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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Adrian
Eingestellt am 07. 05. 2004 22:17


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george
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Adrian

Fast normal ist unser Treffen. Du, Adrian, im Kalender. Du f├╝llst einen Platz von einer halben Stunde, eingezw├Ąngt zwischen Vorlesungen, Gutachten, Anrufen, mails, den abgelaufenen deadlines f├╝r die Buchbesprechung und den ├ťbersichtsartikel, der Berufungskommission, den Geldgebern, den Kunden, meinen Mitarbeitern, den Studenten, den Menschen. Den Menschen.

Auf dem Kalenderblatt sieht es aus wie Routine. Dennoch denke ich seit Tagen an dich. Du kamst heute genau um die Zeit, die du vorgestern in deiner Rundmail an „all“ angek├╝ndigt hattest. Du warst schon da, w├Ąhrend ich noch mit der Verwaltung um eine H├Âhergruppierung f├╝r den Buchhalter k├Ąmpfte. Um 11 Uhr trafst du ein in der Goldfischbar, dem Aufenthaltsraum des ganzen Institutes, und alle Kollegen, Doktoranden und Techniker aus deiner Gruppe sind gekommen, um mit dir zu reden, dein Kaffeeguthaben zu vertrinken und zu scherzen.

Alle sind nahe bei dir. Viele haben dich besucht in den letzten Tagen. Zwischen ihrer Arbeit, zwischen den vielen unbezahlten ├ťberstunden, die sie machen, ohne sehr auf ihre Zeit zu achten. So wie du es auch gemacht hast bis vor ein paar Tagen.

Als ich zur├╝ckkam aus der Stadt, ging ich auch hin├╝ber in die Goldfischbar, heraus aus der allt├Ąglichen Flut von Papier und mails, mitten hinein in die Gruppe von zwanzig jungen Leuten und eine der Sekret├Ąrinnen, um dir die Hand zu sch├╝tteln. Du hast sofort angefangen, Witze ├╝ber meine kurzen Haare zu machen. Ja, sie sind sehr kurz seit gestern.

So viele haben sich in letzter Zeit die Haare kurz geschoren. Dein eigener Haarschnitt f├Ąllt kaum noch auf. Und jetzt, Punkt 13:30 Uhr, sitzen wir beide alleine in meinem B├╝ro. Du hast deines schon ausger├Ąumt, es ist dein letzter Tag bei uns. Drau├čen auf den Fluren, in den Labors und B├╝ros geht das Leben und Forschen weiter. Mit Volldampf, konzentriert, aber ohne Hektik. Gleich wie noch vor ein paar Wochen und doch anders.

Wir reden ├╝ber deine Witwe. Ruhig sagst du, sie werde neu anfangen m├╝ssen. Sp├Ątestens, wenn sie 27 Jahre alt sein werde, n├Ąchstes Jahr im Fr├╝hling. Du sagst es ohne Bitterkeit, fast klingt es wie ein physikalisches Modell, ├╝ber das wir reden, fast wie eine Arbeitshypothese.

"Eine tolle Frau, so stark und so schwach zugleich", sagst du. Du h├Ąttest immer gewusst, dass sie die Richtige sei. Aber jetzt w├╝sstest du es noch besser. Auch du seiest zum ersten Mal schwach in deinem Leben.

"Ist das erlaubt, schwach zu sein?"

Es komme nur auf die Wahrhaftigkeit an, entgegne ich. Auch im Mannsein, auch in den Tr├Ąnen, auch in den Schmerzen. Der Rest sei unwichtig. So unwichtig.

„Die Menschen sortieren sich“, sagst du nachdenklich. „Ich rede nur noch mit denen, die mir wichtig sind.“ Du w├Ąhlteste dir die Menschen f├╝r den Rest deiner Zeit jetzt genau aus.

Langsam ist dein Sprechen. Es macht dir sichtlich M├╝he, auch das Denken. Manchmal l├Ąsst du Silben aus. Vergisst, die S├Ątze zu vollenden, obwohl du dich konzentrierst. Immer wieder hustest du, ganz anders als noch vor drei Wochen, als wir uns noch kurz auf dem Flur sahen und du schnell mit einem freundlichen Nicken die Treppe hinunter eiltest ins Labor.

