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Leselupe.de > Humor und Satire
Alles eine Frage der Technik
Eingestellt am 08. 04. 2004 18:34


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Frederik
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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Ist es ihnen schon einmal aufgefallen? Wir Deutschen sind technikbesessen. Alles muss technisch absolut perfekt sein.
Nehmen sie einen deutschen Mittelklassewagen. Niemand wird mehr mit einer Fensterkurbel ĂŒberfordert. Elektrische Fensterheber bewahren die Insassen vor Zeitverschwendung, durch kurbeln. Es ist fast nebensĂ€chlich, dass der „Zeitersparer“ hin und wieder ĂŒber Nacht die Batterie entleert. Wurde der Dreitonner erst einmal die Garageneinfahrt hochgeschoben, lĂ€sst er sich nahezu problemlos anschieben, soweit nicht ein Automatikgetriebe oder eine Tiptronic dem morgendlichen Unterfangen entgegensteht.
Ein Highlight fĂŒr den Grobmotoriker: Strassenkartenfalten ist obsolet. Der Wagen kennt den Weg nach Hause.
Im Inneren erkĂ€ltet sich der Fahrer bei angenehmen zwanzig Grad, wĂ€hrend draußen der Asphalt in der Sonne schmilzt. Die Fahrwerksregulierung lĂ€sst sich achtzig Zentimeter hochfahren, weil der innovative Pendler stĂ€ndig Offroad-Strecken im Asphaltdschungel ĂŒberwinden muss. Überhaupt darf ein ABS, ASR, elAsp, YMCA nicht fehlen, wenn das neue vierrĂ€drige Familienmitglied dem Nachbarn vorgestellt wird. Dass der Mittelklassewagen genauso viel kostete wie ein amerikanisches Einfamilienhaus, wird zur NebensĂ€chlichkeit. Schließlich entsprechen amerikanische HĂ€user auch nicht dem deutschen Stand der Technik. So haben wir nur einen mitleidigen Blick ĂŒbrig, wenn die Nachrichten weggeflogene amerikanische HĂ€user senden. Ein deutsches Haus könnte problemlos einen Tornado trotzten, wenn es in Deutschland Tornados gĂ€be. Das GebĂ€ude ist technisch perfekt, ferner gibt es dreihundert Jahre Garantie auf die Bausubstanz. Das deckt sich immerhin mit der durchschnittlichen Kredittilgungsdauer.
Beobachten wir fĂŒr einen Augenblick den Bau eines solchen deutschen Hauses. Versucht ein unerfahrener Bauarbeiter eine ĂŒberstehende Holzlatte mit einer HandsĂ€ge zu kĂŒrzen, so wird er fĂŒr diesen Faux pas die Missgunst der gesamten Baubranche ernten. Irgendein Kollege wird um Einhalt bitten, um seine Black & Decker Futura 2004 zu holen. Er steigt auf sein Fahrrad und macht sich auf dem Weg. Dank der einundzwanzig-gĂ€ngigen Kettenschaltung, lĂ€sst sich die Strecke in zwei Stunden bewĂ€ltigen. Das lohnt sich, denn die Black & Decker kann schrauben, hĂ€mmern, bohren, schneiden, tackern, schweißen, Bier holen und natĂŒrlich sĂ€gen. Außerdem muss das Fahrrad sowieso bewegt werden. Es kostete schließlich soviel wie ein amerikanischer Mittelklassewagen. DafĂŒr ist der Chevy technisch deutlich unterlegen und hat auch keine einundzwanzig GĂ€nge. Zugegeben, der alltĂ€gliche Fahrer benutzt nur die GĂ€nge Vierzehn bis Einundzwanzig. Sollte er sich jedoch auf den Weg zur Arbeit einmal verfahren und in die Verlegenheit kommen den Brenner ĂŒberqueren zu mĂŒssen, so sind Steigungen bis sechzig Prozent stilvoll in den GĂ€ngen Sieben bis Vierzehn zu meistern. Ein solches Szenario ist natĂŒrlich nur vorstellbar, wenn das Fahrradnavigationssystem ausfĂ€llt.
Sie erliegen ĂŒbrigens einem Irrtum, sollten sie annehmen unser tapferer Radfahrer sei nach seiner Odyssee nassgeschwitzt. Schnelltrocknende FunktionswĂ€sche aus Hightech-Fasern wie Cool-dry oder Tactel wissen dies zu verhindern. Er riecht zwar wie ein Puma, aber eben nur wie ein trockener Puma. Technik auf hohen Niveau ist nun einmal unerlĂ€sslich.
Das gilt auch fĂŒr Computer. Kein Stammtischhasardeur mit einem Funken Selbstachtung prahlt noch mit den angeblichen vier Frauen der letzten Nacht. Nein, er betritt sein gewohntes Etablissement mit einem ĂŒberlegenen „Ich habe jetzt zwei Gigahertz!“ Somit ist auch Anstand nur eine Frage der Technik geworden.
Der Deutsche hat fĂŒr gewöhnlich irgendwo einen Turm von Hightech-GerĂ€ten. Pflicht ist allerdings, dass eine lernfĂ€hige Fernbedienung alle GerĂ€te mit einem Knopfdruck abschalten kann. Hören sie also gerade eine CD, wĂ€hrend sie unter Berieselung des Radioreceivers eine DVD im Fernsehen anschauen, brauchen sie nur den roten Knopf drĂŒcken, und schon haben sie ihre wohlverdiente Ruhe. Allerdings haben sie sich dann auch schon als anachronistisch enttarnt, denn das MP 3 Format ist technisch interessanter als der CD-Player.
Der gewiefte Leser wird nun einwenden, dass unsere Nachbarn auch nicht anders sind. Der Schweizer zum Beispiel trĂ€gt im Allgemeinen ein Paradebeispiel an PrĂ€zisionstechnik am Handgelenk. Die Schweizeruhr. TatsĂ€chlich ist das Schweizeruhrwerk geradezu ein Synonym fĂŒr PrĂ€zision. Allerdings wird jedes Uhrwerk in stundenlanger Handwerkskunst handgefertigt und kann letztendlich gerade mal die korrekte Uhrzeit anzeigen, soweit es gestellt und aufgezogen ist. So etwas lĂ€sst sich in Deutschland kaum verkaufen. Wir wollen einen futuristisch anmutenden Chronographen, dem irgendwo innerhalb von Sekunden mit Hilfe eines japanischen Digitaluhrwerks Leben eingehaucht wurde. Nach wochenlangem Studium kann der glĂŒckliche Uhrbesitzer die Mondphasen ablesen, per GPRS seinen Aufenthaltsort feststellen, die Uhrzeit in vierzig NachbarlĂ€ndern abrufen, beim Tauchen die Tiefe feststellen, sich wecken lassen und im Notfall sogar die Uhrzeit ablesen. Die Uhr stellt sich sebststĂ€ndig per FunkĂŒbertragung und versorgt sich ĂŒber eine Solarzelle, so dass in den nĂ€chsten zwei Millionen Jahren mit einer Abweichung von ĂŒber eine Sekunde nicht zu rechnen ist. Damit ist fĂŒr alle alltagstypischen Situationen eine Anzeige vorhanden. Nein, die Schweizer wissen nicht was wahre Technik ist.
Anfang des Jahres wurde mir der Katalog eines Erotikversandes zugestellt, irrtĂŒmlicher Weise, wie ich selbstverstĂ€ndlich hinzufĂŒgen möchte. Nach eingehender LektĂŒre war ich traumatisiert und desillusioniert. Da mein SchamgefĂŒhl und meine neuerworbenen Minderwertigkeitskomplexe mich auch Wochen spĂ€ter noch in Badehose duschen ließen, fragte ich einen Therapeuten um Rat. Er heilte mich mit einem kompetenten Hinweis. „Es ist doch letztendlich alles eine Frage der Technik.“

