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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alltag
Eingestellt am 06. 03. 2013 16:19


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Head
Schriftsteller-Lehrling
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Peter the President

Tenever- Stadtteil von Bremen - Brennpunktgebiet.


Peter war w├╝tend. Zed hatte ihn verarscht, m├Ąchtig verarscht. Das war verdammt nochmal ein Riesenfehler! Daf├╝r w├╝rde dieser Wichser b├╝├čen, so viel war mal sicher. Niemand verarschte Peter, zumindest nicht, ohne sich daf├╝r verdammt nochmal eine schei├č Kugel einzufangen! Und das h├Ątte Zed eigentlich wissen m├╝ssen. Und wenn nicht, tja, dann war das nun mal eben Pech f├╝r Zed.
Peter schaute auf den transparenten Plastikbeutel mit Druckverschluss, der voll mit wei├čem Zeug war. Angeblich soll es sich dabei um Koks handeln. Schei├če, das war h├Âchstens stark verschnittenes Speed, aber ganz sicher kein Kokain. Und Schei├če hoch zwei: w├Ąre er nur nicht so stinkbesoffen an dem Tag gewesen und sein Freund Johann in manchen Situationen nicht so ein unf├Ąhiger Dreckskerl, dann h├Ątte er sich von Zed sicher nicht so einlullen lassen. Von wegen, das ist hammerharter kolumbianischer Superstoff und die helle Farbe t├Ąusche nur ├╝ber den ach so hohen Reinheitsgrad hinweg - denn das Zeug soll angeblich so rein sein wie die Fotze der heiligen Jungfrau Maria. Wer\'s glaubte! Zed hatte ihn voll ├╝ber den Tisch gezogen. Aber nun war es zu sp├Ąt, um sich selbst Vorw├╝rfe zu machen, jetzt musste er handeln! Er nahm einen Schluck Wodka - direkt aus der halbleeren Flasche - und wenig sp├Ąter sp├╝rte er schon, wie sich der Alkohol in wohligen Wogen in seinem K├Ârper ausbreitete.

Peter schritt wie ein w├╝tender F├Ąhnrich das Wohnzimmer auf und ab und ├╝berlegte sich, wie er am besten an das Arschloch herank├Ąme. Dann klingelte das Telefon und er hielt abrupt.
┬╗Was gibt\'s?┬ź, fauchte Peter in den H├Ârer - auf dem Display hatte er Johanns Nummer gesehen, und in seinem derzeitigen Zustand war er nicht gerade gut auf ihn zu sprechen - ja man k├Ânnte glatt sagen, dass er stinksauer war.
┬╗Was geht denn mit dir ab?┬ź, fragte ihn Johann und seine Stimme klang fast schon ein bisschen beleidigt. Johann, die alte Tenever-Superschwuchtel, dachte Peter, und musste unwillk├╝rlich ├╝ber seine Kreativit├Ąt grinsen. Schei├če, er wusste schon immer, dass Wodka ihn geradezu befl├╝gelte und aus ihm einen eloquenten Mistkerl machte. Nicht, dass er es nicht so oder schon war, nur steckte in dem Zeug etwas, das ihn geradezu zu einen wahren Poeten aufstiegen lie├č - und war Edgar fucking Poe nicht auch ein S├Ąufer, Herumtreiber und Drogens├╝chtiger gewesen? Verflucht nochmal ja!
┬╗Stell keine dummen Fragen, sondern schwing deinen schei├č Russki-Arsch hier r├╝ber. Ach, und besorg uns noch etwas Hardware!┬ź
┬╗Was ist passiert?┬ź, wollte Johann wissen. Sein Ton klang wie immer kleinlaut.
┬╗Was passiert ist? Das sag ich dir sicher nicht am Telefon! Und jetzt mach, dass du hier r├╝ber kommst! Und vergiss ja nicht die Hardware! Es sollte etwas sein, womit wir richtig Eindruck hinterlassen, also ja nichts Kleines. Etwas mit richtig viel Wumms!┬ź
Peter unterbrach das Telefongespr├Ąch ohne ein weiteres Wort und setzte sich auf die weinrote Couch, die mit unz├Ąhligen Brandl├Âchern ├╝bers├Ąt war. ├ťberall an den vergilbten W├Ąnden hingen Poster von nackten Frauen, die in verschiedenen Posen zeigten, was sie zu bieten hatten. Dazwischen fanden sich Poster von Der Pate, Scarface, Reservoir Dogs, sowie das Konterfei von Robert De Niro in Taxidriver und ein Poster von Ghost Dog mit Forest Whitaker in der Hauptrolle. Das war seine Hall of Fame. Irgendwann w├╝rde man sein Leben auch verfilmen oder ein Buch dr├╝ber schreiben. Er hatte verdammt nochmal das Potential zum Superstar! Dann w├╝rde sein Konterfei neben den anderen Stars an der Wand eines anderen aufstrebenden Gangsters h├Ąngen. Das war Peters gr├Â├čter Traum. Zwischen Stars wie Al Pacino, Robert De Niro, Forest Whitaker und Joe Pesci zu h├Ąngen. Aber sein absolutes Vorbild war noch immer Tony Montana. Das war sein Mentor.

Peter roch seinen eigenen Schwei├č, die kalte Asche im Aschenbecher, die Reste von abgestandenem Bier. Den Wodka hatte er bereits vernichtet. Auf dem Couchtisch vor ihm quoll ein Marlboro-Aschenbecher ├╝ber, eine Batterie leerer Bierflaschen stand wie ein Trupp Soldaten aufgereiht an einer Ecke des Tischs und ├╝berall lagen Kr├╝mel von dem wei├čen Zeug verstreut herum. Au├čerdem lagen drei├čig Eingramm-Beutel Gras fein s├Ąuberlich auf der Glasplatte gestapelt. Er w├╝rde sich weder einen Joint noch etwas vom schei├č Puder g├Ânnen. Er wollte klar bei Verstand sein. Durch das verschnittene Speed w├╝rde er nur Fehler begehen, denn es machte ihn immer so hibbelig, und er w├╝rde eine ruhige Hand brauchen, wenn er Zed gegen├╝ber stand. Zed w├╝rde heute sterben, das war so klar wie das Amen in der Kirche. Peter konnte nicht zulassen, dass irgend so ein dahergelaufener Dealer den Ruf des Pr├Ąsidenten mit F├╝├čen trat. Wahrscheinlich wurde schon in ganz Osterholz-Tenever ├╝ber ihn hergezogen. Nein, er musste seinen Ruf als der Pr├Ąsident wieder herstellen. Und das schaffte er nur, indem er es Zed ordentlich mit einer Schrotflinte oder einer Kalaschnikow besorgte, um ihn anschlie├čend als Warnmal inmitten des Einkaufzentrums von Blockdiek an den gottverdammten Baum zuh├Ąngen.

Er w├╝rde Zed ein Schild um den Hals h├Ąngen, auf dem stand: Don\'t fuck with the President! Das war ein guter Plan. Das w├╝rde ihn mit absoluter Sicherheit wieder auf den Thron zur├╝ck bringen. Und dort geh├Ârte er verdammt nochmal hin! Er w├╝rde Zed anrufen und sich mit ihm treffen, mit der Begr├╝ndung, noch mehr von diesem guten Stoff kaufen zu wollen. Das w├╝rde sicher ziehen, denn Zed war ein geldgieriges Arschloch, das sich dazu auch noch f├╝r verdammt clever hielt - doch niemand war so clever wie der Pr├Ąsident.