Gerade ein halbes Jahr bist du jetzt bei uns. Hoch aufgeschossen, mit wachen Augen kamst du, eine geh├Ârige Portion britischen Humors immer auf den Lippen, gerade f├╝nfundzwanzig Jahre alt, gerade promoviert, gerade verheiratet mit deiner jungen deutschen Frau, aus England hergezogen zu uns, um mit uns zu forschen, um durch zu starten. Jetzt sollte es richtig anfangen; dein erster richtiger Job in der Forschung.

Gerade drei Wochen, noch nicht einmal, sind es jetzt, dass es anfing. Am Mittwoch mit Grippe krank gemeldet, am Freitag ins Krankenhaus, Verdacht auf Lungenentz├╝ndung. Am Montag das Todesurteil: Lungenkrebs. Eine ├Ąu├čerst seltene, sehr aggressive Art, mehr als vierzig Metastasen schon jetzt. Inoperabel, unheilbar. Du hast nie geraucht. Auch nicht die Gro├čeltern m├╝tterlicherseits, v├Ąterlicherseits. Seit mindestens drei Generationen nur Nichtraucher in der Familie. Ein Witz.

Du hast gelacht am Telefon. „Sterben. Gerade jetzt.“ Welche Ironie. Jetzt, nachdem das Leben h├Ątte anfangen k├Ânnen. Leben, ja leben. Ein toller Job, tolle Kollegen, neue Wohnung. Wissenschaft leben. Familie, Kinder, Liebe, Gl├╝ck.

Alle waren geschockt, die meisten hatten Tr├Ąnen in den Augen, wenn sie ├╝ber dich geredet haben. Aber sie sind der Situation nicht ausgewichen. Sie sind zu dir ins Krankenhaus gefahren oder nach Hause. Abwechselnd. Sie haben einander erz├Ąhlt ├╝ber dich. Und dir von uns.

Gleich die erste Chemotherapie vor einer Woche hat dich fast alle Haare gekostet. Dein Gesicht ist schmal geworden, entstellt von den vielen blutenden Pusteln und Pickeln, und du bist m├╝de, so m├╝de. Fast schon drei Stunden bist du jetzt hier im Institut und gl├╝cklich, weil alle da sind. Du k├Ânntest kaum essen, dein K├Ârper rebelliert.

"Nichts funktioniert mehr richtig, nichts", sagst du nachdenklich. Ich hake nicht nach.

"Morgen beginnt die zweite Chemotherapie; wieder zwei Tage lang. Der K├Ârper ist nicht eingerichtet auf Chemotherapie. Sie ist nicht vorgesehen. Aber sie hilft mir vielleicht, ein paar Wochen l├Ąnger zu leben. Ich bin jung. Vielleicht halte ich sechs Zyklen aus. Mehr geht nicht, haben die ├ärzte gesagt. Es ist das Maximum.“

Schweigen. Vielleicht noch ein paar Wochen, h├Âchstens ein paar Monate. Mehr bleibt nicht. Wir wissen es beide. Ein Abschiedsfest willst du noch geben in zwei Wochen, wenn das noch geht. Grillen drau├čen, reden mit den Kollegen. Ich wei├č nicht, ob ich im Land sein kann und sage nichts dazu, sage auch nichts von Christof, unserem Diplomanden, der jetzt auch in der Chemo liegt, Lymphknotenkrebs. Christof hat wenigstens eine Chance, Adrian nicht. Und Denis? Denis hat seinen Hodenkrebs ├╝berlebt. Jetzt macht er gerade in den USA sein Praktikum. Ich habe dort einen Platz f├╝r ihn gefunden. Alle sa├čen sie auf diesem Stuhl: Christof, Denis und jetzt Adrian, alle sind sie etwa gleich alt. Ich bin da, Adrian.

