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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Albtraum Supertalent: Heute vor einem Jahr ...
Eingestellt am 04. 06. 2011 15:26


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MBryan
Hobbydichter
Registriert: Jun 2011

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ZunÀchst erst einmal Danke an Maggie, Pida, Verena (2x), Sandy, Babsy und Timo und alle die sich Sorgen machen: Es geht mir gut und nein, ich esse keine Gurken!

Danke auch fĂŒr Euren Support in Sachen RTL, auch wenn ich das Thema „Supertalent“ schon vor Monaten abgeschlossen habe. Die Videobotschaft vom Januar sollte eigentlich einen Schlussstrich ziehen, was mir offenbar nicht gelingt, tauchen die alten Geschichten doch immer wieder auf, was mir ehrlich gesagt nicht besonders weiter hilft.

Zu allem Übel las ich dann auch noch, dass die Supertalent-Macher schon wieder zur nĂ€chsten Runde blasen, im Herbst 2011 sollÂŽs also weiter gehen und natĂŒrlich werde ich nicht daran teilnehmen. Im Gegenteil:

Die nachfolgende Notiz dient der AufklĂ€rung und ist eine Warnung an alle Leute, die glauben zum Supertalent gehen zu mĂŒssen, weil sie hoffen, dort ErfĂŒllung zu finden. Ich werde am Ende dieses Textes noch nĂ€her darauf eingehen und auch auf die Konsequenz meiner eigenen Bewerbung damals.

Hamburg, 3. Juni 2010 - Tagebuch Max Bryan

Gestern (2.6.) war ich beim Supertalent-Casting. Es war mein großer Tag, auf den ich mich schon wochenlang vorbereitet hatte. Gegen 09.00 Uhr kam ich an und vor dem HT16 (Sport- und Freizeitzentrum Hamburg) standen schon jede Menge Leute, alle fein rausgeputzt und mit schönen Kleidern. Ich schĂ€mte mich, weil meine Sachen nicht mehr so sauber waren und meine PlastiktĂŒte ein paar Löcher hatte. Darin mein Schlafsack, den ich sonst nirgendwo unterbringen konnte, weshalb ich das alles auch dabei hatte. Also meinen Rucksack, die Isomatte und eben diesen Schlafsack.

Ich nĂ€here mich dem Eingang und bleibe in Sichtweite der anderen Kandidaten stehen. Aus der Ferne tuscheln zwei MĂ€dchen: „Als was der hier wohl auftritt ?“ und jemand antwortet: „Als Penner, siehst du doch!“ Mein Blick senkt sich Richtung Boden und am liebsten wĂ€re ich darin auch versunken, es war so peinlich, dass nun alle Augen auf mich starrten und jeder sich fragt, was der hier eigentlich zu suchen hat ?

Dann ging es rein. Am sogenannten „Check-In“ saßen nette Leute und ich musste ein paar Zettel ausfĂŒllen. Dutzende Kopien spĂ€ter war ich dann auch drin und durfte mich vorbereiten. In einem Waschraum neben den Toiletten habe ich mich dann eingesungen. „Smile“ von Michael Jackson und „Memories“ von Andrew Lloyd Webber aus dem Musical „Cats“.

Ein Blick in den Spiegel und mir wurde klar, was mein Handicap an diesem Tag sein wird. Wochenlang hatte ich gehofft, nicht krank zu werden, keine ErkĂ€ltung zu bekommen und das funktionierte auch, nur eben am 2. Juni, an dem fĂŒr mich alles entscheidenden Tag, war ich natĂŒrlich krank. Halsschmerzen links und die Nase lief.

Habe ich mich an dem Brötchen angesteckt ? Oder war es der Mann in der U-Bahn, der mich gestern angehustet hat ? Ich bin stinksauer, weil ich nicht fassen kann, das ich ausgerechnet an dem Tag, wo es fĂŒr mich drauf ankommt, nun doch noch krank werde und mein Gesang jetzt schon viel zu nasal klingt.

Es ging zur 1. Runde des Vorsingens. Raum „Orange“, hieß es. War das schon eine Vor-Selektion ? Es gab noch rot, grĂŒn und blau. Was soll die Einteilung ? Fragen und keine Antworten.

