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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Akt-Fotomodell
Eingestellt am 29. 03. 2011 01:25


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Miro
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2010

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Akt-Fotomodell

Akt-Fotomodell


Auf meiner Fahrt nach Skandinavien weht mir ein ganz spezieller Wind ent­gegen: Nord­wind.
Der Nordwind ist klar und frisch, aber er kann auch eisig sein, unendlich kalt, herzlos und erbarmungslos.

In Oslo habe ich eine Verabredung:
Ăśber eine Model-Agency habe ich Birthe gebucht.
Sie wird mir Oslo zeigen. Für die Fotos, die ich machen möchte, wird sie dabei als Fotomodell lächeln.
Vier Stunden lang wird sie mir Gesellschaft leisten. In diesen vier Stunden werde ich die Illusion von Begleitung auf der Reise haben.
Es wird mir gut tun, verdammt gut tun.

Als Tourist durch eine Stadt laufen, einfach wild-fremde Menschen foto­gra­fieren: das läuft ja nicht mehr. Man darf im Zeitalter des Datenschutzes nicht einfach fremde Menschen fotografieren. Schon gar nicht aber würden die pos­ieren, lächeln und warten, bis das Arrangement von Vordergrund und Hinter­grund optimiert ist ...

Birthe ist eine typische skandinavische Schönheit: blond, blauäugig, schlank und Mitte zwanzig. Ihre Sedcard hatte mich so sehr angesprochen, dass ich mich schon vor Reiseantritt entschlossen hatte, sie zu buchen.
Es ist eine Premiere fĂĽr mich: so etwas habe ich noch nie zuvor gemacht.
Je näher Oslo kommt, desto öfter denke ich an die junge Frau, die ich da tref­fen werde. Die Optionen, auch „Beauty“, „Dessous“ und „Erotic“ zu fotograf­ier­en, habe ich mit gebucht.
Vier Stunden sind vereinbart. (Verlängerung möglich.)


***

Die M/S Color Fantasy, das „weltgrößte Kreuzfahrtschiff mit Autodeck“ tastet sich durch den immer enger werdenden Fjord dem Ziel entgegen, läuft schließ­lich in den Hafen von Oslo ein.

Ich stehe an der Backbordseite und sehe zur Halbinsel Bygdoy herĂĽber. Dort ist das Freilichtmuseum und das Kon-Tiki Museum mit den Booten Kon-Tiki und Ra I und Ra II sowie der Tigris. Dort werde ich mit Birthe hingehen. Dort ist auch ein FKK-Strand, wo wir vielleicht ein paar spezielle Fotos machen werden ...

Ich habe mich schließlich in den Laderaum begeben und bin ins Auto gestiegen. Die Musikanlage spielt „One way wind“ von den Cats. Meine Stimmung schwankt zwischen Wehmut und Erwartung. Nur noch eine Stunde vielleicht, dann werde ich im Hotel sein und mich erst einmal ausschlafen.
Ich habe mir das „First Hotel Grims Grenka“ ausgesucht. Es liegt etwa zwei Kilometer weg vom Fähranleger, allerdings weg von der Halbinsel nach Osten.
2008 war es komplett renoviert worden und hat ein sehr markantes Design.
Ein weltoffenes Haus mit exquisitem Ambiente.
Ich nehme an dieser Stelle vorweg: ich werde nicht enttäuscht werden.
(Dass es auch ein Trend-Haus für Schwule und Lesben ist, das ist mir völlig egal!).

Vierzehn Jahre lang war ich verheiratet, wäre nur eine ferne, unwirkliche Fantasie gewesen, was ich jetzt vor habe, so bin ich nach der Trennung nun offen und tolerant für fast ALLES (muss es ja nicht ALLES selbst wollen)!

Birthe treffe ich am Nachmittag.
In der Hotel-Launch werde ich sie treffen.
Ich bin nervös, als wäre es ein Date.
Dabei habe ich sie gebucht und bezahle dafür, was wir machen wollen. Es geht nicht wirklich um Sex, sondern nur um Fotos und die Gesellschaft einer at­trakt­iven jungen Frau, in der ich mich einige Stunden aalen darf.



