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Leselupe.de > Humor und Satire
All inclusive
Eingestellt am 28. 12. 2009 13:54


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Inken B.
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2009

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Jedes Jahr werden wir Deutsche als Reiseweltmeister von quietschbunten Reisekatalogen becirct, die uns den sch├Ânsten Pauschalurlaub unseres Lebens versprechen.Mallorca, Kreta, Ibiza - immer sch├Ânes Wetter, wei├čer Strand und im "All inclusive" - Paket so viel Fressen und Saufen wie nur reinpasst.
"Toll!", denkt der Reisende da. Ja, wenn es denn so toll w├Ąre! Ist man erst mal an seinem Urlaubsziel angekommen geht der ├ärger doch schon los. Und zwar bei der Begr├╝├čung im Hotel durch den windigen Vertreter des Reiseveranstalters. Der ahnungslose Tourist wird dazu meistens in die Hotelbar befohlen, kriegt ein Plastikbecherchen voll mit einer grellroten klebrigen Fl├╝ssigkeit in die Hand gedr├╝ckt und soll dieses Zeug als "Begr├╝├čungsdrink" hinunterw├╝rgen.
Dabei dient diese Art der Z├╝chtigung zu nichts anderem, als den Hotelgast empf├Ąnglich zu machen f├╝r die bl├Âdsinnigen Angebote des Reiseleiters.
Der will einem alle m├Âglichen Ausfl├╝ge aufschwatzen, nat├╝rlich alle hoffnungslos ├╝berteuert. Da soll man nach vier Stunden Busfahrt irgendwelchen alten Weibern beim Ziege melken zugucken, in halbzerfallenen Kirchen wurmstichige Ikonen anglotzen oder in einem heruntergekommenen Kaff bei einem Fest zu Ehren des heiligen Donnerbalkens kross gebratenen Regenw├╝rmer futtern. Und das alles f├╝r nur 799 Euro! Da muss man doch zugreifen, das ist doch fremdl├Ąndische Kultur! Da gibt es zu Hause was zu erz├Ąhlen!
Nat├╝rlich macht so ein Urlaub Hunger. Und meistens f├Ąngt so ein Urlaubstag mit den erlesenen Spezialit├Ąten an, die das Hotelfr├╝hst├╝ck dem noch schlaftrunkenen Gast bietet. Spiegeleier, die geradezu grazi├Âs in einem Fettbad schwimmen, Obst, auf dem die hoteleigenen Fliegen ihre morgendliche Vollversammlung abhalten, Joghurt, in dem die rechtsdrehenden Milchkulturen Polka tanzen , Wurstaufschnitt mit dekorativem gr├╝nen Rand und pappiges Wei├čbrot, welches eher die Bezeichnung "Styropor" verdiente, zieren das Buffet. Niergendwo bewahrheitet sich der abgedroschene Spruch "Der Hunger treibt┬┤s rein" so sehr wie beim Fr├╝hst├╝cksangebot in den Urlauberabsteigen rund ums Mittelmeer. Dem hungergeplagten Urlauber bleibt nichts anderes ├╝brig, als irgendwas von diesem liebevoll hergerichteten Buffet in sich zu stopfen. Na dann Mahlzeit!
Der Tagesablauf nach dem Fr├╝hst├╝ck ist eigentlich immer gleich. Rauf ins Hotelzimmer, Stuhlgang, Z├Ąhne putzen, Sonnencreme auf die Haut schmieren. Anschlie├čend in Shorts, T-Shirt und Strandlatschen geschl├╝pft und sich vor dem Hotel einreihen in den Pilgerzug gen Strand.
Dort wird sich heldenhaft um die paar vorhandenen Strandliegen gepr├╝gelt und, hat man eine solche erobert, der Wohlstandsbauch der Sonne entgegen gereckt.
Da allzu viel Ruhe sch├Ądlich ist, beginnt der DJ schon am fr├╝hen Morgen den Strand aus riesigen Boxen mit der landestypischen Folkloremusik zu beschallen. Zusammen mit dem durchdringendem Geschrei der Kinder und dem Gezeter irgendwelcher alternden vertrockneten Strandladies gibt das eine Ger├Ąuschkulisse, die echtes Urlaubsfeeling aufkommen l├Ąsst.
Mittags rafft sich die ganze sonnenverbrannte Bagage auf, schlurft zum n├Ąchsten Strandimbiss, haut sich die Wampe mit Currywurst und Pommes Rot/ Wei├č voll und knallt sich wieder auf die Strandliege. So geht das Tag f├╝r Tag.
Am Abend, nachdem jeder der Strandtouristen beim Baden mindestens drei Mal ins Mittelmeer gepisst hat, macht sich die Karawane auf ins Hotel, in Erwartung eines fulminanten Abendessens.
