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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alltagsgrau mit Farbklecks
Eingestellt am 15. 11. 2002 00:34


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cyberdiver
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2002

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weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, grau, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß, schwarz, weiß.

Warum vergißt man den Namen jenes Menschen mit roter Krawatte, dem man immer am Morgen eines jeden Donnerstages im Stiegenhaus begegnet, seit zehn Jahren, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr, nicht jedoch an Feiertagen, immer mit roter Krawatte, nicht immer derselben aber immer einer Roten, den man immer mit der selben standardisierten Formel begrüßt: "Guten Morgen" und immer den selben Gruß erwidert erhält: "Guten Morgen".

Nie ist und war es eine über diese zweiundzwanzig Buchstaben hinaus gehende Konversation. Dennoch war diese Konversation immer mit vornehm betonter Reserviertheit geführt, sie war eine ehrliche aber mit verpflichtendem Lächeln geführte Begegnung.

Warum vergißt man ihn, den Namen? Vergißt man nur einen Namen?

Vergißt man vielleicht noch etwas anderes, etwas, dass man nicht sofort merkt, nicht merkt dass etwas nicht da ist, einfach nicht existiert?

Oder ist es etwas, was nicht wirklich wichtig ist und auch nicht wichtig war und jemals sein wird, etwas, dass man sich nicht merken muß - eine 'Luxus-merkung'?

Als ich an dem Morgen, eben diesen Donnerstagmorgen aus dem Haus ging, war es kein Donnerstagmorgen wie immer, aber das weiß man im Vorhinein nicht, es war auch kein Feiertag, das stand fest.

Herr Strake - jetzt war mir der Name wieder eingefallen, jetzt sah ich auch in gedanklich grauen Umrissen seinen Namen auf dem Klingeltableau unseres Wohnhauses, zwanzig Wohneinheiten, erleichtert, durchatmend, lösend das mir dieses Detail wieder eingefallen war - ging mit raschem, ausholendem Schritt, wie immer, den Eindruck eines Flüchtenden erweckend auf die Ausgangstür zu, stieß diese mit einer leicht betonten aber sehr bedachten und fast manieristisch wirkenden Armbewegung auf, machte einen großen Schritt hinaus und entschwand meinen zugegebener Weise nicht wirklich aufmerksamen Blicken.

Aufmerksamkeit erweckte Herr Strake nicht, nein, nicht er, er der sowieso kaum Aufmerksamkeit erweckte, war lediglich wieder einmal mehr nur Anlass für etwas, was er zu oft schon gewesen war und nicht sein wollte: Objekt, Anlass, aber nicht Gegenstand.

Als ich aus der Tür trat, war er nicht mehr zu sehen.

Bis zu meinen Wagen musste ich ein paar Schritte gehen, im darauf Zugehen fiel mir noch die zertretene Coladose am Bordsteinrand auf, sie erzeugte Aufmerksamkeit, das wirklich einzigartige Rot der Coladosen, die bizarren Knitterformen der Farbe an den Quetschfalten des Aluminiumbleches wirkten im Vorbeigehen wie ein unbekannter Nitsch der auf seinen Entdecker wartete.
Der Wagenschlüssel drehte sich, leicht wie immer, im Schloss der Wagentür und die Elektromechanik des Fahrzeuges erzeugte daraufhin das vertraute, fast akkordhaft scharf klingende Geräusch des Entriegelns der Zentralsperre. Ich öffnete die Wagentür, stieg ein.

Ich nahm mir vor ihn nächsten Donnerstag zu fragen, wie es ihm ging.

__________________
..it's me the cyberdiver

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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hm,

zu DDR-zeiten hätte man auf die geschichte vielleicht geantwortet: Ein guter schritt vom ich zum wir. nee, ohne quark, deine geschichte gefällt mir. freunde hat man nie zuviele, aber an feinden reicht schon einer, um zu viel zu sein. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Doch, ja! Gefällt mir auch!
Was mir besonders gefällt - die Klammer von der Krawatte zur Coladose - das Immer-Gleiche und das Einzigartige.
Alltagsgrau mit Farbklecks. Sehr treffend!
Ich finde die Geschichte allerdings stellenweise sprachlich überspannt.
>...jetzt sah ich auch in gedanklich grauen Umrissen seinen Namen auf dem Klingeltableau unseres Wohnhauses, zwanzig Wohneinheiten, erleichtert, durchatmend, lösend das mir dieses Detail wieder eingefallen war<

Das mußte ich dreimal lesen. Wer atmet da erleichtert durch - der Name? Das Klingeltableau? die zwanzig Wohneinheiten? Mir schríeb mal eine der Lektorinnen hier in der Lupe: "Benutze keine Gerundien, die verstehen die Leser nicht." Diese hier sind wirklich unverständlich.

Dann verstehe ich auch den einleitenden Absatz nicht und weiß nicht, was ein unbekannter Nitsch ist.

Aber sonst gefällt mir die Geschichte wirklich! Besonders gelungen sind die sinnlichen Effekte - die Beschreibung der Coladose, das Geräusch der Zentralverriegelung... Vielleicht läßt es sich ja sprachlich noch ein wenig entfalten?

lG, Zefira

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