Ich bin frisch gemacht, habe die Kamera umgehängt und bin mindestens zehn Minuten zu früh.
Mein Zimmer ist in der vierten Etage des sechsstöckigen Hotels, nehme ich den Aufzug und fahre in den ersten Stock.
In Skandinavien ist das das „Erdge­schoss“ nicht die „Null“, sondern die „Eins“.
Die Aufzugtür öffnet sich und ich blinzle in die Halle.

In den grauen Sitzen des Foyers wartet eine einzelne Frau und hat den Blick zu den Auf­zügen gerichtet.
Ich erkenne sie sofort.
Das ist sie:
Birthe.

Als sie mich sieht, huscht der Anflug eines Lächelns über ihr Gesicht.
Ich könnte taumeln, denke ich.
Nur noch wenige Momente trennen mich von der BegrĂĽĂźung.
Ich trete aus dem Aufzug in die weitgehend leere Hotelhalle, gehe direkt auf sie zu und sie steht auf.
Sie sieht einfach phantastisch gut aus!
Lange, blonde Haare, ein sehr schön geschnittenes Gesicht, große, blaue Augen mit einem dezenten Make-up, eine hübsche Stupsnase und ein sinnlicher Mund. Der Ausdruck in Ihrem Gesicht signalisiert freundliche Erwartung.

Wie besprochen trägt sie einen leichten Mantel und hochhackige Schuhe. Ich weiß, dass sie unter dem Mantel nackt ist.

Plötzlich schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass mein Grinsen unpassend sein könnte. Ich will nicht vulgär wirken, ich versuche einen seriösen Blick und vermeide, sie zu taxieren und mit meinen Augen zu fressen.

Ich strecke die Hand aus und sie gibt mir ihre.
„Hi“, sage ich, reichlich bemüht, jung und dynamisch auftreten zu wollen.

Sie lächelt charmant und hat die Situation ganz offensichtlich unter Kontrolle.
„Hi“, antwortet sie. „Ich bin Birthe.“

Sie spricht Deutsch, hat dabei einen kleinen nordischen Akzent. So, wie ich aus meiner Kindheit von Schlagersängerinnen aus Skandinavien in Erinnerung habe, aber unbedingt total sympathisch!
„Ich bin bezaubert“, sage ich und meine es auch genau so.
Sie strahlt mich an: „Danke!“
„Darf ich Sie zu einem Glas Champagner einladen?“
Einen ganz kurzen Moment zögert sie.
Ich werde über diesem Moment ihres Zögerns noch nachdenken. Wollte sie mir be­deuten, dass es keine Chance gäbe, sie betrunken zu machen und zu ver­führen? Wollte sie „nein“ sagen, hat sie in diesem Moment ein Urteil über mich gefällt?
Ihre Antwort jedenfalls verursachte eine Endorphinfreisetzung in mir:
„Ja, das würde mir gerne gefallen!“ sagt sie mit ihrem entzückenden Akzent.

Sie geht voran und ich leiste mir einen Blick auf ihre unter dem taillierten Mantel verborgene Figur.
Eine absolute Schönheit, bin ich mir ganz sicher, habe ich da ausgewählt.
Ihre glatten, langen, blonden Haare fallen ĂĽber den Kragen des Mantels, sie schwingen mit ihren Schritten und mit ihrer Figur, die sich bewegt wie auf einem Laufsteg.

Ich halte die Luft an und mir könnte schwindlig werden.

Zum Glück sind es nur etwa zwölf Meter bis zur Bar, und ehe es mich von den Füßen reißen kann, klettern wir nebeneinander auf die Barhocker.
Sie zieht den Mantel etwas hoch, setzt sich zurecht und dreht sich zu mir hin.
„Ich möchte mich bedanken, dass Sie mich gebucht haben!“ sagt sie und tax­iert nun ganz offensichtlich mich.
Hinter der Bar ist Leere, keine Bedienung da.
„Sie haben eine beeindruckende Sedcard!“ gebe ich zurück und ergänze: „Sie persönlich kennen zu lernen ist eine Oper, für die ihre Sedcard nur die Over­türe war!“
„Oh ?“
Upps, das habe ich wohl etwas überspannt formuliert? Nach fast fünfzehn Ehe­jahren muss ich „Flirten“ wohl wieder erst neu lernen?
Ich erkläre es ihr und wir lachen schallend.
Irgendwie taut das Eis zwischen uns.
Es fĂĽhlt sich unheimlich gut an!
Birthe ist eine total bezaubernde Frau.

