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Leselupe.de > Gereimtes
Alkohol
Eingestellt am 02. 01. 2002 06:09


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peto-berlin
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2001

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Bruder Alkohol

Bruder Alkohol

Bruder, du mein Alkohol,
ich brauche dich, du tust mir wohl.
LĂ€sst mich vergessen meine Sorgen,
brauch nicht zu denken an das Morgen.

Du gibts mir Sicherheit, die ich brauche,
wenn ich genug nur von dir saufe.
Ich ausreichend habe von dir,
egal ob Sekt, Wein, Schnaps oder Bier.

Mit Bier spĂŒl ich meinen Staub hinunter,
ein Schnaps dazu, das macht mich munter.
Und jeden Tag in geselliger Runde,
mit dem Bruder in einem Bunde.

In meiner Stammrunde geht es mir gut,
keiner mein Innerstes sehen tut.
Hier kann ich vergessen meine Pein,
die holt mich am nÀchsten Tag erst ein.

Zu Hause, da sind noch Frau und Kind,
die fĂŒr mich immer zur VerfĂŒgung sind.
An ihnen kann ich abreagieren meinen Frust,
die Frau hat zu befriedigen meine Lust.

Ich bin der Mann und verdiene das Geld,
so ist nun mal gestaltet die Welt.
Ich frage nicht wie es ihnen geht,
wie es um ihre Befindlichkeiten steht.

Was geht mich das auch an,
hauptsache Ordnung gemacht ist dann.
Ich musste schließlich schwer arbeiten,
um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Und stĂ€ndig stĂŒtzt mich mein Bruder,
ich will nicht sehen wie's lÀuft aus dem Ruder.
Mein Bruder gaukelt heile Welt mit vor,
und macht er es nicht, hilft der Doktor.

Ich merke nicht meinen Schmerz,
der umklammert die Seele und das Herz.
Ich muss nicht merken meine Sorgen,
brauch nicht denken an das Morgen.

Mein Bruder, der stÀndig zu mir gehörte,
der mein Leben langsam zerstörte.
Nun steh ich vor dem TrĂŒmmerhaufen,
muss mich jeden Tag besaufen.

Zertört sind Körper, Geist und Familie,
im Leben gibt es fĂŒr mich keine Ziele.
Meine Welt ist grausam und leer,
nur mein Bruder verlÀsst mich nicht mehr.

Und noch grĂ¶ĂŸer ist mein Seelenschmerz,
kaputt sind Leber, Magen und Herz.
mein Körper, er ist ausgebrand,
all meine Lebensfreude ist verbannt.

Nur mein Bruder nimmt mich in den Arm,
seine Umklammerung macht mich warm.
Die Kinder und Freunde machten sich rar,
nur meine Frau, sie ist noch da.

Warum nur hat sie all das ertragen?
Sollte ich sie vielleicht doch mal fragen?
He Schatz, wie geht es dir
und liegt dir noch was an mir?

Will ich mich denn wirklich befrei'n
oder stÀndig sein Gefangener sein?
Was ist das fĂŒr ein Leben,
es muss doch noch was anderes geben.
__________________
Ich nehme nicht in fĂŒr mich in Anspruch perfekt zu sein. peto-berlin, anno 2002

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sturmwind
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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Hey Peter

Ich finde es gut. Es sagt einfach das, was wohl inzwischen fĂŒr zu viele Alltag ist. Ich meine, ich bin noch jung und kenne mich damit wohl noch nicht so aus, aber ist das wohl eines der Dinge, das jedem geschehen kann, schneller als man denkt. Das zumindest denke ich mir. Es beginnt ganz langsam und merkt es erst zu spĂ€t, wenn man selber nicht mehr allein davon abkommt... und manchmal dann vielleicht auch noch zu stolz es sich selbst geschweige denn anderen einzugestehen. Ein Thema, was nicht unterschĂ€tzt oder abgetan werden sollte. Aber "Was ist schon das ein oder andere Bier am Tag?"
Naja, will auch keinen kleinen oder halben Roman dazu schreiben.

freundlich grĂŒĂŸend
~sturmwind~

__________________
Alles ist so leicht -
und doch wieder schwer

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rainbowskin
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Alkohol

Hallo Peter!

Manchmal sucht man Mittel und Wege seine Schmerzen, seinen Kummer und seinen Frust zu vergessen. Mit der Zeit wird dann die *AbhÀngigkeit* daraus. Die Frage ist nur, wie man da wieder rauskommt! Mut und Kraft braucht man dazu, und auch Menschen, die einem beistehen.

