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Leselupe.de > Humor und Satire
Afrikanische Kunst
Eingestellt am 12. 03. 2003 02:54


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Zwillingsjungfrau
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Afrikanische Kunst

Gerade von einer Studienreise aus Afrika zur├╝ckgekehrt, sitzt Friedrich am heimischen Kaffeetisch und genie├čt ausf├╝hrlich die heutige Tageszeitung.

Sein Blick f├Ąllt auf einen Artikel ÔÇô ÔÇ×Museum hat auf Rat und Empfehlung des Grafen f├╝r eine unvorstellbar hohe Summe das neueste Werk eines international anerkannten K├╝nstlers ÔÇô eine alte schmutzige Badewanne ÔÇô angekauft.ÔÇť

Friedrich hat eine andere Vorstellung davon, wie Steuergelder im Bereich Kunst eingesetzt werden sollten. Die F├Ârderung junger K├╝nstler h├Ąlt er beispielsweise f├╝r wesentlich wichtiger als die hohen Ausgaben f├╝r den Erwerb einer alten schmutzigen Badewanne.

In seine Gedanken hinein l├Ąutet das Telefon. Sein Freund und Maler, Jaques, k├╝ndigt seinen Besuch an. Die beiden Freunde haben sich lange nicht gesehen. Nach vielen ÔÇ×Wei├čt Du noch; erinnerst DuÔÇť sprechen sie ├╝ber ihre k├╝rzlichen Erlebnisse.

Friedrich berichtet von der Afrikareise und Jaques erz├Ąhlt kummervoll, dass er seine Bilder nicht verkaufen kann. Das bringt Friedrich auf den gerade gelesenen Zeitungsartikel.

ÔÇ×Sag Friedrich, kennst du den Grafen pers├Ânlich?ÔÇť Der Graf hat sich nicht nur in dieser Stadt mit seinen Ausstellungen einen Namen geschaffen. Kannst du es arrangieren, dass der Graf einige meiner Bilder in seiner Ausstellung aufnimmt?ÔÇť

ÔÇ×Ich kenne den Grafen gut, deine Werke werde ich ihm nicht empfehlen. Vergiss es Jaques, das mache ich ganz bestimmt nicht. Ich bin n├Ąmlich dein Freund.ÔÇť

Mit staunenden und ungl├Ąubigen Augen schaut Jaques Friedrich an. Gerade weil sie Freunde sind, m├╝sste Friedrich doch helfen.

Friedrich sieht die Zweifel in Jaques Gesicht. Er ist Jaques wohl eine Erkl├Ąrung schuldig.

ÔÇ×Sieh doch mal, Jaques, du bist mein Freund. Ich m├Âchte dich vor den skrupellosen Machenschaften des Grafen sch├╝tzen."

ÔÇ×Der Graf hat als Galerist und Kunstkritiker nur eine Leidenschaft. Er ist stets bedacht, sein Geld zu vermehren. Dies setzt er mit allen Mitteln durch. Der Graf hat sehr viel ÔÇ×KleingedrucktesÔÇť in seine Vertr├Ąge eingebaut, ohne einen fachkundigen Juristen darfst du dich dem Grafen nicht ausliefern. Deine Arbeiten sind zu gut. Du bekommst eine lachhaft kleine Summe, den Gewinn macht einzig und allein der Graf."

"Da er in der Vergangenheit einige junge K├╝nstler mit gro├čer ├ťberzeugungskraft gef├Ârdert hat, ├╝bersieht man in der Stadt seine schlechten Eigenschaften. Er nutzt Notlagen dieser K├╝nstler schamlos aus, ist r├╝cksichtslos nur auf eigenen Profit bedacht. Au├čerdem nimmt er nur ganze Serien und beutet die unbekannten K├╝nstler total aus.ÔÇť

ÔÇ×Hat der Graf eine Schw├Ąche, durch die ich vielleicht unerkannt meine Bilder trotzdem bei ihm ausstellen k├Ânnte?ÔÇť

ÔÇ×Ja,ÔÇť sagt Friedrich, ÔÇ×die hat er. Ihn verfolgt st├Ąndig eine gro├če Angst, durch andere Menschen blo├čgestellt zu werden und der ├Âffentlichen L├Ącherlichkeit ausgesetzt zu sein.ÔÇť


Friedrich und Jaques sind sich einig, im Eilverfahren kann Jaques keine Serie zusammenstellen.

Die beiden machen ein traurigernstes Gesicht. Dann kommt ihnen eine Idee, die von allen Seiten betrachtet wird und realisierbar erscheint.

Jaques kauft die n├Âtige Farbe und Leinwand, w├Ąhrend Friedrich es ├╝bernimmt, eine Gruppe ihm gut bekannter afrikanischer K├╝nstler auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Der Plan wird ausgef├╝hrt und innerhalb weniger Stunden sind ├╝ber 20 Sch├Âpfungen vollendet.

