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Leselupe.de > Kurzprosa
After Death...
Eingestellt am 16. 01. 2002 23:30


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lron
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Es hatte ja doch alles keinen Zweck mehr...

Sein Leben lag als einziger Scherbenhaufen vor ihm. Seine Frau hatte ihn schon vor Jahren verlassen, und auch seine Kinder hatten sich seit Ewigkeiten nicht mehr bei ihm sehen lassen. Sein Chef hatte ihm fristlos gek├╝ndigt und so konnte er auch die Miete f├╝r seine Wohnung nicht mehr bezahlen. Deswegen lebte er jetzt auf der Stra├če. Jeden Tag durchsuchte er die M├╝llcontainer nach etwas Essbarem. Am liebsten ging er zum chinesischen Restaurant drei Ecken weiter. Es schmeckte zwar mehr als eigenartig, so alles durcheinandergemengt, aber wenigstens gab der Magen Ruhe. Zum Schlafen konnte er sich wunderbar auf dem Rasen des Stadtparks niederlassen, da es bisher immer noch einigerma├čen warm war. Doch nun kam der Herbst, die Bl├Ątter fielen von den B├Ąumen und die N├Ąchte wurden k├Ąlter und k├Ąlter. Niemals h├Ątte er es f├╝r m├Âglich gehalten, dass ein paar Zeitungen so viel W├Ąrme spenden konnten. Au├čerdem war er auf die Parkb├Ąnke umgezogen, von denen ihn jedoch des ├Âfteren Polizisten vertrieben. Und ins Obdachlosenasyl - nein, das kam f├╝r ihn nicht in Frage. Schlie├člich war er nicht irgendein dahergelaufener Landstreicher, im Gegenteil. Er hatte sogar studiert. Damals... Aber daf├╝r konnte er sich heute nichts mehr kaufen. Arbeitslosengeld bekam er keins, da er selbstst├Ąndig gewesen war, und Sozialhilfe war seiner Meinung nach nur etwas f├╝r Schmarotzer. Und ein Schmarotzer, der dem Staat nur auf der Tasche lag - das wollte er auf keinen Fall sein!

Und jetzt stand er da, das Seil in der einen Hand, einen auf Papierresten verfassten Abschiedsbrief in der anderen. Niemand w├╝rde um ihn trauern, das wusste er. Und eigentlich war es ihm auch egal. Seine wenigen ihm noch verbliebenen Habseligkeiten sollten an andere Obdachlose verteilt werden, das was er am K├Ârper trug und das, was er in seiner kleinen Reisetasche bei sich hatte. Alles war noch tipptopp in Ordnung, wenn auch zum Teil schon etwas fadenscheinig. Daf├╝r hatte er gesorgt, indem er seine Socken gestopft und seine Kleidung gen├Ąht hatte. Bestimmt w├╝rden sich die gl├╝cklichen Empf├Ąnger freuen.

Er hatte viele Geschichten ├╝ber das "Leben" auf der anderen Seite geh├Ârt. Fr├╝her hatte er sie immer als Humbug oder haltlose Wunschvorstellungen abgetan. Und heute? Heute st├╝tzte er sich auf eben diese Geschichten, denn sie waren alles, was ihm geblieben war. Er hoffte darauf, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, welches ihn in ein besseres Leben geleiten sollte. Oft hatte er in den vielen Journalen von f├╝r kurze Zeit klinisch toten Patienten gelesen, die nach ihrer Operation von wundersamen Erscheinungen berichteten. Da war von Lichterscheinungen die Rede gewesen, von einem Tunnel und von Stimmen, die ihnen erkl├Ąrten, dass ihre Zeit noch nicht gekommen sei und dass sie wieder in die Welt zur├╝ck m├╝ssten. Diese Menschen hatten keine Angst vor dem Tod mehr. Sie freuten sich teilweise sogar darauf zu sterben, denn sie vermissten die Ruhe, die sie w├Ąhrend dieses kurzen Moments des Gl├╝ckes empfunden hatten.
All das ging ihm durch den Kopf, als er auf den Baum kletterte, aus dem Seil eine Schlinge knotete und das andere Ende an einem starken Ast befestigte. Zur Probe hielt er sich an dem Seil fest und lie├č die F├╝├če baumeln. Der Ast knarrte nur ein wenig. Daraufhin stieg er noch einmal herab und drapierte den Abschiedsbrief so, dass er einem sofort ins Auge fiel, wenn man die Tasche sah. Es war noch einmal warm geworden, und der Mond erhellte die Nacht. Die Turmuhr der nahen Kirche zeigte kurz vor Mitternacht. Morgen hatte er Geburtstag. Irgendwann am Morgen w├╝rde man ihn finden, an einer sch├Ânen Eiche h├Ąngend. Vermutlich w├╝rde man noch versuchen ihn wiederzubeleben, aber es w├╝rde zu sp├Ąt sein. Wenn alles nach seinem letzte Willen gesch├Ąhe, w├╝rde er einge├Ąschert und seine Asche unter eben jener Eiche begraben werden. Es war sein Lieblingsbaum, unter dem er oft geschlafen hatte. Wenn es regnete hatte er ihn besch├╝tzt, und in klaren N├Ąchten hatte er oft im Ge├Ąst gesessen und zu den Sternen hinauf geschaut. Und heute w├╝rde sich sein Schicksal an diesem Baum erf├╝llen.