Ich wurde hereingebeten. Vor mir sitzt, oh Wunder, kein Dieter Bohlen, sondern zwei Redakteure, die mich freundlich begrĂŒĂŸen und mir ein paar Fragen stellen, was ich denn so mache und wie ich dazu komme mich hier beim Supertalent zu bewerben. Ich erzĂ€hlte dann von meiner CD, die ich Anfang der 90er aufnahm. Zwei Lieder, die nie veröffentlicht wurden. Bevor ich das tun konnte, fing ich an zu schreiben. 15 Jahre Metaphysik, eine Niederschrift zur globalen Ordnung des Seins, bevor ich das vollenden konnte, verlor ich die Wohnung. Nun lebe ich auf der Straße, finde keine Wohnung und versuche zu erinnern, was ich eigentlich kann. Da gab es diesen Traum, vor 15 Jahren, schon einmal stand ich auf einer BĂŒhne, hatte Auftritte, als SĂ€nger und jetzt ? Mein Lebenslauf gleicht einer Null. Keine Referenzen, kein ausgeĂŒbter Beruf und dann noch diese Angst. Die abrupte Konfrontation mit dem Hindernis, der Gang zurĂŒck auf die BĂŒhne, kann mich das retten ? Ich habe nichts zu verlieren, ich hab schon alles verloren. „Deshalb bin ich heute hier !“ „Ich will etwas tun, was ich 15 Jahre nicht tat, ich will singen“ und die Redakteure antworten: „Schön, dann fang mal an“.

Ich sang also meine zwei Lieder und wurde ohne Urteil aus dem Raum geschickt. SpĂ€ter sagte man mir, dass dies eine Vorab-Selektion sei, Leute, die es durch die 1. Vorrunde schaffen, mĂŒssen am selben Tag noch einmal vorsingen, dann auch vor laufender Kamera. Nun hieß es also abwarten und zwar alle zusammen. Gut 500 Leute in dem Saal und alle trĂ€llerten die verschiedensten Lieder durcheinander. KĂŒnstler, Artisten, SĂ€nger, TĂ€nzer, ein buntes Volk, viele Talente und viele die es heute nicht schaffen werden. Bin ich einer davon ?

Das Warten dauert an und viel lÀnger halte ich es auch nicht aus, ich muss raus, darf ausnahmsweise auf der Treppe vor dem Saal sitzen.

Gegen 14.00 Uhr dann die UrteilsverkĂŒndung. Ich muss wieder rein und nehme vorne an der TĂŒr Platz. Eine Aufnahmeleiterin tritt vor und hat eine Liste mit Namen in der Hand. „Ich verlese jetzt die Namen der Teilnehmer, die es in die nĂ€chste Runde geschafft haben“ und fĂ€ngt direkt auch an. 11 Namen höre ich und meiner ist nicht dabei. Einer steht noch auf der Liste und keine Ahnung, warum ich der Letzte war, aber es war tatsĂ€chlich mein Name, der da durch den Raum hallte. Die Frau schaut in die Runde vor sich und sieht nur fragende Gesichter, jeder schaut sich um, tuschelt zu seinem Nachbarn, aber keiner tritt vor. Wo ist der Typ ? Sie schaut nach links und sieht wie ich mich fassungslos vom Stuhl erhebe und sage: „Ich bin das, meine Name ist Bryan“, „ach Du bist das ?“ und sagt: „GlĂŒckwunsch, dann sind wir jetzt ja vollzĂ€hlig“.

Ich kann nicht in Worte fassen, was dieser Moment mir bedeutet. Es war ein großes GefĂŒhl des GlĂŒcks und ich glaubte ich trĂ€ume und wache gleich auf, irgendwo im Hafen, an der Fischpfanne, wo die Putzfrau mich zwickt und zum Aufstehen ermahnt. Aber nichts dergleichen geschah, es war kein Traum, es war RealitĂ€t und die Menschen vor mir auch, die alle klatschten, wĂ€hrend ich nach rechts schlurfte, zu den 11 anderen Kandidaten, die es auch geschafft hatten.

„Allen Anderen: Danke fĂŒrs Kommen“, ruft die Frau mit dem Sprechfunk in die Runde.