Dann taucht eine Kellnerin hinter der Theke auf.
„Champagner!“ sage ich leise und hebe zwei Finger.
Die Kellnerin nickt freundlich, wendet sich ab und gibt uns unsere Intimität zurück, während sie sich der Erfüllung der Bestellung zuwendet.

Birthe strahlt mich derweil an und verwöhnt mein Gemüt mit ihrem absolut charmanten, offenen und herzlichen Lächeln.
Sie ruft ein Gefühl von Wärme, von Nähe in mir hervor, es ist, als könne sie eine leise Musik in mir wecken, eine kleine Kerze in mir zum Leuchten bringen.
Es ist ein GefĂĽhl, das ich in diesem Moment noch nicht wirklich verstehe, aber noch kennenlernen soll.

Ich mag nicht glauben, dass es da einen besonderen Zauber gäbe, ich erinnere mich indes daran, dass ich sie schließlich „gebucht“ habe dafür, liebenswert und freundlich zu mir zu sein!




„Das ist nur ihr Job!“ rufe ich mir in Erinnerung, aber glaube doch gar nicht da­ran!
„Sie werden Oslo in schöner Erinnerung behalten!“ sagt sie.
„Ja.“ gebe ich zurück, sehe sie an und weiß, dass es so sein wird.
„Ich werde gerne mit Ihnen einige Sehenswürdigkeiten besuchen und freue mich, Ihnen viel davon erzählen zu dürfen.“
„Es ist wunderbar charmant, wie Sie das sagen!“

Einen kurzen Augenblick gönnen wir einander, schweigend, einander ansehend. Ohne etwas zu sagen, sprechen in diesem Moment unsere Blicke zueinander. So jedenfalls kommt es bei mir an.
Eigentlich ist es recht dunkel in der Hotelbar, aber sie erscheint mir hell und irgendwie auf eine besondere Weise leuchtend.
Ich frage mich, ob es ihre Augen sind, ihre Freundlichkeit, ihr Wesen??
Was ist das, was ich da fĂĽhle?


***


Ist es schon ein Flirt? Oder was erlebe ich gerade?
Sie macht einen Job, erinnere ich mich.
Sie ist keine Liebschaft!

Die Kellnerin stellt zwei Gläser mit prickelndem Inhalt auf die Theke.
Die Momente zuvor waren, als hätte ich längst schon etwas getrunken!

Wir nehmen die langstieligen Gläser in die Hand und sie sieht mir, wie ich das kaum je zuvor bei einem „Zuprosten“ erlebt habe, jetzt ganz tief in die Augen.
„Für eine schöne Zusammenarbeit!“ sagt sie,
„Auf eine wunderschöne Frau, die ich kennen lernen darf !“ gebe ich zurück.

Wenn man sich beim „Zuprosten“ nicht wirklich in die Augen sieht, wird man keinen guten Sex haben.
Wenn etwas daran ist, dann hätten wir heute fantastische Aussichten. Aber ich habe sie doch schließlich nur für ein Fotoshooting und als Begleitung gebucht.

Es herrscht allerdings eine Atmosphäre, als hätten wir uns wie Liebende getroffen. Jedenfalls empfinde ich das so.
Wir sitzen an der Bar, und sie ist einfach unglaublich zauberhaft.

Wir haben einen Vertrag, dessen gemäß ich sie fotografieren darf, auch in erotischen Posen, auch etwa in der Weise, dass sie den Mantel öffnet oder auszieht – und darunter sie nackt …
Während ich noch darüber nachdenke, wie ich den Übergang dazu moderieren könnte, öffnet sie selbst mit wenigen Griffen die Knöpfe des Mantels.
„Ich bin für Sie da, wie es verabredet ist!“ sagt sie.

Unter dem Mantel trägt sie Netzstrümpfe und High– heels.
Sonst nichts. So bietet sie ihren Körper meinen Blicken an.

„Danke!“ sage ich, etwas heiser, überrascht und überwältigt zugleich.
Aber sie lächelt nur und genießt offenbar einfach, dass sie mir gefällt.
Es knistert, als wĂĽrde jeden Moment ein Blitz entladen!