Mit diesem Gedicht bringst du bestimmt viele Menschen zum Nachdenken.

Viele GrĂŒĂŸe von Iris

PS: Schön, das die Frau dageblieben ist. Die Frage ist nur, aus welchen GrĂŒnden? Liebe, AbhĂ€ngigkeit, UnfĂ€higkeit ihr eigenes Leben zu Leben, TrĂ€gheit...????

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Haget
HĂ€ufig gelesener Autor
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Hallo Peto, mir gefÀllt Deine Gedichts-Idee. Um es perfekt zu bekommen, vielleicht noch etwas "schleifen" (Immer nur MEINE Meinung! Es muss aber DEIN Gedicht bleiben!). Z.B.:

2. Strophe: brauche=kaufe? Gibts bessere Lösung?

3.Strophe: Einige Worte ĂŒberflĂŒssig? Etwa so:

Bier spĂŒlt meinen Staub herunter (hinunter?),
Schnaps dazu, das macht mich munter.
Und jeden Tag in geselliger Runde,
mit meinem (diesem) Bruder in einem Bunde.

Guter Wein wird mit der Zeit besser - bei entsprechender "Behandlung". Gedichte oft auch!
__________________

Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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ralph raske
???
Registriert: Jul 2001

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wie kommst du auf dieses thema?

das suchtproblem ist ein gewichtiges problem in unserer
gesellschaft und fĂŒr jeden, der davon unmittelbar
betroffen ist
die alkoholsucht ist wohl die verbreitetste und auch jene,
an der sich die doppelbödigkeit unserer moralvorstellungen
festmacht
solange man "nur" trinkt und nicht sonderlich auffÀllt
ist alles in bester ordnung
auf betriebsfeiern, geburtstagen und sonstigen feucht-
fröhlichen runden nicht mitzutrinken, gilt sogar als
verpönt
dein gedicht beschreibt das problem alkohol sehr plakativ
und oberflÀchlich
du darfst nicht vergessen, daß hinter dem alkoholiker
immer noch ein mensch steht
der zwar fast oder ganz zerstört ist
dem aber trotzdem mit wĂŒrde und achtung zu begegnen ist
dein gedicht im leierkastenreimformat leistet dies
nicht
alkoholsucht ist eine schlimme krankheit, von der sehr
viele menschen betroffen sind
trotzdem wird von vielen bevölkerungsgruppen mit ver-
achtung darauf geschaut - es ist immer noch ein tabu
wir scheitern an unseren vorurteilen und unserer
dummheit, statt wirklich zu helfen
was sage ich da? das ist nichts neues
dein gedicht aber auch nicht
es ist mies und bedrĂŒckt mich als betroffenen

gruß
ralph
__________________
notre vie est un voyage
dans l`hiver et dans la nuit
nous cherchons notre passage

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peto-berlin
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2001

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Ich danke allen, die mir geantwortet haben. Entsprechend dem Vorschlag von Haget, habe ich es ein wenig verÀndert.
Sicher ist es schlimm fĂŒr jeden einzelnen Betroffenen. Und wie schlimm es fĂŒr mich persönlich war, hatte ich im Oktober 2001 in verlorener Liebe versucht zu beschreiben.
Ralf, ich habe nicht den Versuch unternehmen wollen, die Sucht an sich komplex darzustellen. Dieses Leierkastengedicht ist entstanden, nachdem ich einen Bekannten besuchte, der genau in dieser Situation ist. Er selbst hatte einmal gemalt (schon sehr lange her). Ich will ihm zeigen, daß es im Leben auch noch was anderes gibt und ihn bewegen, daß er wieder mit malen anfĂ€ngt. Ich weis sehr wohl, daß man den Komplex (einschließlich der Moral und dem Versagen der Gesellschaft) nicht mit einem derartigen Gedicht beikommt. Ich hatte lediglich andere Sichtweisen haben wollen, die ich dank Euch bekommen habe. Es soll nur ein Denkanstoß fĂŒr ihn sein und ich hoffe er entfaltet seine Wirkung. Ich verurteile nicht den Menschen den es betrifft. Jeder hat GrĂŒnde fĂŒr sein Verhalten (auch Ablehnungen von Therapien).
__________________
Ich nehme nicht in fĂŒr mich in Anspruch perfekt zu sein. peto-berlin, anno 2002

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