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Leselupe.de > Kurzprosa
Alltagsheldin
Eingestellt am 07. 10. 2009 08:53


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Marc Freund
AutorenanwÀrter
Registriert: Jul 2009

Werke: 5
Kommentare: 31
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„Meine Fresse, was geht mir die Alte auf den Sack!“
Die Frau mit dem Kopftuch hat ihn nicht gehört. Ihre weißen Finger umkrampfen den Griff des Staubsaugers. Anstelle von Gold sucht sie Dreck, der fĂŒr sie genauso viel wert ist.
Ihre Augen haben einen Blick dafĂŒr entwickelt. Und sie wĂŒrde noch das Logo aus dem teuren Firmenteppich saugen, nur damit man erkennt, dass sie ihre Arbeit grĂŒndlich macht. Denn grĂŒndlich heißt gut. Und wer gut ist, darf bleiben. Diesen Satz hat sie einmal aufgeschnappt und daran hĂ€lt sie sich.
Der Mann am Computer fÀngt an, sich demonstrativ die Ohren zuzuhalten.
Wenn sie ahnt, dass sie hier nicht erwĂŒnscht ist, lĂ€sst sie es sich nicht anmerken. Mit dem Sauger nimmt sie die KrĂŒmel auf, die andere hinterlassen haben und leert nebenbei die MĂŒlleimer.
Multitasking.
Sie weiß nicht, was das heißt, vermutet aber, dass es damit zusammenhĂ€ngt, möglichst viele Dinge gleichzeitig und gut zu erledigen.
So gewinnt sie Zeit. Und doch werden die wertvollen Minuten nicht reichen, um ihre Kinder heute Abend noch zu sehen, bevor sie schlafen gehen.
Sie stellt ihr ArbeitsgerÀt, ihren Helfer und Partner auf die maximale Saugleistung, um den letzten Schmutz des Tages zu beseitigen.
Sie nickt dem Mann am Computer freundlich zu, zieht den Stecker und macht sich auf den Weg in die nÀchste Etage.

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @marc,

diesmal ist klipp und klar, was gemeint ist, und man muss nicht kreuzwortrÀtseln, wer was macht und warum. routiniert und gut geschrieben!

was mir nicht so sehr gefĂ€llt, ist dein impetus. der erzĂ€hler versteht sich offenbar als gutmensch, der im gegensatz zu dem unter den staubsaugergrĂ€uschen leidenden sofort erkennt, was fĂŒr ein armes hascherl die putzkolonnen-angestellte doch ist.

dass der typ vor dem terminal genauso ausgebeutet sein könnte wie die mutti mit dem sauger, und dass er sich die ohren nur deshalb zuhĂ€lt, weil er wegen des lĂ€rms nicht weiterkommt mit dem mist, an dem er gerade zu schaffen hat, wird nicht in den bereich des möglichen gerĂŒckt. dabei lĂ€ge es doch eigentlich nahe.

wie's der teufel will, hab ich mich gestern mit danny unterhalten. danny kommt aus barbados, hat er mir erzĂ€hlt: "hey man, ich bin ein insel-man!". er gehört zu der truppe, die mir das bĂŒro sauber hĂ€lt und die fenster putzt. er macht nebenbei reggae, sagt er, und dass er von seiner mutter gelernt habe, dass man nie eine frau heiraten dĂŒrfe, die man selber liebe. "Sondern nur eine, von der man geliebt wird!"

probleme mit den leuten, bei denen sie putzen, hĂ€tten sie nicht, erzĂ€hlt er. ganz im gegenteil. die eigentlichen arschlöcher wĂ€ren die chefs der putztruppen. und die bullen. fĂŒr die wĂ€ren sie wie dreck und wĂŒrden auch so behandelt. danny ist seit 19 jahren in europa und hat zwei kinder von sieben verschiedenen frauen, eine davon sitzt in london. seine rasta-locken stopft er unter eine riesige, buntgestrickte mĂŒtze, wenn er arbeitet. die sieht fast aus wie ein globus. sein tschechischer kollege sagt, dass er da drin seine tĂŒten versteckt, und lacht meckernd wie ein ziegenbock.

ich weiß nicht, lieber @marc, was du fĂŒr erfahrungen mit putztruppen hast - mir scheinen sie immer als menschen wie du und ich: sie tun gottseidank auch nur das, was unbedingt notwendig ist.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Open Mike
Guest
Registriert: Not Yet


quote:
"Meine Fresse, was geht mir die Alte auf den Sack!“
FĂŒr mich der Höhepunkt dieser Geschichte.

Nicht dass es danach rasant abwĂ€rts ginge, nein, stattdessen wird lediglich aufgeklĂ€rt: ĂŒber das Wo und Warum, bis hin zu einer Art TĂ€terprofil.

om

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