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Leselupe.de > Kurzprosa
Adephagia
Eingestellt am 03. 11. 2011 19:09


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werther
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Da ist etwas geschehen und man ruft nach dir, weist dir zu, wohin du gehen sollst. Es ist gut, gebraucht zu werden, da zu sein, wo man dankbar daf├╝r ist. Es ist gut, nachts m├╝de zu sein, Atem zu sp├╝ren oder ihn nicht zu sp├╝ren und einfach zu schlafen, einzuschlafen, weil man mit dem Tag zuende ist, egal, wie die Dinge liegen. Sie bleiben liegen und es ist Ruh.

Was waren das f├╝r Tage abseits der T├Ątigkeit, abseits der Erm├╝dung und daf├╝r mitten im Licht, im grellen Flimmern der Neonr├Âhren bis tief in die Nacht, mit den Fingern im Gesicht, dort kratzend, dort quetschend, Augen reibend, die Falz der Stirn nachf├╝hlend, hei├č am Kopf, Blut in den Falten, elektrisches Summen, Gedanken, noch und n├Âcher rankend zwischen den Zweifeln, hei├č im Bett liegen und sich seiner eigenen Hitze nicht erwehren k├Ânnen, hier im Schwei├č, rings umher die rasende Stille, donnert um das Bett und treibt den Atem, dort und ├╝berall und ohne Ende: Ich.

Doch das war. Das ist nicht mehr, denn da ist etwas geschehen. Irgendwo, du hast gar nicht damit gerechnet, aus einem Grund, der dir nicht einleuchtet, aber das ist egal, denn das Fragen hast du abgelegt, das Z├Âgern und mit dem Geschehen hast du dich ereignet. Du bist und das was du warst, ist passiert. Vorbei und abgelegt. Du stehst aufrecht.

Da liegt etwas vor dir, abseits und konturlos zwar, doch ganz deutlich wird, dass es da ist, f├╝r dich, ganz f├╝r dich allein. Du k├Ânntest nun gleich hingehen, es aufheben und in H├Ąnden halten, es sp├╝ren und es dich sp├╝ren lassen, es annehmen und werden; wachsen. Du k├Ânntest, nichts hindert dich daran. Nichts st├Ârt.

Doch nichts passiert. Du bist hier, bleibst hier. Bist immer hier gewesen. Nur du. Du isst nichts, trinkst nichts, tagelang liegst du nur da und wartest, gekr├╝mmt und zugedeckt, wartest darauf, dass er kommt, dass du ihn sp├╝rst, wie er ganz langsam heraufkriecht, ansteigt, aus deinen Innereien schwillt, bis er zuletzt auch in die Fingerspitzen dringt, dieser Hunger, dieser w├╝tende, brennende Hunger, der dich allm├Ąhlich durchzittert und du glaubst, schwitzen zu m├╝ssen, aber das ist nur der Durst, der Hunger, der reine K├Ârper, der sich irgendwann Bahn bricht und ganz du wird, alles vertreibt, was nicht K├Ârper ist und nicht hungrig, dein Sein verdaut und du frisst, schlingst z├╝gellos alles in dich hinein, ohne zu w├Ąhlen, ohne zu z├Âgern, bis du vollgestopft bist, triefend satt, und sich nichts mehr regt in dir, du nichts mehr f├╝hlst, nicht einmal Hunger, nichtmal den K├Ârper. Nur M├╝digkeit, alte Knochen und einen Schwindel, dich im Fall einh├╝llend wie eine Decke, wie ein Wort, das keine Adjektive braucht. - Die Leere umf├Ąngt dich, h├Ąlt dich, bettet dich sanft in deine tauben Glieder und l├Âscht das Licht. - Dann ist Schlaf, endlich, echter Schlaf. Schwer, bleiern. Heimat fast. - Und es ist gut.

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"zu schreiben, als ob sich Leben darin ausdr├╝cke und zu leben, als ob sich Philosophie darin f├Ąnde."

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