Der Zeit ist gut gew├Ąhlt. Der Graf hat gerade eine Ausstellung beendet und ist auf der Suche nach etwas Neuem. Das ist die Gelegenheit, das vollbrachte Werk zu pr├Ąsentieren. Der Graf wird eingeladen, um die Arbeiten zu begutachten, zwischen die auch drei Bilder von Jaques gestellt werden.

Der Graf kommt und ist spontan voller Begeisterung, ├╝berschl├Ągt in Gedanken schon seinen Profit und verspricht sich hohe Gewinne mit den Gem├Ąlden der Afrikaner, die er mit verklausulierten Vertr├Ągen, welche diese ÔÇô wie er hofft - rechtlich und inhaltlich nicht verstehen, benachteiligen kann.

Er verspricht eine Sonderausstellung f├╝r die afrikanische K├╝nstlergruppe, r├╝hrt kr├Ąftig die Werbetrommel, k├╝ndigt die Vernissage gro├č an, l├Ądt Presse, die kaufkr├Ąftigen Honoratioren der Stadt sowie Kritikerkollegen ein.

Endlich ist es soweit. Die Bilder sind ansprechend mit Rahmen versehen und der Tag der Ausstellung r├╝ckt st├Ąndig n├Ąher. Die Ausstellung wird ein voller Erfolg. Alle geladenen G├Ąste sind gekommen, die Presse ├╝berschl├Ągt sich und druckt begeistert die Lobeshymnen der Kunstsachverst├Ąndigen.

Die Bilder werden enthusiastisch beschrieben als Werke des abstrakten Expressionismus der Neuen Wilden, die in den achtziger Jahren mit ihrer spontanen, aggressiven Malerei f├╝r Aufsehen sorgten. Die ausdrucksstarken Farbkontraste, die gegenstandslose Darstellung, welche den Betrachter zu eigenen Interpretationen anregt, und die sperrigen, kan-tigen Formen kennzeichnen ihre Ausdrucksst├Ąrke, ihre ├ängste und existentiellen Fragen, besitzen aber auch eine starke K├Ârperlichkeit.

Dabei wurden dick aufgetragene Farbschichten immer wieder gewaltsam bearbeitet und mit Materialien wie Holz und Pflanzenteilen kombiniert. Hierdurch entsteht mittels Medi-tation und magischen Formeln eine ekstatische Reise durch die sieben Astralsph├Ąren.

Die versammelten Kunstkritiker sind sich darin einig, dass diesen K├╝nstlern mit ihrer nat├╝rlichen Erdverbundenheit und Energie ein gro├čartiges Werk erweiterter, tief empfun-dener Gegens├Ątze von W├Ąrme und K├Ąlte, Entwicklung und Erstarrung, Kreativit├Ąt und Rationalisierung gelungen ist.

Im gesellschaftlichen Zusammenhang und damit v├Âlkerverbindend betrachtet, ist diese Ausstellung eine gro├če Herausforderung. Dieses Schaffen zeigt Bilder der Natur, Energie, Sprache. Hier ist meisterhaft gelungen, Materie, Kultur, Mythos und Wissenschaft eins werden zu lassen.

Alle Bilder sind innerhalb der ersten Stunde f├╝r schwindelerregend hohe Preise verkauft.

Der Graf bedr├Ąngt Friedrich, die K├╝nstler der ├ľffentlichkeit vorzustellen. Anfangs weigert sich Friedrich energisch, die afrikanischen K├╝nstler legen keinen Wert auf Publicity. Da Friedrich jedoch immer wieder aufgefordert wird, das Geheimnis um die K├╝nstler zu l├╝ften und der Graf all seine ├ťberredungsk├╝nste aufbietet, so beispielsweise hervorragende Vertr├Ąge f├╝r die K├╝nstler vorbereiten will, l├Ąsst Friedrich sich ├╝berzeugen. Er bittet alle G├Ąste, die Presse und die sich so euphorisch ├Ąu├černden Kritiker f├╝r den n├Ąchsten Tag zu einem K├╝nstlerempfang in seine berufliche Wirkungsst├Ątte.

Allen voran der Graf erscheinen die Gro├čen dieser Stadt in dieser herrlichen Parkanlage. Presse und Fernsehen ist versammelt, alle warten sehr gespannt auf das Eintreffen der K├╝nstlergruppe, doch erscheinen zu diesem Treffen nur Friedrich und Jaques.

Mit weit ausholender Handbewegung stellt Friedrich Jaques als einen der K├╝nstler vor, und begl├╝ckw├╝nscht den weitsichtigen K├Ąufer, der die so hochgelobten Gem├Ąlde Nr. 1, 8 und 13 von diesem begnadeten K├╝nstler erwerben konnte.

ÔÇ×Die K├╝nstler der restlichen Sch├Âpfungen sehen Sie hier.ÔÇť Mit einer halben Drehung seines ausgestreckten Armes weist er auf das hinter ihm liegende gro├če Gehege, in dem sich eine ungewohnt bunt bekleckste Anzahl von Elefanten und Affen tummeln.