Nun saß ich also da, zusammen mit gut einem Dutzend Leuten und zehn mal so viele, die an uns vorbei den Raum verließen. Darunter auch die zwei MĂ€dels, die mich anfangs noch als Penner verspotteten, sie waren nicht weiter.

Wir wurden dann in einen neuen Raum gebracht, ein Raum mit Balkon im 2. Stock des HT16, schöne Terrasse und auch das Personal wechselte. „Ruhe bitte“ und eine Frau mit einer Mappe in der Hand setzt sich vor uns und beginnt uns mitzuteilen: „Erstmal GlĂŒckwunsch, Ihr habt die erste Runde des Castings zum Supertalent 2010 bestanden und dĂŒrft Euch auf eine zweite Runde freuen“ - „die nicht leichter wird“, fĂŒgt sie noch hinzu.

Zweite Runde hieß Fotos, Interviews und erneutes Vorsingen, dieses Mal auch vor laufender Kamera, man will sehen, wie man auf dem Bildschirm so rĂŒberkommt und ob man die NervositĂ€t auch noch vor mehr als nur zwei Zuschauern im Griff hat. An dieser Stelle erfuhren wir auch, dass kein Dieter Bohlen heute hier sein wird, sondern wir erneut nur vor einer Anzahl von Redakteuren singen und wir erst im Juli oder August erfahren, ob wir auch vor Dieter Bohlen und der offiziellen Supertalent-Jury auftreten dĂŒrfen. Jetzt also noch mal alles geben, hier und heute punkten und dann hoffen zum Dieter eingeladen zu werden, alles klar, soweit alles verstanden.

Gut 5 Stunden spĂ€ter war es dann soweit. Keine Ahnung warum ich auch hier wieder der Letzte in der Reihe war, aber alle waren schon vor mir dran gewesen und so saß ich mit einem sichtlich gelangweilten Produktionshelfer (seine Beine lagen auf dem Tisch) ganz alleine vor der TĂŒr im 3. Stock des HT16. Er drĂŒckte mir dann einen Fragebogen in die Hand: „Den hier bitte ausfĂŒllen, zu Hause, in Ruhe“. Ich blĂ€ttere und zĂ€hle 12 Seiten: „Ja, damit der Dieter dann so tun kann, als ob er Dich nicht kennt“, witzelt der Mann und weist darauf hin, dass ich den Fragebogen spĂ€testens nĂ€chste Woche einreichen muss. Ein 12-seitiges Papier-Monstrum mit allerlei persönlichen Fragen, die nur dazu dienen, „den Kandidaten besser kennenzulernen“, heißt es. Aber gut, auch fĂŒr mich öffnete sich an diesem Tag die dann alles entscheidende TĂŒr und ich betrat den Raum zur zweiten und entscheidenden PrĂŒfung.

Vor mir sitzen gut 10 Leute und starren mich emotionslos an. Sicher haben sie heute schon jede Menge gesehen und ich bin der letzte Kandidat vor dem Feierabend. Ein Mann (Anfang 50) ergreift das Wort und instruiert mich auf den Stern vor der Kamera zu stehen, eine Markierung auf dem Boden und eine Riesen-Kamera vor mir, wohl so ein Studio-Ding. Alles prima ausgeleuchtet und los gehtÂŽs. Ich singe erneut meine zwei Lieder, die ich vorbereitet hatte und alle sind begeistert, es gibt sogar Applaus. „Sie hören dann von uns“, heißt es zum Schluss und ich verlasse den Raum.

Es war so gegen 19.00 Uhr, als ich noch zum Interview geladen wurde. Auf einem grĂŒnen GrashĂŒgel ausserhalb des GebĂ€udes neben einer Schule baut sich ein Team auf. Kamera, Ton, Beisitzer und Reporterin, die mich instruierte, fĂŒr das was nun folgte.