„Foto?“ fragt sie.
Ich nehme umständlich die Kamera und mache dann das Bild.

„Hier ist aber kein gutes Licht für schöne Fotos!“ sagt sie danach und steht auf, trinkt den Champagner aus und nimmt meine Hand. „kommen Sie! Ich möchte für sehr gute Bilder stehen!“

Sie hat recht: nur mit aufwendiger Beleuchtung lassen sich in dunklen Räumen gute Bilder machen, wir sollten eine andere Location suchen, möglichst mit natürlichem Licht.

Das Wetter ist passend.
Auf Bygdoy ist ja neben dem Kon-Tiki auch das Norsk Folkemuseum, ein Frei­lichtmuseum, das lichttechnisch un­problematisch und wohl eine herrliche Kulisse für schöne Bilder sein kann.
Außerdem gibt es dort auch Strände, und FKK ist ebenfalls nicht tabu.

Ich weiß nicht, ob wir noch mehr Sekt trinken werden, jedenfalls bestelle ich ein Taxi für die Fahrt dorthin. Ich genieße ihre Gesellschaft, ihre freund­liche Aufmerk­samkeit und ihre Bereitschaft, für mich zu lächeln.
Nur so „zum Üben“ mache ich vor dem Hotel einige Fotos von ihr. Sie wirkt so unbekümmert und sie ist so verdammt jung.

Sie hat eine zauberhafte Figur, ein hübsches Ge­sicht, einen sinnlichen Mund und Augen, so tief und blau wie norwegische Berg­seen. Ihre Figur ist eher zier­lich, aber was mir an einer Frau gefällt, hat sie unverkennbar und rechtfertigt auf jeden Fall den Preis, der für das Foto-Shooting und vier Stunden Begleitung durch Oslo ausge­handelt ist.
Der Champagner mag noch dazu beitragen: ich bin jedenfalls in einer herr­lich­en Stimmung.

Während ich sie fotografiere, machen wir kleine Scherze, wir lachen und sind fröhlich.
Sie ist nur eine Begleitung für kurze vier Stunden, rufe ich mir in Erinnerung. Sie wird am Ende noch zweihundertachtzig Euro bekommen und dann wieder völ­lig aus meinem Leben verschwinden.

Nur ein paar Bilder werden mir bleiben.

Aber ich habe ein Kribbeln im Bauch, als könnte ich mich gerade in sie ver­lieben.
Vielleicht, weil ist so etwas schon lange nicht mehr erlebt habe?

„Geben Sie mir einen Kussmund!“ sage ich.
Verwirrt sieht sie mich an. „Ohh? Was ist das?“
Sie spricht eigentlich sehr gut deutsch, aber manche Wörter kennt sie halt ein­fach nicht. Ich mache es ihr vor, und sie posiert in die Linse, dass ich zu­sammen zucken möchte, wie offen, wie überzeugend sie es herüber bringt.
„Birthe, Sie sind fantastisch!“ sage ich und gebe meinerseits einen Kussmund zurück.

Sie ist vielleicht auch etwas beschwingt vom Champagner. Wir sind richtig aus­gelassen. Das mit dem kleinen Drink an der Bar im Hotel zum Auftakt war ganz sicher eine ver­dammt gute Idee, denke ich zwischendurch.

Sie lächelt, sie lacht, sie kokketiert, sie öffnet den Mantel und spielt mit ihrer Nackt­heit darunter, selbst als Passanten es sehen, macht sie weiter und ist voll konzentriert darauf, in meine Kamera zu lächeln und für mich zu posieren,

Jemand hatte einen Kommentar abgegeben, und sie darauf geantwortet, natür­lich auf norwegisch.
„Was haben Sie gesagt?“ frage ich, nachdem sie einen längeren Satz zu einem der Passanten gesagt hat.
„Es gibt so viele Richtungen für Blicke. Wenn der Blick zu mir ihm nicht ge­fällt, solle er doch einfach eine von den vielen alternativen Richtungen wählen!“
„Wow!“ sage ich und denke ich. „Sie sind nicht nur eine sehr schöne Frau, son­dern auch eine brilliante Philosophin!“
„Nicht brilliant!“ gibt sie zurück.
„Warum nicht?“
„Weil ich es doch nur zitiert habe!“
„Oh!“ sage ich. „Immerhin ist es doch auch schon genial, in so einem speziellen Moment an einen solchen Spruch zu denken!“
„Finden Sie?“
„Ja, ganz wirklich!“ sage ich und schenke ihr meine ganze Bewunderung.

