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Leselupe.de > Kurzprosa
Abschied
Eingestellt am 22. 12. 2017 09:09


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brndmtzk
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F├╝nf Zeilen in winziger, krakeliger Schrift. Sie hatten auf dem schmalen Steifen gerade so Platz. Ausgebleichter Kugelschreiber auf einem blassen, pinkfarbenen Klebezettel.

Seit drei Jahren klebte dieser Zettel auf meinem Telefon. Damals war es nagelneu. Eine verwirrende Bedienungsanleitung, meine Unlust diese zu lesen und ein gewisses Desinteresse an den Pl├Ąnen unserer neuen Vertriebsfee unterbrachen zwangsl├Ąufig wenn auch ungewollt eine wichtige Telefonkonferenz.
Sp├Ąter, nach dem regul├Ąren Ende, st├╝rmte das Frollein durch alle B├╝ros und klebte einen dieser Zettel neben die Telko-Taste. Sie hatte damals noch gro├če M├╝he ihr Temperament und die Vorgaben des letzten Kommunikationstrainings in ├ťbereinstimmung zu bringen. Aber immerhin, der Zettel war ein Anfang. Kein Keifen, keine Vorw├╝rfe. Statt dessen Hilfe zu Abhilfe. Sie schaffte sogar ein lockeres "So, jetzt sollte es mit der Telko klappen."
Nur ihr Gesicht, irgendwo zwischen beherrscht und verbissen, strafte den unverbindlichen Ton L├╝gen.
Sp├Ąter fielen mir die Schreibfehler auf der Anleitung auf. Sie musste sehr erregt gewesen sein. Beim Verteilen hatte sie sich dann aber im Griff. In diesem Moment wurde sie mir sympathisch.

Jetzt stand der Apparat auf dem Sideboard neben der T├╝r. Abgeschaltet, tot. Wieder mal sollte alles besser werden. Handy statt Festnetz.
Auf dem Flur rumorte die IT-Truppe. Sie sammelten die alten Telefone ein. Ich sah zum Sideboard. Der rosa Zettel ragte keck in die Luft.

Es war ein Jahr nach der verungl├╝ckten Telko. Irgendwann an einem strahlend sch├Ânen Vormittag. Unser Niederlassungschef bat uns zu sich. Die ganze Abteilung. Jeder frotzelte auf dem Weg in den Besprechungsraum. Hitzefrei und Freibier waren die Favoriten. Wenig sp├Ąter schlichen wir mit gesenkten K├Âpfen zur├╝ck. Ein Unfall auf der Autobahn. Sie war auf dem Heimweg von einem Kundenbesuch. Ein ausscherender LKW hatte sie gegen die Leitplanke gedr├╝ckt. Keine Chance.
Zur├╝ck im B├╝ro verfing sich mein Blick an dem kleinen pinkfarbenen Streifen.
Ich sah ihn in den folgenden Jahren oft an. Jedes mal erinnerte ich mich an das eine Jahr in dem aus einer Nervens├Ąge eine Freundin wurde.

Drau├čen auf dem Flur kamen die Ger├Ąusche der Telefoneinsammler n├Ąher. Gedankenverloren starrte ich wieder diesen kleinen Zettel. Zum tausendsten oder auch zum zehntausendsten Mal. Wer wei├č?
Ein schm├Ąchtiger Praktikant steckte seien Kopf durch die T├╝r. Er griff das Telefon und verschwand mit der letzten Erinnerung an sie.

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