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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abgestempelt - Eine kurze Beamten-Ballade
Eingestellt am 17. 04. 2008 07:07


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moehrle
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Abgestempelt - Eine kurze Beamten-Ballade

Formular. Stempeln. Das n├Ąchste Formular. Stempeln.
Noch ein Formular. Wieder stempeln.
Das n├Ąchste Formular war ein rotger├Ąndertes, weshalb Holger dar├╝ber einen Vermerk machen musste. Warum, wusste er nicht mehr. Vielleicht hatte er es einmal gewusst, doch anstatt dar├╝ber nachzudenken stempelte er. Das letzte Formular. Nur noch einmal stempeln.
Holger starrte das Blatt vor sich an, dann stempelte er es unn├Âtigerweise ein zweites Mal. Er empfand dabei seltsam diebische Freude. Der Stapel, den er sich vorgenommen hatte bis zur Mittagspause zu erledigen, war nun abgearbeitet und abgestempelt. Er sah zur Uhr: 11:34, Mittag.
Zwar versp├╝rte er noch nicht das Bed├╝rfnis eine Pause einzulegen, doch der Stapel war erledigt und halb zw├Âlf war nun mal seine Zeit. Auf dem Flur vor der B├╝rot├╝r hallten Schritte. Gleich w├╝rde Hans-Peter von Zimmer 417 anklopfen und seinen Kopf durch die T├╝r stecken. Er w├╝rde Holger fragen, ob er Lust h├Ątte, mit in die Kantine zu kommen. Holger w├╝rde wie immer in den letzten Monaten behaupten er habe noch Einiges zu tun.
Es klopfte. Hans-Peter schaute hinein und sagte seinen Satz. Holger schaute von seinem Formular auf und sagte seinen. Hans-Peter verschwand wieder.

Holger schloss seine T├╝r von innen ab, nahm seinen kleinen Weltempf├Ąnger aus der Aktentasche und schaltete ihn ein. Klassik, in ged├Ąmpfter Lautst├Ąrke. Die beiden belegten Br├Âtchen, die er sich am Morgen geschmiert hatte, lie├č er in der Tasche. Stattdessen zog er einen Wecker hinaus, stellte ihn vor sich auf den Schreibtisch und sah ihm beim Ticken zu. Die Minuten vergingen.

Fast regungslos verharrte er so, bis die Zeiger des Weckers 12:02 anzeigten. Seine offizielle Pause betrug eine halbe Stunde. Er stand auf und ging zum Fenster. Von dort aus konnte er die angrenzenden B├╝rogeb├Ąude mit ihren verspiegelten Fensterscheiben sehen. Mit ihren k├╝nstlich angelegten und k├╝nstlich aussehenden Blumenbeeten vor den Eing├Ąngen.
Er schloss das gekippte Fenster und zog die Jalousie zu. Dann setzte er sich wieder. Aus der Innentasche seines verknitterten Sakkos zog er ein Foto. Es war das gleiche Foto, mit dem er sich vor fast zwanzig Jahren beworben hatte. H├Ątte er sich die M├╝he gemacht das Foto richtig anzusehen, h├Ątte er ├╝berrascht festgestellt, wie jung und voller Leben er damals ausgesehen hatte. Er legte es vor sich hin und nahm den Stempel in die Hand. Ein au├čenstehender Beobachter h├Ątte in der Art wie er sein eigenes Portrait abstempelte keinen Unterschied bemerkt zu der Art wie er seine Formulare stempelte.
Er hielt kurz inne, dann f├╝gte er noch einen Datumsstempel hinzu. Bevor er die Waffe aus seiner Aktentasche nahm, zog er sich noch die Krawatte zurecht und strich sein zerknittertes Sakko glatt.

ENDE
__________________
moehrle

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo moehrle,

der Abriss als solcher gef├Ąllt mir ganz gut, aber was Deiner KG aus meiner Sicht fehlt, ist ein Motiv.
Warum will er es tun?
Das schn├Âde Beamtenleben als solches reicht m.M.n. daf├╝r nicht.
Die Monotonie kommt gut und glaubhaft r├╝ber, mehr aber auch nicht.
Es fehlen ein paar Kommas und manche S├Ątze k├Ânnten auch worttechnisch gesehen umgestellt werden. Aber das ist vorerst irrelevant, solange der Backround (aus meiner Sicht)nicht stimmig ist.
Gib mehr Input. Was treibt ihn in den "Selbstmord"? (Oder interpretiere ich da falsch?)

Ich denke auch, dass Dein Text im Pr├Ąsenz besser r├╝berk├Ąme!

LG, Karsten

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