Was fĂĽr eine tolle Frau lerne ich hier gerade kennen?
Lerne sie kennen und werde ich nach nur vier Stunden wieder verlieren?

Sie ist nicht nur wunderschön, sie ist auch noch phantasievoll, jederzeit gut für eine Überraschung und dabei von einer geradezu ansteckenden Freundlich­keit und Fröhlichkeit, voller Ideen und behält jenseits aller Scherze und Lustig­keit dennoch auch Ernsthaftigkeit, ist nicht Laster und Sex, sondern Mensch und Frau zu mir: gefühlt „auf Augenhöhe“.
Sogar, obschon ich sie doch engagiert habe!

Ihr Spruch von den Richtungen für Blicke ist lebhaft in meiner Erinnerung: Wem ein Anblick nicht gefällt, der solle doch eine Alternative wählen, statt Mit­menschen wegen eines unbeliebten Anblickes zu drangsalieren!

Eine Aufforderung zur Toleranz – eine Weisheit!
„Von wen ist denn dieses Zitat?“
„Von Hallvard Bjorkevik“, erzählt sie unbekümmert, „von meinem Urgroßvater. Er war ein bekannter Mann hier in Oslo.“
„Sie haben Ihren Urgroßvater gekannt?“
„Ja, aber er ist gestorben, als ich noch kleines Mädchen war. Er hat mir sehr viele Ge­schichten er­zählt und es sind ganz spezielle Erinnerungen.“

„Was hat er gemacht?“
„Er war Leiter des Norsk Folkemuseum, bis zu seiner Pensionierung vor etwa zwanzig Jahren. Er hat ganz viele Blicke und Blickrichtungen in unser schönes Land gezeigt. Meine Mutter hat ihn sehr bewundert und sehr geliebt, und ich glaube, ich erinnere ihn auch.“
Sie sagt es versonnen. Ich spĂĽre, wie sie in diesem Moment an ihn denkt.

„Ich bin gespannt, ob Sie mir etwas davon erzählen werden, wenn Sie mir Oslo zeigen!“
„Bestimmt!“ sagt sie und legt dabei den Kopf leicht zur Seite.

Ich meine, den Atem anhalten zu müssen: Es ist, als ob sie in diesem Moment Feenstaub ver­sprüht, unendliche Magie und märchenhaften Charme: ein besonderer Zauber scheint gerade nach mir zu greifen ...

Was ist das für eine Frau, die ich einfach über eine Agentur im Internet ge­bucht habe? Was ist das für eine Begegnung, die ich plötzlich habe ?
Eine Begleitung fĂĽr vier Stunden in Oslo, vielleicht mit Stadtrundfahrt und der Option, Fotos von ihr zu machen hatte ich gesucht, hatte ich gebucht. - Was ich gefunden habe ich wie ein kleines Wunder.

Ich habe schon einige Bilder von ihrer nackten Haut gemacht. Ich habe bei meinen Fotos auch schon einige sehr intime Blicke auf sie geworfen.

Als das Taxi kommt steigen wir beide hinten ein. Wir sitzen nebeneinander. Sie erklärt dem Fahrer, dass wir zur Museumsinsel Bygdoy wollen.
Bin ich von dem einem Glas so beschwipst, dass mir danach ist, ihre Hand nehmen zu wollen ?

Es gelingt mir gerade noch, mich zu beherrschen.
Ich habe ĂĽber die Agentur nur vier Stunden ihrer Zeit gebucht, nicht wirklich sie selbst!

Sie ist so unendlich zauberhaft. Sie hat eine Ausstrahlung, die mich fesselt. Sie hat etwas geheimnisvolles, das ich nicht deuten kann, aber das mich gefangen nimmt.

***


Zeige mir eine fremde Welt und lasse mich deren Zauber spĂĽren.
Wohin du mich fĂĽhrst, dahin will ich dir folgen, was du mir zeigst, wird ein neuer Horizont fĂĽr mein ganzes Leben!


