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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Adams Tod
Eingestellt am 25. 05. 2008 00:55


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anbas
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Adams Tod


"Ich darf heute endlich sterben!"

Mit diesen Worten betrat er die kleine Wohnung im f├╝nften Stock des Mietshauses. ├ťber die Trabantenstadt begannen sich gerade die Schatten der Abendd├Ąmmerung zu legen. Ein roter Streifen am Horizont verk├╝ndete gutes Wetter f├╝r den n├Ąchsten Tag.

"So, hat er es dir nun endlich erlaubt?" Eva, seine Frau, sah nur kurz von ihren Essensvorbereitungen auf. Der Duft von frisch ged├╝nstetem Gem├╝se durchzog die Wohnung.

"Ja, toll, nicht wahr?" Er ging ins Badezimmer und wusch sich. Die T├╝r lie├č er offen.

"Bleibst du noch zum Essen?" rief Eva nach einiger Zeit aus der K├╝che, w├Ąhrend sie damit begann, dort ein wenig aufzur├Ąumen und den Tisch zu decken.

"Nein, es hat jetzt schon so lange gedauert, nun will ich nicht mehr l├Ąnger warten!" rief er zur├╝ck.

"Na, dann haben die Kinder ja heute mehr zum Essen, da werden sie sich aber freuen," sagte Eva mehr zu sich selber als zu ihrem Mann.

"Was hast du gesagt?" ├╝bert├Ânte Adam die Klosp├╝lung.

"Ich sagte, dass die Kinder sich freuen werden, wenn sie diesmal mehr zum Essen haben!" antwortete Eva nun deutlich lauter.

"Ja, bestimmt werden sie sich freuen," murmelte er.

"Was hast du gesagt?"

"Ich meinte auch, dass sich die Kinder freuen werden!" antwortete Adam laut aber undeutlich mit der Zahnb├╝rste im Mund. "Wo sind die ├╝berhaupt?"

"Ich habe sie nach drau├čen geschickt. Sie haben sich mal wieder nur gestritten und die Wohnung auf den Kopf gestellt - ich brauchte einfach mal eine Auszeit. Da muss ich mir wirklich noch was einfallen lassen. Wenn das so weiter geht, wird das mit den beiden nicht mehr lange gut gehen."

"Hm, ich wei├č ehrlich gesagt auch nicht mehr weiter. Soll ich vielleicht doch noch ein wenig warten? Ich habe so ein dummes Gef├╝hl, wenn ich Dich jetzt mit diesen Problemen alleine lasse."

Adam kam aus dem Badezimmer und blieb in der K├╝chent├╝r stehen. Eva war gerade damit besch├Ąftigt, den Obstsalat f├╝r den Nachtisch vorzubereiten. Sie schaute kurz von ihrer Arbeit auf und sah seinen besorgten Blick.

"Nein, geh ruhig. Ich werde schon zurecht kommen", antwortete Eva l├Ąchelnd. "Die beiden werden sich ja nicht gleich die K├Âpfe einschlagen."

"Ach ich wei├č nicht", entgegnete Adam. "Ich habe da wirklich ein sehr dummes Gef├╝hl."

"Jetzt mach schon. Zieh dich an! Ich schaff das schon - du kennst mich doch." Eva schob ihn grinsend in den Flur.

"Ja ich wei├č, dass du auch alleine zurecht kommst - aber Gedanken mache ich mir trotzdem," murmelte er und ging nachdenklich ins Schlafzimmer. Dort nahm er sich seinen besten Anzug aus dem Schrank und zog ihn bed├Ąchtig an. Wenig sp├Ąter kam er in die K├╝che zur├╝ck.

"Schau mal Schatz, ist das gut so?"

"Nee, ├╝berhaupt nicht," lachte Eva laut auf und wischte sich ihre H├Ąnde an der Sch├╝rze ab. Dann r├╝ckte sie ihm die Krawatte zurecht und richtete den Hemdkragen. Nach einem kurzen kritischen Blick gab sie ihm einen fl├╝chtigen Kuss und streichelte ihm kurz ├╝ber die Wange.

"So, jetzt ist es gut. So kannst du losziehen. Willst du noch was trinken?" fragte sie sanft.

"Danke, aber mach dir keine M├╝he. Ich habe wirklich keinen Durst."

"Na dann alles Gute! - Halt, vergiss den Strick nicht!"

"Nein, ich hab's mir anders ├╝berlegt, ich werde von der Br├╝cke springen."

"Ach nee, dann habe ich den ja ganz umsonst gekauft. Das ist doch nun echt daneben. Erst hetzt du mich los, nur um diesen bl├Âden Strick zu kaufen, weil du ihn ja irgendwann mal gebrauchen k├Ânntest, dann liegt er hier st├Ąndig irgendwo in der Wohnung herum und nun ├╝berlegst du es dir pl├Âtzlich ganz anders ohne mir vorher Bescheid zu sagen. Also wirklich, f├╝r wen h├Ąltst du mich eigentlich? Du meinst wohl, ich h├Ątte sonst nichts zu tun."

Eva sah ihn vorwurfsvoll an und wandte sich dann dem Herd zu. Ärgerlich rührte sie in dem Topf, der dort stand.

"Tut mir leid, hab's vergessen, wird ja auch nicht wieder vorkommen!", erwiderte Adam, nun sp├╝rbar genervt.

Unschl├╝ssig blieb er in der K├╝che stehen und schaute Eva bei ihren weiteren Essensvorbereitungen zu. Nach einiger Zeit ging er zu ihr und legte sanft seine H├Ąnde auf ihre Schultern.

"Es tut mir leid. Ich habe nicht weiter nachgedacht. Komm, lass uns nicht im Streit auseinandergehen."

