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Leselupe.de > Science Fiction
Almorosa und ihr Karl
Eingestellt am 20. 10. 2001 00:27


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nannaog
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Almorosa grummelte. Almorosa grummelt immer. Sie wuselt hin und wuselt her und grummelt die ganze Zeit vor sich hin.
Sie schafft Dinge, von denen nur sie selber weiß, wozu sie nĂŒtzen können, von der einen Ecke ihrer HĂŒtte in die andere. Von dort wiederum nimmt sie genauso undefinierbare GegenstĂ€nde und trĂ€gt sie unter Ă€chzen in den nĂ€chsten Winkel. Sie stĂ¶ĂŸt sich an einer Tischkante und hatte einen neuen Grund, in ihren recht beachtlichen Alt-Weiber-Bart zu brabbeln: „Warum mĂŒssen diese Ecken so eckig sein, schon wieder ein blauer Fleck, kann man Tische nicht einfach rund bauen, wie BaumstĂ€mme, die sind doch auch rund, und niemand kann sich dran stoßen......“
Sie ging mit schweren Schritten nach draußen und grummelt nun ĂŒber das Draußen.
Der kleine vertrocknete Zweig, der am Boden liegt wird angegrummelt, der Wind natĂŒrlich auch und die Sonne sowieso. Was sonst, da der Regen gerade nicht zur VerfĂŒgung stand?

Könnte ein Fremder, den es durch Zufall an dieses Ende der Welt verschlagen hat, die Alte beobachten, er hielte sie fĂŒr ein seniles Weib, das SelbstgesprĂ€che fĂŒhrt.
Aber kein Fremder dieser Welt wĂŒrde Almorosa beobachten können, ohne das sie es wĂŒsste. Das wĂ€re ja auch noch schöner!
Noch bevor irgendein Lebewesen ĂŒberhaupt die Möglichkeit hĂ€tte, zu entdecken, dass hinter dem Wald und hinter dem GestrĂŒpp und der großen Wiese, kurz vor diesen massiven Felsen ein Mensch (na ja, immerhin sieht sie aus wie einer) haust, wĂŒsste das alte Weib, das jemand auf dem Weg zu ihr ist.
Und ehe dieses unachtsame Wesen sie erblicken könnte, wĂŒrde sie ihren Karl, der an der Hauswand gelehnt vor sich hin döste, mit fester Hand packen, ihn durch die Luft wirbeln und ein Gekreische von sich geben, dass dem armen Wanderer himmelangst wĂŒrde.

„Ach jaaa,“ denkt Karl sehnsĂŒchtig, „ das wĂ€re mal eine Abwechslung!“
Nun ist Karl zwar noch viel Ă€lter als Almorosa selber, aber so ein Spaß ab und an, der wĂŒrde ihm schon gefallen.

Schon als Karl ein kleiner Trieb an einem sehr großen Baum war stand fĂŒr ihn fest: „ Ich bin fĂŒr die Ewigkeit bestimmt!“ Und nichts und niemand konnte ihn von dieser Überzeugung abbringen.
In seinen jungen Jahren brachte er die großen Äste in schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit zur Verzweiflung, in dem er vor allen Anderen Knospen trieb.
Immer und immer bekam er zu hören: “Es ist zu frĂŒh. Es ist zu frĂŒh. Es könnte Frost geben. Es könnte Frost geben. Die Knospen werden erfrieren... „
Bei solchen Erinnerungen muss Karl immer ganz vertrÀumt vor sich hin schmunzeln.
SpĂ€ter, nun schon selber ein starker Ast am Großen EhrwĂŒrdigem Baum, unterhielt er sich oft mit den kleinen Zweigen und erzĂ€hlte ihnen, was er alles in seinem zweiten Leben anfangen wĂŒrde. Nein, er wĂŒrde nicht einfach alt und trocken vom Baum fallen, nachdem er schon viel zu lange ohne ein schönes Kleid hatte bleiben mĂŒssen. Er wĂŒrde ein edleres Schicksal erfahren! Er wĂŒrde von einem Menschen entdeckt werden! Dieser Mensch wĂŒrde etwas aus ihm machen: einen Bogen vielleicht, einen wunderschönen.
Karl hatte Geschichten von Bögen gehört, und wusste, dass nur ganz besondere Zweige dafĂŒr genommen werden. Oder er wĂŒrde ein Wanderstock werden. Oh ja, ein schön geschnitzter, reich verzierter und vielleicht sogar buntbemalter Wanderstock! Dann wĂŒrde er herumkommen in der Welt! Land und Leute sehen! Was wĂŒrde das fĂŒr ein Leben sein!
Die Alten schimpften ihn dafĂŒr. Wie kann er nur solch ein wurmstichiges GeschwĂ€tz von sich geben! Und ĂŒberhaupt: was ist unehrenhaft daran, zu Boden zu fallen um dort ins ewige Dunkel einzugehen auf das es neuen Boden gebe! Er setze den jungen Trieben nur Flausen ins Ohr! Er solle aufhören damit!
Die weniger Strengen lachten ihn aus: Euer Hochwohlgeboren wird nicht nur einfach ein Stab! Er wird der König der StÀbe! Und er bekommt so ein glitzerndes Etwas angesteckt. Eins von den Dingern, wie es die Elstern heimbringen!
Karl wurde dann immer ganz aufgeregt. Etwas GlÀnzendes, ja das wÀre noch fantastischer!