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flammarion
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nu,

icke als frau hab ja von technik keine ahnung, aber amĂŒsiert hab ich mich trotzdem.
die story könnte stĂ€rker gegliedert sein fĂŒr besseren lesefluss und n paar tippfehler wĂ€ren zu bemĂ€ngeln, aber ihre lacher findet die geschichte allemal.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Frederik
Routinierter Autor
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Re: nu,

quote:
UrsprĂŒnglich veröffentlicht von flammarion
icke als frau hab ja von technik keine ahnung, aber amĂŒsiert hab ich mich trotzdem.
die story könnte stĂ€rker gegliedert sein fĂŒr besseren lesefluss und n paar tippfehler wĂ€ren zu bemĂ€ngeln, aber ihre lacher findet die geschichte allemal.
ganz lieb grĂŒĂŸt



Hallo,

danke fĂŒr die Antwort.
Die zum Teil fehlende Gliederung ist mir auch aufgefallen. So richtig allerdings erst nachdem der Blocksatz nicht ĂŒbertragen wurde. Alles eine Frage der Technik.
Aber ernshaft ich danke fĂŒr die Resonanz.

Frohe Ostern wĂŒnscht
Fredrik

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GabiSils
???
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Lieber Frederik,

herzlichen Dank fĂŒr ein besonderes LesevergnĂŒgen Sprachlich geschliffen und unnachahmlich trocken beschreibst du ein bekanntes PhĂ€nomen mit genau der richtigen Portion Ironie.
Zur Abrundung vermisse ich als Deutsche in der Schweiz lediglich die Betrachtung eines noch wichtigeren Utensils: des Schweizermessers! Das tut der Wertung "10" jedoch keinen Abbruch.

Viele GrĂŒĂŸe und mit der Bitte um mehr,
Gabi

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Frederik
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UrsprĂŒnglich veröffentlicht von GabiSils
Lieber Frederik,

herzlichen Dank fĂŒr ein besonderes LesevergnĂŒgen Sprachlich geschliffen und unnachahmlich trocken beschreibst du ein bekanntes PhĂ€nomen mit genau der richtigen Portion Ironie.
Zur Abrundung vermisse ich als Deutsche in der Schweiz lediglich die Betrachtung eines noch wichtigeren Utensils: des Schweizermessers! Das tut der Wertung "10" jedoch keinen Abbruch.

Viele GrĂŒĂŸe und mit der Bitte um mehr,
Gabi



Liebe Gabi,

schon diese Antwort motiviert mich weiterzumachen. Danke!

Ich muss mich tatsĂ€chlich fĂŒr den nahezu unverzeihlichen Faux pas, bei allen Schweizern entschuldigen. Das Schweizermesser, Inbegriff des multifunktionalen Werkzeugs, Ersatz fĂŒr einen kompletten Werkzeugschrank ... hĂ€tte tatsĂ€chlich eine nĂ€here Betrachtung verdient gehabt.

Frohe Ostern wĂŒnscht Frederik.

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