Und das w├╝rde er ihn allen zeigen! Verdammt nochmal ja!
Es klingelte an der Haust├╝r, und Peter zuckte unwillk├╝rlich zusammen. Die Bullen? Doch dann erinnerte er sich wieder daran, dass ja Johann vorbeikommen wollte und er stand auf und ging den Flur runter zur Gegensprechanlage, z├Âgerte f├╝r einen Moment, dann nahm er den wei├čen H├Ârer ab.
┬╗Ich bin\'s.┬ź, sagte Johann, es krachte und knackte in Leitung, Peter dr├╝ckte den Summer. Johann hatte nicht lange gebraucht, um die Hardware zu besorgen. So dumm Johann in Peters Augen manchmal auch sein mochte, wenn es um Hardware ging, war er schnell bei der Sache.

Er trug eine blaue Sporttasche um die rechte Schulter geh├Ąngt und aus seinem rechten Mundwinkel ragte das letzte Drittel einer filterlosen Camel. Johann war ein hochgewachsener, schlaksig wirkender Zwanzigj├Ąhriger mit Aknenarben und fettigem Teenager-Teint. Am Kinn hatte er hellbraunen Flaum, der wohl mal ein Ziegenbart werden wollte, sobald er gro├č genug war. Er trug eine schwarze Bomberjacke, Bluejeans und schwarze Arbeiterstiefel. Peter selbst war Ende zwanzig, hatte kurz geschorenes blondes Haar, markante Gesichtsz├╝ge und war immer glattrasiert. Er war viel muskul├Âser als Johann. Peter trug ein wei├čes Joop-Unterhemd, eine dunkelblaue Jogginghose mit roten Streifen an den Seiten und um seinen breiten Hals hing an einer Goldkette ein schlichtes goldenes Kreuz. An den F├╝├čen trug nur Badeschlappen von Adidas. Er schaute sich auf den ansonsten leeren Hausflur nach vermeintlichen Cops um, und als er keine entdecken konnte, bugsierte er Johann hastig in die Wohnung, in der es nach kalter Asche, Bier, Schimmel und Gras roch.
┬╗Hast du alles?┬ź, Peter hatte inzwischen auch eine Kippe im Mund. Er zog immer wieder gierig dran.
┬╗Ja, Mann.┬ź Johann ├Âffnete die Sporttasche. Gl├Ąnzendes Metall und so gro├č wie ein sieben Pfund S├Ąugling - die Pumpgun lie├č Peters Augen auf Untertassengr├Â├če anwachsen. ┬╗Schei├če. Ist das\'n geiles Teil!┬ź, Peter lachte entz├╝ckt auf und klatschte in bester Schulm├Ądchenmanier in die H├Ąnde.
┬╗Jupp.┬ź, antwortete Johann knapp und pflanzte sich, mit einem selbstgef├Ąlligen L├Ącheln auf den Lippen, in den weinroten Sessel. Noch etwas mehr davon und Johann k├Ânnte glatt an einen K├Ânig erinnern, so wie er dort in dem Sessel sa├č. Es fehlte nur noch die Burger King-Pappkrone und Johann w├Ąre der K├Ânig auf jeder Kindergeburtstagsfeier.
Peters Lachen verebbte und seine Kiefermuskeln spannten sich an. In letzter Zeit war ihm Johanns st├Ąndige Anwesenheit l├Ąstig. Schei├če, sie hingen inzwischen seit ├╝ber zehn Jahren zusammen ab, sie waren zusammen aus Russland nach Deutschland gekommen, um den Laden hier ordentlich aufzumischen. Und nun? In letzter Zeit vertraute er Johann nicht mehr so hundertprozentig ├╝ber den Weg. Au├čerdem missfiel ihm Johanns Selbstgef├Ąlligkeit. Aber warum nur? Er konnte es sich selbst nicht so genau erkl├Ąren, aber das musste auch erst einmal in den Hintergrund gestellt werden, in erster Linie galt es, den Ruf wieder herzustellen. Dann w├╝rde er Johann in die Schranken zur├╝ckweisen. Bevor er noch ganz verga├č, wer hier das Sagen hatte.
┬╗Und?┬ź
┬╗Was und?┬ź, blaffte Peter Johann an und seine Augen wurden hart wie Diamanten.
┬╗Wof├╝r brauchst du die Knarre?┬ź, quiekte Johann eingesch├╝chtert. Peter deutete mit finsterer Miene auf das angebliche Koks. ┬╗Siehst du das?┬ź
┬╗Ja, und was ist damit?┬ź
┬╗Das dort in den Beutel ist nicht das, was dein Freund Zed uns versprochen hat!┬ź
┬╗Schei├če, was soll es denn sonst sein? Ist schei├č Koks, oder nicht?┬ź
┬╗Das dort ist kein Koks, das ist schei├č Speed. Und du wei├čt, was das bedeutet, nech?┬ź
Johann wurde unsicher, er sank ein St├╝ck tiefer in den Sessel ein. ┬╗Ich wei├č nicht. Was willst du damit sagen?┬ź
┬╗Was ich damit sagen will? Dass dein Freund Zed uns verarscht hat! Das will ich damit sagen!┬ź
┬╗Das kann unm├Âglich sein. Das w├╝rde Zed niemals tun!┬ź
┬╗Willst du sagen, ich laber Schei├če?┬ź
┬╗Nein, Mann! Ich mein nur...┬ź
┬╗Wei├čt du, ich schei├č auf das, was du meinst! Der hat uns gefickt und daf├╝r werden wir ihn so richtig ficken!┬╗ Den letzten Teil des Satzes betonte er so stark, dass winzige Speicheltr├Âpfchen auf den Glastisch herabregneten. Peters Gesicht war rot angelaufen und an seinem Hals traten die Sehnen wie Kabelstr├Ąnge hervor.
Johann rutschte unruhig im Sessel hin und her. Ihm schien die Situation ├╝berhaupt nicht zu behagen. Um Peters Mundwinkeln hatte sich Geifer gebildet.
┬╗Verdammt, Peter, du wirst schon recht haben.┬ź, Peter sah, dass Johann f├Ârmlich in sich zusammen sackte und seine Selbstgef├Ąlligkeit wie ein Kartenhaus in sich zusammenst├╝rzte.
┬╗Der kleine Bastard hat meinen Ruf ruiniert und daf├╝r muss dieser Hurensohn jetzt richtig leiden. Deswegen brauchen wir die Knarre!┬ź
┬╗Okay.┬ź, sagte Johann, inzwischen so leise, dass es nur noch ein Fl├╝stern war. Er z├╝ndete sich hastig eine weitere Camel an. Er brauchte drei Anl├Ąufe, weil seine H├Ąnde so stark zitterten. ┬╗Und jetzt werde ich diese dumme Missgeburt anrufen.┬ź Peter dr├╝ckte seine Zigarette aus, griff zum Telefon und w├Ąhlte Zeds Nummer.
Nachdem sich Zeds Stimme meldete, musste Peter erst mal seinen Zorn runter schlucken, doch dann lobte er den guten Stoff in den h├Âchsten T├Ânen, betonte, dass man ihm das Zeug quasi aus den H├Ąnden riss wie die sprichw├Ârtlichen hei├čen Semmeln. Peter dr├Ąngte ihn, ihm unbedingt noch mehr von dem Zeug zu verkaufen. Und bestand darauf, dass sie sich noch heute treffen m├╝ssten.
