und gerade das ist das Ergebnis unserer Philosophie der Gewaltlosigkeit. Beim Gegner können ruhig die Leute sterben, das halten die Human-Militaristen aus, nur vom eigenen Volk darf keiner umkommen. Und dies wird noch schlimmer werden, das garantiere ich. Unsere Scheinhumanisten haben jetzt neues "Friedens-Blut" gerochen, sie haben ihre Skrupel verloren.

In einigen Jahren werden große Probleme auf uns zukommen: die sozialen Gegensätze innerhalb der Länder der Nato werden immer größer; die globalen Probleme; gleichzeitig Alt gegen Jung; die mit Wasser gegen die ohne Wasser; Umwelt im weiteren Sinne; irgendwann wird doch noch mal ein Terrorist das gefürchtete Atomszenario in einer Großstadt verwirklichen, der Israel-Palästina-Konflikt geht in diese Richtung, die verzweifelten Palästinenser werden drauf kommen, dass kein In-Die-Luft-Sprengen-Einzelner mehr, sondern nur noch internationales Mord-Agieren hilft; warum wir noch kein europäisches oder amerik. Tschernobiyl hatten, kann ich mir eigentlich nur mit Glück, Glück, und noch mal Glück erklären, usw.

Wir leben heute ohne Genierer auf Kosten unserer Kinder und vor Allem Kindes-Kinder. Wenn Du dagegen etwas sagst, bist Du sofort ein Trottel. Man lacht Dich aus. Und öfter als 3 x lässt sich kaum einer auslachen, auch kein berühmter Künstler nicht, er will ja von seiner Arbeit leben, also heucheln sie sich Alle an den Themen irgendwie vorbei. Ich schaue seit Ende des Kosovo-Krieges überhaupt nicht mehr Nachrichten: Quak, Quak, Quak, Quak, sonst nichts. Die weltweite Gewalt strebt langsam ihrem Höhepunkt entgegen. Zur Explosion, höchstens 15 - 18 Jahre, wahrscheinlich schon früher. Wir werden es völlig übersehen, das war schon immer so. Bis auf ein paar "Narren", hat es keiner geglaubt. Es macht einfach: Peng.

Auch die Überlebenden dieses Neuen Holocausts werden kaum gescheiter sein. Das extreme "Relations-Prinzip" wird dann herrschende These der folgenden Weltsicht sein, denn die einäugigen Hardliner werden wieder einmal am Lautesten schreien. Man wird nach dem 3. WK schon kleine, globale Brände brutal im Keim ersticken. Man wird wieder einmal von einem Extrem ins andere fallen. So in der Art, der Mensch lernt wieder einmal nicht aus der Geschichte. Im 20. Jahrhundert von der Gewalt zur absoluten (Schein)Gewaltlosigkeit und im 21. Jhd. wieder zu einer anderen Art der staatlichen bzw. internationalen Gewalttätigkeit. Ein ausgewogenes Agieren ist der Menschheit scheinbar fremd. Vom Wahnsinn der Friedens- und Massen-Mit-Mörder-Generation zum Wahnsinn der Gewalt-Eindämmungs- und somit wieder Massen-Mörder-Generation. Wobei ich nicht weiß, welche mir lieber ist, denn auch wir haben wissend zugesehen, wie Millionen gefoltert, entheimatet, vergewaltigt und gemordet wurden. Die dt. 68er-Generation ist heute am Beginn des 3. Jahrtausends nach Christi schon schlimmer als die Kriegsgeneration, die sie immer so sehr beschimpft hat. Wenn WIR "unsere Mit-Ermordeten", von denen wir global wussten, gegen die Mit-Ermordeten des dt. Reiches aufrechnen, werden WIR verlieren. Das nur zum sattsam bekannten Generationenkonflikt. Mit meiner Schreibe wollte ich nie mehr sagen!

Übrigens, Dein "radab surdum" gefällt mit Bestens. Da muss man mal draufkommen. War wohl ein Genieblitz. Herzlichen Glückwunsch. Und ich mag besonders Dichter, die der Selbstverherrlichung einer ganzen (eigenen) Generation Widerstand leisten.

Noch viele, viele Blitze in diesem Sinne wĂĽnscht
Lothar.

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