„Sie leiden mit mir,“ sagst du. „Obwohl ich erst seit einem halben Jahr hier bin. Hierher zu kommen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Sie sind alle so nah. Es hilft mir. Sie leiden mit.“

„Ja, ich wei├č, sie weichen Ihrem Sterben nicht aus“, erwidere ich ruhig. Und dann reden wir wieder ├╝ber den Unterschied der Sprachen, ├╝ber sein britisches Englisch und unser amerikanisch gef├Ąrbtes. ├ťber betonte und verschluckte Silben spricht er und macht einen Witz ├╝ber seine Landsleute.

Ich erz├Ąhle ihm, wie mein Vater gestorben ist, wie wir die unwichtigen Dinge weggelassen haben, damals gerade vor zwanzig Jahren. Wie wir den Sommer, den Herbst damals bewusst erlebt h├Ątten. Wie wir das Jetzt genossen haben, dass wir uns nie n├Ąher waren…

„Ich habe die K├╝nste wieder entdeckt,“ sagt Adrian, „wieder angefangen, Klavier zu spielen.“

Zwei Stunden am Tag, wenn er dazu in der Lage sei. Von den beiden Spazierg├Ąngen, die ihm so schwer gefallen seien, berichtet er.

„Haben Sie an den Blumen gerochen?“ hake ich nach.

Ja, er h├Ątte Blumen gerochen, sie zum ersten Mal in seinem Leben wahrgenommen, zum ersten Mal seit Jahren sich erlaubt, schwach zu sein.

Von Erdbeeren schw├Ąrme ich ihm vor, wie sie an der Oberfl├Ąche aussehen. Dass ich sie auch erst genau angesehen h├Ątte, als mir meine Freundin so eine Beere unter die Nase gehalten h├Ątte vor ein paar Jahren… Jaja, das m├Âchte er sich auch gerne ansehen, Erdbeeren. Ja, Erdbeeren ansehen, das wolle er noch, nimmt er sich vor. Ganz bestimmt. Erdbeeren.

„Ich m├Âchte gerne weiter hier arbeiten. Es gef├Ąllt mir hier.“

Nat├╝rlich darf er das. Nat├╝rlich kann er dennoch umziehen, wieder nach Norden. Er muss nicht ins Institut kommen, falls er doch mal arbeiten k├Ânnte, vielleicht gesund geschrieben werden w├╝rde f├╝r ein paar Tage. Das ginge auch ├╝bers internet, die Arbeit. Dass er ab morgen wieder ein Einzelzimmer bekommen w├╝rde im Krankenhaus, erz├Ąhlt er noch, obwohl er doch Kassenpatient sei. Der Oberarzt w├╝rde sich pers├Ânlich um ihn k├╝mmern. Er hustet wieder, hart, kurz. Er bebt f├Ârmlich auf seinem Stuhl.

Sein Arbeitsvertrag l├Ąuft noch ├╝ber fast ein Jahr. Er wird es nicht erleben, kaum. Wir wissen es, hoffen dennoch. Aber vielleicht gibt es ja ein Phase, in der er etwas klarer denken k├Ânnte. Und ein wenig arbeiten...

Heim m├Âchte er, in die N├Ąhe der Familie seiner Frau nach Hamburg. Zu den dortigen Freunden. Dort w├╝rden sie leben in einem Ferienhaus ├╝ber den Sommer. Im Wald. Weit drau├čen. Alleine. Sie w├╝rde nicht arbeiten. Das Krankengeld w├╝rde reichen f├╝r beide. Sie br├Ąuchten nicht viel. Sie ist Krankenschwester. Und es gibt eine Telefonleitung. Zwar kein ISDN, aber er w├╝rde schon ins Internet kommen, um mit uns in Kontakt zu bleiben…

Wieder der Husten. Die m├╝den Augen. Er kratzt sich im Gesicht. Die Pusteln jucken. Er blutet..