Zed z├Âgerte, und f├╝r einen Moment herrschte Stille in der Leitung. Als Zed wieder etwas sagte, behauptete er, keine Zeit zu haben, erz├Ąhlte irgendwas wegen seiner Schwester, die ihn heute besuchen kommen w├╝rde und bla bla bla. Zed schlug Sonntagabend vor. Das w├Ąre in vier Tagen. Peter beharrte jedoch darauf, dass sie sich unbedingt noch heute treffen m├╝ssten.
Doch Zed blieb standhaft. Peter dauerte das eigentlich viel zu lange, denn er war jetzt stinksauer, und er hatte Angst, dass die Wut in der Zeit des Wartens abklingen w├╝rde und er dann nicht mehr den Mumm aufbringen w├╝rde, um Zed eins ├╝berzubraten. Aber er willigte widerstrebend ein, zwang sich, ruhig zu bleiben. Und so verabredeten sie sich f├╝r den Sonntagabend im Blockdieker Einkaufszentrum. Peter fragte ihn noch, warum es ausgerechnet im Einkaufszentrum sein musste, weil sie sich doch auch bei Zed zu Hause treffen k├Ânnten, aber Zed antwortete nur irgendwas davon, dass das ja f├╝r sie beide in der N├Ąhe sei und deshalb ja ganz gut w├Ąre. Peter war es im Grunde genommen egal, wo sie sich treffen w├╝rden, Hauptsache, ihm w├╝rde Genugtuung widerfahren. Und das w├╝rde es, sobald er Zed erledigt h├Ątte. Peter legte das schnurlose Telefon auf den Glastisch zur├╝ck, dann lie├č er sich auf die Couch zur├╝ckfallen. Johann schaute ihn fragend an.
┬╗Wir treffen uns Sonntagabend im Einki. Er sagte, er w├╝rde pers├Ânlich kommen, um uns den Stoff zu ├╝berreichen. Verflucht, wenn der Penner w├╝sste!┬ź Peter musste lachen und seine kleinen spitzen Z├Ąhne erinnerten an die eines Piranhas. Z├Âgerlich fiel Johann in das Lachen mit ein.
Sie rauchten ein paar T├╝ten, um ein wenig zu chillen. Und Peter betonte noch mehrmals am Abend, dass keiner so mit dem Pr├Ąsidenten umspringen k├Ânne. Gegen zwanzig Uhr verlie├č Johann ihn. Sagte, er habe noch was vor. Peter lie├č ihn gehen und plante die n├Ąchsten vier Tage. Er nahm die Pumpgun in die H├Ąnde, wog sie und musste sich eingestehen, dass sie ganz sch├Ân Gewicht hatte. Das schwarze Metall in seinen H├Ąnden zu sp├╝ren, tat gut. Er stellte sich vor, wie er Zed den Sch├Ądel weg pustet. Malte sich jedes noch so kleine Detail aus. Er f├╝hlte sich wie Scar-fucking-face, wie der verfickte Tony Montana.
Gegen zw├Âlf ging er auch ins Bett, schlief aber nicht sonderlich gut. Die n├Ąchsten drei Tage verbrachte er haupts├Ąchlich damit, Wodka zu trinken, zu kiffen und sich jeden Abend Scarface anzuschauen. Er lernte sogar die abgebr├╝htesten Spr├╝che auswendig und feilte noch etwas am Plan herum. Er musste wie Tony Montana handeln und denken, Schei├če, er musste der gottverdammte Tony Montana sein! An einen Abend, er war ziemlich hacke, stellte er sich mit nacktem Oberk├Ârper vor den Ganzk├Ârperspiegel im Schlafzimmer und betrachtete seinen muskul├Âsen K├Ârper. Brust- und Bauchmuskeln traten deutlich hervor, schnitten sich geradewegs in seine helle Haut. Er hielt die Pumpgun l├Ąssig in der rechten Hand, den Lauf auf den Fu├čboden gerichtet. Wenn er sich einer ├ťbermacht von ZedsHandlangern gegen├╝ber stehen sah, w├╝rde er ihnen entgegen br├╝llen: ÔÇ×Kommt her! Ihr meint, eure verdammten Kugeln k├Ânnen mir was anhaben? Was meint Ihr, mit wem Ihr es ├╝berhaupt zu tun habt? Ich bin Tony Montana! Kommt her, ich schluck Sie alle. Ich bin Tony Montana!┬╗ Und dann w├╝rde er sie allesamt mit der Pumpgun umnieten. Er richtete die Waffe auf sein Spiegelbild und sagte: ┬╗Ich bin Tony \'Fucked\' Montana!┬╗ Und er wiederholte es immer wieder, wie ein Mantra, solange, bis er tats├Ąchlich davon ├╝berzeugt war, Tony Montana zu sein.
Am Sonntagnachmittag rief Johann ihn an. Er hatte die letzten vier Tage nichts von sich h├Âren lassen. So, als w├Ąre er heimlich abgetaucht.
┬╗Schei├če, wo warst du die ganze Zeit? Ich habe dich tausendmal angerufen!┬ź Das stimmte nicht ganz, er hatte ihn in Wahrheit nur ganze dreimal angerufen. Er war viel zu sehr damit besch├Ąftigt gewesen, sich die ganzen coolen Spr├╝che von Tony Montana einzupr├Ągen und zu trainieren. Am liebsten h├Ątte er schon Schie├č├╝bungen mit der Pumpgun gemacht, aber ihm fiel kein Ort ein, an dem ungest├Ârt h├Ątte ├╝ben k├Ânnen, so musste sich eben ganz auf sein Gef├╝hl und die gro├če Streuung der Schrotk├╝gelchen verlassen.
┬╗War krank, aber nun gehtÔÇÖs mir wieder besser.┬ź
┬╗Das hei├čt, du bist heute Abend auf jeden Fall mit dabei!┬ź Schei├če, selbst wenn er todkrank im Bett liegen w├╝rde, Peter h├Ątte ihn an den Haaren aus dem Bett gezogen, denn immerhin war er zum Teil mitverantwortlich.
┬╗Ja, aber ich werde wohl nachkommen m├╝ssen, weil ich...┬ź
┬╗Weil du was, Johann?┬ź, Peters Ton wurde sch├Ąrfer.
┬╗Es ist wegen meiner Mutter. Aber ich werde auf jeden Fall nachkommen!┬ź, gut, wenn es um die eigene Familie ging, dann wars wichtig. F├╝r Peter war die Familie die wichtigste Instanz in seinem Leben. Leider waren seine Eltern gestorben, angeblich Trunkenheit am Steuer, doch Peter wusste es besser. Es war die verfickte polnische Mafia, die es nur ausgesehen lassen hatte. Und so wurde Johann zu seiner Familie.
┬╗Das will ich verflucht nochmal auch f├╝r dich auch hoffen!┬ź, br├╝llte Peter ins Telefon und f├╝hlte sich m├Ąchtig gut dabei. Schei├če, er durfte so was, denn immerhin war er ja Tony Montana.
Einkaufszentrum Blockdiek; ein paar Stunden sp├Ąter
Am Abend des Treffens schlenderte Peter in Richtung Einkaufszentrum. Er hatte ein Taxi von Tenever aus genommen und sich zirka hundert Meter entfernt vom Einkaufszentrum absetzen lassen. Er wollte ein wenig seine Beine vertreten, seine Lungen mit der k├╝hlen Nachtluft f├╝llen. Er brauchte einen klaren Kopf. Peter trug die Sporttasche mit der Pumpgun in der rechten Hand, sp├╝rte, wie sie immer wieder gegen sein Bein schlug. Obwohl es k├╝hl war, schwitzte er leicht. War er etwa aufgeregt? Ja, er war aufgeregt. Selbst Tony Montana w├Ąre in dieser Situation aufgeregt gewesen. Aber er hatte keine Angst oder irgendwelche Bedenken, er f├╝hlte sich eher befl├╝gelt. Schei├če, das Adrenalin raste nur so durch seine Venen.