Sie drehte sich um und schaute ihn ernst an. Doch allm├Ąhlich wurde ihr Blick wieder milder.

"Nein, lass uns nicht im Streit auseinandergehen. Mir tut es auch leid. Ich bin heute schon den ganzen Tag ├╝ber etwas genervt. Ich habe ├╝berreagiert - es gibt wirklich gr├Â├čere Probleme."

Z├Ąrtlich schmiegte sie sich an ihn. Behutsam nahm er sie in die Arme und streichelte ihr durch das Haar. F├╝r einen Moment wurde es ganz still um sie herum. Nach einer Weile l├Âste er sich dann aber von ihr, k├╝sste ihr sanft auf die Stirn und ging entschlossen zur Wohnungst├╝r.

"Also, ich muss jetzt wirklich los. Mach's gut!"

"Ja danke, du auch!" sagte Eva und schloss hinter ihm die T├╝r.

----

"Wo ist denn Papa?" fragten die Kinder sp├Ąter beim Essen.

"Er ist sterben gegangen", antwortete Eva.

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 25. 05. 2008 00:55

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Thys
Guest
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Hallo anbas,

zuerst dachte ich mir, was ist das denn f├╝r ein K├Ąse, besonders nach der Antwort "Ja, toll, nicht wahr?" auf die Ank├╝ndigung, er d├╝rfe jetzt steben. Fand ich extrem unangepasst. Allerdings hat mich die Antwort auch neugierig gemacht, so dass ich an dem Text drangeblieben bin. Im folgenden gefiel mir diese Idee, Sterben als lapidare Allerweltshandlung - wie mal schnell auf Dienstreise gehen -, gut. Irgendwie etwas skuril, die ganze Angelegenheit. Allerdings h├Ątte ich mir als Ende der Geschichte etwas gew├╝nscht, wodurch f├╝r mich ein Ausrufezeichen unter den ganzen Text gesetzt wird, oder sowas wie ein Hinweis, warum das Sterben so gesch├Ąftsm├Ą├čig abl├Ąuft oder etwas, was mich ins Gr├╝beln bringt. Dann f├Ąnde ich die Geschichte wirklich gut.

Gru├č

Thys

PS: Adam und Eva stehen f├╝r mich auch etwas unklar im Raum.

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HerbertH
???
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Hallo anbas,

f├╝r mich ist der Plot der Handlung eher nicht existent, eher eine Idee als eine fertige Geschichte.

Es bleibt vieles im unklaren. Neben dem, was Thys und Flammarion sagten, frage ich mich: Warum Adam und Eva? Ein biblischer Bezug? Ist es also Gott der, der es erlaubt? Oder der Teufel? Oder, ohne biblischen Bezug, wer?

Mir fehlt ehrlich gesagt der rote Faden in der Geschichte.

Liebe Gr├╝├če

Herbert

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anbas
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Hallo Ihr Lieben,

wird ja nun wirklich h├Âchste Zeit, dass ich mich auch mal zu Wort melde. Vielen Dank f├╝r die Auseinandersetzung mit diesem Text.

Es ist schon so, wie Thys schrieb: Die Grundidee ist, das Sterben als etwas etwas Lapidares darzustellen. Adam und Eva habe ich gew├Ąhlt, da sie als ein m├Âgliches Sinnbild f├╝r die ersten Menschen, den Beginn der Menschheit stehen - und somit Gott als Sch├Âpfer, wie auch als derjenige, der ├╝ber ihren Fortbestand entscheidet. Mir ist dabei bewusst, dass dies ein sehr vereinfachtes Bild ist, es reizte mich jedoch, mit dieser Idee ein wenig zu spielen (zwei Kinder, die sich streiten und bei denen die Gefahr besteht, dass dies nicht mehr lange gut geht: Kain und Abel / Obstsalat als Nachtisch: der Apfel der Verf├╝hrung).

Die Kritik, dass dieser Geschichte ein roter Faden fehlt, dass sie eher ein Fragment denn eine fertige Geschichte ist, habe ich schon mehrfach geh├Ârt. Doch es gibt auch andere Meinungen. F├╝r mich ist es eine Art Blitzlicht in eine - scheinbar - allt├Ągliche Situation. Der Leser ist eingeladen, daraus sein eigenes Kopfkino erwachsen zu lassen; sich eine Welt vorzustellen, in der es nur m├Âglich ist, zu sterben, wenn man daf├╝r die Erlaubnis bekommt; sich zu fragen, wann man selber den daf├╝r die Erlaubnis bekommen m├Âchte, wenn es so w├Ąre; usw. usw.

So, ich denke, dass ich damit auf die meisten (oder alle ???) Fragen eingegangen bin. Ach nee - eine Roboterfamilie ist es nicht ... allerdings ... wenn ich so sehe, wie manche Menschen durch ihren Alltag gehen ...

Liebe Gr├╝├če

Andreas
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mitis

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quote:
├ťber der richtig: die Trabantenstadt begannen sich gerade die Schatten der Abendd├Ąmmerung zu legen.

Die T├╝r lies├č er offen.


├╝berlegst du es dir pl├Âtzlich ganz anders ohne mir vorher bBescheid zu sagen. Also wirklich, f├╝r was wof├╝r/f├╝r wenh├Ąltst du mich eigentlich?

Behutsam nahm er sie in die Arme und streichelte ihr durch eher: ├╝ber das Haar.
.

in rot ein paar korrekturanmerkungen.
sonst guter text, gute idee.
wenn das sterben schon etwas so "lapidares" ist, dann st├Âren mich ein bi├čchen die drastischen selbstmordmittel "strick" und "von der br├╝cke springen".
da w├╝rde eher ein medizinisches "ausl├Âschen" dazu passen, glaube ich.

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