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Leselupe.de > Kurzprosa
Abschied
Eingestellt am 23. 05. 2005 23:57


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flying theo
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2005

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Es regnete, aber ich sp├╝rte es nicht. Ich war wie taub. Taub am ganzen K├Ârper. Nur die kleinen H├Ąnde, die sich rechts und links in meine H├Ąnde krallten, die f├╝hlte ich. Meine Buben, Wolfgang und Sebastian, die sich hilfesuchend an meine H├Ąnde klammerten und nichts verstehen konnten, nicht wussten, dass man ihre Mutter in dieses nasse, kalte, schmutzige Loch versenkte.
Ich wusste es, aber verstehen? Ringsum Leute. So viele Leute. Leute, die ich am liebsten zum Teufel gejagt h├Ątte. Es war die ganze Zeit geredet worden. Was? Ich hab es nicht geh├Ârt und schon gar nicht verstanden. Nun war es still. Ich stellte fest, dass nun alle auf mich schauten. So als wenn sie auf etwas warteten.
Ach ja.
Ich musste als Erster an das Grab treten um Abschied zu nehmen. Beide Buben hatten ein paar Astern, Herbstblumen in der Hand, die ihnen Sabine meine Schw├Ągerin gegeben hatte. So holte ich also tief Luft und trat ans Grab.
Da unten sollte nun meine B├Ąrbel liegen. Warum ? Ich sagte den Buben, sie m├╝ssten die Blumen hinein werfen. Der Sebastian tat wie ihm gehei├čen. So wie er das fast immer tat. Wolfgang wollte seine Blumen nicht hergeben. So wie er immer erst ├╝berzeugt werden musste. Ich diskutierte nicht mit ihm. Nein, heute nicht. Es ging ja auch gar nicht. Ich hatte den beiden erst gestern erkl├Ąrt, dass die Mutti jetzt im Himmel bei den Engeln ist. Da konnte ich dem Wolfgang mit seinen viereinhalb Jahren nicht klar machen, dass er seine Blumen zu der Mutti hinunter werfen sollte.
Die Menge starrte mich erwartungsvoll an.
Nein, ich w├╝rde keine Schaufel mit Dreck auf meine B├Ąrbel hinunter schmei├čen.
Nein, auf gar keinen Fall.
Ich b├╝ckte mich, nahm die zwei Buben rechts und links auf den Arm und ging. Weg von der starrenden Meute. Weg vom geheuchelten Beileid. Weg von dem gaffenden Haufen Menschen. Meine B├Ąrbel war gegangen und f├╝r diese widerliche Menge war┬┤s `eine sch├Âne Beerdigung. Grund f├╝r einen angenehmen Leichenschmaus. Sie w├╝rden auf ihre Kos-ten kommen. Die Lagerhalle war ausger├Ąumt und f├╝r alle genug zum Essen und Trinken vorbereitet worden. Mein Bruder Sebastian und seine Sabine hatten alles organisiert. Ich w├Ąr dazu nicht imstande gewesen. Ich war taub. Seit Tagen. Am ganzen K├Ârper taub.


__________________
Theo Auer

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo theo,
etwas schwierig ist es f├╝r mich bei diesem text.
auf der einen seite habe ich das gef├╝hl, dass es
sich um eine authetische geschichte handelt. aber
es steht nicht im tagebuch-forum, also ├╝be ich ein
bisschen kritik, wenn es recht ist.
f├╝r mich ist an der story der clou, dass die beiden
kinder nicht so reagieren, wie sie sollten, bzw., man
ist sich nicht ganz sicher, wie man sie dazu kriegen
soll, sich ad├Ąquat zu verhalten.
den punkt w├╝rde ich mehr heraus stellen.
viele gr├╝├če,
denschie

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Papyrus
Guest
Registriert: Not Yet

............................


ich finde die geschichte etwas strange

"f├╝r diese widerliche Menge war┬┤s `eine sch├Âne Beerdigung"

warum ist sie widerlich?

und warum verstehen die Kinder nichts davon, wenn ein Mensch stirbt?
Kinder verstehen einiges

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Die Menge widerlich finden und zum Leichenschmaus einladen?

lg
sohalt
__________________
.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de diff├ęrence entre les hommes. (Pascal)

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

ich dachte, es sollte so her├╝ber kommen,
dass kinder es eben anders verstehen.
bl├Âd sind sie nat├╝rlich nicht.
aber eben gegens├Ątzlich zu der beerdigungserprobten
menge.
eine beerdigung ist ja im grunde ein gesellschaftlicher
anlass wie eine hochzeit oder so. wenn man dazu
lust hat...
in der story kommt nicht richtig raus, welche
meinung der autor dazu hat.
denschie

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flying theo
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2005

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Vielen Dank f├╝r Euer Interesse,
Zur Erl├Ąuterung, ein Ich-Erz├Ąhler vor 200 Jahren, Ort Bayerischer Wald.
Nat├╝rlich ist die "Menge" per se nicht widerlich, wird vom Erz├Ąhler als Betroffenem aber so empfunden. Der Leichenschmaus ist brauchtums-obligatorisch.
Der Erz├Ąhler leidet darunter, dass er nicht "privat" Abschied nehmen kann, unter dem Verlust sowieso und ist damit auch zwar willens, aber au├čerstande systemkonform zu agieren. Das versuche ich her├╝ber zu bringen.
Dazu ist au├čerdem zu sagen, dass die Geschichte mit dieser Szene beginnt.
Nochmals Danke und ein sch├Ânes Wochenende
flying_theo
P.S. bestellt f├╝r mich bitte sch├Âneres Wetter, damit ich wieder fliegen
gehen kann.

__________________
Theo Auer

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