Das Einkaufszentrum lag wie ausgestorben da. Es gab zwei, drei Superm├Ąrkte, eine Drogerie, ein Damenbekleidungsgesch├Ąft, einen Imbiss, einen Lottoladen, eine Kneipe und noch ein paar andere L├Ąden. Er betrat das Einkaufszentrum durch die automatischen Schiebet├╝ren, die sich ihm bereitwillig ├Âffneten wie Ali Babas Schatzh├Âhle nach dem ┬╗Sesam ├Âffne dich┬ź. Dort, wo die drei Glas ├╝berdachten Wege zusammentrafen, stand einer von Zeds M├Ąnnern. Er stand in der N├Ąhe des Lottoladens. Der Typ schaute sich st├Ąndig um. Der Kerl hatte er so was an sich, sodass Peter sofort wusste, dass er einer von Zeds M├Ąnnern war. Der Typ sah einfach aus wie ein schei├č Junkie. Nur konnte Peter Zed nirgendwo entdecken. Entweder kam dieser noch, oder er hatte es sich anders ├╝berlegt, oder dieser kleine Wichser w├╝rde ihn zu Zeds Wohnung bringen. Die letzte M├Âglichkeit w├╝rde die Sache erheblich erleichtern. So konnte er ihn direkt in seiner Wohnung ├╝berraschen. Er trat vor den Typen. Dieser sah zu ihm hoch. Der Typ war klein, schmal, unrasiert und hatte die glasigen Augen eines Junkies ÔÇô sie waren blau. Der Typ war sicher auf Heroin, Crack oder Meth. Verdammt, vielleicht schn├╝ffelte er auch nur die getragenen Mieder seiner Oma. Peter war das alles schei├čegal. Er wollte nur wissen, wo Zed blieb.
┬╗Warum ist Zed nicht hier?┬ź, wollte Peter wissen, doch der Junkie hob nur seine schmalen Schultern an und lie├č sie dann kraftlos herabfallen, so als h├Ątte man einer Marionette die F├Ąden gekappt.
┬╗Willst du mich verarschen? Wir waren hier verabredet!┬ź Wieder nur ein Schulterzucken als Antwort. Peter packte allm├Ąhlich die Wut.
┬╗Dann bringst du mich jetzt sofort zu ihm oder sagst mir, wo ich ihn finde, du kleine Missgeburt!┬ź
┬╗Nein.┬ź Peter glaubte, sich verh├Ârt zu haben. Hatte diese Junkie-Schwuchtel eben gerade Nein gesagt?
Peter lie├č die Sporttasche fallen. Wo war eigentlich Johann? Der sollte jetzt auch hier sein! Peter ├Âffnete die Sporttasche und holte die Pumpgun heraus. Er lud sie durch und dr├╝ckte sie dem Junkie an die Brust. Der Junkie gab sich nur wenig beeindruckt. Dann h├Ârte Peter schnelle Schritte, die n├Ąher kamen. Er sah, wie Johann zu ihnen r├╝ber gerannt kam.
Peter entging nicht, dass Johann heftig am Schwitzen war und so aussah, als w├Ąre ihm nicht sehr wohl bei der Sache. Schei├če, er sah aus, als h├Ątte ihn eine ganze Basketballmanschaft durchgenommen und anschlie├čend auf irgendeiner M├╝llkippe entsorgt. ┬╗Wo warst du so lange?┬╗, Peter schrie ihn vor Wut an. ┬╗Tut mir leid, ehrlich!┬╗
┬╗Wo hast du gesteckt?┬ź
Johann sagte nichts, seine Augen irrten unstet herum, seine Knie zitterten.
┬╗Du machst dir doch nicht gleich in die Hosen, oder?┬ź Johann sch├╝ttelte den Kopf, doch das ├╝berzeugte Peter nicht.
┬╗Hey, ich erwarte jetzt von dir, dass du stark bleibst, hast du mich verstanden? Wir k├Ânnen und d├╝rfen jetzt nicht weich werden! Wir ziehen das jetzt hier gemeinsam durch!┬ź Er wandte sich wieder dem Junkie zu.
┬╗Du bringst uns jetzt zu Zed, oder ich mach die kalt, du dumme Missgeburt!┬ź
┬╗Mach doch.┬ź, entgegnete der Bursche schulterzuckend und dann krachte es auch schon laut. Der Bursche kippte buchst├Ąblich aus seinen Latschen. Blut schoss in Font├Ąnen aus den vielen kleinen Einschussl├Âchern, die die Schrotk├╝gelchen in seinem K├Ârper hinterlassen hatten. Peter sp├╝rte die Wucht, die hinter dem Schuss lag, sp├╝rte das Aufb├Ąumen der Waffe. Sp├╝rte, wie ihm dessen Blut auf Hals und Gesicht klatschte wie ein nasses Handtuch. Der Bursche war tot, bevor er das kalte Pflaster k├╝sste. Johann schrie, durch den lauten Knall v├Âllig verschreckt, laut auf. Bei├čender Schie├čpulvergeruch h├╝llte sie ein wie der Gott verdammte Nebel des Grauens von John fucking Carpenter. Eigentlich wollte er diese kleine Schwuchtel nicht kalt machen, denn wer war er schon gewesen, au├čer eben eine kleine dreckige Junkie-Schwuchtel? Au├čerdem, wer brachte sie nun zu Zed? Aber sein flapsiger, ja geradezu herablassender Ton hatte Peter so sehr aufgeregt, dass er nicht anders konnte. Hatte die Schwuchtel doch tats├Ąchlich die Eier gehabt, ihn, den Pr├Ąsident, herauszufordern. Das konnte er ihm nicht durchgehen lassen. Das w├╝rde Peters angeknackster Ruf nicht auch noch vertragen. Deswegen hatte diese kleine Schwuchtel ihm keine andere Wahl gelassen.
┬╗Wieso hast du ihn erschossen? Der hatte doch nichts mit der Sache am Hut. War doch nur\'n kleiner Penner.┬ź
┬╗Du h├Ąltst deine schei├č Fresse!┬ź, Peter war nun sichtlich au├čer sich. Er musste nachdenken. Er sah sich um und entdeckte dann eine weitere Person. Er schaute genauer hin. Der Typ stand vor einem Copyshop. Er musste, nachdem der Schuss gefallen war, den sch├╝tzenden Schatten verlassen haben. Zumindest stand er nun im Licht der Stra├čenbeleuchtung wie auf einer B├╝hne kurz vor seinem gro├čen Auftritt. Peter sah sofort, dass es auch einer von Zeds Kumpeln war. Wieso hatte er ihn nicht vorher schon bemerkt? Der Typ stand da und r├╝hrte sich nicht, wahrscheinlich weil er noch immer unter Schock stand. Doch dann schienen ihm seine Beine wieder zu gehorchen und er drehte sich j├Ąh um und rannte davon. ┬╗Hey, bleib stehen, du kleine Missgeburt!┬ź, schrie Peter ihm hinterher, doch der rannte was das Zeug hielt und verschwand wenige Augenblicke sp├Ąter in der Dunkelheit. Johann war mit den Nerven am Ende. Er faselte die ganze Zeit davon, dass sie jetzt im Knast landen w├╝rden und so weiter und sofort. Und er ging Peter damit m├Ąchtig auf die Nerven.
