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Leselupe.de > Humor und Satire
Alles eine Frage der Dosierung
Eingestellt am 18. 08. 2011 09:47


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Karl Feldkamp
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Eigentlich ist es eher un├╝blich, ja, gilt gar als unmoralisch, mit dem Tod makabere Spiele zu treiben. ├ťblich ist dagegen, ├ängste mit herzhaftem Lachen in den Abgrund zu schubsen. Daher mache ich mich schon als relativ junger Alter nach wenigen Ruhestandsjahren gern ├╝ber Alte und das Alter lustig.
Nun gut, ich gestehe es sofort, ich neige dazu, Verlust├Ąngste zu missbrauchen. Nein, das w├Ąre zu hart ausgedr├╝ckt. Sagen wir, mir meine m├Âgliche Todesn├Ąhe und die ├ängste meiner Mitmenschen n├╝tzlich zu machen.
Selbstverst├Ąndich drohe ich nicht mit Selbstmord. Das w├Ąre viel zu billig.
Zum Gl├╝ck kommt mir und meiner Glaubw├╝rdigkeit mein silbergraues Haupthaar und mein bereits leicht erh├Âhtes Alter zur Hilfe. Ich bin in einem, in dem viele und ich selbst, schon etwas eher mit dem Ableben zu rechnen haben.
Hinzu kommen ein wenig Bluthochdruck, Rheuma, gelegentliche Schmerzen auf der Herzseite sowie ab und zu die eine oder andere Erkrankung, die durchaus lebensverk├╝rzende Wirkung haben k├Ânnte.
Einzelheiten will ich mir ersparen, da ich bisher immer behauptete, nichts mehr zu hassen, als altersbedingtes Gejammer ├╝ber k├Ârperliche Verschlei├čerscheinungen.
Aus gesundheitlichen Gr├╝nden kann ich jedoch immer seltener ├Ąrztliche Wartezimmer und sonstige Senioren-Ansammlungen meiden, bei denen das einstige M├Ąnnerthema eins j├╝ngerer Jahre l├Ąngst st├Ąndigem Gerede ├╝ber Alterserkrankungen weichen muss.
Selbst ich rede inzwischen mit. Wenn auch immer noch mit gewissen Hemmungen.
Es gibt nun einmal keinen Smalltalk unter Alten ohne Wetterf├╝hligkeit, Schmerzen, Krankheit, Blutwerte, Orthop├Ąde und Hausarzt.
ÔÇ×Bei Rheuma, Gicht, Gelenk und R├╝cken/Kann Sonstiges kaum noch entz├╝cken.ÔÇť Reimte neulich einer meiner Altergenossen, der zuvor auch lieber herzhaft ├╝ber das Alter lachte.
Da man das Beste aus seinen jeweiligen Lebensumst├Ąnden machen soll, habe ich mir zun├Ąchst angew├Âhnt, r├╝cksichtsvoll und behutsamst anzudeuten, dass ich, ohne Zahlen zu nennen, nicht mehr der Allerj├╝ngste bin. So kommen meine Bekannten, Freunde und Verwandten ganz von selbst darauf, dass sie mich bald pl├Âtzlich und unerwartet verlieren k├Ânnten. Dann erz├Ąhle ich zur Ablenkung einen Witz ├╝ber Alte und deren Gewohnheit, die Beschwerden des Alters zu beklagen. Leider f├Ąllt mir gerade keiner dieser Witze ein.
Mein leises, halb unterdr├╝cktes St├Âhnen bei mehr oder weniger anstrengenden Bewegungen sowie bei eindr├╝cklich berichteten Altesm├╝hen, die ich noch zu erwarten habe, entwickelt bei meinen Mitmenschen schnell seine n├╝tzliche verlust├Ąngstliche Wirkung. Ja, es erh├Âht meinen derzeitigen Wert f├╝r die mir nahe stehenden Mitmenschen betr├Ąchtlich, da ich ohnehin kein stattliches Erbe hinterlasse, das ├╝ber den Verlust hinwegtr├Âsten k├Ânnte.
Auf die todsichere Wirkung dieser Taktik bin ich eher zuf├Ąllig gesto├čen.
Schon in j├╝ngeren Jahren habe ich mir angew├Âhnt, bei Anstrengungen leise zu st├Âhnen. Sp├Ąter st├Âhnte ich etwas lauter. Diese spontanen ├äu├čerungen hatten bei mir eine ├Ąhnliche Wirkung wie jenes laute Aufst├Âhnen, das Frauen beim Sex und Tennisspielerinnen beim Schlagen des Balles zur Steigerung ihrer Schlagkraft und Leidenschaft einsetzen.
Gerade jetzt brauche ich noch Leidenschaft, um Gelenk- und andere Schmerzen ├╝berwindend, mich zu b├╝cken, morgengymnastische ├ťbungen zu absolvieren oder ein paar Treppen mehr zu steigen.
Besonders das St├Âhnen kurz vor dem eigentlichen B├╝cken hat auf gut erzogene j├╝ngere Mitmenschen erstaunliche Wirkung, vor allen, wenn ich zwischen Gest├Âhn und B├╝cken eine kurze, kaum wahrnehmbare Pause einlege. Exakt in dieser Zwischenzeit haben sich gut Erzogene schon geb├╝ckt und mir den Gegenstand, der mir vor die F├╝├če fiel, aufgehoben, w├Ąhrend ich noch leicht nach vorn geneigt den R├╝cken haltend, mich schon f├╝r die Hilfeleistung bedanken kann.
So habe ich die vom Arzt verordnete Bewegung und schone mich zugleich vor weiterem Gelenkverschlei├č oder gar Bandscheiben- und anderen Vorf├Ąllen. Das hilft zur Freude des Bundesgesundheitsministers auch noch Gesundheitskosten sparen.
Leider begegne ich immer seltener gut erzogenen Jugendlichen.
So muss ich zu Anderem greifen. Zum Herzen - zum Beispiel. Dieser Griff ist gut gegen Einsamkeit, da er zwangsl├Ąufig mitmenschliche Fragen ausl├Âst. Mit besorgten Gesichtern fragen Kinder, Gattinnen, liebevollere Teile der Verwandtschaft und hilfsbereite Zeitgenossen in Bus und Stra├čenbahn: ÔÇ×Ist Ihnen nicht gut? Kann ich helfen? M├Âchten Sie ein Glas Wasser? Soll ich einen Arzt holen.ÔÇť
Nat├╝rlich bem├╝he ich mich dann, nicht zu heftig den Kopf zu sch├╝tteln. ├ťbertrieben viel Temperament w├╝rde nicht zur angedeuteten Herzbeschwerde passen. So l├Ąchele ich dankbar, habe damit sofort einen oder mehrere nette Gespr├Ąchspartner und trage zur gesellschaftlich erw├╝nschten Kommunikation unter den Generationen bei.
Schwierig wird es, wenn ich auf Altersgenossen treffe, die das Repertoire schon l├Ąnger und besser beherrschen und routiniert dagegen halten.
Das kann schnell in Senioren-St├Âhn- und Schmerzwettbewerbe ausarten. Und die wirken selbst auf gut erzogene und ├╝berdurchschnittlich zu Mitleid neigende junge Menschen entt├Ąuschend, bizarr und l├Ącherlich.
Es ist eben alles eine Frage der richtigen Dosierung. Auch und gerade im Alter.


