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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Absehbares Ende (Krimi)
Eingestellt am 09. 10. 2001 18:37


Autor
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Burkhard Tomm-Bub, M.A.
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

Werke: 8
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Absehbares Ende
Krimi von B.Tomm-Bub


``Ein absehbares Ende -sicherlich!``, dachte er und das seltsame, diffuse Gef├╝hl stieg wieder aus der Magengrube in ihm auf. Seine H├Ąnde verkrampften sich leicht und unruhig starrte er hin und her.
Vor wenigen Wochen war er beim Arzt gewesen.
Er kannte sich mit Medikamenten ein wenig aus, von fr├╝her her, daher wu├čte er auch genug von etlichen Krankheiten und ihrer Diagnose.
Aber eigentlich war es ganz unwichtig, so ging es ihm durch den Kopf, wie das verdammte Ding nun genau hie├č, da├č in ihm sa├č und ihn letzten Endes auffressen w├╝rde!

Der Tod w├╝rde kommen und ihn mitnehmen, nichts anderes war es, was ihn erwartete.
Sicher, ja, er hatte geh├Ârt was der Medikus ihm gesagt hatte, ``Hoffnung gibt es immer ... verschiedene Therapien m├Âglich ...`` und so weiter, bla, bla ...
``Ich wei├č zuviel!``, dachte er -konnte aber ├╝ber das rei├čerische dieses Gedankens verst├Ąndlicherweise nicht einmal mehr lachen. Er selbst gab sich keine Chance mehr. Eigentlich war er ja ein k├Ąmpferischer, jedenfalls irgendwie z├Ąher Charakter, aber in dieser Lage? Er hatte ganz einfach ein paar medizinische B├╝cher zuviel gelesen, so war das.

Nur noch kurze Zeit, dann w├╝rde das Siechtum beginnen, begleitet von den ``verschiedenen Therapien...`` (Ha!).
Nein, das war es nicht, was er wollte.
Lange hatte er gewartet, da├č endlich einmal ein ``richtiger``, gr├Â├čerer Verlag seine Gedichte, seine Lyrik druckte und ver├Âffentlichte. Kleine Verlage hatten, gegen ``Unkostenbeteiligung`` schon den einen oder anderen Text von ihm gebracht ja, auch in einer ├╝berregionalen B├Ąckereizeitung war schon einmal etwas von ``Wolfgang Werner`` erschienen, aber: was war das alles schon? Nichts.

Niemand hatte ihm wirklich zugeh├Ârt, ihn verstanden, nein.
Dabei war es keineswegs so, da├č er sich f├╝r ein Genie hielt, oder einen ``begnadeten Dichterf├╝rsten``, sicher nicht!
Er war einfach der Meinung, da├č Lieder und Geschichten und vor allem eben auch Gedichte den Menschen etwas geben konnten und etwas zu sagen hatten -und zwar allen Menschen. Sie mu├čten nur zuh├Âren!
Aber kaum noch jemand las dergleichen, woran bestimmte Verlage, die Werbung, eben der Kapitalismus nicht unschuldig waren, oh nein!

Und nun war da dieses Konzert.
Der pr├Ąchtige, nein: eher beeindruckend zu nennende, Dom des kleinen St├Ądtchens Speyer gab die Kulisse f├╝r das gro├če ``Open-Air-Ereignis``. Eine Andachtsst├Ątte zwischen den gr├╝nen H├╝geln von Pf├Ąlzerwald und Odenwald -so schwangen seine Gedanken einen Moment lang lyrisch aus, kehrten aber sogleich in die bittere Realit├Ąt zur├╝ck.
Es war gar nicht so einfach gewesen, die scharfe Waffe (eine Pistole) zu besorgen, die recht nat├╝rlich wirkende Handgranatenatrappe war da schon leichter beschaffbar gewesen. Wobei, so sinnierte er, die Beschaffung gar nicht einmal das Hauptproblem gewesen war, die finanzielle Seite hatte sich daf├╝r aber etwas knifflig gestaltet. Er lebte n├Ąmlich seit einigen Jahren ein ziemlich ruhiges Leben, ganz im Gegensatz zu ``Fr├╝her``. Brav ging er seiner Arbeit nach, nicht ganz ohne einen gewissen Ehrgeiz, doch nicht fanatisch und f├╝r einen ganz annehmbaren Ehemann hielt er sich ebenfalls. So lief alles geregelt.

Er hatte noch zu niemandem etwas gesagt, auch nicht zu seiner Frau, die nun neben ihm sa├č. Bis zum letztm├Âglichen Moment wollte er sie nicht unn├Âtig belasten, hatte sie doch genug eigene Probleme... Zum Beispiel f├╝rchtete sie dauernd, sie habe irgendeine schlimme Krankheit. Welch` eine Ironie!, dachte er bitter.
Sie hatte aber von den Geldausgaben nichts bemerkt, erst in neun Tagen war wieder ein Bankbesuch f├Ąllig, an dem der Fehlbetrag h├Ątte auffallen k├Ânnen Nun ja, dies alles war nicht so einfach gewesen, doch nun sa├č er hier, wie achttausend andere Kulturliebhaber auch. Montserrat Caballe, die vielseitige Operns├Ąngerin, w├╝rde begleitet von Orchester und ihrer Tochter, einen wahrhaftigen Kunstgenu├č erm├Âglichen.

