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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ahnungen
Eingestellt am 12. 07. 2001 00:04


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muskl
???
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Ahnungen


Schon als er sie ├╝ber die Schwelle trug, kam er das erstemal ins Straucheln, nicht ungew├Âhnlich nach einer langen Zeit des Erwartens. Das ├╝ber die Schwelle tragen war f├╝r ihn wie ein Zieleinlauf, mit letzter Energie das lange Warten best├Ątigend. W├Ąhrend er vorw├Ąrts stolperte, liefen die Jahre vor seinen Augen ab, an der er alles daran gesetzt hat sie zu bekommen. Auf was hatte er alles verzichtet, was war ihm in der Zeit genommen worden? Es hatte es vor einigen Jahren angefangen. Niemals hatte er sich ernsthafte Gedanken dar├╝ber gemacht, er lebte sorglos in den Tag, erledigte dabei seine Pflichten und war eigentlich gl├╝cklich. Allerdings merkte er in manchen Momenten, dass ihm etwas fehlte. Er konnte es an nichts festmachen, dieses Gef├╝hl kam von innen und nahm so manches Mal Besitz von ihm. Er hatte sich dann wenig M├╝he gemacht es zu erkennen, es gab viele M├Âglichkeiten sich abzulenken.

Eines Tages stand sie dann unvermittelt wieder vor ihm, er konnte nicht daran vorbei gehen. Es war kein sch├Âner Tag, es war dunkel von vielen Wolken und ein leichter Regen viel. Seit dem fr├╝hen Morgen war er schon gehetzt. Aufgewacht nach einem furchtbaren Albtraum, im Bad fast gest├╝rzt und dann hatte auch noch die Kaffeemaschine ihren Geist aufgegeben. Ein Morgen ohne Kaffee, war f├╝r ihn ein schlechter Beginn, es sei denn, der Morgen war f├╝r ihn erst am Mittag, dann war der Kaffee zwar auch wichtig, aber dann konnte er eher ohne ihn leben. Also, ein schlechter Beginn seines Morgens an diesem Tag. Missmutig hatte er sich an seinen Computer gesetzt, um mit seiner Arbeit zu beginnen. Nach zwei vergeblichen Stunden einen Anfang zu finden, gab er entnervt auf und schaltete den Computer ab. Starr sa├č er vor dem Ger├Ąt und schaute dumpf auf den ausgeschalteten Monitor. Viele Male hatte er bisher ├╝ber das Schicksal nachgedacht und ├╝ber seine Vorboten, er nannte sie seine Ahnungen des Schicksals. Er meinte schon fr├╝h zu versp├╝ren, wenn es das Schicksal mal wieder mit einer au├čergew├Âhnlichen Sache auf ihn abgesehen hatte.

Dabei ging es nicht nur um negative Schicksalserfahrungen, auch die positiven schienen sich vorher anzuk├╝ndigen. Welcher Art der Erfahrung es w├╝rde, war ihm dann aber nicht sofort klar. Nachdem er einige Male vom Schicksal angetippt wurde, f├╝llte ihn die Ahnung unmittelbar aus, es war wie eine Erkenntnis. Die erste Reaktion von ihm war Ungl├Ąubigkeit, so etwas konnte nicht sein, wann hatte man schon jemals davon geh├Ârt, dass jemand sein Schicksal ahnen k├Ânnte. Zuerst tat er es immer als Spinnerei ab, sein logisches Denken verbot ihm seiner Wahrnehmung zu trauen. Und nicht zuletzt die Erziehung nach dem Motto, glaube nur das was du in der Hand h├Ąltst.

Am Ende kam dann immer sie Ern├╝chterung, es passierte immer etwas au├čergew├Âhnliches, wenn er dieses Gef├╝hl hatte, ob nun positiv oder negativ. Dann schwor er sich, beim n├Ąchsten Mal seiner Wahrnehmung zu trauen und seinem Gef├╝hl zu folgen. Aber regelm├Ą├čig schob sein Verstand einen Riegel vor die Wahrnehmung und tat alles, um sein Gef├╝hl sp├Âttisch als albern und gar nicht Erwachsen darzustellen. Erwachsen wollte er ja nun mal sein, wenn es ihn auch manchmal anwiderte die Erwachsenenwelt zu betrachten. Kinder waren f├╝r ihn Freude, Spa├č, Spielen, Phantasie, Reden ohne Nachdenken, ohne viel ernsthafte Logik. Erwachsene waren Krieg, schlagen, Missbrauch, L├╝gen, Betr├╝gen und machten aus ihrem Spa├č eine Show.

Nachdem er vom Computer aufgestanden war, warf er einem fl├╝chtigen Blick aus dem Fenster auf das herrschende Mistwetter, das er mit einem langen Mantel quittierte und ging ziellos auf die Stra├če. Er lief auch weiterhin einfach drauf los, ohne sich darum zu sorgen, wo das Ziel seiner Schritte lag und jetzt stand er vor ihr. Sie sah nicht gerade wie der Wunsch jedes Mannes aus, aber das wollte er auch nicht, er hatte sie lieber mit etwas eigenem. Ihre Formen waren weich geschwungen und ihre Schlankheit hatte er in seiner Phantasie schon oft bewundert. Die Ausstrahlung die von ihr ausging war ├╝berw├Ąltigend, am liebsten h├Ątte er sie auf der Stelle z├Ąrtlich gestreichelt und ihr die Energie gegeben, die sie innerlich zum Strahlen brachte.

