Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92217
Momentan online:
556 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Advent
Eingestellt am 21. 12. 2000 12:57


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
Kommentare: 602
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Adventssamstag. Vor den aus dem Landkreis einfallenden Horden fl├╝chtend, fahre ich an den Stadtrand zum Einkaufen. Auch hier scheint es, den Menschen brenne ihr Geld im Sack und sie m├╝ssten es schnellstens loswerden, um nicht in Flammen aufzugehen. Ich brauche doch nur ein paar Lebensmittel, Shampoo und Toilettenpapier! Nach langem Kampf endlich an der Kasse angelangt, stelle ich fest, dass ich nur mehr wenig Bargeld in der Tasche habe. Abends in der Kneipe kann ich nicht mit Karte zahlen, demnach sollte ich wohl heute noch Geld holen. Also gut, erstmal die Lebensmittel nach Hause bringen - die fahren doch wieder wie die Idioten, diese Landeier. Einmal im Jahr in der Stadt und nicht mal Park and Ride benutzen, die Arschgeigen. Aber dass man bei mir in der Strasse am Wochenende gratis parken kann, das wissen Sie! Verdammt, jetzt muss ich den schweren Kram 600 Meter weit schleppen...

O.K., das w├Ąre geschafft. Jetzt zur Bank. Dummerweise ist die Filiale direkt am Weihnachtsmarkt. Pl├Ąrrende Kleinkinder, vollbepackte, genervte Erwachsene, Besoffene nachmittags um drei, es stinkt nach fettiger Bratwurst, Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Gl├╝hwein und Krautschupfnudeln. Eine unbeschreibliche olfaktorische Mischung. Der W├╝rgreiz steigt mir die Speiser├Âhre hoch, schon beginnt der Speichel zu laufen. Schnell rein in die Bankfiliale und die EC-Karte in den Automaten gesteckt, Geld gezogen und ab. Gerade, als ich fl├╝chten will, stosse ich fast mit einer Bekannten zusammen. Nat├╝rlich will sie mit mir einen Gl├╝hwein trinken, 'leider' habe ich noch dringende Besorgungen zu machen.

Als ich endlich nach Hause komme, steht ein Obdachloser an unserer Biotonne und isst die angegammelten Mandarinen, die ich morgens weggeworfen habe. Ich schenke ihm f├╝nf Mark und sage ihm, wo die n├Ąchste W├Ąrmestube ist.

Wir schenken uns nichts zu Weihnachten.
Wir sind an Heiligabend einfach froh, dass wir uns haben.

CMvM 2000
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Sensiro
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 59
Kommentare: 259
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Sensiro eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gut, da├č es noch ein paar wenige Menschen gibt, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, denn ist Weihnachten denn nicht das Fest der Liebe? Oder inzwischen das der Geschenke und des Umsatzes und der Scheinheiligkeit?

Ave!
Sensiro
__________________
Non statim pusillum est, si quid maximo minus est

Bearbeiten/Löschen    


Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
Kommentare: 602
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Leider eher letzteres. Das ist der Grund, warum in unserer Familie nur noch die Kinder Geschenke bekommen. Das wirklich best├╝rzende ist, dass die Geschichte leider wahr ist.
Es war f├╝r mich einfach unfa├čbar zu sehen, wie ein Mensch meinen M├╝ll isst.

Unkommerzielle Weihnachten w├╝nscht
Chrissie
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

Bearbeiten/Löschen    


Brigitte
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Dec 2000

Werke: 98
Kommentare: 933
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Brigitte eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Chrissie,
wie heisst es doch Geben ist seliger denn Nehmen.
Ich h├Ątte dem Mann auch lieber ein paar Mark gegeben, als mitanzusehen, wie er sich am Abfall bedient. Die meisten schauen ja weg, damit sie ja nicht helfen m├╝ssen, aber man sollte eigentlich nicht nur helfen, weil Weihnachten ist, sondern das ganze Jahr.

Viele Gr├╝├če Brigitte
__________________
Brigitte

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist f├╝r das Auge unsichtbar.

Bearbeiten/Löschen    


Sensiro
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 59
Kommentare: 259
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Sensiro eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jutta, Du hast recht, pl├Âtzlich, wenn man jemand sieht, dem es schlechter geht als einem selbst, besinnen sich die Leute darauf, wie gut es einem doch geht. H├Ârt man denn nicht das ganze Jahr, egal wann man nach dem Befinden fragt, wie schlecht es einem doch geht und da├č es schon mal besser ging u.├Ą.
Ich h├Âre nur selten ein aufrichtiges "Mir geht es gut" oder "Ich bin zufrieden". Aber wehe wehe so ein Mensch erblickt jemand, dem es wirklich schlecht geht. Dann wird mal gleich die Verdr├Ąngungsmaschine angestellt, damit man ja nicht feststellt, da├č es einem gut geht. Denn w├╝rde mancher das feststellen, ginge es ihm wirklich schlecht, entweder, weil er nicht mehr behaupten kann, da├č es ihm schlecht geht (scheint wohl entweder eine Modeerscheinung zu sein, oder solche Spinner, denen es nicht gut geht, wenn sie sagen k├Ânnen, es ginge ihnen schlecht) oder weil er dann ein furchtbar schlechtes Gewissen hat.
Ich hoffe mal, da├č man mir da noch folgen kann ...

Wie auch immer ich w├╝nsche allen hier einfach ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Sensiro
__________________
Non statim pusillum est, si quid maximo minus est

Bearbeiten/Löschen    


moloe
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2000

Werke: 131
Kommentare: 413
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um moloe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
advent2001

hallo chrissie,

leider konnte ich diesen text erst heute lesen, doch er
sollte allen ein bischen mehr die augen ├Âffnen... nicht
unbedingt was das vorweihnachtliche gehetze angeht, aber
zumindest der teil, der das menschliche anspricht...

ich weiss nicht ob es so geschah, doch w├╝nsche ich allen
hier, auch f├╝r die kommenden jahr ein besinnlichen fest,
und denkt zumindest ├Âfters mal, an den rest der welt...

in diesem sinne

all goodness

mfg

manfred loell
>moloe<

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!