┬╗Ey, halt deine Fresse, habe ich gesagt! Jetzt ist uns der andere Penner entwischt!┬ź
┬╗Wie sollen wir jetzt nur an Zed herankommen? Der ist doch jetzt vorgewarnt!┬ź
Peter packte Johann am Kragen und sah ihn mit eisigen Blick an.
┬╗Das wei├č ich auch. Und das ist alles deine Schuld! Nur weil du so eine nutzlose Schwuchtel bist! Aber das ist jetzt egal, lass uns lieber von hier verschwinden, bevor die schei├č Bullen kommen!┬ź
Peter steckte die Pumpgun in die Sporttasche zur├╝ck und wollte gerade den Rei├čverschluss zuziehen, als er das kalte Metall einer Waffe am Hinterkopf sp├╝rte. Seine Kehle zog sich unwillk├╝rlich zusammen, sein Nacken spannte sich.
┬╗Nein, Peter, du bist hier die nichtsnutzige Schwuchtel, der dumme kleine Wichser.┬ź, Johanns Ton klang pl├Âtzlich ganz anders. Er hatte nicht mehr diesen weinerlichen Ton an sich, sondern klang v├Âllig abgekl├Ąrt und ruhig.
┬╗Was soll das werden, Johann?┬ź, blaffte Peter ihn an.
┬╗Wonach sieht es denn f├╝r dich aus, Peter?┬ź, blaffte dieser zur├╝ck.
┬╗Du wei├čt, du bist tot, wenn du nicht die Waffe wegnimmst!┬ź Er drehte sich vorsichtig zu Johann um und starrte direkt in den Lauf einer verchromten Neunmillimeter. Im Licht warf sie b├Âsartige Reflexe in Peters Richtung.
┬╗Machst du Witze?! Ich bin der derjenige, der dir eine Waffe an den Sch├Ądel h├Ąlt und nicht andersrum. Deswegen solltest du lieber aufpassen, was du sagst┬ź
┬╗Bist du jetzt auf Zeds Seite? Hat er dich zu diesen Verrat ├╝berredet? Ja, das hat er, stimmt\'s? Und was hat er dir versprochen, sobald du mich erledigt hast, hm? Geld? Mehr Drogen? Macht?┬ź, er h├Ątte beinahe laut aufgelacht, wenn Johann nicht so schei├č nerv├Âs gewesen w├Ąre. Er wollte jedoch nicht riskieren, dass Johann durch einen Schrecken pl├Âtzlich abdr├╝ckte.
┬╗Ich habe einfach genug davon, immer in deinen schei├č Schatten zu stehen, mich von dir herum scheuchen zu lassen, wie ein kleiner Wichser. Habe endg├╝ltig genug davon, mich von dir wie ein St├╝ck Schei├če behandeln zu lassen, endg├╝ltig genug von alldem hier!┬ź Johann machte mit der freien Hand eine alles umfassende Geste.
Die Hand mit der Waffe zitterte leicht. Vorsichtig richtete Peter sich auf, Johann trat einen Schritt zur├╝ck und folgte ihm mit der Waffe, sodass sie noch immer auf Peters Stirn gerichtet war.
┬╗Bruder, wie lange kennen wir uns inzwischen? Zehn, f├╝nfzehn Jahre?┬ź, Peter schlug einen anderen Ton an, er versuchte ihn irgendwie zu bes├Ąnftigen. Er dachte, dass hier muss nicht in einem Blutbad enden.
┬╗Ist mir schei├čegal, Peter.┬ź Er machte eine wegwerfende Handbewegung ┬╗Ich werde mich nicht mehr so von dir behandeln lassen, nie mehr!┬ź Schwei├č rann Johann ├╝bers Gesicht, seine Lippen zitterten, er war aschfahl. In Johanns Augen sah Peter Entschlossenheit, schwach, aber sichtbar. Vermutlich rang er noch mit sich. Immerhin kannten sie sich schon seit ├╝ber zehn Jahren.
┬╗Willst du mich jetzt umbringen?┬ź
┬╗Willst du mich daran hindern?┬ź
┬╗Du hast die schei├č Waffe.┬ź
Peter sah, wie Johann sich mit dem ├ärmel ├╝ber Augen und Wangen wischte, darauf hatte er nur gewartet. Peter wandte sich in einer schwungvollen Bewegung von Johann weg, packte dessen Handgelenk, drehte es so, dass die Waffe nun auf dessen Brust gerichtet war, legte automatisch seinen Zeigefinger auf den von Johann und verharrte so einen Augenblick. Sie sahen sich in die Augen. Johann war v├Âllig ├╝berw├Ąltigt von der pl├Âtzlichen Wendung und in seinen Augen war nun jegliche Entschlossenheit reiner Panik gewichen. Er keuchte, w├Ąhrend Peter ihm die M├╝ndung gegen die Brust dr├╝ckte. Peter rang sichtlich mit sich, w├Ąhrend sie in dieser Umklammerung dastanden, wie zwei Verliebte, die kurz davor waren, sich zu k├╝ssen. Peters Blick sagte, es muss nicht unbedingt so enden. Wir k├Ânnen die Sache vergessen. Ich kann dir vergeben, Johann. Doch Johanns Blick, etwas stimmte damit nicht. Es ist, als sei jegliche Entschlossenheit von ihm gewichen und h├Ątte nur noch ein leere H├╝lle hinterlassen.
Der Knall kam ├╝berraschend, wurde aber gr├Â├čtenteils von den beiden nah beieinanderstehenden K├Ârpern ged├Ąmpft. Die Waffe buckelte heftig in Peters Hand. Johann b├Ąumte sich auf und erschlaffte im n├Ąchsten Moment wieder. Beinahe h├Ątte er Peter mit zu Boden gerissen, doch dieser schaffte es noch, Johanns leblosen K├Ârper los zu lassen. Peter war sich nicht sicher, wer von ihnen beiden abgedr├╝ckt hatte. Der Ausdruck auf Johanns Gesicht war voll von Hoffnungslosigkeit und Apathie. Vermutlich hatte Johann bereits mit sich abgeschlossen und selbst den Abzug gedr├╝ckt.
Was f├╝r ein schei├č Massaker!, dachte Peter und sah auf die beiden Leichen hinab. Eine Woge von Trauer durchstr├Âmte seinen K├Ârper. Er h├Ątte Johann niemals verraten. Aber hatte Johann ihn verraten? Peter hatte es vermutet, aber sicher war er sich nicht. Hatte er Johann wirklich zu schlecht behandelt? Er hatte immer gedacht, es w├╝rde zum Dasein eines Gangsters geh├Âren, wenn man sich unter Br├╝dern beleidigte. Das taten sie in den vielen Filmen doch auch.
Dann klingelte pl├Âtzlich ein Handy - es war Johanns Handy. Er fuhr erschrocken zusammen. Er fummelte es aus der Innentasche der schwarzen Bomberjacke heraus und sah auf das Display. Wut brandete in ihm auf. Also hatte ihn sein Instinkt doch nicht getr├╝bt, Zed und Johann hatten zusammen geplant, ihn zu Fall zu bringen. Aber nicht mit Peter, Peter war ihn allen weit voraus. Niemand konnte sich mit dem Pr├Ąsidenten messen! Er trug den Titel verdammt nochmal nur zurecht! Er hatte ihn sich im Laufe seines Lebens hart erarbeitet. Wie konnte Johann ihn so hintergehen?
Er straffte sich und nahm den Anruf entgegen.