Almorosa aber hatte keinen Grund den alten Karl durch die Luft zu schwingen um ungebetene Eindringlinge zu verscheuchen.
Hier war alles wie immer: Der Wald war an seinem Platz, die StrÀucher und GrÀser ebenso. Alles was es an Getier gab, war ihr bekannt. Alles war in Ordnung. Auch der Felsen war, wo er hingehörte.
Ihre HĂŒtte kauerte sich seid Jahr und Tag an die mĂ€chtige Felswand. Schon oft hatte Almorosa in die Höhe geblickt und vor sich hin gemurmelt: „ Irgendwann, irgendwann fĂ€llt mir was von dort oben auf` s Dach. Aber dann! Dann wirst du mich kennen lernen, du oller Klotz!“

Der große, mĂ€chtige Granitkoloss war der einzige, auf den sie sich nicht verlassen konnte und alles was spĂ€rlich darauf wuchs, hielt felsenfest zu ihm.
Die Tiere, die Pflanzen und selbst der Wind und der Regen brachten ihr Neuigkeiten, der Felsen jedoch war nicht sehr gesprĂ€chig. Deshalb traute sie ihm nicht. Deshalb hatte sie einen Heiden-Respekt vor ihm. Und das, obwohl die alte Almorosa eher gefĂŒrchtet wurde, als das sie selber etwas fĂŒrchtete.

Sie lebte schon eine lange, sehr lange Zeit hier, aber manchmal wurde es sehr ruhig im Haus. Dann war sie wochenlang nicht zu sehen oder zu hören. Almorosa verschwand im Haus und dort schien sie zu bleiben, solange es ihr gefiel.
Die BĂ€ume und StrĂ€ucher fragten den Wind: „Wo ist sie nur?“ Der Wind fragte die GrĂ€ser vorm Haus: „Wo ist sie nur?“ Die GrĂ€ser fragten den Sand vor der TĂŒr: „ Wo ist sie nur?“ Doch keiner wusste etwas.

Der Sand erinnerte sich eine ganze Weile daran, dass sie in die HĂŒtte gegangen war. Und weil er sich an nichts Neues erinnerte, musste die Alte noch drinnen sein. Doch die Stufen zur klapprigen alten HolztĂŒr schwiegen. Und die TĂŒr selber knarrte jeden unwirsch an. Auch Karl stand nicht an seinem Platz.

Und dann, plötzlich, waren GerĂ€usche aus dem Haus zu hören. Vertraute GerĂ€usche. Etwas spĂ€ter öffnete sich mit Gestöhn ĂŒber die lang ausgebliebene Beanspruchung, die windschiefe TĂŒr.
Heraus schlurfte Almorosa und blickte sich um, befragte den Sand, die GrĂ€ser, BĂŒsche und BĂ€ume.
Erfuhr von Unwettern und großer Hitze. Erfuhr, dass die junge LĂ€rche bei Sturm schwer verletzt wurde. Schimpfte den Wind, dass er seinen großen Bruder das hat machen lassen. Doch Wind krĂ€uselte nur ein bisschen das Gras und wollte sich bei ihr einschmeicheln, indem er ihr sanft ĂŒbers runzlige Gesicht strich. Denn was kann er schon ausrichten gegen Sturm?

Almorosa murmelte vor sich hin und ging zur jungen LĂ€rche, um nachzuschauen, ob sie etwas fĂŒr das BĂ€umchen tun kann.
„Sie kann etwas Halt gebrauchen.“, dachte die Alte, suchte und fand einem geeigneten HolzknĂŒppel, der sich ĂŒbrigens sehr darĂŒber freute; und baute mit ihm eine StĂŒtze fĂŒr das Baumkind.
Das ging erstaunlich schnell bei ihr. So schnell, das selbst der Holzstab nicht wirklich wusste, was ihm da passierte. Aber als er dann so fertig da stand, in die Erde gesteckt und das BÀumchen an ihm festgebunden, da sah man ihm einfach an, das er vor Stolz am liebsten gesplittert wÀre.



Almorosa betrachtete sich ihr Werk aus der Ferne, befand es fĂŒr gut, und grummelte wieder vor sich hin, dass man hier alles alleine machen mĂŒsse. Morgen kommt bestimmt irgend so ein vorwitziges Tier, vielleicht der Fuchs, der jetzt hier wohnen soll; und wird ihr Bauwerk zu Nichte machen. Sie blieb einige Minuten still und mit geschlossenen Augen stehen, und man hĂ€tte denken können, sie muss einen Moment innehalten und verschnaufen, denn schließlich ist sie nicht mehr die JĂŒngste. Aber nichts dergleichen war der Fall.
Alle wussten von nun an: Wer der kleinen LĂ€rche etwas Böses will, wird nicht nur keinen Erfolg damit haben, er wird auch fĂŒrchterlich bereuen, was immer er vorhatte.

Fortsetzung folgt...

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