__________________
Verantwortlich ist man nicht nur f├╝r das, was man tut, sondern auch f├╝r das, was man nicht tut.
Laotse

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Waldemar Hammel
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Herrlich, herrlich, dieser Text!

Aber ich bin jetzt in einer Notlage, denn das Werk ist selbstimmunisierend.
Ich werde mich daher h├╝ten hier irgendetwas zu kritisieren. Was wei├č ich, wer oder was sich hinter dem Nick "zwillingsjungfrau" verbirgt...

__________________
Alles bleibt anders ...

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Parsifal
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Hallo Ingrid,

wenn man Deine Geschichte liest (die mir sehr gefallen hat), k├Ânnte man auf den Gedanken kommen, Du h├Ąttest darin die beiden folgenden Ereignisse verarbeitet.

Da ist einmal Joseph Beuys. Er hatte aus einer alten Badewanne ein "Kunsterk" gemacht, das von einem reichen Sammer zu einem stolzen Preis gekauft worden war und nun irgendwo in seinem Haus stand - bis die Handwerker einzogen. Die hatten sich zur Arbeit einige Flaschen Bier mitgebracht und wollten sie k├╝hlen. Dazu bot sich die Badewanne geradezu an. Nun aber war das Kunstwerk entweiht, und der Eigent├╝mer klagte auf Schadensersatz. Beuys mischte sich in den Streit ein und erbot sich, das schimpfierte Kunstwerk wieder in den alten Zusatnd zu versetzen, was der Besitzer aber mit dem Argument: "Einmal entweiht, immer entweiht" ablehnte. Wie der Streit ausgegangen ist, wei├č ich nicht mehr.

Ein anderer, ebenso realer, Fall: Journalisten einer Zeitung in Braunschweig hatten sich den Jux erlaubt, ein Bild von einem Schimpansen malen zu lassen und es in eine Ausstellung geschmuggelt. Nachdem es in der Zeitung von einem renommierten Kunstprofessor in den h├Âchsten T├Ânen gelobt worden war, lie├čen sie die Katze - zum Vergn├╝gen aller Leser - aus dem Sack. Die Sache w├Ąre wohl nicht so bekannt geworden, wenn der Professor nicht noch d├╝mmer gewesen w├Ąre, als die Polizeit erlaubt: statt besch├Ąmt zu schweigen, verklagte er die Zeitung, f├╝r die dieser neue Schverhalt nat├╝rlich ein gefundenes Fressen war. So machte die Geschichte ihre Runde in ganz Deutschland.

VG
Parsifal

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Waldemar Hammel
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Ach Parsifal,

Du bist hier so "trocken", jetzt hast Du die Geschichte und die sch├Âne Synthese entzaubert.
Mir fiel auch das Ekelsviech Beuys ein, als ich "Badewanne" las, und die Story von dem Schimpansen kenne ich innerfamili├Ąr, na ja, siehe mein Profil...

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Zwillingsjungfrau
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Afrikanische Kunst

Lieber Waldemar, lieber Parsifal,
richtig getippt. Nat├╝rlich sind R├╝ckschl├╝sse erlaubt,mit der Badewanne auf bekannte Gr├Â├čen. Die Geschichte mit der entweihten Badewanne und dem Affenbild kannte ich nicht. Doch die Idee dazu wurde mir in Umrissen selbst erz├Ąhlt. Ich fand sie h├╝bsch und hab sie verarbeitet. Denke, das ist auch kein Klauen. Wie oft in der Literatur wurden (Grund)Stoffe aufgegriffen und zu neuen Gedanken formuliert, siehe "Romeo und Julia", "Pygmalion" oder andere.
Hinter dem Pseudonym Zwillingsjungfrau versteckt sich Ingrid Tolkmitt, 65, nach krankheitsbedingter Aufgabe eines anderen mir sehr lieben Hobbys hab ich mir gedacht, hab auch noch andere Talente, versuch es mal mit schreiben und dies zu meinem Vergn├╝gen. In Leselupe stelle ich ein, um durch andere meine F├Ąhigkeiten auszuloten, mach ich weiter oder lass ichs.
Euer Beitrag macht mir Mut, weiterzumachen. In dieser Richtung den R├╝cken gest├Ąrkt hat mir auch Klabautermann. Dank euch allen.
Ingrid
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Laotse

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Parsifal
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Ingrid,

nat├╝rlich sollst Du weitermachen, zu Deiner und anderer Freude. Du wirst schon zeitig genug merken, da├č Pegasus manchmal ein recht st├Ârrisches Biest ist, aber wenn Du ihm nicht zuviel Hafer gibst, wird er sich schon reiten lassen.

Liebe Gr├╝├če und viel Spa├č (und Erfolg)

Parsifal

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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ja,

libe ingrid, wieder ein gelungenes werk von dir. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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