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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Abschied von Martin
Eingestellt am 03. 01. 2002 21:03


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Ole
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Abschied von Martin


Erleichtert l├Ąsst Martin die Wohnungst├╝r ins Schlo├č fallen. Es ist weit nach 22 Uhr, er ist m├╝de, abgehetzt, und durchgeschwitzt. Aber er hat es geschafft. Es ist nicht das erste mal, da├č diese Situation eintritt, und er ist f├╝r solche F├Ąlle ausgebildet worden. Doch heute war es verdammt knapp.
Langsam streift er die Jeans vom K├Ârper und zieht das T-Shirt aus. Ein pr├╝fender Blick in den Kleiderschrank best├Ątigt die durchdachte Struktur seiner Organisation. Es sind tats├Ąchlich Wechselsachen f├╝r beinahe jede K├Ârpergr├Â├če und beiderlei Geschlechter vorhanden. Vor etwa 10 Jahren noch, hielt Martin die Anmietung solcher Wohnungen f├╝r etwas ├╝bertrieben. Und er glaubt bis heute an das Gute im Menschen, gleichwohl die B├Âsartigkeiten ihm bei einer Vielzahl seiner Begegnungen nicht verborgen blieben. Diese Leute sind es, die ein harmonisches Zusammenleben um einiges schwieriger machen, als es h├Ątte sein m├╝ssen.
Sorgenvoll betrachtet er sein Spiegelbild im ger├Ąumigen Badezimmer. Alt ist er geworden. Die Arbeit hinterl├Ą├čt sichtbare Spuren und zehrt m├Ąchtig an seiner Gesundheit. Auch im Bad wurde an alles gedacht um eine gr├╝ndliche Reinigung, ja sogar eine optische Ver├Ąnderung durchf├╝hren zu k├Ânnen. Es wird wirklich schwierig sein, ihn beim Verlassen des Hauses wiederzuerkennen. Froh ist er, auf diesen Ort der Zuflucht zur├╝ckgreifen zu k├Ânnen. Dennoch reift der Gedanke, diesen Auftrag nicht zu vollenden. Zu sehr wird dadurch in sein Privatleben eingegriffen. Sehnsuchtsvollen Gem├╝tes denkt er an Katja. Martin hat sich unsterblich verliebt, darf es ihr aber nie zeigen. H├Âflicher Abstand und ein dezent reserviertes Verhalten bestimmen sein Handeln. So, wie er es gelernt hatte, wie die Organisation es von ihm verlangt. Zu gern h├Ątte Martin einige nette Stunden mit ihr verbracht. Er ist sich sicher, da├č Katja seine Herkunft und seine Mission akzeptieren k├Ânnte, gleichwohl es f├╝r nahezu alle Menschen nicht nachvollziehbar w├Ąre. Doch sie geh├Ârt zu jener Minderheit, welche die edlen Ziele seiner Arbeit erkennen w├╝rde. Die, entgegen der von der Menschheit deklarierten Definition von Ethik und Moral, jene Chancen sehen w├╝rde, zuk├╝nftigen Generationen ein ideales Leben in Harmonie und Liebe zu bieten. Ohne Krieg. Ohne Hass. Ohne jeglichen Egoismus und feigen Intrigen. Eigentlich Ziele, welche die Menschheit seit Jahrzehnten zu erreichen versucht. Doch wirklich bereit ist sie dazu noch lange nicht. Auch dies mu├čte Martin im Laufe seiner langj├Ąhrigen Forschungsarbeit bitter erfahren.


"Wo hast du gestern Abend gesteckt, Martin?"
Katjas Stimme klingt besorgt, aber keinesfalls vorwurfsvoll. Mit pr├╝fendem Blick vergewissert sie sich, da├č niemand im Labor ihr Telefongespr├Ąch bemerkt.
"Der Sicherheitsdienst hat dich auch gesucht, und sich von den Typen dieser staatlichen Dingsda-Beh├Ârde einiges anh├Âren d├╝rfen. Die wollten dich unbedingt sprechen, und waren ziemlich ungehalten. Du hast doch keinen ├ärger mit denen?"
"Eigentlich doch, Katja. Aber es geht mir gut. Diese M├Ąnner sind vom Geheimdienst. Unser Projekt ist in gro├čer Gefahr. Sie werden versuchen, die Ergebnisse f├╝r ihre Aktivit├Ąten einzusetzen. Nimm ein paar Tage frei, fahre zu dieser kleinen Bergh├╝tte, aber mache es unauff├Ąllig, h├Ârst du? Und sage niemanden, wo du bist, und da├č du mit mir gesprochen hast!" Martin bem├╝ht sich, recht ruhig zu wirken, um sie nicht noch mehr zu ├Ąngstigen.
"Aber was ist denn los? Wir sind doch so kurz vor dem Durchbruch, in wenigen Tagen haben wir alles erreicht, wof├╝r wir jahrelang gearbeitet haben. Martin, das k├Ânnen wir uns nicht nehmen lassen!"
Sie wird zunehmend k├Ąmpferischer. Nie w├╝rde Katja ein solches Ende ihrer gemeinsamen Arbeit zulassen.
"Ohne uns wird es ihnen nicht gelingen. Bitte, glaube mir, es ist besser jetzt einige Zeit zu pausieren."
"Ich habe Angst, Martin!"
"Erz├Ąhle Professor Reimann irgend eine Story, und verschwinde, ich melde mich sp├Ąter bei dir, und erkl├Ąre dir alles........ Katja?"
"Ja?"
"Ich habe dich lieb, Katja!"
"Gut, ich vertraue dir, und beeile dich bitte......Ich hab` dich auch gern!"
Seinen Herzschlag sp├╝rt Martin jetzt zunehmend st├Ąrker werden. Seine H├Ąnde zittern. Ist er eben zu weit gegangen? Aber er musste sie warnen, auch wenn es sicher nicht von der Organisation gebilligt werden wird. Er mu├č sich jetzt schnellstens mit ihnen in Verbindung setzen.