Es hatte geregnet ``wie aus Eimern``, anders konnte man die klimatischen Verh├Ąltnisse wirklich nicht mehr beschreiben, doch der Wettergott wollte es nur ein wenig spannend machen: 10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung ri├č der Himmel auf und seit einer Stunde (gleich w├╝rde die Pause beginnen) war es vollkommen trocken und auch die Temperaturen lie├čen sich so gerade eben ertragen.
Es war bislang ein herrliches Konzert gewesen, doch damit konnte er sich innerlich nicht mehr so recht befassen. Er dachte ├╝ber einiges nach, so ├╝ber seinen Bruder Michael, der nun schon zum zweiten Male in einer Langzeittherapie war. Der Alkohol und anderes hatten ihn ziemlich fertig gemacht. Sie hatten ja kaum Kontakt zu ihm, er wohnte ja auch weit weg.... Doch- er w├╝rde dem, was er vorhatte nicht nur Negatives abgewinnen k├Ânnen, da war er sicher! Nur das Ende, das war halt leider absehbar.

Ein wenig schuldbewu├čt war er durchaus, denn seine Frau w├╝rde er nun gleich ma├člos schockieren. Das tat ihm leid, aber er konnte es nicht ├Ąndern!
Auch bedauerte er nat├╝rlich, da├č die vielen Menschen jetzt nur ein halbes Konzert der wunderbaren Caballe erleben konnten. Aber daf├╝r w├╝rde er ihnen etwas ebenso spannendes bieten k├Ânnen und zwar -wie er zumindest hoffte- etwas von ann├Ąhernd derselben k├╝nstlerischen Qualit├Ąt.
Da war die Pause!
Halblaut verk├╝ndete er, leider einmal austreten zu m├╝ssen, nickte seiner Frau noch einmal kurz zu und strebte dann zun├Ąchst tats├Ąchlich in Richtung der links neben der B├╝hne gelegenen Toilettenh├Ąuschen. An einigen Security-Leuten (es stand wahrhaftig ``Security`` auf den Jacken der meist h├╝bschen jungen M├Ądchen, die hier die Programme verkauften!) und vielen anderen Menschen zw├Ąngte er sich zun├Ąchst vorbei, bis er schlie├člich fast den B├╝hnenrand erreicht hatte.

Was darauf folgte, war einige Tage hindurch die Meldung des Tages in den regionalen Zeitungen und -kurzfristig- auch in den ├╝berregionalen. Allgemein machte das Wort vom ``Drama am Dom`` die Runde.

Das las sich dann zum Beispiel so:

``Speyer. Am Samstag, den 7. Mai spielten sich gegen 21 Uhr dramatische Szenen ab. Vor der Kulisse des Speyerer Domes wurde zu diesem Zeitpunkt ein Konzert der S├Ąngerin Caballe gegeben. Am Ende der Pause erkletterte ein offenbar geistesgest├Ârter Mann die B├╝hne. Da er mit einer Maschinenpistole und einer Bombe bewaffnet war, sich im ├╝brigen aber ``dezent und h├Âflich``, wie es hie├č, verhielt, geriet das Publikum gl├╝cklicherweise nicht in Panik.

Der Geistesgest├Ârte, Wolfgang W., aus Ludwigshafen, verlas dann eine Erkl├Ąrung und trug einige Dutzend Gedichte vor, wobei er die Waffe stets im Anschlag, wohl auf den Pianisten, hielt.
Da sein Tun etliche Zeit in Anspruch nahm, gelang es der Polizei Scharfsch├╝tzen im Erkerfenster eines angrenzenden Hauses zu postieren. Hauptmeister Fender gelang dann der rettende, f├╝r den Attent├Ąter allerdings t├Âdliche, Schu├č.
Nach unbest├Ątigten Berichten soll Wolfgang W., diese Identit├Ąt ermittelte sp├Ąter die Kriminalpolizei, seinen Vortrag zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits beendet haben. Eine Augenzeugin berichtete sogar, er habe ``sehr diskret`` die Waffe an die S├Ąngerin Montserrat Caballe ausgeh├Ąndigt und sich bei dieser entschuldigt. Ob zu diesem Zeitpunkt weiterhin die Gefahr bestand, das der geistig verwirrte Mann doch noch die Bombe z├╝nden k├Ânnte, ist unbekannt.``

Diesem sehr exakten Bericht ist sicher nichts hinzuzuf├╝gen.
Doch, vielleicht das:

Der, bei dem Konzert ├╝brigens anwesende, Reporter Hermann Loskill hatte diese Reportage gleich ``vor Ort`` verfa├čt. Dies keine schlechte Leistung, da er doch fast die gesamte Zeit im Hintergrund am Weinstand verbracht hatte.
Ein wenig l├Ąnger war sein Bericht gewesen. Er hatte am Schlu├č noch eine andere Augenzeugin zitiert, die ausgesagt hatte, die Gedichte seien ``sehr sch├Ân, teils lyrisch, teils lehrreich`` gewesen, trotz alledem!

Wie schon von Loskill geahnt, hatte es aber wieder ein ziemlich hohes Anzeigenaufkommen gegeben.
Zeitungsberichte werden von``hinten nach vorne`` zusammengestrichen.
Tja, dachte er, da├č war absehbar!



-ENDE-
__________________
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