Er hatte sie im Laufe der Jahre schon einige Male gesehen und bewundert, aber immer war es nicht die Gelegenheit etwas zu tun. Er wusste von Beginn an, dass es eine Entscheidung f├╝rs Leben werden w├╝rde, sie w├╝rde immer bei ihm sein und seinem Leben die Helligkeit und W├Ąrme verleihen, die er schon so lange verzweifelt gesucht hatte. Nicht das es in seinem Leben nur Dunkelheit gegeben hatte, aber etwas hatte ihm instinktiv immer gefehlt. Versucht hatte er es mit unz├Ąhligen anderen, die ihm aber im Vergleich zu ihr nichts dauerhaftes geben konnten, au├čer nat├╝rlich die kurzfristige Befriedigung, nach der aber bald ein verkatertes Erwachen folgte.

Manches mal wenn er ihr begegnete, einmal sogar in einer anderen Stadt, wagte er es nicht ihr n├Ąher zu kommen, seinerzeit sch├Ątzte er seinen Wert niedrig ein, es erschien ihm unm├Âglich, ihr den Platz in seinem Leben zu geben den sie verdiente. Voller Hemmungen schlich er dann an ihr vorbei, aber nicht heimlich einen Blick auf sie zu erhaschen. Wenn er dann wieder in seine Wohnung kam, betr├╝bte ihn sein Leben und seine Umgebung umso mehr. Sehns├╝chtig schaute er dann immer in die Leere und stellte sich vor wie es mit ihr w├Ąre. Nach dieser eigenen Vergewaltigung warf er sich immer ins Bett und w├Ąlzte sich eine Nacht hin und her, bis er dann in einen schweren Schlaf verfiel.

Aber dieses Mal stimmte wirklich alles, au├čer das Wetter, aber wie sollte ein dunkler Himmel die Romantik st├Âren, wichtig war, dass er sie gefunden hatte. Das er viel daf├╝r hergeben musste war ihm egal geworden, diese Zuneigung war ├╝ber Jahre gewachsen und stand vor ihrer Erf├╝llung. Er ging mit ihr zu seiner Wohnung und trug sie mit einem hei├čen Triumphgef├╝hl die letzten Schritte ├╝ber die Schwelle, vor nerv├Âser Erwartung schwankend und stolpernd. Beim vorletzten Schritt kam er ins Straucheln, der letzte Schritt war schon das pure Entsetzen und brachte ihn endg├╝ltig zu Fall. Er fiel und wollte sie noch mit seinem K├Ârper sch├╝tzen, aber es war vergeblich, die BAUHAUS-Lampe schlug mit voller Wucht auf den Boden. Der sch├Ân geschwungene halbrunde Lampenschirm zersprang in tausend Teile, das schlanke Messing-Standbein verbog. Die lang ersehnte BAUHAUS-Lampe war nur noch ein Haufen Schrott, der das teuer bezahlte Teil auf den Schlag wertlos machte.

Er lag entsetzt zwischen den Tr├╝mmern und dachte an seine Ahnungen, er hatte gewusst das etwas passieren w├╝rde.

2001 / Michael

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einfach

k├Âstlich! erst dachte ich: was soll denn das gelaber, komm endlich auf den punkt! aber bei dem herrlichen schlu├č - ich bebe jetzt noch vor lachen - also, das ist das beste, was ich bis jetzt von dir gelesen habe! mach ma so weita! ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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muskl
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wenn ich die Geschichte lese, bin ich jedesmal selbst ganz geknetet von der langatmigen Rede - bevor sie auf den Punkt kommt. Der Schlu├č lockt mir immer wieder ein Grinsen heraus, besonders mit dem Gedanken an eine bestimmte Person, die schon ein Leben lang dahinter herhechelt und sie sich einfach nicht leistet...

Lieben Gruss
muskl

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flammarion
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ach,

es gibt eine real existierende person, die diese bauhaus-lampe gerne h├Ątte? eideidei, sie dann st├╝rzen zu lassen mit der kostbarkeit ist aber gemein! es bleibt trotzdem eine entz├╝ckende geschichte. lg
__________________
Old Icke

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muskl
???
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es gibt "Sie". Statt der Lampe hat sie voerst Zwillinge bekommen ;-), daran kann sie das Tragen ja ├╝ben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Lampe das Ziel der W├╝nsche ist, oder eher die Schw├Ąrmerei und die Vorfreude...
muskl

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flammarion
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also

herzlichen gl├╝ckwusch. aber lieber soll sie mit der lampe hinfallen als mit einem der zwillinge. lg
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Old Icke

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muskl
???
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Es war interessant eine Zeit lang zu beobachten, wie ein Mensch der sich es leisten kann, auf den Wunsch verzichtet, nur um ihn weiter haben zu k├Ânnen. Das in eine Geschichte zu verarbeiten war nicht einfach, ist mit Sicherheit auch ├╝bertrieben dargestellt, aber wie sollte man es sonst zeigen...
Allerdings ist diese "Zeit lang" schon l├Ąnger vorbei, den Gl├╝ckwunsch kann ich nicht weiter geben.
Lieben Gruss
Michael

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