Doch anstatt nach Johann zu fragen, schien Zed genau zu wissen, wer das Handy in der Hand hielt, denn Peter wurde direkt angesprochen. Was ihn sehr ├╝berraschte.
┬╗Tut mir wirklich leid um deinen Freund, Peter┬ź, in Zeds Stimme schwang gek├╝nsteltes Mitleid mit, ┬╗aber der Idiot hat tats├Ąchlich geglaubt, ich w├╝rde mit ihm zusammenarbeiten. Schei├če, mit was f├╝r Volltrotteln du dich doch abgibst. Aber ich habe ihn nur benutzt...┬ź, er unterbrach sich oder vielleicht war auch gerade ein Funkloch entstanden, genau konnte Peter es nicht sagen, doch dann h├Ârt er Zeds Stimme wieder: ┬╗Ich meine, Schei├če, du hast gerade zwei Menschen umgebracht und um dich herum sind ├╝berall ├ťberwachungskameras, die alles aufgezeichnet haben. Was glaubst du, warum ich dich genau dort hin bestellt habe, hm? Wei├čt du, Johann hat mir eine Menge ├╝ber dich erz├Ąhlt und so habe ich geahnt, dass es einfach sein w├╝rde, dich zu einen kaltbl├╝tigen Mord zu bringen. Aber dass du auch deinen einzig wahren Freund kaltbl├╝tig abknallst, nun, das h├Ątte ich jetzt nicht gedacht - aber umso besser, so muss ich mich nicht mehr um ihn k├╝mmern, falls er irgendwelche Anspr├╝che mir gegen├╝ber erhoben h├Ątte. So habe ich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!┬ź
Peter unterbrach ihn w├╝tend. ┬╗Was redest du da, Missgeburt?┬ź
┬╗Na der kleine Wichser zu deinen F├╝├čen hatte tats├Ąchlich geglaubt, mich einfach bestehlen zu k├Ânnen, aber da hatte er falsch gedacht, denn niemand bestiehlt den gro├čen Zed, niemand!┬ź, Zed lachte schallend. Peter fluchte, nannte Zed eine Am├Âbe, einen Dorftrottel, einen Wichser und einen Hosenschei├čer. Er verlangte von ihm, sich ihm zu stellen, damit sie es wie M├Ąnner regeln k├Ânnten. Doch Zed lachte nur um so mehr.
Als Zed nicht mehr lachte, sagte dieser: ┬╗Und wie willst du das alles anstellen, Peter? Du wirst lebensl├Ąnglich im Knast schmoren! Und dabei w├╝nsche ich dir viel Spa├č! Ach, und versuche ja nicht, mich zu finden, w├╝rde dir nur leidtun.┬ź Dann war die Leitung pl├Âtzlich tot. Und Peter warf das Handy auf den Boden, wo es in tausend St├╝cke zersprang, und dann h├Ârte er die Sirenen und er wusste, dass sie ihn fr├╝her oder sp├Ąter schnappen w├╝rden, selbst wenn er jetzt abhauen w├╝rde. Er dachte wirklich dar├╝ber nach, alles hinzuschmei├čen sich einfach den Bullen zu ergeben. Denn die ├ťberwachungskameras hatten alles auf Band oder Festplatte. Kein noch so guter Anwalt k├Ânnte ihn aus dieser Sache raus hauen. Daf├╝r war das belastende Material zu stichhaltig. Doch dann sah er auf Johanns Leiche hinab und dachte wieder an seinen Ruf. Und im n├Ąchsten Moment wusste er, was zu tun war und griff nach der Waffe in Johanns Hand.
Er lie├č die beiden Leichen hinter sich und w├Ąhrend er durch Blockdiek ging, sp├╝rte er die ersten Regentropfen vom Himmel fallen. Seine rechte Hand umklammerte die Waffe mit festem Griff und seine Kn├Âchel traten wei├č hervor. Sein Gesicht war eine reglose Maske, nur in seinen Augen zeichneten sich tiefe Rachegel├╝ste ab. Regentropfen glitten Tr├Ąnen gleich ├╝ber seine Wangen und glitzerten im gelben Licht der Stra├čenbeleuchtung. Er dachte nicht an die Sporttasche mit der Pumpgun oder an die Leiche des Junkies und auch nicht an die ├ťberwachungskameras im Einkaufszentrum. Er dachte nur an Johann und an Zed und daran, was er mit Zed alles anstellen werde, sobald er ihn traf. Er ging die Ludwig-Roselius-Allee entlang. Neben ihm das anschwellende und wieder abnehmende Rauschen des abendlichen Verkehrs. Der Regen wurde st├Ąrker und die Tropfen h├Ąmmerten wie kleine Schl├Ąge auf ihn ein, durchn├Ąssten seine Kleidung, die von mal zu mal schwerer wurde. Die Sirenen kamen n├Ąher.
Sie kamen von Osten und er bewegte sich direkt auf sie zu. Sein Gef├╝hl sagte ihm, dass er, wenn er Zed finden m├Âchte, er nun nach links in die Wuppertaler Stra├če abbiegen m├╝sste, weg von der Stra├če und wieder rein ins Wohngebiet. Er folgte dem Stra├čenverlauf bis sich die Stra├če gabelte. Rechts von ihm, dort wo die Wuppertaler Stra├če in die Remscheider Stra├če m├╝ndete, standen zwei M├Ąnner, die auf jemanden zu warten schienen und rauchten. Sie unterhielten sich und lachten ├╝ber etwas, doch Peter bekam nur Bruchst├╝cke davon mit. Instinktiv wusste Peter, dass die zwei zu Zeds M├Ąnnern geh├Ârten. Das gab es keinen Zweifel. Mit gez├╝ckter Waffe ging Peter mit energischen Schritten auf die beiden zu. Sie bemerkten ihn erst, als er nur noch zwei Meter von ihnen entfernt war. Er hob die Waffe und richtete sie auf den kleineren der beiden. Beide waren v├Âllig ├╝berrumpelt. Der Kleinere klapperte mit den Z├Ąhnen und der andere - ein wahrer H├╝ne von einen Menschen - hob die H├Ąnde.
┬╗Oh mein Gott, was wollen sie? Wollen sie unser Geld?┬ź, wollte der Kleinere von Peter wissen.
┬╗Wo ist Zed?┬ź, antwortete Peter ohne auf die Frage zu reagieren und dr├╝ckte dem Zwerg die Waffe gegen die Stirn.
┬╗Welcher Zed?┬ź, fragte der Kleine sichtlich ├╝berrascht.
┬╗H├Âr auf mich zu verarschen, du kleine Missgeburt! Und jetzt sag mir wo Zed ist!┬ź
┬╗Schei├če, ich kenne keinen Zed! Ich schw├Âr\'s!┬ź
┬╗Willst du mich etwa f├╝r dumm verkaufen?┬ź, Peter spannte den Hahn, bis dieser einrastete. Das Ger├Ąusch war ungew├Âhnlich laut und klang, als lie├če jemand seine Handkn├Âchel knacken.
┬╗Ich kenne wirklich keinen Zed. Verdammt, Marco, sag du auch mal was!┬ź, mit Marco war der H├╝ne gemeint, dieser hatte sich w├Ąhrend der gesamten Zeit weder ger├╝hrt noch irgendeinen Ton von sich gegeben. Sondern stand nur zitternd im Regen. Haare und Klamotten v├Âllig durchn├Ąsst.
┬╗Sebastian hat recht, wir kennen keinen Zed!┬ź, sagte Marco stotternd.
