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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Absender „Times New Roman 12“
Eingestellt am 26. 03. 2011 11:25


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sabiko
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Registriert: Feb 2006

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Kinder bereiten nicht immer Freude. Besonders dann nicht, wenn sie sich direkt nach dem sonntäglichen Kakao entscheiden, diesen in der Küchenspüle von sich zu geben. Erst recht nicht, wenn jene seit dem Vorabend unter hartnäckiger Verstopfung leidet.

Umso größer ist die Freude, einen Handwerker zum Mann zu haben; und einen Kärcher, dem ebenso wie Kind und Spüle der Sonntag vollkommen gleichgültig ist. Nach einer Stunde kräftigen Brummens ist der Abfluss wieder frei. Zwei Tage später bringt uns die Post einen bösen Brief ins Haus: „Liebe Nachbarn“ steht dort in Times New Roman 12 „wir möchten Sie doch herzlich bitten, sich zukünftig an die Sonntagsruhe zu halten!“ Es sei, so folgt, über Jahre, ja sogar Jahrzehnte, hinweg üblich und auch angenehm gewesen, dass sonntags niemand laute, in unserem Fall noch dazu extrem nervige Geräte nutzte. Wenn nun einer sich nicht mehr dran hielte, würden es bald auch andere tun. Es grüßten freundlich: Nachbarn ohne Namen.

Ich ging in die Küche und holte tief Luft. Abgesehen davon, dass dieser Gruß nicht freundlich war, war es nicht im Geringsten der Sachverhalt, der mich verärgerte. Bereits am Sonntag hatten wir geahnt, dass unser Handeln durchaus anrüchig war. Aber, solange sich niemand beschwert… Nun, es hatte sich jemand beschwert; aber warum erst jetzt? Warum in dieser Form?

Was hielt jemanden davon ab, einen berechtigten Anspruch umgehend anzumelden? Angst? Genoss meine Familie den zweifelhaften Ruf, eine Baseballschläger schwingende Bande zu sein? War unsere Katze zum Kampfkater mutiert, bereit, Beschwerdeführer zu zerfleischen? Oder hatte ich es statt mit Angst mit kleinkrämerischer Nachbarschaftspolizei zu tun? Der Nebensatz „über Jahrzehnte“ erweckte das Bild frustrierter Rentner, die über den Balkon gebeugt das Leben ihrer Nachbarn dirigieren. Auf zwei Anwohner passte es. Wer von beiden mochte es wohl sein?

Misstrauisch linste ich in die Nachbarschaft. Einer von ihnen musste mit Sicherheit unschuldig sein. Bezüglich des zweiten kamen auch genug andere in Betracht. Der Schreiber hatte geschafft, was er wollte, nämlich anonym zu bleiben. Aber hatte er auch den Rest erreicht? Was sich betraf, hatte er große Wut und 55 Cent in eine Sackgasse investiert. Noch dazu den Rest der Nachbarschaft als solche disqualifiziert, die auf Betreiben einer einzigen Partei bereit sein würde, den Frieden von Jahrzehnten über den Haufen zu werfen. Und was war bezüglich meiner?

Ich konnte dieses Schreiben bequem in den Papierkorb stopfen und 30,00 € für einen entschuldigenden Blumenstrauß sparen. Ob es wirklich das war, was Anonymus wollte? Ich habe da so meine Zweifel.

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