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Leselupe.de > Kurzprosa
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Eingestellt am 04. 11. 2006 13:45


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Duisburger
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Drau√üen sind Schritte zu h√∂ren. Kommen n√§her. Das Stimmengewirr ist verstummt, die Radios schweigen. Jemand hustet unterdr√ľckt. Die Zwischent√ľr zum Zellengang wird aufgeschlossen. Wie oft habe ich dieses Ger√§usch geh√∂rt? Sie √∂ffnet zum sich letzten Mal. F√ľr mich. Ich schaue durch das Gitterfenster nach drau√üen.
Die Sonne scheint. Na und?

‚ÄěMachs gut.‚Äú
‚ÄěBald hast du es hinter dir.‚Äú
‚ÄěKann ich deine Poster haben?‚Äú


Mein Blick hastet durch die Ecken der Zelle, streicht √ľber die Kalkwand und verf√§ngt sich am T√ľrspion. Ein dunkler Kreis. L√§sst mich nicht los. Die Gittert√ľr auf dem Gang schl√§gt zu, der Rahmen √§chzt protestierend. Schl√ľssel klappern vor der Zelle und mit einem schabenden Ger√§usch wird die Sichtklappe vom Spion weg gedreht.
Dunkel. Hell. Dunkel.
Da ist ein Auge. Starrt mich an. Auch wenn ich es nicht wirklich sehe. Es ist da und fixiert mich.
Dunkel. Hell. Dunkel.

Es wird laut. Ein Schl√ľssel sucht sich seinen Weg zu den Schlie√üriegeln. Es klackert dreimal im Schloss, knallend werden die beiden Vorreiber nach hinten geschoben.

Die T√ľr √∂ffnet sich quietschend nach au√üen. Mir ist kalt. Im Scherenschnitt steht ein Mann, die H√§nde in die H√ľften gestemmt. Er winkt mich hinaus.
Ich mache mich kleiner, die Knie an die Brust, will nicht. Warum schon jetzt? Doch der Mann l√§sst nicht locker und winkt noch einmal. Unwillig. Ich stehe auf, greife mein kleines Paket, folge, ohne zur Seite zu sehen. Gang f√ľr Gang, Treppe auf und ab, den Blick starr nach vorn. Gittert√ľren knallen hinter mir zu. Kein Wort f√§llt. Man reicht mir einen Umschlag.

Mein Name steht drauf. Die Hand zittert. Aber ...
Ein Stahltor schwingt zur Seite und ich werde ein paar Schritte nach vorne geschoben. Hinter mir fällt sie sofort wieder krachend ins Schloss.
Ich bin allein. Mein Herz krampft.

Was soll ich mit der Freiheit anfangen?


Vertonung:


__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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petrasmiles
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Eindringliche Schilderung!
Ich frage mich nur, wie ein Mensch sein muss, der 1. im Knast landet und 2. dann so auf Freiheit reagiert.
Man möchte mehr erfahren.

Gruß
Petra
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Duisburger
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Die idee kam mir, als ich eine kurze zeitungsnotiz laß, in der berichtet wurde, dass vermehrt "sozial gestrandete" (o-ton des redakteurs) haftbewehrte straftaten begehen, um in den knast zu kommen.
Das dort geregelte leben w√ľrden diese leute der von der regierung "aufgezwungenen armut" (o-ton ...) vorziehen. Innerhalb dieser haftzeit kommt es vermehrt vor, das dort kleiner delikte begangen werden, um nicht vorzeitig entlassen zu werden.
Sie dieses werk also als gesellschaftkritik an. Ich finde es schon bedenklich, das menschen diesen weg w√§hlen (m√ľssen).

lg
duisburger
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Zaunkönig
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Lieber Duisburger

Eines der gro√üen Menschheitsthemen, das Du da in Deinem Text als Ich-Erz√§hler aufgreifst: die Freiheit des Menschen, seine Befreiung von Zw√§ngen und Fesseln. Der nachdenklich stimmende Text schlie√üt mit der Frage: "Was soll ich mit der Freiheit anfangen?" Eine Frage, die man auch auf das Leben mit seinen vielf√§ltigen Zw√§ngen anwenden k√∂nnte. Man stelle sich vor, der Mensch w√ľrde absolute Freiheit erlangen. Das erste, was er t√§te, w√§re vermutlich, sich nach einem Zwang umzusehen, an dem er Halt finden k√∂nnte in seiner Orientierungslosigkeit. Eng verkn√ľpft mit dem Thema Freiheit ist das Problem des Alleinseins, was in Deiner √úberschrift knapp und aussagekr√§ftig zum Ausdruck kommt. Ein lesens- und kommentierenswerter Text mit quasi philosophischem Hintergrund.

Einen lieben Gruß
Zaunkönig
__________________
Werner Fletcher

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Duisburger
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Unter dem Text ist nun auch die Rezitation zu finden.

lg
Duisburger
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Duisburger
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Hallo Haki,

hab Dank f√ľr deinen freundlichen Kommentar.
Bedeutungsschwanger? Sowas aber auch.

lg
Duisburger
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