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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Afghanisches Kriegsabenteuer
Eingestellt am 17. 01. 2010 18:30


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Herbert Schmelz
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A F G H A N I S C H E S K R I E G S A B E N T E U E R
Obama begrĂĽndet gegen seine bessere Einsicht Fortsetzung eines verlorenen Kriegsabenteuers

In Oslo versicherte der amerikanische Präsident Barak Obama, ‚keine Lösung für die Probleme des Krieges’ zu haben. Nicht um subjektive Ratlosigkeit, sondern um das amerikanische Eingeständnis geht es, in Afghanistan - auch im Irak - auf militärische Konfliktlösung ohne berechenbares Ergebnis gesetzt zu haben. Der Taliban - Regierung fehlte seiner Zeit der politische Wille zu internationaler Kooperation. Die völkerrechtswidrige Strafpolitik der USA auf UN-Mandatsbasis scheiterte jedoch, was auch der deutschen Regierung allmählich dämmern dürfte. Obama ist reflektierender Realist und weiß: „In den Kriegen von heute sterben mehr Zivilisten als Soldaten; sie säen die Saat künftiger Konflikte, schwächen die Volkswirtschaften, brechen Zivilgesellschaften entzwei, vermehren die Zahl der Flüchtlinge und versetzen Kinder in Angst und Schrecken.“ Eine Großmacht, die auf der Höhe der Entwicklungen sein will, kann angesichts globaler Risiken und Krisen diese Einsichten nicht ignorieren.

Der Präsident sieht sich natürlich gezwungen, die militärische Gewaltanwendung der USA für nötig und moralisch gerechtfertigt zu halten, da er die Augen nicht vor den ‚Bedrohungen für das amerikanische Volk’ verschließen könne. So hört sich unumgängliche politische Pflichterfüllung an, der ein klügerer Kampf gegen eigene Bedrohung nicht verschlossen sein sollte. Und auch darin gab der Friedensnobelpreisempfänger sein realistisches Weltverständnis zu erkennen, wo er davon sprach, dass „gewaltfreie Bewegung“ gegen El Kaida nichts vermag und auch damals „Hitlers Truppen“ nicht hätte aufhalten können.

Aber wir erkennen auch den Schwachpunkt in der amerikanischen Politik, als er seinen Zuhörern die unerklärte These zumutete: „Das Böse existiert in der Welt.“ Gerade ihm trauen wir doch zu, dass er die Verkörperungen ‚des Bösen’ aus ihren weltlichen Ursachen zu diagnostizieren versteht. Ist er gezwungen zu schweigen, um die anstehende Kurskorrektur nicht zu gefährden? Da das Böse und das Gutwillige in Wirklichkeit
nur als kompliziertes Mischungsverhältnis erscheint, können wir die nun veränderte politische Kriegsstrategie
der USA, die den Bündnispartnern bei der Londoner Afghanistan - Konferenz vorgegeben ist, nicht hoffnungsvoll als reine Friedenspolitik missverstehen. Vieles hängt davon ab, dass die Weltöffentlichkeit die wirklichen Konflikthintergründe der afghanischen und irakischen Kriegsabenteuer erfährt. Die Stellung Pakistans und Irans in der Welt machen die Sache kompliziert und laden die politischen Gewalten zur Verschleierung der Opfer ein, die sie 'ihrer' Bevölkerung zumuten, weil sie keine Lösung der Konflikte wissen.

Der Präsident der USA weiß genauer als die übrige Welt, dass El Kaida seine terroristischen Aktivitäten erst praktisch umzusetzen begann, als dies eigentümliche Geschöpf US-amerikanischer Politik im arabischen Raum und im antikommunistischen Kampf der Geheimdienste in Afghanistan genügend Kraft und Ideologie gespeichert hatte. Erst dann nämlich konnte El Kaida, eine Macht mit wechselnden ‚Staatsterritorien’, selbständig dem verhassten westlichen System entgegentreten. Dies schüttete in seinen Augen so viel Elend über die arabischen Nationen und die anderen Völker überwiegend islamischen Glaubens aus.

Die Vorübung des direkten Angriffs auf den ‚Feind’ in seinem eigenen Land fand in Afrika statt. Die schreckliche Verwendung der zivilen Luftfahrt als Waffe für die Verbrechen in New York und Washington am 11. September 2001 kann nicht ohne die technische Infrastruktur und das bornierte Chaoswissen der USA und Deutschlands erklärt werden.

