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Leselupe.de > Humor und Satire
Aldi Süd
Eingestellt am 20. 02. 2005 15:39


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Beluga
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Hatz Aldiente

Mein knuffeliger, kleiner Berlingo ist auch morgens um 8 so frisch, dass er keinerlei Mühe hat direkt vor dem Eingang von Aldi den letzten Parkplatz zu ergattern. Nicht, dass es keine Plätze mehr gäbe, mitnichten, hinten bei den billigen Plätzen, die keiner will, weil viel zu weit vom Eingang weg, parkt gerade eine verbeulte Rostlaube mit quietschenden Bremsen ein. Und ums Eck, auf den uneinsichtigen, da stehen verschämt die SLKs und CLKs, denen sich fantastisch gestylte Damen, bis zur Unkenntlichkeit getarnt mit den Sonnenbrillen der vergangenen Saison, entwinden, frei nach dem Motto: es schaut dir jeder auf den Kragen, aber keiner in den Magen.

Mit leicht fahler Epidermis, da anbetracht der frühen Stunde völlig ungeschminkt und einem durch einen widerspenstigen Wirbel verursachten Schlafloch am Hinterkopf, das gefährlich an kreisrunden Haarausfall erinnert, erfasse ich bestürzt die Situation. Ich bin keinesfalls die Erste. Ich bin dem Auftrag meines Sohnes der da lautete: „Mutter kauf mir morgen früh beim Aldi einen Computer, aber geh früh, damit du die Erste bist, sonst kriegste keinen mehr,“ nicht ordnungsgemäß nachgekommen. Die Traube vorm Eingang ist riesig. Nicht etwa geordnet, wie die Engländer, einer hinter dem anderen, nein sie stehen in Dreierreihen, lassen ihre Einkaufswagen nervös auf und ab tanzen, trippeln ungeduldig von einem auf den anderen Fuß und bombardieren jeden Neuankömmling mit bösen, todbringenden Blicken.

Ein eiskalter Klumpen Adrenalin sackt mir schwer in den Magen. Wie bringe ich meinem armen Kind bei, dass er weiter mit 64 MB RAM leben muss? Wie nur kann sein verletztes Ego verkraften, dass er künftig nicht wie alle anderen mit 180 Gigabyte bei Ebay punkten kann? Seine virtuosen Fähigkeiten werden im nostalgischen Sumpf seiner überalterten Computer bis zur Unkenntlichkeit verkümmern.

Wie von Geisterhand bewegt, öffnet sich die Eingangstür. Die Hatz Aldiente beginnt. Drei Wagen gleichzeitig werden durch die Öffnung gestoßen. Sie enden in einem heillosen Gewirr glänzender Gitter. Ihre Besitzer reißen und schütteln entrüstet und beschimpfen ihre Kontrahenten als Drängler und Rücksichtslose. Erst als der Mittlere sich freigekämpft hat und verbittert zurückzieht, löst sich der Knäuel auf. Doch jetzt stürmt von hinten ein Greis mit weit ausholenden Schritten durch die Reihen der stoisch Wartenden. Er lässt seinen Stock über die Körbe der Wagen tanzen wie ein Dompteur über die Käfige seiner Löwen. „Lasst mich vorbei, ich bin gehbehindert“ und schon hechtet er als erster durch die Eingangstür. Manche Menschen haben ein einfaches Rezept um fit zu bleiben: sie laufen jeden Tag Amok.

Heute ist Computer-Verkauf bei Aldi. Schlau schlage ich hinter dem Eingang sofort einen Haken, schlängle mich am Kaffee vorbei, schlüpfe durch einen Kleiderständer mit dicken Bomberjacken und versuche direkt die Kasse zu stürmen. Nur um abermals enttäuscht festzustellen, dass schon wieder andere schneller waren. Wie immer sind nur zwei von vier Kassen besetzt, trotzt Computer-Verkauf bei Aldi. Es versteht sich, dass bei einer solchen Konstitution die Morgengymnastik der Kassiererinnen darin bestehen muss, alle etwaigen Überbleibsel eines sonnigen Gemütes restlos zu vertreiben, um der Welt das perfekt Antlitz eines Griesgrams darbieten zu können. Mich nach Inspiration umsehend kralle ich noch schnell ein paar Wienerwürstchen, Schokoriegel und Möhrenköpfe und schon bin ich dran. Blitzartig verwandelt sich das viele Adrenalin in meinem Magen in einen Wirbelsturm, der mit Wucht versucht zu entkommen. Nun ist es keinesfalls einfach mit zusammengekniffnen Backen mit einem Knie den Einkaufswagen gegen die Theke zu pressen, während man mit beiden Händen versucht seine heranfliegenden Leckereien zu fangen. „Einen Computer“, werfe ich kleinlaut ein, „hätte ich auch noch gerne.“ Der Blick lässt mich erschauern. Doch wider alle Vernunft kommt tonlos die Forderung eintausendeinhundertachtundneunzig Euro und 25 Cent. Den Computer gibts da hinten.“ Bis ich nur mein Portemonnaie gezückt habe, klimpert schon ungeduldig das Wechselgeld, wie springende kleine Pingpongbälle in ihrer Hand. Ich habe es geschafft. Ich habe einen Computer ergattert.

Mein erstgeborenes Kind kann wieder erhobenen Hauptes im Internet surfen.

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Tapir
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Hallo Beluga,
sehr schöne, feinsinnige Beobachtungen und Beschreibungen. Macht Spaß zu Lesen. Ich bin da allerdings nicht ganz unvoreingenommen - habe eine Geschichte gleichen Titels hier ebenfalls schon veröffentlicht.
Gruß
Tapir

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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aha!

wegen des titels hätt ich die geschichte beinahe nicht gelesen, so liegt mir deine fasung noch im magen . . .
lg
__________________
Old Icke

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Beluga
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Sorry flammarion,
ich kann Deine Beurteilung nicht recht interpretieren. Der Titel soll geändert werden? Okay! Hast du eventuell einen Vorschlag?
Warum liegt Dir meine Fassung schwer im Magen? Weil es krottenschlecht und bäckertütenhaft ist, oder weil du Muskelkater vom Lachen hast?
Gruß Doris

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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nein,

das is n mißverständnis. die andere geschichte, die von tapir, lag mir im magen. meinetwegen brauchst du den titel nicht zu ändern, deine geschichte ist ja was ganz anderes.
lg
__________________
Old Icke

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