Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
68 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Alien oder Frankenstein?
Eingestellt am 28. 04. 2008 10:33


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Volker Hagelstein
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 29
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Volker Hagelstein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Autoren auf der Suche nach dem nächsten Plot werden selber zu entscheiden haben, ob sie die folgenden Beobachtungen eher als Warnung oder als Tipp nehmen wollen. Es geht um den legendären Film "Alien" (GB 1979, Regie Ridley Scott). Kaum ein anderer Science-Fiction-Streifen hat einen derart starken Eindruck auf mich gemacht. Und immer wieder ist die Rede von Vorläufern, wobei vor allem die folgenden drei genannt werden:

"Das Ding aus einer anderen Welt": USA 1951, schwarzwei√ü, Regie Christian Nyby, produziert von Howark Hawks. Im Folgenden wird daf√ľr die Abk√ľrzung DD verwendet.

"It! The Terror from Beyond Space": USA 1958, schwarzwei√ü, Regie Edward L. Cahn. Offensichtlich nie f√ľr den deutschen Markt bearbeitet oder synchronisiert. Ab jetzt abgek√ľrzt zu IT.

"Planet der Vampire": Italien/Spanien 1965, Farbe. Regie Mario Bava. Ab jetzt PdV.

Nachdem mir mittlerweile Kopien von allen drei Streifen vorliegen, habe ich versucht, den Vergleich ein wenig zu systematisieren. Dass gewisse Parallelen zu "Alien" bestehen, ist das Allermindeste, was sich sagen lie√üe. Au√üerdem sind mir noch ein paar R√ľckgriffe auf andere Filme aufgefallen. Hier die Liste der √úbereinstimmungen entsprechend der Szenenabfolge in "Alien":

¬∑ Die Kamera gleitet √ľber die leeren Raumanz√ľge und Helme in der Schiffszentrale hinweg. Auch in PdV wurden die Helme sehr nuanciert ins Bild gesetzt.

¬∑ Automatische Schiebet√ľren √∂ffnen sich (ein Motiv, das sich im gesamten Genre gro√üer Beliebtheit erfreut, besonders aber auch in PdV und IT).

¬∑ Die Raumfahrer werden aus ihrem k√ľnstlichen Dauerschlaf geweckt. Ein Motiv, das mir zumindest auch aus "2001 – Odyssee im Weltall" und "Planet der Affen" bekannt ist.

¬∑ Die Beatzungsmitglieder sitzen in der Kantine, trinken Kaffee und rauchen (deutliche √Ąhnlichkeit zu einer Einstellung aus IT)

· Die Mannschaft erfährt, dass das Schiff auf Grund eines unbekannten Funksignals seinen Kurs geändert hat (wie in PdV).

· Sie landen auf dem fremden Planeten. Raumschiff im Landeanflug in der Seitenansicht, Positionslichter blinken (PdV).

¬∑ Sie machen sich auf den Weg zu einem anderen Raumschiff (PdV). Die Atmosph√§re ist dunstig, der Weg f√ľhrt an unwirklichen und bizarren Felsformationen vorbei, die Windger√§usche √§hneln bisweilen dem Kreischen von Menschen (alles wie in PdV).

· Sie stoßen auf das uralte Wrack eines fremden Raumschiffs (PdV). Die hufeisenartigen Heckflossen des äußerirdischen Schiffs erinnern an die des irdischen Raumschiffs in PdV.

· Im fremden Raumschiff sind lange, runde, sich windende Gänge erkennbar (PdV).

· Sie stoßen auf das Skelett eines außerirdischen Raumfahrers (exakt wie in PdV).

· Außerdem finden sie ein ganzes Feld von pulsierenden Ablegern (auch wenn sie in "Alien" bedeutend größer sind, erinnern sie massiv an die außerirdischen Embryonen aus DD).

· Nach der Infektion durch eines der Alien liegt ein Besatzungsmitglied auf der Krankenstation (Infizierte auf Krankenliegen bilden ein Element, das auch in PdV und IT auftaucht)

· Die Säure des Alien beschädigt Teile des Schiffs. Durch die beschädigte Abdeckung ist die Verkabelung erkennbar, auf der ein eigenartiger Schleim schimmert (ein ähnliches Bild findet sich in PdV).

· Der Wissenschaftliche Offizier untersucht die organischen Überreste des Alien (wie die Wissenschaftler in DD den abgerissenen Arm).

¬∑ Das tote Besatzungsmitglied wird bei der Raumbestattung ins All katapultiert. Ein √§hnliches Bild (hier allerdings ein Unfall) gibt es in Carpenters "Dark Star", dessen Drehbuch √ľbrigens von Dan O¬īBannon stammt – genau wie "Alien"!

¬∑ Es stellt sich heraus, dass ein √ľbermannsgro√ües, schwarzes Monster sein Unwesen im Schiff treibt (exakt der Grundplot von IT).

· Zunächst schlägt das Ungeheuer im Frachtraum zu (wie IT).

¬∑ Die Besatzung versucht, das Monster mit einem Bewegungsmelder zu orten. In DD √ľbernimmt ein Geigerz√§hler diese Funktion.

¬∑ Ein Raumfahrer k√§mpft sich durch einen engen Bel√ľftungsschacht (wie in IT). Als Waffe benutzt er einen Flammenwerfer (ebenfalls wie IT, dort aber eher Schneidbrenner).

¬∑ Das Terminal f√ľr den Schiffscomputer erinnert eher an einen sakralen Raum als an ein Frachtschiff. Hypnotisierende Lichteffekte. Erinnert sehr stark an den Computer Hal aus "2001 – Odyssee im Weltall". Der Rechner hat eine weibliche Stimme wie in "Dark Star".

¬∑ Der Wissenschaftliche Offizier tut alles, um das Alien zu sch√ľtzen. Ganz analog zu den quertreibenden Forschern in DD.

¬∑ Es besteht der Befehl, den Organismus unbedingt am Leben zu halten. √Ąhnliches Motiv wie in DD.

¬∑ Dar√ľber hinaus stellt sich heraus, dass das Alien ganz gezielt eingefangen wurde, um der milit√§rischen Forschung zu dienen (zu genau diesem Zweck werden in dem Film "Andromeda" au√üerirdische Mikroorganismus von Satelliten eingefangen)

· Am Ende wird das Monster mit Hilfe des Kabinendrucks in den Weltall geschleudert. Eine Idee, die auch in IT die Rettung bedeutet.

Wie man sieht, kann hier nicht einfach die Rede davon sein, dass der ein oder andere Film zitiert wurde. Viel eher wurden mehrere Vorlagen in ihre Einzelteile zerlegt und dann wie Frankensteins Monster wieder zusammengen√§ht. Das Endergebnis ist zugegebenerma√üen so beeindruckend, dass das Verfahren gerechtfertigt scheint. Trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Ist das wirklich der K√∂nigsweg zum guten Stoff – die systematische Ausweidung literarischer Vorlagen? Wo bleibt da die Phantasie des Autors? Oder ist sie dazu degradiert, nur noch die richtige Kombination zu ert√ľfteln?

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Volker Hagelstein
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 29
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Volker Hagelstein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Unter folgendem Link (Hier klicken), dort unter der Filmbesprechung mit dem Titel "Alien - oder das meist kopierte Plagiat der Filmgeschichte", gibt es einen Rezensenten, der anscheinend zu √§hnlichen Schl√ľssen gekommen ist wie ich.

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur f√ľr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur√ľck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!