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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Against the Holy War!
Eingestellt am 24. 03. 2007 18:12


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dubidu
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Der Einmarsch der Sowjettruppen in Afghanistan besiegelte den Anfang vom Ende des real existierenden Sozialismus und die Geburt eines neuen Feindbildes. SpĂ€testens nach dem Schock des "11. September" hatte der Islamismus das Feindbild Sozialismus endgĂŒltig abgelöst.

Plötzlich waren sie in aller Munde, die vom SchlĂ€fer zur wahnsinnigen Kampfmaschine Mutierten, die sich und alle UnglĂ€ubigen opfern, um sich ins Paradies zu bomben. Die westlichen MilitĂ€rs und ihre Lobbys atmeten auf, denn sie konnten wieder einen Nachweis fĂŒr ihre Existenzberechtigung erbringen.

Die öffentliche Meinung fokussierte sich auf ein neues Thema. Nicht ganz zu unrecht, denn der Kampf der Systeme hatte ein schlummerndes Konfliktpotential verdeckt:
Zwischen 1900 und 2000 ist die islamische Bevölkerung von knapp 150 Millionen auf etwa 1,2 Milliarden Menschen angestiegen. In vielen LĂ€ndern des Nahen und Mittleren Osten haben 40% der arbeitsfĂ€higen MĂ€nner keinen Job. EifersĂŒchtig und neidisch schauen die zornigen jungen MĂ€nner auf den Wohlstand des Westens, dessen Kultur sie aus tiefsten Herzen verachten. Da ihre eigene Kultur mehrere hundert Jahre hinter der westlichen hinterher hinkt, wird das Empfinden der individuellen ÜberflĂŒssigkeit mit einer kulturellen Unterlegenheit kombiniert. Aus diesem negativen Mix entsteht eine unselige Kombination aus Selbstmitleid und geringer Selbstachtung.

Und wie reagiert der Westen? Die Amerikaner und EuropĂ€er haben mit ihren Interventionen im Irak und in Afghanistan Ă€ußerst brutal reagiert. Diese Unangemessenheit sollte mit Ă€ngstlichen ZugestĂ€ndnissen wieder abgemildert werden: FĂŒr die ĂŒberflĂŒssigen Koran-Karikaturen in dĂ€nischen Zeitungen haben sich die Verantwortlichen unangemessen oft entschuldigt, kulturelle Veranstaltungen mit vermeintlichen Angriffen auf die GefĂŒhle der GlĂ€ubigen wurden abgesagt, richterliche Urteile in Deutschland orientieren sich neuerdings am islamischen Rechtssystem und Steinigungen von mutmaßlichen Ehebrecherinnen im Sudan werden ohne Empörung hingenommen. Und die Anerkennung Israels durch die Hamas-Fatah-Koalition als Bedingung fĂŒr die Anerkennung der palĂ€stinensischen Regierung ist fĂŒr einige LĂ€nder kein Thema mehr.

Die Millionen sich ĂŒberflĂŒssig fĂŒhlenden jungen MĂ€nner des Nahen- und Mittleren Ostens werden in den aus allen NĂ€hten platzenden Koranschulen auf SelbstmordanschlĂ€ge und Kriege vorbereitet. So hart es klingen mag: eine andere Verwendung gibt es nicht fĂŒr sie, denn es fehlen ArbeitsplĂ€tze, die ihnen einen Sinn jenseits des Hasses geben könnten.

Und nun? Zu den genozidalen Potentialen des Nahen Ostens formulierte der Soziologe Gunnar Heinsohn völlig zu Recht: "Die nĂ€chsten zwanzig Friedensnobelpreise fĂŒr Leute, denen zur gewaltlosen Auflösung dieser Spannungen etwas einfĂ€llt!"