Er m├Âchte seinen Kopf noch besch├Ąftigen, gerne hin und wieder programmieren f├╝r uns, auch aus dem Haus im Wald. Solange er noch kann. Falls er kann. Vielleicht an der Datenbank f├╝r die Solarzellen? F├╝r ein paar Tage vielleicht noch. F├╝r die paar Tage, die ihm bleiben. Zwischen den Chemos vielleicht. Wenn er ein bisschen denken kann. Wir werden ihm einen Internet-Arbeitsplatz einrichten. Ja, er hat einen Computer dort in Hamburg.

Er ist einer von meinen Leuten. Auch im Sterben, gerade dann. Warum dem Tod ausweichen? Drau├čen die Welt auf dem Flur sonst ohne Tod. Fast nur junge Frauen und M├Ąnner, Studenten, Doktoranden, Wissenschaftler, fast f├╝nfzig sind es wieder. Sonst ein Leben ohne Zeit. Die Arbeit nur von Schlaf gest├Ârt, zeitlos, alterslos. Mit unseren Apparaten, Projekten, Computern. Arbeiten aus Liebe und Leidenschaft oft bis mitten in die Nacht und am Wochenende. An jedem Tag Olympiade. Das Rennen um Wirkungsgrade, Anerkennung, Geld. Die Neugier treibt uns, der Spieltrieb, die Freundschaften, die Freiheit zu denken...

Wir brauchen Geld, dringend. F├╝r Geh├Ąlter, auch f├╝r Adrian. Irgendwie wird es schon gehen. Eine halbe Million muss ich auftreiben bis zum Jahresende, sonst m├╝ssen zehn Leute gehen. Ich muss es irgendwie schaffen! Forschen, entwickeln, publizieren, Vortr├Ąge, Promotionen, Habilitationen, Feste.

Feste? Wie viele Hochzeiten und viele Geburtstage haben wir gefeiert? Wie viele Geburten? Drei im letzten Jahr? Mit den ganzen Familien. Jetzt kommt der Tod wieder einmal. Sie werden Halt brauchen...

Es ist die letzte halbe Stunde, in der wir alleine reden k├Ânnen. Und schweigen. Wir schweigen oft, sehen uns in die Augen, weichen der Stille nicht aus. Wenn wir reden, h├Âren wir genau zu, auch unseren eigenen Stimmen. Ruhig. Wir sind uns nah. Kein Chef, kein postdoc. Nur zwei Menschen, die ├╝ber das Leben und Sterben reden, ├╝ber seine Frau, seine Witwe, ├╝ber seine Angst. Es ist nicht wichtig, dass drau├čen schon jemand wartet. Ich lasse uns Zeit. Wie gerne w├╝rde ich ihm ein paar seiner Metastasen abnehmen.

Schlie├člich erinnert er sich, dass die Sekret├Ąrin ihn auf meine n├Ąchsten Termine aufmerksam machte. Wir verabschieden uns. Still und nah. Ein fester H├Ąndedruck. An der T├╝r lege ich still meinen Arm auf seine Schulter, w├Ąhrend er hinausgeht. Still, gefasst.

Ich werde ihn noch einmal sehen. Vielleicht schon in ein paar Wochen. Er wird es nicht mehr bemerken. Wieder werde ich eine Rede an einem offenen Grab halten, so wie schon zweimal. Ich muss es nicht. Niemand erwartet es. Ich werde es dennoch tun, f├╝r ihn, f├╝r mich. Wieder in ein w├Ąchsernes Gesicht eines Toten schauen und still mit ihm reden zum Abschied. Wieder die anderen f├╝hren. Auch im Angesicht von Tr├Ąnen und Tod. Nicht loslassen. Nicht ausweichen. Festhalten. Versuchen, wahrhaftig zu sein. Wenigstens versuchen.

Adrian geht am drau├čen wartenden Studenten vorbei. Ich entschuldige mich bei ihm, dass es l├Ąnger gedauert hat. Seine Lockenhaare haben ein paar r├Âtliche Streifen. Ich erinnere mich an ihn aus Vorlesungen; er ist ein wenig eitel. Jetzt m├Âchte er bei uns mit seiner Diplomarbeit anfangen. W├Ąhrend ich ihm einen Platz anbiete, versuche ich, mich auf ihn zu konzentrieren. Es muss gehen, auch wenn es schwer ist. Es muss gehen. Es ist sein Recht, es geht um seine Zukunft...