Bereits eine Stunde bevor der Speiseraum ├Âffnet, findet sich eine aufr├╝hrerische Menschenmenge davor und begehrt Einlass. Dem Hungertod nahe wummert sie gegen die T├╝r und bleckt dabei gierig die Z├Ąhne. Allein das Hotelpersonal kennt keine Gnade und ├Âffnet erst Punkt auf die Minute die Tore zum Essen, was ihnen manchen b├Âsen Blick und bestimmt kein Trinkgeld einbringt.
Sind die T├╝ren erst mal ge├Âffnet ist es, als h├Ątte man eine Lawine losgetreten. Sich gegenseitig niedertrampelnd st├╝rzt sich die Meute auf das Abendbuffet. Gierig werden Schnitzel, Steak, Bratkartoffel oder gebackene Bohnen auf die Teller geschaufelt. Schubsend und dr├Ąngelnd, unter Zuhilfenahme von Ellenbogen und F├╝├čen wird um das Essen gerungen. Bei manchen Sachen auf dem Buffet wei├č niemand so genau was es ist aber - egal - erst mal auf den Teller und dann hastig hinuntergeschlungen.
Vorsichtig schleicht der Getr├Ąnkekellner durch die schmatzende Meute, die sich gegenseitig belauert, ob auch ja niemand mehr auf dem Teller hat als man selbst. Erst wenn der Touri kurz vor der Kotzgrenze ist wird der Speisesaal verlassen.
Mit schwerf├Ąlligen Schritten schleppt sich der Gast auf sein Zimmer, schei├čt sich noch mal richtig aus und schafft damit Platz f├╝r diverses Ges├Ąuf an der Hotelbar.
Und genau diese Hotelbar ist der Sammelpunkt f├╝r den H├Âhepunkt des Abends. Das Animationsprogramm!
Schon weit vor Beginn jenes Programms bev├Âlkern Scharen von gut situierten Rentnern die Bar. Voller Inbrunst erz├Ąhlen sie dem Barkeeper ihre langweilige Lebensgeschichte und denken ernsthaft diese interessiere den bedauernswerten Mann hinter der Bar, obwohl der dabei an Selbstmord denkt.
Irgendwann beginnt das Animationsprogramm und damit eine gro├čartige Ansammlung von Peinlichkeiten. Eventuell will ein Hotelangestellter in alberner Landestracht den Pauschaltouristen einen heimischen Tanz beibringen und fordert zum Mitmachen auf. Es ist erstaunlich, dass sich immer wieder welche finden, denen das Motto "Jeder blamiert sich so gut er kann", ein leuchtendes Ziel vor Augen ist. Solchen Leuten ist wirklich nichts peinlich.
Albern h├╝pfen sie nach schiefer Keyboard-Musik und den Anweisungen des Pseudo-Tanzlehrers herum und halten sich tats├Ąchlich f├╝r t├Ąnzerisch begabt.
Da h├╝ppelt die 80j├Ąhrige Rentnerin, der die schlecht angeleimten dritten Z├Ąhne nach dem vierten Takt aus dem Mund fallen neben dem schnauzb├Ąrtigen Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern und beide halten sich f├╝r absolute Tanztalente. Da dreht der kahlk├Âpfige Verwaltungsangestellte aus Ottendorf-Okrilla auf der Tanzfl├Ąche seine spindeld├╝rre Gattin hin und her und wundert sich, dass sie pl├Âtzlich in der Mitte auseinander bricht.
Bei der anschlie├čenden Polon├Ąse darf jeder dem anderen auf die Schultern grabschen, dabei bl├Âde grinsen und bei Hits von Paul Kuhn durch die Hotelhalle schlurfen. Je h├Âher der Alkoholpegel umso peinlicher wird die ganze Sache. Der Barkeeper musste sich schon zum f├╝nften Mal von einem Pension├Ąr aus der s├Ąchsischen Provinz die Geschichte von der Installation seines k├╝nstlichen Darmausgangs anh├Âren, der Inkontinenz-Schl├╝pfer einer Mittsiebzigerin hat sein maximales Fassungsverm├Âgen erreicht und tr├Âpfelt nun wie ein defekter Duschkopf und alle denken dass es der sch├Ânste Urlaub seit langem ist.
Um Mitternacht dreht endlich jemand die Sicherung f├╝r die Musikanlage raus und es ist Ruhe. Eine tr├╝gerische Ruhe, denn bereits morgen fr├╝h um f├╝nf Uhr stehen die ersten vor dem Fr├╝hst├╝cksraum, diskutieren wie sch├Ân doch die Nacht war und k├Ânnen es kaum erwarten, das liebevoll hergerichtete Plastikfr├╝hst├╝ck eilends hinunter zu w├╝rgen und danach ihren gem├Ąsteten K├Ârper zum Strand zu hieven.
Sch├Ânen Urlaub noch!
__________________
Inken B.

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