Es ging um eine BegrĂŒĂŸungsformel und um Fragen zu meinem Lebenslauf, was ich bislang gemacht habe und warum ich gern Supertalent werden will. Ich antwortete ehrlich und erzĂ€hlte alles so, wie es auch passiert ist. Dass ich 15 Jahre schrieb, ich dann meine Wohnung verlor und seitdem auf der Straße lebe, weil ich hier in Hamburg nichts Neues finde. Hinter der Frau saß auch eine Schreibkraft mit Laptop, sie hatte wohl die Aufgabe mitzuschreiben, ich habe sie spĂ€ter aber auch als Tonassistentin in Wiesbaden gesehen. Das MĂ€dchen, etwa Mitte 20, kurze Haare, so eine 80er-Jahre-Popper-Frisur. Sie sollte schreiben, tat es aber nicht, denn in dieser Haltung war das auch unmöglich. Sie war weit nach vorne geneigt, starrte mir pausenlos ins Gesicht, regungslos, verhalten, offenen Mundes und ihre Augen verraten: Junge, ich glaub Dir kein Wort !

Das war das erste Mal, dass ich begann zu zweifeln, ob es ĂŒberhaupt gut und richtig sei, so umfassend Einblick in mein Leben zu geben. Meine Geschichte ist sehr komplex und schwierig noch dazu. Hab ich das Richtige getan ? Du kennst doch diese Sendung, willst Du da wirklich hin ?

Nach diesem 2. Juni im Hamburger HT16 hatte ich gut 3 Wochen Zeit ĂŒber diese und andere Fragen nachzudenken, die richtigen Worte zu suchen, um zu erklĂ€ren, was mich behindert und warum die Teilnahme an diesem Wettbewerb so wichtig fĂŒr mich ist.

Da gibt es diesen Fragebogen, sehr ausfĂŒhrlich, sehr privat und auch intim, den habe ich dann eingereicht, zusammen mit einer 25-seitigen ErgĂ€nzung, als pdf. Darin dann alles, was mich bewegt und was mich ausmacht, meine Ziele, meine Ängste, mein Leben. Grundy kennt die ganze Geschichte von Anfang an und sie ist nicht öffentlich.

Im Nachhinein - und das denke ich - war es ein Fehler, das alles preiszugeben. Meine Ehrlichkeit und die AusfĂŒhrlichkeit brachte mir kein GlĂŒck. Im Gegenteil. Diese Informationen wurden gnadenlos ausgenutzt und eingesetzt und zwar gegen mich.

Sie waren Grundlage fĂŒr das, was am 7. August in Wiesbaden geschah. Einiges davon ist inzwischen öffentlich, anderes nicht und so soll vorerst auch bleiben.

FĂŒr alle diejenigen, die auch in diesem Jahr den Verlockungen dieser „BĂŒhne“ nicht wiederstehen können. 95% der Kandidaten, die von RTL und Grundy in die Sendung „Das Supertalent“ eingeladen werden, haben keine reelle Chance auf dieser BĂŒhne zu bestehen. Ihr Schicksal steht fest, bevor sie die BĂŒhne betreten. DemĂŒtigungen und Beleidigungen gehören zum GeschĂ€ft und das GeschĂ€ft heißt „Entertainment“. Leute werden vorgefĂŒhrt zur Belustigung eines Millionen-Publikums, die genau das sehen wollen. Nicht alle, aber viele ! Und so lange die Nachfrage nicht abreißt, wird es Sendungen wie diese auch weiterhin geben.

Deshalb, mein gutgemeinter Rat an alle Menschen guten Glaubens: Lasst Euch nicht verbiegen und erklĂ€rt nichts, was Ihr nicht erklĂ€ren mĂŒsst. Tragt die Sachen, die Ihr tragen wollt und beschrĂ€nkt Euch in Eurer Antwort auf das Wesentliche und beantwortet jede Frage mit maximal einem Satz. Wer obendrein noch gut ist, also richtig gut singen, tanzen oder sonst was kann, der könnte zu den 5% gehören, die nicht vom Auswuchs dieser Sendung gefressen werden.

edit Zeder: [... Ein Satz gelöscht, da RufschĂ€digung]DarĂŒber sollte man mal nachdenken und auch, warum ich dann ĂŒberhaupt eingeladen wurde. Vielleicht wĂ€re es unterhaltsamer gewesen, eine bestimmte Antwort von mir zu hören, auf der BĂŒhne, vor 1400 Zuschauern im Staatstheater zu Wiesbaden. Welche Antwort das ist, erzĂ€hle ich dann beim nĂ€chsten Mal.

Max Bryan
03.06.2011

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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