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Alles wird gut
Eingestellt am 19. 02. 2018 09:18


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Herbert Schmelz
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Registriert: Oct 2009

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Alles wird gut oder ein Hoffnungsschimmer

Politisches GeschĂ€ft in der entwickelten Tauschgesellschaft zu bejammern oder anzuklagen gehört zum ‚guten Ton‘ – bis dieser nicht mehr ertrĂ€glich ist. Ähnlich ergeht es Kritik, die im GetĂŒmmel negativ bestimmt, damit BedĂŒrfnis und Wahrheit nicht erstarren, sondern im Fluss bleiben. Lebendige Erfahrung prĂ€sentiert dann kreative Geschichten als ‚Naturvorgang‘. In ihm beschließt der Vorwurf der Akteure (besser machen!) regelmĂ€ĂŸig die Etappe. Und nicht selten empfinden die Beteiligten ihre Entscheidungen als Wahl zwischen ‚Pest und Cholera‘.

Vielleicht habe ich leichtsinnig meine Zweifel ĂŒber Bord geworfen. Denn ich bediene mich hier kurz, unnötig riskant des Werkzeugkastens der ‚LĂŒgenpresse‘. Nach meiner Auffassung einzig zu dem Zweck, um auf eine vernachlĂ€ssigte Ebene der Auseinandersetzung aufmerksam zu machen, wo die VerdĂ€chtigung ‚alarmistischen‘ Vorgehens ausreicht, um das Problem auszuschließen. Also: TatsĂ€chlich treten sich Journalist und Philosoph im Interview mittelbar als Produzenten verschiedener Tauschinteressen gegenĂŒber. FĂŒr den Leser inszenieren sie drei Stoffe aus dem wirklichen Leben, denen man auf den ersten Blick ihren politischen Charakter nicht ansieht.

Erstens, der Philosoph â€šĂŒberrascht‘ den Interviewer: „Wissen Sie, dass kaum jemand mich in meinem Leben so behindert hat wie Sie?“ * Der Journalist hatte den jungen Philosophen aus betriebs - hierarchischen ErwĂ€gungen gegen dessen Interessen zur Recherche ins Theater beordert. Zweitens, um zum Thema Gott und die Welt eine Geschichte der Philosophie zu produzieren, muss man heute nicht nur ‚Treffer landen‘, sondern auch erfolgreich ins TauschgeschĂ€ft eintauchen. U.a. heißt dies, Vorsicht bei der Bearbeitung Ă€sthetischer Probleme, jedoch intensivere, kritische Befassung mit Evolutionstheorie. Drittens, nachdem der Journalist sich herzlich bedankt hat: „So kommen Sie mir nicht davon. Heute stelle ich Ihnen eine Aufgabe: Sie kennen die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in der Chausseestraße? Eine gigantische Anlage. Daneben war die Stasizentrale in der Normannenstraße ein Liliputaner. Ich frage mich, was in all diesen RĂ€umen gemacht wird. Finden Sie es heraus!“ *

Wie stark beispielsweise der osmanische Diktator der formaldemokratischen TĂŒrkei seine völkerrechtswidrigen Kriege vorantreibt; wie er fortgesetzt, zynisch Geiselnahmen, einschließlich unserer Freiheiten, bewerkstelligt, dazu erarbeiten Nachrichtendienste hinter unserem RĂŒcken verwertbares Wissen. Demokraten bei uns wissen gegen die eingeschworenen Feinde der Demokratie, dass sich D wĂŒtende Stimmungsmache des ‚Kalifen‘ in Ankara zugezogen hat, weil die Resolution des Bundestags zum Völkermord an den Armeniern die Wahrheit traf: Die Verantwortung der TĂŒrkei und Deutschlands. Heute ist Deniz YĂŒcel nach einjĂ€hriger Geiselhaft am Bosporus unter absurder Anklagedrohung frei, ohne die konkreten Motive des korrupten Regimes nachvollziehen zu können. Er wusste aber schon, dass seine Freisetzung umgehend mit einem Terrorurteil gegen tĂŒrkische Kollegen (‚lebenslĂ€nglich‘) ausgetauscht wurde.

Die Einlassungen der Regierung Merkel gehen von ‚rechtsstaatlichen Verfahren‘ im Herrschaftsbereich Erdogans aus. TatsĂ€chlich geht es ihr um ‚geheime‘ FortfĂŒhrung von RĂŒstungsgeschĂ€ften und darum, eine Nebenrolle im nah-östlichen Kriegsgeschehen abzusichern. Das ‚glauben‘ zwar nicht viele. Doch gleichgĂŒltig, ob als unechte Groko oder echte Minderheitsregierung, unsre demokratisch legitimierte Regierung unter Merkel ĂŒberlebt, wenn sie sich deutlich und aggressiv, wenigstens in Deutschland, den rechten Hetzern entgegenstellt. Denn diese haben programmatisch und im Parlament bereits erklĂ€rt, wohin sie sich das ‚fremde Wesen‘ wĂŒnschen, das keinen ‚Schutzanspruch‘ habe. In Konzentrationslager auf fremdem Territorium. Dort könnten natĂŒrlich auch gleich innere Feinde ‚entsorgt‘ werden. Ich meine, das Wunschdenken der rechten Linkenhasser bei uns ist Geburtshelfer ihres Niedergangs und eines demokratischen Aufschwungs.

*Interview der Frankfurter Rundschau, 3.Januar 2018, von Arno Widmann mit Richard David Precht (Philosoph)



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Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 19. 02. 2018 09:18
Version vom 20. 02. 2018 15:33
Version vom 26. 02. 2018 10:59
Version vom 26. 02. 2018 11:00

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