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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Afrikanische Eifersucht
Eingestellt am 19. 04. 2003 19:10


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casagrande
???
Registriert: Mar 2002

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Afrikanische Eifersucht

Einmal im Jahr schw├Ąrmen die Termiten. Eine unangenehme Periode von etwa zwei Wochen, in denen in der D├Ąmmerung die Luft von fliegenden Insekten erf├╝llt ist. Und das so stark, dass man die Augen zusammenkneifen muss und bei Gott nicht reden darf. Es sei denn, man mag den Geschmack von diesen kleinen Krabblern. Nicht wenige der Bewohner der Hafenstadt und der im Busch lebenden Landeier fingen die Flieger, steckten sie in den Mund und zerbissen sie knackend mit Genuss. Und das unabh├Ąngig ob Schwarze oder Wei├če. F├╝r uns neu Angekommene war schon das Gehen auf diesem, von Millionen von kriechenden und flatternden Viechern bedeckten Boden ein Alptraum. Eklig dieses Ger├Ąusch von zerplatzenden Leibern wenn man drauftrat. Und auch das Gef├╝hl, als w├╝rde man im weichen Mudd stapfen. Wir waren froh, in eines der Lokale fl├╝chten zu k├Ânnen, in denen ein Generator brummend Strom f├╝r die Aircondition erzeugte und die Invasion der Termiten drau├čen hielt. Seit Monaten gab es keine ├Ârtliche Stromversorgung mehr, wer nicht selbst daf├╝r sorgte musste bei Kerzenschein den Abend verbringen. Die Stadt brachte es gerade noch fertig f├╝r eine Stunde am Tag f├╝r Wasser zu liefern. Zu dieser Zeit war jedermann bem├╝ht, alle Badewannen, K├╝bel und Gef├Ą├če zu f├╝llen um den Tag zu ├╝berstehen. Und da der Zeitpunkt der Wasserlieferung unbekannt und willk├╝rlich war, musste immer jemand zu Hause sein.
Am Abend jedenfalls war alles auf der Stra├če. Die, die es sich leisten konnten rannten in die Bar, der Rest in offene Trinkhallen zum sauer Vergorenen.
Wir a├čen eine Kleinigkeit und tranken ein Bier, das am Anfang des Monats, bis ungef├Ąhr bis zur Mitte des Monats gefahrlos zu trinken war, Dann wurde es problematisch, da die Sache mit der Desinfektion nicht so recht klappen wolle. Entweder waren die Leitungen der Abf├╝llstation nicht sterilisiert oder es wurde zu viel von diesem Reinigungsmittel hineingekippt. Regelm├Ą├čig gab es in der zweiten H├Ąlfte des Monats mit dem Bier ein Desaster, das einen f├╝r mindestens drei Tage aus dem Verkehr zog und nur mit Kohletabletten einigerma├čen zu beheben war. Darum tranken die Einheimischen nur Bier aus der Produktion der ersten H├Ąlfte eines Monats. Zumindest ging das damals , als das Produktionsdatum noch aufgedruckt wurde. Sp├Ąter fehlte diese Angabe und das Risiko wurde unkalkulierbar.
Wir sa├čen also in dem Lokal, jeder Platz war besetzt und an der Theke standen Schwarze und ein paar Wei├če in Doppelreihen. Als pl├Âtzlich eine lautstarke Streiterei begann. Nat├╝rlich war nicht auszumachen um was es ging. Aber das war eigentlich egal. Hauptsache es war was los. Denn Streit bedeutete, dass die Kontrahenten das Lokal verlassen musste, ein strikt einzuhaltendes Gesetz. Der Streit musste drau├čen stattfinden. Und damit dr├Ąngte auch schon alles ins Freie. Bier und Essen blieben stehen, man kam ja wieder. Alles hinaus, trotz Termiten und der Hitze von etwa 35┬░C und der Luftfeuchtigkeit von ├╝ber 90%. Trotz Schwei├č und schwacher Beleuchtung. Das Spektakel wurde von den Taschenlampen beleuchtet, die fast jeder dabei hatte um den Heimweg zu finden.
Es waren zwei Frauen, etwa zwanzig Jahre alt, die sofort in Kampfstellung gingen, angefeuert von der Menge. Es ist wirklich erstaunlich, aber die Frauen sind wesentlich st├Ąrker als die M├Ąnner, sie verrichten nicht nur die Hausarbeit, sonder bestellen auch die Gem├╝sefelder und tragen das Zeug vom und zum Markt. Lasten, die kein Mann auf seinem Kopf schleppen k├Ânnte. Es war auch nie zu sehen, dass sich ein Mann ├╝ber eine verbalen Streit hinaus wagte. Sobald es zu kritisch wurde verschwanden die Kerle lieber, sie w├╝rden ansonsten, zumindest bei gleichaltrigen Frauen, den K├╝rzeren ziehen. Es ist sicher nicht Anstand oder Benehmen, das sie zu diesem R├╝ckzug veranlasste.
Aber zum Kampf. Ein Zur├╝ck gab es nicht, zu viele Zuschauer. Es ging wohl offensichtlich um Eifersucht. Der Typ, um den die Damen stritten, stand verlegen l├Ąchelnd mit einigen anderen M├Ąnnern in der ersten Reihe und enthielt sich jeden Kommentars. W├Ąhrend die Anderen johlten. Der Streit war schnell aus der Phase der schrillen Laute in die des k├Ârperlichen Kampfes gesteigert. Mit einem pl├Âtzlichen Griff hatten die beiden Streitenden sich ihre Blusen vom K├Ârper gerissen, krallten sich aneinander und w├Ąlzten sich Sekunden sp├Ąter auf dem Boden. Keine Ahnung, warum sie mit nacktem Oberk├Ârper rangen. Ein Kenner erkl├Ąrte mir, zuerst in Suaheli, und, als ich seinen Dialekt nur teilweise verstand, dann in Franz├Âsisch, dass die Frauen bei schweren Arbeiten immer den Oberk├Ârper frei machten. Und Raufen sei eine schwere Arbeit. Regeln gab es keine. Die Damen bissen und stie├čen mit einer derart ungew├Âhnlichen Brutalit├Ąt, dass es wirklich wunderte, warum niemand dazwischen ging. Es musste wohl eine gewisse Situation eintreten, ich konnte sie nicht erkennen, bei der eine der Frauen zu stark blessiert war. Jedenfalls beendeten nach vielleicht 15 Minuten einige Zuschauer fast gleichzeitig den Kampf und trennten die zerkratzen und blutenden Frauen.
Dass die Beiden in verschiedene Richtungen in der Dunkelheit verschwanden wunderte niemanden. Hatten sie beide verloren, oder warum bekam keine den Lohn, den Typ? Auf meine diesbez├╝gliche Frage bekam ich als Antwort nur ein verwundertes Lachen. Anf├Ąnger!

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