Am Abend kommt die mail an „all“:

„Dear ife,

my wife and I had to decide to move back to Hamburg to our family and friends for health reasons. We regret having had to make this decision, mainly because of the pleasant time we have had in Stuttgart. Nonetheless, there is no reason to quench our desire for celebration and cordially invite you to attend our farewell party on Friday, May 21st…

Best regards

Adrian.”


7.5.2004
__________________
┬ę J├╝rgen Locke

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silverbird
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Registriert: Feb 2003

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Lieber J├╝rgen
nicht einfach, etwas dazu zu sagen. Ausgedruckt und schon einige male gelesen, Bericht einer Begegnung, die betroffen macht, auch als aussenstehende. Man liest zwischen den Zeilen, sp├╝rt die Hilflosigkeit einem jungen Menschen gegen├╝ber, der ├Ąusserlich gefasst sein Schicksal anzunehmen scheint. Sp├╝rt den Abschiedsschmerz und das Mitleid. Worte die unter die Haut gehen. F├╝r diese Worte dr├╝cke ich dir still die Hand
silver
__________________
es gibt immer Lichter in der Nacht, auch wenn die Augen sie erfinden m├╝ssen.
John Steinbeck

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george
Routinierter Autor
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Danke, liebe silverbird.

Schreibend ist es nicht einfach, der Situation gerecht zu werden. Da ist auf der einen Seite der sterbende junge Mann, der in der Gruppe Halt findet, und auf der anderen Seite der Chef, der nicht ins Mitleid verfallen darf und will, da es nichts helfen w├╝rde. Es gibt nur Verlierer.

Alle Beteiligten versuchen, das Tabu des Sterbens und Leidens zu durchbrechen, vor allem jedoch, den Sterbenden so gut es geht nicht auszuschlie├čen. Da ist nichts Heroisches dabei, nur Schmerzen und Trauer auf allen Seiten.

Eine andere Situation, eine in der es Gewinner g├Ąbe, w├Ąre wahrscheinlich einfacher zu beschreiben.

Ich habe den Text noch etwas gestrafft.

Gr├╝├če
J├╝rgen

__________________
┬ę J├╝rgen Locke

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Yamana
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ich kann nur still und leise sagen: mit diesem text ist dir eine zutiefst wahrhaftige und 'sch├Âne' arbeit gelungen.
du findest f├╝r ein derart heikles thema eine klare, entschlackte form, bist ganz dem thema zugewandt, scheinst 'einfach' von dieser schlimmen sache zu erz├Ąhlen und dabei gelingt es dir 'uns', also die leser, in den zustand der mitf├╝hlenden zu versetzen, die nicht mehr gleichg├╝ltig bleiben k├Ânnen, nachdem sie erfahren haben, was geschehen ist. erz├Ąhlkunst kann das!
danke f├╝r das leseerlebnis,
Yamana
__________________
dichten ist ├╝bersetzen in eine nicht vorhandene sprache.
(breyten breytenbach)

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Buffy
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Registriert: Aug 2003

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Adrian

Ein Tabuthema in diesen klaren, kurzen S├Ątzen, so Ausdrucksstark umzusetzen ist dir mit dieser Story gelungen.
Hervorragend.
Einige kleine grammatische Fehler haben sich eingeschlichen.
Aber sonst. Kompliment.
Gru├č Buffy
__________________
Bin nie falsche Wege gegangenDie Umwege haben mich gepr├Ągtc.by KW

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Echoloch
???
Registriert: Nov 2003