┬╗Noch eine L├╝ge von dir oder von dir, und ich blas euch beiden euer schei├č Hirn weg!┬ź
Peter senkte die Waffe und zielte damit auf Marcos Kniescheibe - dann dr├╝ckte er ab. Der Schuss zerriss die Stille und das Projektil sprengte Kniescheibe in St├╝cke, Blut klatschte zu Boden. Schreiend brach Marco zusammen. Sebastian hatte ebenfalls laut aufgeschrien und zu flennen angefangen. Marco kr├╝mmte sich vor Schmerzen. Peter sah, dass Sebastian sich eingen├Ąsst hatte. Oder war das nur der Regen? War auch egal, er musste jetzt erfahren, wo Zed ist.
Peter packte Sebastian am Kragen und zog ihn zu sich hoch, damit dieser ihm direkt in die Augen sehen konnte. Sebastians Augen schwammen in Tr├Ąnen, wahre B├Ąche der salzigen Fl├╝ssigkeit rannen ├╝ber seine ger├Âteten Wangen. Peter hielt Sebastian den Pistolenlauf unters Kinn.
┬╗Wenn du mir nicht augenblicklich sagst wo ich Zed finde, stirbt dein Freund!┬ź
┬╗Bitte, lassen sie ihn doch in Ruhe. Wir kennen keinen Zed und wir haben ihnen auch nichts getan! Ich schw├Âre, dass wir keinen Zed kennen!┬ź, er wimmerte und seine Z├Ąhne klapperten wild aufeinander, wie bei diesen aufziehbaren Gebissen mit Beinen.
Peter warf den Knilch unsanft zu Boden, dann richtete er die Waffe auf den noch immer am Boden liegenden H├╝nen. Er hatte seine Knie mit beiden H├Ąnden umklammert und wand sich am Boden. ┬╗Wo ist Zed?┬ź Beide kr├╝mmten sich wie die W├╝rmer. Aber er bekam keine Antwort. Er dr├╝ckte dreimal auf Marcos Gesicht ab. Die Sch├╝sse waren ohrenbet├Ąubend. Marco hatte nicht mehr die Chance gehabt, noch irgendwas zu seiner Verteidigung zu sagen. Sein Gesicht hatte sich in unf├Ârmige Masse aus Fleisch, Blut und Teile seines Gehirns verwandelt. Etwas davon war Sebastian ins Gesicht gespritzt. Sebastian stand tierisch unter Schock. Er schrie und bettelte um sein Leben und wischte immer wieder ├╝ber sein Gesicht, um es von Marcos Blut zu befreien. Er bat Peter, ihn um Himmels Willen nicht zu erschie├čen. Er w├╝rde alles tun, nur bitte, er wolle noch nicht sterben. Er erz├Ąhlte Peter von seinen drei Kindern, die angeblich schon die Mutter verloren hatten und nicht auch noch den Vater verlieren durften. Er flehte und bettelte und packte den Rest seiner Hoffnung in diese mitleiderregende Geschichte. Peter konnte sich den Mist nicht mehr l├Ąnger anh├Âren und schoss Sebastian zweimal in den Kopf. Nachdem die Sch├╝sse verhallt waren, setzte augenblicklich Stille ein. Allein Peters Atmen und das Rauschen des Windes und das der Autos waren noch zu h├Âren. Peter stand da, genoss diese Ruhe. Er wusste, dass es sich dabei um die Ruhe vor dem Sturm handeln w├╝rde.
Aber er war bereit, hatte sich gut genug auf den Tornado vorbereitet - nun konnte er kommen! Doch pl├Âtzlich verzog sich sein Magen, als h├Ątte sich ein eiserner Griff darum gelegt. Etwas schien seinen Magen geradezu auszuquetschen und er sp├╝rte, wie sich sein gesamter Mageninhalt einen Weg nach oben bahnte. Peter kr├╝mmte sich zusammen, als h├Ątte er gerade einen heftigen Schlag einstecken m├╝ssen, dann schoss es nur so aus ihm hinaus. Er ├╝bergab sich so lange, bis er nur noch Galle spuckte. Die Waffe hatte er neben sich fallen lassen. Sein gesamter K├Ârper war in Schwei├č gebadet und zitterte Espenlaub. Er musste durchhalten, durfte jetzt schlapp machen. Er musste es irgendwie zu Zed schaffen. Auch wenn er nicht wusste, wie. Er versuchte wieder auf sein Gef├╝hl zu vertrauen, denn er sp├╝rte, dass Zed hier irgendwo in der N├Ąhe war. Zed war hier irgendwo und wartete auf ihn. F├╝r die letzte gro├če Schlacht.
Er hatte soeben seine Reinigung durchgemacht, hatte sich von all dem Schmutz befreit. Er f├╝hlte sich besser, fast wie neugeboren. Er schaute zu den beiden Leichen. Dann schloss er die Augen und betete f├╝r ihre armen Seelen. Und auch f├╝r seine und f├╝r Johanns betete er. Denn er wusste, wenn das hier vorbei war, w├╝rde er entweder tot sein oder f├╝r sehr lange Zeit im Gef├Ąngnis sitzen. Aber damit f├╝hlte er sich nicht mehr schlecht, im Gegenteil. Ihm wurde klar, dass das nun sein Schicksal sein w├╝rde. Er war diesen Weg gegangen und er w├╝rde ihn auch bis zum bitteren Ende weiter gehen. Er war bereit! Und das br├╝llte er auch in die Nacht hinaus! Der Regen hatte inzwischen schon aufgeh├Ârt und ├╝berall brach sich das Licht der Stra├čenlaternen auf dem nassen Asphalt. Die Luft war nun auch reingewaschen, so wie er es auch war. Dann wurde es pl├Âtzlich taghell um ihn herum. Ein Scheinwerferpaar durchschnitt die Nacht.
Das gleichm├Ą├čige R├Âhren eines Automotors war zu h├Âren. Peter drehte sich zu dem ankommenden Wagen um. Dieser bog gerade in die Remscheider Stra├če ein. Peter erkannte den Fahrer des Wagens auf Anhieb. Es war Zed pers├Ânlich und neben ihm sa├č eine gutaussehende Frau in den Zwanzigern. Das Gute war, dass Zed ihn nicht gesehen hatte, denn Peter war - seinem Instinkt folgend - rechtzeitig hinter einer Hecke in Deckung gegangen, vorher hatte er sich noch schnell seine Waffe geschnappt. So konnte er zwar den Wagen, sowie Fahrer und Beifahrer gut erkennen, aber sie nicht ihn. Peters K├Ârper spannte sich j├Ąh an. Der Wagen parkte auf einen der Parkpl├Ątze, dann ging der Motor aus und die beiden stiegen aus. Zed hatte einen massigen K├Ârper und einen kleinen, kahlgeschorenen Kopf. Er trug einen silbernen Anzug aus einem reflektierenden Stoff. Die Frau hatte dunkles Haar, das sich in gro├čen Wellen um ihre Schultern schmiegte. Sie trug ein blutrotes Cocktailkleid und gleichfarbige Stilettos. Die Frau hatte die Leichen als erstes gesehen und lie├č einen schrillen Schrei los. Sie deutete immer wieder zu den Leichen und schrie Oh mein Gott, oh mein Gott! Nun hatte Zed die Leichen ebenfalls bemerkt. Er bedeutete ihr, beim Wagen zu bleiben und die Polizei zu rufen. Er w├╝rde mal gucken, ob vielleicht doch noch einer von den beiden lebte. Die Frau sagte so etwas wie: pass ja auf dich auf, Liebling! Er sagte, klar doch.