Der Norweger Thor Heyerdahl baute nach den Baumöglichkeiten der Polynesier ein Floß aus Balsaholz, um zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Süd­amerika aus möglich war.
1947 unternahm er seine erste legendäre Reise über den Pazifik.
Die Kon-Tiki und die Ra sind auf der Museumsinsel ausgestellt und erinnern an die Reisen und daran, wie dieser Mann seinen Traum verwirklicht und der Welt Zeugnis gegeben hat von etwas, das historisch nicht durch archäologische Funde, sondern durch persönliches Eintauchen in die Vergangenheit und deren Umstände möglich wurde.

Sie hat mir vom Kon-Tiki Museum einige Besonderheiten erzählt, aber wegen der geplanten Fotos gehen wir dann in das Nationalmuseum.

„Das Norsk Folkemuseum will alles zeigen, was das norwegische Volks- und Kultur­leben ausmacht. Es bietet einen sehr schönen Einstieg, wenn jemand frisch nach Norwegen gekommen ist und Norwegen kennen lernen will!“
Das Taxi verlässt die Stadtautobahn und biegt zur Insel ein.

Birthe hat eine ganz erfrischende, beschwingte Art, über die Dinge zu be­richten.
Ich zahle einhundertsiebzig norwegische Kronen Eintritt und verliere kein Wort darĂĽber.
Was immer hier geschieht: es ist jede Krone wert!

Ich habe sie als Begleiterin, aber auch als Model engagiert. Wie schon bei unserem Probelauf vor dem Hotel posiert sie hier im Freilichtmuseum.

So gibt es da etwa eine ganz alte Tankstelle.

Vor dieser Kulisse zieht sie ein­fach den Mantel aus, legt in über den Arm, geradezu als trage sie einen komplet­ten Anzug darunter. Sie wartet, das ich sie fotografiere. Andere Besucher beob­achten die Szene aus der Ferne, nahe bei uns ist niemand.
„Was bedeutet dieses Bild?“ frage ich sie, die ja nur noch mit Netzstrümpfen und Stiefeln bekleidet ist und ansonsten ihre Nacktheit trägt, die ihr aller­dings hervorragend steht.
Der Mantel über dem Arm verdeckt gar nichts. Mir ist plötzlich, als sei sie von einer wundersamen Aura umhüllt, die ihre Schön­heit verzaubert und es zu einer göttlichen Gnade macht, sie ansehen und fotografieren zu dürfen.
„Es bedeutet: moderne norwegische Frau mit Traditionsbewußtsein !“ Sie sagt das mit einer irren Mischung aus Selbstbewusstsein, Stolz und Ironie zugleich, sie grinst dabei und bewegt den Po hin und her wie eine Sambatänzerin, ehe sie sich den Mantel wieder anzieht, nachdem ich meine Fotos gemacht habe.

„Sie sind wahrhaftig eine poetische Frau mit sagenhaften Einfällen!“ gestehe ich ihr staunend.
Ich gebe ihr zum zweiten Mal an diesem Tag den „Kußmund“.
„Oh“, kommentiert sie das: „Ihre Gebärdensprache ist auch ein ganz einzigart­iger, wundervoll freund­licher Zauber!“

Ich mache zu ihren HĂĽftwackler keine weitere Bemerkung.
Es ist eine bezaubernde Stimmung zwischen uns.

Als die Zeit zu Ende geht, lade ich sie zum Essen ein. Nicht in meinem Hotel, nicht mit zweideutigen Absichten, sondern als Ausklang für diesen herr­lichen Nachmittag.
„Birthe, suchen Sie ein schönes Lokal aus!“ schlag ich ihr vor.
Sie strahlt mich an und erklärt mir, dass sie die Stunden mit mir nicht als Ar­beit, sondern vergnüglich erlebt habe.
„Sie sind ein fröhlicher und sehr netter Mann und haben viel Feingefühl für eine Frau, mit der Sie einen solchen Tag machen! Es ist wunderbar angenehm mit Ihnen, nicht schwierig und peinlich.“
Ich bedanke mich.