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Hallo george, auch von mir ein Riesen-Lob f├╝r diesen Text, der zweifelsohne sehr ber├╝hrt. Ich finde es besonders beeindruckend, wie klar und unpathetisch du ein so emotional ├╝berladenes Thema beschrieben hast. Und gerade durch diese „Einfachheit“ treffen einige S├Ątze ins Mark: „Wir reden ├╝ber deine Witwe.“, „Ein Abschiedsfest willst du noch geben in zwei Wochen, ...“, „Jetzt kommt der Tod wieder einmal.“.
Auch den Widerspruch zwischen verschwendeter Lebenszeit und der Verantwortung f├╝r die Mitarbeiter, den selbstverst├Ąndlichen ├ťberstunden und dem dringend gebrauchten Geld, f├╝r das weitere ├ťberstunden geleistet werden m├╝ssen, finde ich sehr gut herausgearbeitet. Das Betonen, dem Tod nicht ausweichen zu wollen, wirkt wie eine Beschw├Ârung, wie ein verzweifelter Appell, noch einmal (schon wieder) mit dieser Situation klarkommen zu wollen. Man fragt sich zwangsl├Ąufig, ob die Labor-Situation etwas zum Erkranken der Mitarbeiter beitr├Ągt, denn drei so junge Krebs-erkrankte M├Ąnner sind doch selbst heutzutage sehr ungew├Âhnlich. Hoffe ich.

Nun einige kleine Kritikpunkte, denn auch ein inhaltlich so starker Text sollte, wie ich finde, sprachlich kritisiert werden d├╝rfen, sonst n├Ąhme man ihn wohl nicht ganz ernst. Nicht, dass viel zu kritisieren w├Ąre ...
Zum einen finde ich ihn streckenweise etwas zu lang. Durch die Wiederholung vieler Empfindungen wird man (der Leser) zwar Teil dieser dumpfen Situation, die nun mal nicht auf Effizienz und Produktivit├Ąt ausgerichtet ist. Aber ein wenig gestraffter k├Ânnte der Text meiner Ansicht nach schon sein, um die Aufmerksamkeit des Lesers noch etwas mehr zu fesseln.
Und dann einige Detail-Kleinigkeiten:
- „Bitterkeit, fast klingt es wie in physikalisches Modell.“ – wie Ein metaphysisches ...
- „Es ist das Maximum“ – Hier fehlt der Punkt. (Sorry, das sind nun echt Kleinigkeiten, aber der Text ist ansonsten orthographisch und sprachlich so wohltuend sauber, dass ich auch die Details ausbessern w├╝rde.)
- „Obwohl erst seit einem halben Jahr hier bin.“ – „ich“ fehlt
- „Und dann reden wir wieder ├╝ber den Unterschied der Sprachen ├╝ber sein britisches Englisch und unser amerikanisch gef├Ąrbtes.“ – Komma vor „├╝ber sein britisches Englisch“
- Wieso schreibst du „Internet“ immer klein, ist das Absicht? Weil Adrian Engl├Ąnder ist?
- „Es die letzte halbe Stunde, in der wir alleine reden k├Ânnen.“ – Hier fehlt ein „ist“.
Dann:
- „durch zu starten“ wird glaub ich zusammen geschrieben, oder?
- „damals gerade vor zwanzig Jahren.“ – Wieso „gerade“?
Und ein letztes: „Nat├╝rlich darf er das. Nat├╝rlich kann er dennoch umziehen, wieder nach Norden. Er muss nicht ins Institut kommen, falls er doch mal arbeiten k├Ânnte, vielleicht gesund geschrieben werden w├╝rde f├╝r ein paar Tage. Das ginge auch ├╝bers internet, die Arbeit. Dass er ab morgen wieder ein Einzelzimmer bekommen w├╝rde im Krankenhaus, obwohl er doch Kassenpatient sei.“ – Hier fehlt mir der Bezug f├╝r das „dass“.

Wie immer bei wirklich guten Texten, bei denen es sich f├╝r mein Empfinden lohnt, ins Detail zu gehen, bitte ich, die penible Fehlerauflistung nicht falsch zu verstehen.

Beste Gr├╝├če von Maja
__________________
Leben ist das, was passiert, w├Ąhrend Du eifrig dabei bist, andere Pl├Ąne zu machen.
www.echoloch.de

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