Die B├Ąume am Rande der Bundesstra├če zeigen sich bereits in ihrem rotbraunen Herbstdesign. Der Wind spielt mit den Bl├Ąttern, l├Ąsst diese durch die Luft tanzen. Durch die Sonne erscheint alles noch farbenfroher. Ein Anblick, der friedliche Ruhe und Ausgelassenheit vermittelt, aber auch Ver├Ąnderung. Martin geniesst dieses Naturschauspiel auf seiner Fahrt bewusster als je zuvor.
Die Organisation hat die Ereignisse der letzten Tage mit Bedauern zu Kenntnis genommen, aber eine Einstellung der Aktivit├Ąten bef├╝rwortet. Die Forschungsarbeit soll nun in eigenen Labors weitergef├╝hrt werden. Entsprechende Ma├čnahmen, wie sie f├╝r derartige F├Ąlle vorgesehen sind, werden eingeleitet.
Nach gut 4 Stunden Fahrt ist Martin bei der kleinen Bergh├╝tte angekommen. In Katjas Augen kann er etwas Verzweiflung erkennen. Sie kocht ihnen einen Kaffee und bereitet das Abendessen vor. Katja sieht bezaubernd aus, und verh├Ąlt sich irgendwie liebevoller als sonst. Ob das an der Bemerkung Martins bei ihrem letzten Telefonat liegt?
Sp├Ąter holt sie die aktuelle Tageszeitung aus der Kommode, und legt sie vor ihm auf den Holztisch.
"...Bei einer Gasexplosion vergangene Nacht wurde Deutschlands bedeutendstes Institut f├╝r Genforschung v├Âllig zerst├Ârt. Dessen Leiter, Professor Reimann, beschrieb dieses Ereignis als tragischen Verlust f├╝r die Wissenschaft. Besonders bedauerlich sei es, da die vollst├Ąndige Entschl├╝sselung der menschlichen Erbinformationen nahezu abgeschlossen war. Wertvolle Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungsarbeit seien nunmehr vernichtet worden...."
Martin weicht den fragenden Blicken Katjas nicht aus, und schaut tief in ihre Augen, w├Ąhrend er einiges erkl├Ąrt. Er erz├Ąhlt ihr auch, da├č er einer Organisation angeh├Âre, dessen erkl├Ąrtes Ziel es sei, zuk├╝nftig entsprechende Erbinformationen endg├╝ltig zu vernichten, welche urs├Ąchlich f├╝r all diese negativen Verhaltensformen der Menschheit verantwortlich sind. Es g├Ąbe einige Versuchsreihen, die solche Durchf├╝hrbarkeit positiv best├Ątigten. Die technischen Vorraussetzungen dazu seien vorhanden. Alle Ergebnisse ihrer Arbeit seien an einem sicheren Ort gebracht, bevor diese notwendige Zerst├Ârung des Instituts veranlasst wurde. N├Ąheres zu dieser Organisation k├Ânne er aber nicht mitteilen.
Die Verwunderung ├╝ber seine Ausf├╝hrungen steht Katja sichtlich im Gesicht geschrieben. Sie r├╝ckt etwas n├Ąher zu ihm heran, nimmt seine Hand, und gesteht ihm, was sie empfindet.
"Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen, Martin."
Fl├╝stert sie ihm leise ins Ohr. So sehr er sich ├╝ber diese Worte auch freut, gibt er ihr dennoch zu verstehen, da├č sie sich nicht ann├Ąhernd vorstellen kann, wer er ist, und woher er kommt. "Katja, du bist der wundervollste Mensch, dem ich je begegnete, ich liebe dich ├╝ber alles, diesseits und jenseits dieser Welt. Doch ein Leben mit mir liegt ganz sicher weit au├čerhalb deiner Vorstellungskraft."
Er erz├Ąhlt ihr nun die ganze Geschichte, wie er zu dieser Mission gekommen ist, wer die Leute dieser Organisation sind, auch woher er stammt, und warum sie der Meinung sind, tiefgreifende Ver├Ąnderungen im Dasein der Menschheit vornehmen zu m├╝ssen.
Die ersten Sonnenstrahlen treten bereits in die Bauernstube der kleinen Bergh├╝tte, als sie beschlie├čen, ihr Gespr├Ąch zu beenden, und etwas Schlaf nachzuholen. F├╝r Martin waren es die gl├╝cklichsten Stunden seines Lebens.