__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 18. 08. 2011 09:47
Version vom 18. 08. 2011 11:32

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Hi,

ist mir trotz allem noch ein wenig zu schwer. Wie w├Ąre es mit diesem Anfang:


Eigentlich ist es eher un├╝blich, ja, es gilt gar als asymmetrisch, mit dem Tod makabre Spiele zu treiben. ├ťblich ist dagegen, ├ängste mit herzhaftem Lachen zu mildern oder jedenfalls so weit an den Rand der Welt zu schieben, dass man sie leicht hinuntersto├čen kann. Daher mache ich mich als relativ junger Alter (68) immer gern ├╝ber Alte und das Alter lustig. Die Lust hat mittlerweile zwar insgesamt etwas abgenommen, packt mich jedoch immer noch an den entscheidenden Stellen und tr├Ągt mich durch meine Tage.

__________________
Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schlie├člich gro├č genug. J. P. Sartre

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Karl Feldkamp
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Bis auf das "asymmetrisch" gef├Ąllt mir dein Vorschlag.
Gru├č
Karl
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Karl Feldkamp
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Hallo rogathe,
daf├╝r ist es bei einem Gerade-Ruhest├Ąndler noch ein wenig zu fr├╝h. Das kommt, wenn die Todesanzeigen meinem Geburtsjahr noch n├Ąher kommen und ich entsprechend gef├╝hlsecht recherchieren kann. Noch lese ich nicht t├Ąglich diese schwarz umrandeten Mitteilungen, die fast ausschlie├člich nur geliebten Verstorbenen gewidmet sind...
Gru├č
Karl
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