Die Turmuhr schlug Zw├Âlf. Von seinem letzten gesparten Geld hatte er sich noch eine kleine Flasche Sekt gekauft, die er jetzt zu Ehren seines letzten Geburtstages im alten Leben und auf den ersten Tag in der neuen Existenz leerte. Dann kletterte er wieder auf den Baum und legte sich die Schlinge um den Hals. Ein letztes mal sah er zu den Sternen hinauf. Bald, ja, bald w├╝rde er auch irgendwo dort oben sein... und vielleicht seine Eltern wiedersehen... und seinen Bruder, der vor vier Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen war... Nie wieder diese Dem├╝tigungen! Er atmete ein letztes Mal tief durch und lie├č sich fallen.

Er hatte die L├Ąnge des Seils gut berechnet. Der Fall brach ihm sofort das Genick. Sein K├Ârper zuckte noch ein wenig, und dann hing er da - leblos. Sein Geist fing an, sich langsam von seinem K├Ârper zu l├Âsen. Er sah sich am Ast h├Ąngen, er sah all die Sterne und den Mond, er schwebte ├╝ber all dem dahin. Und da war auch der Tunnel mit dem Licht am Ende. Immer mehr l├Âste er sich von seiner sterblichen H├╝lle und schwebte durch den Tunnel. Das Licht kam n├Ąher und n├Ąher. Er h├Ârte viele Stimmen, die durcheinander redeten. Zu Anfang konnte er sie nicht unterscheiden, aber mit der Zeit l├Âsten sich einzelne Stimmen heraus. Von allen Seiten sah er andere Seelen ankommen. Alle schwebten auf ein riesengro├čes Geb├Ąude zu, dessen Ausma├če praktisch unendlich zu sein schienen. Instinktiv wusste er, dass auch sein Weg dort enden w├╝rde. Im N├Ąherkommen bemerkte er, dass das gesamte Areal wie ein riesiger Bienenstock aufgebaut war, aus unendlich vielen Zellen bestand. Er war sich dessen noch nicht bewusst, aber seine Seele steuerte einen ganz bestimmten Punkt an, eine ganz spezielle Zelle. Irgendwie gelangte er in das Innere. Drinnen war es absolut dunkel und totenstill. Kein Lichtstrahl, kein Laut drang von au├čen herein. Er tastete links und rechts - ├╝berall W├Ąnde, undurchdringlich und allgegenw├Ąrtig. Dies war seine neue Heimstatt. Sein Leben in der unendlichen Ewigkeit hatte begonnen.

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catsoul
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Hallo lieber Lron

[Irgendwie gelangte er in das Innere. Drinnen war es absolut dunkel und totenstill. Kein Lichtstrahl, kein Laut drang von au├čen herein. Er tastete links und rechts - ├╝berall W├Ąnde, undurchdringlich und allgegenw├Ąrtig. Dies war seine neue Heimstatt. Sein Leben in der unendlichen Ewigkeit hatte begonnen.]

Nicht gerade sehr tr├Âstlich Deine Vision von unserer Zukunft in der Ewigkeit, ganz ehrlich.. so m├Âchte ich nicht enden.. ich stell mir das alles etwas freundlicher vor *l├Ąchel* aber wer weiss, vielleicht hast ja auch Du Recht... w├╝rd ich mir aber nicht w├╝nschen

liebe Gr├╝├če

cat
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lron
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nun - vielleicht ist er ja in der h├Âlle gelandet... weil er es gewagt hat, hand an sich zu legen... w├Ąr doch zumindest m├Âglich, nicht? aber ich kann nur mutma├čen... ist ja nicht von mir...

was? wie? es ist doch von mir? echt?? hmmm... das gibt mir zu denken...

also ich glaube, kein licht, kein laut - das ist schlimmer als alles andere. wenn du nur mit dir allein bist... und das in alle ewigkeit... also bei den "herk├Âmmlichen" h├Âllenqualen stumpfst du irgendwann ab... in siedendem ├Âl stehen? pfff - irgendwann hast du sonne hornhaut!! bis zum hals inner sch... ├Ąhhh... in exkrementen stehen? kleinigkeit! mit der zeit nimmst du's nicht mehr wahr... 24 stunden "herzilein" h├Âren? pah!! was glaubst du, wie schnell du es schaffst, deine ohren auf permanenten durchzug zu stellen...
aber nichts... absolut NICHTS... ich glaub, da drehst du fr├╝her oder sp├Ąter durch. eine zeitlang kannst du zwar singen und tanzen und waswei├čichwas machen, aber irgendwann... irgendwann kennst du alles, alles ist langweilig, nichts neues in sicht... und DANN wird's echt hart. denke ich...

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catsoul
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Hi Lron

ja, ich denke das ist das schlimmste was passieren kann
deshalb halte ich es eher mit meiner Vision *g*

liebe Gr├╝├če und ein *knuddel*

cat
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lron
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visionen

hallo cat,
erz├Ąhl doch mal mehr ├╝ber deine vision eines lebens nach dem leben... w├╝rde mich auf jeden fall sehr interessieren.

und vielleicht ringt sich auch noch derdie eine oder andere andere (mit)leser durch, mal was zum thema zu sagen...

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