Auf dem Weg zu Professor Reimann h├Ąlt Katja an einer Autobahnrastst├Ątte, um die Fr├╝hausgabe ihrer Tageszeitung zu kaufen.
"...Auch am vierten Tage nach der verheerenden Brandkatastrophe in Deutschlands gr├Â├čtem Genforschungsinstitut blieb die bundesweite Suche nach Dr. Martin Oberath erfolglos. Die Polizei vermutet mittlerweile einen Zusammenhang mit seinem Verschwinden, und der Gasexplosion vergangenem Sonntag....."
Katja trinkt ihren Kaffee aus, nimmt sich noch einige Br├Âtchen f├╝r die Fahrt mit, und begibt sich wieder zu ihrem Auto, w├Ąhrend sie weiterhin die Zeitung durchbl├Ąttert. Pl├Âtzlich mu├č sie schmunzeln, als sie einen viel kleineren Artikel entdeckt.
"...Gestern meldeten sich mehrere B├╝rger in unserer Redaktion, welche UFO`s am n├Ąchtlichen Himmel beobachtet haben wollen. Der Astrologe Dr. Wilhelm Eisenach, Leiter der hiesigen Sternwarte, erkl├Ąrte dazu, da├č sich jedes Jahr Ende August solcherlei Meldungen h├Ąufen. Seiner Meinung nach, liegt es schlicht und ergreifend nur daran, da├č zu dieser Jahreszeit vermehrt Sternschnuppen zu beobachten sind...."
Katja schaut sehnsuchtsvollen Blickes in den klaren Nachthimmel.
"Ja, die kann man wirklich gut sehen!"

__________________
"...Wir sitzen mit unsern Gef├╝hlen
meistens zwischen zwei St├╝hlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

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Hallo Ole,

die Geschichte ist recht gut erz├Ąhlt. Vielleicht ├╝berlegst du dir sie unter SiFi zu posten, trotz des dann scheinbar erwarteten Endes. Vielleicht gerade deshalb?! Vielleicht aber solltest du, um die Sache in einem dramatischen Licht zu stellen, beiden die M├Âglichkeit geben eine neue Zeitrechnung (f├╝r sich) anzufangen. Ach ja, was mich als Leser am meisten interessiert (obwohl ich es mir denken kann) was ist die Organisation, ist Martin ein Wechselbalg (siehe Babylon 5), weshalb hat sich Katja in Martin verliebt, wie lange war er auf der Erde, usw. usw. ...

Es w├Ąre sch├Ân, wenn du die Geschichte ausarbeiten w├╝rdest, es w├╝rde sich lohnen.

Gru├č
Rene├Ę

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LisaVerde
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

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Servus Ole... ja, du musst die Geschichte unbedingt noch ein bisserl ausbauen.

Und: also mir sagt die Katja noch recht wenig. Ein paar Eigenschaften, ein paar Macken vielleicht, irgendwas, was sie lebendig macht..

Lieben Gru├č von Lisa

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Ole
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2001

Werke: 31
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Hallo Rene├Ę,
Servus Lisa,

vielen Dank, f├╝r Eure antworten. Ja sie klingt noch etwas wie die unvollendete....
Jetzt, wo die Grundmauern stehen, sollte ich wirklich ans feilen gehen. Nur beim Schreiben wollte ich erst mal die Gedanken loswerden, bevor sie weg sind. Naja, und da ich ├╝berarbeiten eigentlich nicht so mag..... Aber es ist wirklich von N├Âten. Dann kann sie vielleicht auch in SiFi, wenn nicht mehr alles von der Pointe abh├Ąngt. Die "Organisation" sollte eben den Spannungsbogen darstellen, also was der Leser zu ergr├╝nden versucht, sie ist einfach eine "Truppe" Au├čerirdischer mit dem beschriebenen Zielen..... Ja, und Katja hat sich in der Story wirklich aus heiterem Himmel verliebt, dabei kennt sie Martin ja schon ├╝ber einige Jahre.....und, stimmt Lisa, die Katja lebt in der Story noch nicht wirklich, hat ja nicht mal eine Haarfarbe......wirklich eine Menge Arbeit noch....aber wenn es sich lohnen sollte.....
Rene├Ę, die "neue Zeitrechnung" habe ich noch nicht ganz verstanden.....

Also, noch mal vielen Dank f├╝r Eure Hinweise
und liebe Gr├╝├če
Ole.

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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ja,

sehr nette geschichte. bin gespannt, wie sie in der verbesserten form aussehen wird. liest sich eigentlich recht gut, aber dran feilen kann man immer. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Ole
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2001

Werke: 31
Kommentare: 238
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Danke flammarion,

f├╝r Deine Worte. Du wei├čt, da├č l├Ąngere Geschichten f├╝r mich Neuland sind, aber gerade darum will ich sie erweitern & wie oben angedeutet ab├Ąndern. (bin ja selbst schon gespannt) ;-)
lieben Gru├č zur├╝ck
Ole.

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