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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abschied
Eingestellt am 22. 11. 2000 14:26


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france
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

Werke: 7
Kommentare: 4
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Abschied

"Adieu", dieses Wort kam leise ĂŒber seine Lippen, schwach, zögerlich,
gerade so als ob er Angst gehabt hÀtte, es auszusprechen. Er wollte dieses
Wort nicht sagen, den Zeitpunkt hinauszögern, nicht daran denken und doch hatte es ihn beschÀftigt , immer wieder. Ja, er hatte Angst vor diesem Wort, vor seinen Folgen.

"Adieu", er hielt ihre HĂ€nde leicht zwischen den seinen. Er fĂŒhlte die
Vergangenheit und die Gegenwart in seinen HĂ€nden. Ihre Liebe, ihr
gemeinsames Erleben lief wie ein Film im Schnelldurchgang ab. Seine HĂ€nde
zitterten, sie waren unsicher; sie wussten nicht, ob sie festhalten oder
loslassen sollten. MĂŒssten.

Seine Bewegungen waren ungelenk als er sie umarmte.
Er schaute an ihr vorbei zu den BÀumen, zu den BlÀttern, die sich im Winde bewegten. Sie sollte seine TrÀnen nicht sehen.

"Adieu", es war ein Stich in sein Herz, es verkrampfte, ein Stahlband
legte sich um seine Seele, hinderte ihn am Atmen; er wollte wegrennen, heil herauskommen aus dieser Situation. Das alles konnte, durfte nicht wahr sein!
Doch es war RealitÀt.
KĂ€lte schlich durch seinen ganzen Körper, ergriff ihn, lĂ€hmte ihn, legte sich ĂŒber seine Gedanken, sein FĂŒhlen. Er war nicht mehr er selbst.

"Adieu", er ließ ihre Hand los, sah die BĂ€ume und die BlĂ€tter, die der Wind zu
Boden wehte. Nichts konnte ihren Lauf aufhalten.

"Adieu!"





__________________
france

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Annabelle
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo France,

ich habe soeben deine Kurzgeschichte "Abschied" gelesen. Sie hat mich total beruehrt! Nicht dass ich mich im Moment in solch einer Situation befinde, aber ich verbringe gerade einige Monate im Ausland und habe jemanden getroffen, den ich sehr liebe. Auch fuer uns wird es einen Abschied geben, wenn ich zurueckgehe. Zwar ist er Deutscher, aber da wir nicht in derselben Stadt leben, wird die Distanz bleiben. Das musste mal raus!

Annabelle

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
Kommentare: 375
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3 von 10 Punkten

An den meisten Stellen werden die Gedanken durch AufzĂ€hlungen dargestellt. Zwar ergibt das meist das GefĂŒhl der Dringlichkeit, der Verzweiflung, aber insgesamt sollte an der ein oder anderen Stelle noch ein Verb eingebaut werden.

Der Absatz nach "Doch es war RealitĂ€t" ist ebenfalls zu knapp geraten. Vielleicht solltest du daraus besser vier oder fĂŒnf SĂ€tze machen (und die Tatsache, daß er nicht mehr er selbst ist, z.B. dadurch illustrieren, daß du erklĂ€rst, wie er denn vorher normalerweise wĂ€re).

Einen logischen Fehler habe ich auch noch gefunden: Kaum hat er ihre HĂ€nde losgelassen, der endgĂŒltige Abschied steht also direkt bevor, da beobachtet er die BĂ€ume und BlĂ€tter. Haben seine Augen in dem Moment nicht ein wichtigeres Ziel, sie zum Beispiel? Wenn er die letzte Möglichkeit hat, ihr Gesicht oder meinetwegen auch nur ihren RĂŒcken zu sehen, dĂŒrfte er sich kaum mehr um TrĂ€nen und seine MĂ€nnlichkeit scheren. Wenigstens erwĂ€hnt werden sollte ein solcher letzter Blickkontakt.
__________________
Andrea Rohmert

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france
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

Werke: 7
Kommentare: 4
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Andreas Kommentar

Danke Andrea,
genau das waren auch meine Überlegungen und die Originalversion berĂŒcksichtigte alle deine EinwĂ€nde. Dann wollte ich die Geschichte "komprimieren" um der Fantasie mehr freien Lauf zu lassen. Beide Versionen legte ich einigen Lesern vor und deshalb stellte ich die kurze Fassung hier ein.
france
__________________
france

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maskeso
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

Werke: 28
Kommentare: 280
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Ich finde die Geschichte gut, gerade wegen ihrer KĂŒrze (Herzschmerz wĂ€re ĂŒbrigens das pssendere Forum gewesen).
Andreas EinwĂ€nde kann ich nur sehr begrenzt nachvollziehen: Den Absatz, in dem auch das Wort "RealitĂ€t" vorkommt, hĂ€ttest du dir in meinen Augen sogar ganz sparen können. Zwar sind die ÜbergĂ€nge generell wenig weich (gekĂŒrzt halt), aber dieser Teil wirkt nur aufgesetzt. Der "logische Fehler" ist meines Erachtens keiner - er will ihr nicht noch mal in die Augen blicken, hat Angst - was ist daran unlogisch?
Insgesamt finde ich es einfah stimmig und stimmungsvoll. Der Verzicht auf unnötige Ausschweifungen, die Reduktion auf das Wichtig-NebensÀchliche hat mir gefallen.
__________________
Die Hölle sind wir selbst.

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Guest
Registriert: Not Yet

Bravo, france! Sehr gut geschrieben, bildlich und trefflich.
Besonders toll ist der Satz, wo die Frau seine TrĂ€nen nicht sehen darf. Die MĂ€nner weinen nicht! Das ist goldrichtig. Dann kan mann sich ein bisschen wie Frau fĂŒhlen. Ich dachte schon, dass MĂ€nner waren mit Dinosaurien ausgestorben ...

En GrĂŒessli
Marina

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
Kommentare: 1400
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MĂ€nner weinen nicht?

Ich finde die kleine Geschichte auch sehr schön und bin wie maskeso der Meinung, man sollte sie so lassen. Ein wenig feilen vielleicht, denn das hilft immer.
An Marina: Du behauptest, MĂ€nner weinen nicht? Oh, ich denke doch. Du liebst Remarque? Dann mach doch mal einen Test. Gib MĂ€nnern das Buch "Drei Kammeraden" und laß es sie lesen. Mit dem Mann, dessen Augen trocken bleiben, stimmt etwas nicht.

Gruß Ralph
__________________
Schreib ĂŒber das, was du kennst!

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