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Leselupe.de > Kurzprosa
Abschied
Eingestellt am 16. 09. 2006 22:23


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lila
Hobbydichter
Registriert: Sep 2006

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Es war nicht der Wind, der mich geweckt hatte, es war auch nicht das Lied, das aus dem Radio klang, nicht die V├Âgel die drau├čen zwitscherten, es war sein Geruch, der in der Luft hing wie ein b├Âses Omen, ich begann mich zu drehen, fasste das Kissen und dr├╝ckte es auf mein Gesicht. Dieser Geruch war das Zeichen des B├Âsen, ich wu├čte, dass er gehen w├╝rde, ich wu├čte, dass er seine Sachen: die Seidenhemden, die Krawatten, die Anz├╝ge, seine Schuhe zusammenpackte, dass er, wahrscheinlich mit ausdrucklosen Gesicht, in der K├╝che eine Tasche suchte, eine Tasche, die alles aufsammeln w├╝rde, sein altes Leben aus diesen W├Ąnden vortragen w├╝rde.

Ich sah ihn vor mir, sein linkes Auge etwas zusammengekniffen, ohne seine Brille tastend nach der Schublade mit den zahlreichen Dingen, die auch er dort hineingelegt hatte, um das Chaos unseres Alltags zu b├Ąndigen. Pl├Âtzlich h├Ârte ich Wasser, es tr├Âpfelte, fast ger├Ąuschlos, in das Waschbecken, leise wie ein Fl├╝stern, er will mich nicht wecken, dachte ich, er will nicht sehen, wie ich leide. Ein Vogel, noch unausgeschlafen, flog in der D├Ąmmerung gegen die Fensterscheibe, ich erschrak, sp├╝rte meinen K├Ârper, wie er zitterte, langsam stand ich auf: der Vogel lag vor dem Fenster, seine schwarzen winzigen Augen starrten mich an. Steh auf, dachte ich, steh auf und flieg! Seine Fl├╝gel zitterten, er sch├╝ttelte sich, h├╝pfte einige Male, sah mich noch einmal an, schien den Kopf zu sch├╝tteln: sei nicht so dumm, es ist vorbei - und flog davon.

In der K├╝che h├Ârte ich das Rascheln der T├╝te, dann Schritte, sanft und vorsichtig, ich lief zur├╝ck ins Bett, atmete ruhig, versuchte es zumindest, die Schritte kamen n├Ąher, ich roch wieder Parfum, diesmal ein weibliches, blumig wie ein Garten, ich h├Ârte seine Stimme: komm her! Dann ein weibliches Fl├╝stern: ich kann es kaum verstehen, wieso du sie verl├Ą├čt, sie ist sch├Ân im Schlaf, sch├Âner als ich.
Sie entfernten sich, die T├╝te raschelte, der einzige Laut, der bis zuletzt blieb, dann das Zufallen der T├╝r. Stille.
__________________
lila ist die farbe der liebe

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