Sie bittet, dass wir die Session an diesem schönen Punkt beenden mögen.
„Lassen Sie uns Profis sein !“ sagt sie und lächelt verschworen.
Ich empfinde einen Anflug von Traurigkeit, dass dieser Nachmittag nun zu Ende ist.
„Ich werde Sie als Top-Model ebenso professionell wie als geistreiche Philo­sophin und auch als meine persönliche Fremdenführerin in allerbester Erinner­ung behalten!“
„Ich werde an Sie als einen charmanten Mann denken, mit dem es ein spezielles und liebenswertes Vergnügen war.“

Etwas blitzt in Ihren Augen, dann beugt sie sich vor und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Bei einem solchen Kuss mag es feine Nuancen geben. Ihrer dauert jedenfalls genau dieses kleine bisschen länger … als „normal“.
Er enthält, das meine ich zu fühlen, doch auch noch einen Hauch von Botschaft an mich.
Da ist etwas, das ich früher vielleicht als „Wunschdenken“ abgetan hätte. Mit dieser attraktiven Frau enger verbunden zu sein, als gerade augenschein­lich wäre.

Ob ich nur glauben will. Oder ob es wirklich so ist: enthält dieser Kuss die ge­heime Botschaft, dass sie sich freuen würde, wenn wir uns wieder begegnen würden ?!

Ich möchte ihr etwas geben, etwas da lassen von mir, etwas, sie an mich zu erinnern, sie auf irgendwie eine geheimnisvolle Art vielleicht wieder zurück zu mir rufen zu können.
„Ich habe von mir nur eine Visitenkarte!“ sage ich und reiche ihr eine davon.
Wieder scheint Sie einen Moment zu zögern, wie, als ich sie zum Champagner eingeladen hatte.
Dann sagt Sie: „ich werde sie ganz per­sönlich verwahren!“
Sie nimmt die Karte und steckt sie in Ihre Tasche.

Noch ein letzter Blick in ihre Augen.
Es ist Wärme darin. Es ist ein zauberhaftes Leuchten von Sympathie. Es ist da irgendwie ein unsichtbares Band, ein besonderes Leuchten, das ich (noch) nicht zu deuten weiß.

Ich ahne da, dass ich Birthe wieder begegnen werde, auch wenn wir uns gerade scheinbar endgĂĽltig trennen.


***


Wie weit geht der Service einer Mitarbeiterin in einer „Begleit-Agentur“?
Hat sie Sex bei anderen Aufträgen, ist das nur eine Frage des Geldes?

Hätte ich nur noch etwas mehr bezahlen müssen?
Hätte ich das gewollt ?

Kann mann eine Frau kaufen ?

Oder ist sie letztlich doch ein ganz einzigartiges Geschenk, das mann nur be­kommt, wenn mann es wert ist ?

__________________
Es mag bessere Zeiten geben, aber dies ist die unsere (J.P.S.)

Version vom 29. 03. 2011 01:25

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Rehcambrok
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Diese Geschichte gefällt mir sehr gut , lässt sie genug Platz für das Kopfkino . Auch ohne in die Langeweile diverser Häuser zu verfallen , könnte ich mir hier einige Fortsetzungen vorstellen , die eine gewisse
Richtung zeichnen , aber genug Spielraum fĂĽr das Bild vor Augen lassen.
In der Hoffnung auf eine Fortsetzung ,
liebe GrĂĽĂźe
Helmut

__________________
Wer Frieden auf der Welt will muss bei den Kindern anfangen .

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Miro
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Erinnerung an einen ganzen Roman

Hi,

eigentlich hatte ich mich aus der LL verabschieden wollen.
Gelegentlich guckt man dann doch noch einmal hin - und dann finde ich diesen Beitrag!

Puhh!
Vielen Dank fĂĽr die freundliche Kommentierung!

Der Text ist ein Beitrag aus einem Roman.

Mache halt ganz viele Nachtdienste, sitze da oft einfach vor dem Monitor und habe dann auch Zeit fĂĽr LL ...

Es ist ein groĂźer Text, den ich geschrieben habe und es waren Sequenzen, die ich in die LL gestellt habe.


Danke, dass es dafür noch so spät ein Lob gibt.

GruĂź

Miro

__________________
Es mag bessere Zeiten geben, aber dies ist die unsere (J.P.S.)

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