Der Verfasser dieser Zeilen, der selber sechs Monate in dieser Region gelebt hat, muss der trockenen Aussage Heinsohns leider zustimmen und kann bei aller Bescheidenheit nur sehr allgemeine VorschlÀge machen:

1. Keinem notwendigen Konflikt ausweichen
Die derzeitige Diskussion der geplanten Raketenabwehr in Tschechien und Polen sollte aufgrund der dramatischen Ist-Situation neu bewertet werden. Der "Schirm" verursacht Kosten in Höhe von etwa 8 Milliarden Euro. Die EuropĂ€er dĂŒrfen nicht nur an den Kosten beteiligt werden, sondern mĂŒssen auch an der Verantwortung teilhaben.
Israel und die TĂŒrkei, unterhalten schon seit vielen Jahren eine Sicherheitspartnerschaft, was verstĂ€ndlich ist, zumal der ZĂŒndstoff direkt vor ihren HaustĂŒren liegt. Eine Integration der EuropĂ€er in diese Sicherheitspartnerschaft ist vonnöten. Deutschland kann hier eine FĂŒhrungsrolle ĂŒbernehmen, was angesichts der historischen Verbindlichkeiten gegenĂŒber dem Staat Israel Ă€ußerst angemessen erscheint.

2. Jeden ĂŒberflĂŒssigen Konflikt vermeiden
Die Invasoren im Irak und in Afghanistan haben sich nicht mit Ruhm bekleckert und sich zum Teil als kulturlose Kreuzritter prĂ€sentiert. Die Arroganz des Westens ist nicht hilfreich. Die psychologische Situation der islamischen Massen muss in den Maßnahmenkatalog der militĂ€rischen Optionen eingebettet werden. Das heißt, wir hochnĂ€sigen Westler mĂŒssen lernen, den Menschen mit den Augen der anderen zu sehen. Ausgleich und Konfliktlösung werden möglicher, wenn wir daran arbeiten, uns besser zu verstehen und gegenseitig zu achten.

Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung zur Vermeidung des Heiligen Krieges wird die Entwicklung einer multikulturellen Moral sein.

Ps: Ein Großteil der Gedanken ist nicht "auf meinem Mist" gewachsen. Diesen Text, ebenso wie den Beitrag ĂŒber die Zukurzgekommenen, habe ich nach dem Studium des genialen Buches "Zorn und Zeit" von Peter Sloterdijk geschrieben. Sloterdijk, m.E. einer der grĂ¶ĂŸten geisteswissenschaftlichen Denker der Postmoderne hat ein "Jahrhundertwerk" geschrieben. Das leider nicht immer ganz einfach zu verstehende Werk kann ich wĂ€rmstens empfehlen.
__________________
Die TollkĂŒhnheit des Schreibers und sein spontanes BedĂŒrfnis nach Wahrheit mĂŒssen allemal grĂ¶ĂŸer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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HFleiss
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against the holy war

Lieber dubidu,

im Gegensatz zu dir halte ich Sloterdijk keinesfalls fĂŒr den grĂ¶ĂŸten lebenden Philosophen, welche Profession bei dir ja gleich nach einem Heiligen zu kommen scheint. Der Mann hat nicht nur viel Mist gesprochen, sondern auch geschrieben (er ist so ziemlich in jeder Fernsehrunde anwesend, und das sollte auch dem Gutmeinendsten zu denken geben, meinst du nicht auch?) Das zumindest beweist mir dein "Artikel" hier.