Zed zog eine Waffe hinten aus dem Hosenbund und hielt sie mit beiden H├Ąnden fest. Peter sah, dass Zeds korpulenter K├Ârper sich unglaublich flink bewegte. Einen Meter vor den Leichen blieb er stehen und presste sich den Handr├╝cken an den Mund. Er sah aus, als w├Ąre ihm schlecht. Peter sa├č hinter der Hecke und beobachtete jede von Zeds Bewegungen. Die Frau rief: Die Bullen sind unterwegs! Er fragte sie, ob auch ein Krankenwagen k├Ąme und sie best├Ątigte es. Zed hatte scheinbar genug Leichen f├╝r diesen Abend gesehen und wandte sich wieder ab. Peter nutzte diesen Moment. Er sprang ├╝ber die Hecke und br├╝llte Zeds Namen. Die Waffe hatte er auf ihn gerichtet. Zed drehte sich j├Ąh um und erstarrte beim Anblick der Waffe.
┬╗Schei├če, was soll...┬ź, dann brach er ab und Erkennen flammte in seinen Augen auf. Er hatte Peter erkannte und wurde daraufhin aschfahl.
┬╗Weg mit der Waffe, Fleischklops!┬ź, befahl Peter und Sekunden sp├Ąter fiel Zeds Waffe klappernd auf den Asphalt.
Zeds Begleiterin fragte, ob alles okay sei. Doch sie musste noch zwei Mal nach Zeds Namen rufen, bevor er ihr best├Ątigte, dass alles cool sei. Dann sagte er ihr, sie solle schon mal nach oben in die Wohnung gehen, er w├╝rde gleich nachkommen. Sie wollte gerade Widerspruch einlegen, doch Zed befahl es ihr in einem Ton, der unmissverst├Ąndlich klar machte, wer hier das Sagen hatte. Sie gehorchte. Und w├Ąhrend der gesamten Zeit hatte sie sich nicht ein einziges Mal aus den Augen gelassen. Sie warteten, bis Zeds Schnalle davon gedackelt war. Nachdem das Klappern ihrer Stilettos verklungen war, trat wieder Stille ein. Sie waren jetzt ganz allein, nur sie beide. Darauf hatte Peter seit vier Tagen gewartet, und nun endlich war es soweit. Endlich w├╝rde seine Stunde schlagen. Auf Zeds Stirn hatten sich winzige Schwei├čtropfen gebildet und Peter sah, dass Zeds erhobene H├Ąnde zitterten. Peter kam auf Zed zu, bis sie nur noch zwei Meter voneinander getrennt waren. In Peters Ohren rauschte das Blut, Adrenalin pumpte durch seine Venen.
Zed deutete mit dem Kopf zu den beiden Leichen.
┬╗Das warst du, stimmt\'s?┬ź
┬źUnd wenn schon!┬ź, blaffte Peter.
┬╗Ach, Peter. Wieso m├╝ssen so viele Unschuldige sterben? Oder haben sie dich etwa beleidigt?┬╗
┬╗Halt deine Fresse!┬ź
┬╗Was willst du, Peter? Willst du, dass ich mich bei dir entschuldige? Oder willst du mich wie einen r├Ąudigen K├Âter hier mitten auf der Stra├če abknallen? So wie diese beiden armen Typen. Worum gehtÔÇÖs dir? Geht\'s dir um die Drogen?┬ź
┬╗Darum geht es mir schon lange nicht mehr! Ich bin hier, um meinen Ruf wiederherzustellen!┬╗
┬╗So so. Deinen Rufen.┬ź
Zed ergriff er wieder das Wort, weil er jetzt begriffen hatte.
┬╗Ach, du dachtest, die geh├Ârten zu mir, und als sie dir nicht gesagt haben, wo ich stecke, hast du sie einfach erschossen. Schei├če, Peter, ich kenne diese Kerle nicht mal, und ich hatte echt gedacht, du h├Ąttest mehr Grips als dein toter Freund!┬╗ Zed lachte bitter.
Peter war v├Âllig aus dem Konzept geraten. Er dachte, Zed w├╝rde um sein Leben flehen und betteln. Doch wie es aussah, verh├Âhnte er Peter nur, zog ihn regelrecht auf. Hielt ihn allen Anschein nach f├╝r dumm. Aber Peter war ja nicht dumm, im Gegenteil, er war der gottverdammte Pr├Ąsident und das w├╝rde dieser Saftsack jetzt zu sp├╝ren bekommen.
┬╗Noch ein Wort aus deiner stinkenden Fresse und du bist Fischfutter!┬╗ Peter trat drohend einen Schritt auf Zed zu, doch dieser r├╝hrte sich kaum. Peter war klar, dass dieses gro├čspurige Verhalten nur aufgesetzt war, denn er konnte deutlich erkennen, dass Zed zitterte. Und auch den Schwei├č auf seiner Stirn konnte er deutlich sehen, Schei├če, er konnte Zeds Gedanken, seine Angst, seine Abgespanntheit und s├Ąmtliche andere Gef├╝hle sehen, lesen und f├╝hlen. Verflucht, dachte Peter, es war, als stecke er in Zeds K├Ârper und sp├╝re dessen Panik. Dann begriff Peter, dass Zed ihn m├Âglicherweise nur hinhalten wollte, solange, bis die Bullen da sind. Peter konnte nicht mehr warten, er musste handeln, jetzt!
┬╗Schei├če, mir schlafen gleich die Arme ein. Sagst du mir heute noch, was du mit mir vor hast, oder k├Ânnen wir das auf Morgen verschieben?┬╗ Peters Wut explodierte. Dieser miese kleine Fettsack machte sich doch tats├Ąchlich ├╝ber ihn lustig! Er nahm ihn gar nicht ernst.
Er sah, wie Zed langsam die H├Ąnde wieder runter nahm. Peter glaubte nicht, was er da sah.
┬╗Was soll das wer....┬ź, setzte Peter an und dann sah und h├Ârte er es auch. Alles um zu sie herum war nun in wild zuckendes Blaulicht geh├╝llt und die Sirenen der zwei Streifenwagen, die gerade ankamen, waren deutlich zu h├Âren. Im n├Ąchsten Moment sah er, wie Zed die Pistole vom Boden hob und zum n├Ąchsten Gulli ging - dort lie├č er die Waffe hineinfallen. Peter war wie vom Donner ger├╝hrt. Er konnte sich nicht bewegen. Er hatte es vermasselt. Um ihn herum wurde geredet, Befehle wurde gegeben. Auch er wurde angesprochen. Doch Peter reagierte nicht. Vorsichtig wurde ihm die Waffe aus der Hand genommen. Dann wurden seine H├Ąnde auf den R├╝cken gedreht und er bekam Handschellen angelegt. Zed drehte sich zu ihm und verzog seine Lippen zu einem sp├Âttischen Grinsen, dann verschwand er. Ein Polizist kl├Ąrte Peter ├╝ber seine Rechte auf. Sie gingen ziemlich grob mit ihm um, als sie ihn zu einem der beiden Streifenwagen f├╝hrten. Aber er bekam von all dem kaum etwas mit. Er musste immerzu an seinen fehlgeschlagenen Racheplan denken, daran, dass sein Ruf nun v├Âllig dahin war. Die Polizisten setzten ihn auf die R├╝ckbank des einen Streifenwagens und w├Ąhrend Peter so dasa├č und auf die Szene dort drau├čen starrte, sagte er im Fl├╝sterton: ┬╗Aber ich bin doch Tony Montana, ihr k├Ânnt mich nicht einfach festnehmen. Ich bin doch der Pr├Ąsident.┬ź

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