Die große Gruppe der Todesflieger gegen die ‚Twin Towers’ und das Pentagon war vom Netzwerk El Kaida finanziert und geführt worden. Sie hatte ihre psychisch-militärische Grundausbildung in Afghanistan erhalten, in Deutschland geruht, geplant und sich ausgerüstet, in den USA ihre Pilotenschulung, Ortskenntnisse und Sprachkompetenz erworben und verfeinert. Sie waren dem Blick der Geheimdienste nicht verborgen geblieben. Aber diese waren nicht fähig, ihr Wissen um das seltsame Treiben der El Kaida - Soldaten richtig zu interpretieren und zweckmäßig anzuwenden.

Die eigenen Schwächen aufzuklären und die Strategien terroristischer Mächte rechtzeitig zu durchschauen, war offensichtlich nicht im Interesse und Bestreben der damaligen amerikanischen Regierung und ihrer Bündnispartner.

Hieraus wird die Reaktion verständlich, die breiten Trampelpfade militärischer Abenteuer zu beschreiten. Deutschland machte nicht überall mit. Aber weder in Afghanistan noch im Irak sind die ökonomische, technische und militärische Überlegenheit der USA geeignet, im friedlichen Interesse der Weltgemeinschaft die gegebenen sozialen und politischen Strukturen zu verändern, die dem Terrorismus jeweils nur vorübergehend als Basis dienen. Der enorme Gewaltakt, der im nächsten Jahr ein ewig langes Jahrzehnt andauert, wird bei allen Beteiligten mehr Zerstörung als Nutzen hervorgerufen haben. Da keine akzeptable Perspektive erkennbar ist, muss dies überflüssige und anachronistische Abenteuer beendet werden.

Als jetzt ein Nigerianer vom Jemen aus mit Sprengstoff in der Unterwäsche bis in den Luftraum von Detroit gelangen konnte, hat sich der amerikanische Präsident deutlich gegen die Schlamperei der Geheimdienste zu seiner Verantwortung bekannt. Das unterscheidet ihn deutlich von seinem Vorgänger. Die Anzeichen mehren sich, dass die Liste der gescheiterten und rechtzeitig aufgedeckten Terrorangriffe aus dem El Kaida - Netzwerk länger wird. Aber andererseits besteht auch die Gefahr, dass z.B. mit Nigeria,das bevölkerungsreichste Land Afrikas, die Liste der Staaten verlängert wird, wo die Auflösung gesellschaftlicher und staatlicher Ordnungsstrukturen in allgegenwärtigen Korruptionssumpf den Nährboden neuer terroristischer Bewegungen bereitet.

Natürlich ist die anachronistische Kriegführung gegen terroristische Netzwerke nur sinnvoll zu beenden, wenn einerseits entschädigt und geholfen wird, wo Unschuldige durch den hineingetragenen Krieg geschädigt wurden. Und wenn andererseits die verantwortlichen Staaten und die UNO mit geeigneten Mitteln Finanzierung und soziale Strukturen terroristischer Gruppen austrocknen. Ein Mindestmaß an Staatlichkeit von Afghanistan/Pakistan bis Jemen/Somalia ist dabei eine Voraussetzung – und der Ansatz eines klügeren, zivileren, nicht unbedingt gewaltlosen Kampfes gegen globale terroristische Bedrohung. In Afghanistan selbst sind die Taliban geschwächt und politisch offener. Sie gehen oft nur widerwillig mit ausländischen Talibankämpfern Bündnisse ein. Das Land am Hindukusch braucht dringend Frieden. Wer diese Notwendigkeit nicht zum Maßstab eigenen Tuns macht, betreibt Augenauswischerei.

Tom Hayden hat als Kenner amerikanischer Verhältnisse jetzt erläutert, dass die Politik von US-Präsident Barack Obama den Krieg in Afghanistan eskalieren lassen und der 'Sumpf zum Blutbad' werden könnte. Während unsre politischen Gewalten ihre Entscheidungen eines verstärkten kombinierten militärisch-zivilen Mitteleinsatzes für richtig und angemessen halten, schließen sie da die Möglichkeit eines noch größeren Blutbades als bisher aus? Die Rechenschaftspflicht besteht im Allgemeinen für die Regierungen und die Verantwortung verkörpert sich auch in jedem Zinksarg.

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Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 17. 01. 2010 18:30
Version vom 18. 01. 2010 17:18
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