Ich will auf ein paar Punkte eingehen:
1. Ende des Sowjetsozialismus - Dieses Ende wurde eingelĂ€utet mit dem Regierungsantritt einer Clique um Gorbatschow, noch nicht mit dem Afghanistankrieg. Sicher, es war ein von Anfang an aussichtsloser Krieg, genau wie der jetzige, auch die Briten sind dort schon gescheitert. Es war klar, dass sich die Sowjetunion eine CIA-Truppe an ihren Grenzen nicht leisten wollte. Wie erinnerlich, hatte die CIA die Taliban aus der Taufe gehoben, die nun im Auftrage der USA einen ganzen Staat besetzen wollte - im strategischen Einflussbereich der Sowjetunion. Du wirst dich auch erinnern, dass zu dieser Zeit in Afghanistan eine sowjetfreundliche Regierung an der Macht war, die bekanntlich die Sowjetunion um UnterstĂŒtzung bat. So waren die ZusammenhĂ€nge.
2. Was den Kalten Krieg angeht, so ist er noch lange nicht zu Ende - siehe die Angriffe auf Russland. Was ein kalter Krieger gelernt hat, das vergisst er eben sein Leben lang nicht.
3. In diesem Zusammenhang ist auch der sogenannte Schirm in Osteuropa zu sehen, die USA rechnen eben immer noch damit, dass Russland ihr Feind ist. Putin hat zu Recht den Finger darauf gelegt. Was aber machst du (wahrscheinlich noch immer im Bann Sloterdijks)? Du bist der Meinung, wir sollten uns beteiligen! Und zwar nicht nur mit Finanzen! Das wĂŒrde heißen, der kalte Krieg wĂŒrde unter den heutigen Konstellationen recht bald in einen heißen mĂŒnden! Hast du das bedacht? Es ist ein Vabanquespiel, das die USA treiben! Unsere Regierungsoberen sogar sind da vorsichtiger als dein hochgerĂŒhmter Philosoph, sie wissen ĂŒbrigens Rohstoffe zu schĂ€tzen, Sloterdijk dachte wohl nur an sein Buchhonorar.
4. Ich habe auch etwas dagegen, und zwar entschieden, nun zu unterstellen, in den Koranschulen wĂŒrde vor allem der Heilige Krieg gelehrt. Glaub mir, mir ist der ganze Islam als reichlich menschenfeindlich (jedenfalls unter den heutigen Bedingungen) nicht sympathisch, aber nun mit einem Nebensatz ĂŒber das Knie zu brechen, in der ganzen islamischen Welt dĂ€chte man an nichts anderes als daran, wie man den Westen islamisieren könnte - findest du das nicht selbst ein bisschen daneben?
5. Im Banne deines heiligen Sloterdijk schlĂ€gst du vor, Deutschland solle sich an der "Sicherheitspartnerschaft" von Israel und TĂŒrkei beteiligen, also direkt eingreifen in die Konflikte im Nahen Osten! Mein Gott, wie verantwortungslos muss man sein, eine solche Überlegung ĂŒberhaupt in ErwĂ€gung zu ziehen. Im Gegenteil, Deutschland sollte froh sein, dass es - bisher - nur auf diese, wenn auch nicht mehr marginale, Weise in den Konflikt hineingezogen wurde. Die Politik der USA - nicht nur der letzten Jahre - ist verbrecherisch und abenteuerlich, verantwortungslos gegenĂŒber der gesamten Menschheit. Und hier stimme ich sicher mit ein paar Milliarden Menschen ĂŒberein, wenn auch vielleicht nicht mit deinem zottligen Sloterdijk.
Es gĂ€be natĂŒrlich noch eine ganze Menge mehr zu sagen. Es ist immer gefĂ€hrlich, wenn man sich auf einen einzigen Autor einlĂ€sst, der immer auch private, das heißt finanzielle, Momente im Auge, aber niemals Verantwortung hat, vor allem dann, wenn es sich um einen Modephilosophen wie Sloterdijk handelt. Philosophen sollten eben bei ihren Monaden bleiben. Der ganze Friedensaspekt hĂ€ngt heute wieder an einem seidenen Faden, das bedenke immer und fall nicht so forsch auf einen Angeber herein.

Liebe GrĂŒĂŸe
Hanna

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dubidu
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Liebe Hanna,

vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar.
Es ist völlig legitim die Dinge aus einer völlig unterschiedlichen Perspektive zu sehen, doch sollten wir unterscheiden zwischen dem, was hier geschrieben steht und den daraus resultierenden möglichen Interpretationen. Keinesfalls habe ich behauptet, dass sich die Koranschulen nur mit dem Heiligen Krieg beschĂ€ftigen, es steht allerdings außer Frage, dass die Anzahl dieser Institutionen in den Krisengebieten stĂ€ndig wĂ€chst und dass viele Mullahs eben genau das predigen, um dem Zorn der jugendlichen Massen ein Ventil zu geben.

Eine Sicherheitspartnerschaft der EU mit der TĂŒrkei und Israel bedeutet natĂŒrlich nicht, dass wir nur auf militĂ€rische Optionen setzen. Das beinhaltet auch Entwicklungsprojekte, Finanzierung von Bildungsprojekten und auch kulturelle Zusammenarbeit. Mein "Schirm" ist im Übrigen ein rein defensives Konzept, das sich gegen zukĂŒnftige Hizbollah-Raketen mit grĂ¶ĂŸerer Reichweite sowie gegen iranische ABC Waffen richtet. Insofern erĂŒbrigen sich auch deine Bedenken einer von dir unterstellten Gefahr fĂŒr Russland.

Gruß
das dubidu
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RAFAEL SELIGMANN

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