Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
327 Gäste und 21 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Alltag
Eingestellt am 16. 03. 2006 16:41


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
masi
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2006

Werke: 8
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um masi eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Auf einer gr├╝nen dreckigen Bank,
Schwer zu sagen, wie dreckig, wie gr├╝n,
Sa├č Frau M├╝ller und trank,
Sie sah aus, als w├╝rde sie sich bem├╝hÔÇÖn.

Mit hocherhobenem Haupt,
Trinkt sie Schluck f├╝r Schluck,
Da kommt ein Manne und raubt
Ihr die Tasche und den Schmuck.

Wie das? fragt Frau M├╝ller erstaunt,
Der Mann bleibt stehen
Und mit freundlicher Stimme raunt
Er schnell: Verzeih, doch ich muss gehen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Svalin
???
Registriert: Sep 2000

Werke: 68
Kommentare: 695
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Svalin eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo masi,

Du schreibst u.a.: "Sie sah aus, als w├╝rde sie sich bem├╝hÔÇÖn." Das scheint mir auf den Text auch zuzutreffen: er wirkt (gerade durch seine Reimform) sehr bem├╝ht, dem Leser etwas Besonderes zu vermitteln:

quote:
Mit hocherhobenem Haupt,
Trinkt sie Schluck f├╝r Schluck,
Da kommt ein Manne und raubt
Ihr die Tasche und den Schmuck.
Hier scheint eine wohlhabende Alkoholikerin auf einen R├Ąuber zu treffen, der sein Opfer duzt ("Verzeih"). Falls eine solche Konstellation tats├Ąchlich jemals zustande gekommen ist, w├Ąre sie sehr ungew├Âhnlich und gerade nicht allt├Ąglich. Diese absurde Konstruktion macht stutzig: verwirrt.
Manchmal sagt man, ein Text w├Ąre gut, wenn er den Leser zum Nachdenken oder Mitempfinden bringt. Seltsamerweise scheint ihm das auf Schleichwegen zu gelingen. Quasi im Vor├╝bergehen raubt einem der Text jede rationale Handhabe und eh man sich versieht, sitzt man da und fragt sich wie Frau M├╝ller: "Wie jetzt?" Ziemlich raffiniert Ich f├╝rchte nur, dass es darum eigentlich nicht ging, oder?

Viele Gr├╝├če
Martin

__________________
Lyrik ist Logop├Ądie im Zeitalter der Sprachlosigkeit. [Alexander Eilers]

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es hat ein wenig der Surrealit├Ąt der Poetik von Charms.
Die sprachliche Gestaltung unterstreicht das.

Es ist eine absurde Komik im Gedicht.

Gut gelungen der Wechsel von der Vergangenheitsform zur Gegenwartsform.

Gef├Ąllt mir gut.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


masi
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2006

Werke: 8
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um masi eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich m├Âchte niemandem sagen, wie er das Gedicht zu verstehen hat, das ├╝berlasse ich ganz alleine dir, Svalin. Allerdings sage ich gerne, wie ich es gemeint habe: das mit der wohlhabenden Alkoholikerin hast du v├Âllig richtig erkannt. Das mit dem Dutzen erschien mir irgendwie besser, darum habe ich mich daf├╝r entschieden. Ich gebe dir jedenfalls recht, dass die ├ťberschrift nicht so geschickt gew├Ąhlt war, denn allt├Ąglich ist die Situation nicht, das stimmt wohl.

Und allgemein m├Âchte ich mich schnell f├╝r das Lob bedanken. Freut mich, wenn es euch gef├Ąllt. Sch├Ânen Abend noch, Masi

Bearbeiten/Löschen    


noel
???
Registriert: Dec 2002

Werke: 180
Kommentare: 768
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um noel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
gef├Ąllt


der erste absatz
passt zur ├╝berschrift


ich finde dieses kleine absurdistan gut gestaltet

     durch den wechsel von absatz 1 zu absatz 2,
     der durch den tempiwechsel unterstrichen wird,
     wird man geschickt von der allt├Ąglichen situation
     zur absurden wendung geleitet

     die bank, ort ihres sein, ist gr├╝n (wie wei├č man nicht)
     & dreckig (wie wei├č man nicht)
     bilder, die ├╝bertragen f├╝r die frau m├╝ller, meier,
     schmidt stehen, ihr noch hoffnungsnahes dasein
     trotz des dreckes, ist der hals gereckt, mensch
     bem├╝ht sich

     klasse dann, dass irgendein mann kommt
     der sie um hab & gut bringt
     auch hier die ├╝berleitung durch das verwendete
     personalpronomen
     was ihn auszeichnet, dass er `freundlich um verzeihung┬┤
     bittet. f├╝r mich ein ringschluss zu dem beginn, der
     dreckig doch noch gr├╝nen bank


noel
__________________
┬ę noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ┬ęnoel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizit├Ąt, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!