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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alp-Traum?
Eingestellt am 30. 07. 2002 16:22


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ivy66
???
Registriert: Jul 2002

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Alp -Traum?

Es ist dunkel in mir. Verwundert blicke ich mich um. Eben noch war ich in einem Zimmer voller Sonnschein und schrieb - nun stehe ich inmitten eines undurchdringlichen, sumpfigen Dickichts. Ein falscher Schritt und ich bin verloren. Nebel wallen um mich herum, verwirren die Sinne mit den giftigen Dämpfen des Zweifels und versperren mir die Sicht auf den Weg. Zitternd setze ich einen Fuss vor den anderen, flüstere mir zu: "Vorsichtig, langsam - nur nicht in Panik verfallen und loslaufen!"
Jeder Schritt könnte der letzte sein. "Da - ein Lichtstrahl! - Schon wieder verloschen..." Enttäuschung breitet sich aus. Ein Käutzchen ruft in der Ferne. Irrlichter glühen um mich herum und verblassen genau so schnell wieder, wie sie erschienen sind. Dicht neben mir, im Unterholz, spüre ich die Bewegung der Schatten - krabbelndes Gehusche! Gierig recken sie ihre Hände nach mir - und ich falle... falle...
Eine Wurzel. Fast hätte ich laut gelacht. Bloss nicht auffallen! Wenn ich mich von meiner Angst lähmen lasse, werde ich nie den Weg finden. "Denk' nach! - Denk' nach! Du kennst den Weg. Öffne die Augen, dann wirst Du ihn sehen." - Aber ich bin doch wach!?
Die Wurzel. Ein Baum. Wo eine Wurzel ist, ist auch ein Baum... vielleicht... Ja, das ist es. Vorsichtig taste ich mich durch die bleierne Dunkelheit. Da ist er! Der Baum. Zaghaft ergreife ich die unteren Ă„ste und beginne mich hoch zu ziehen.
Ich schaffe es nicht. - "Es hält mich fest! Was ist das?!" Ich spüre schon wieder, wie die Panik ihre hässlichen Klauen um mein zitterndes Herz schließt, doch plötzlich dringt ein Lichtstrahl durch das Dickicht der Blätter und lichtet den Nebel ein wenig. Lange genug. Mein befreites Lachen vertreibt einen Teil der Angst. Nun sehe ich klar.
Es sind die Röcke. Der oberste besteht nur noch aus Fetzen und hat sich in den Dornen und Ranken verfangen. Deshalb ging es nicht! Vorsichtig und mit bebenden Fingern versuche ich ihn daraus zu lösen, doch je mehr ich ziehe und zerre, desto schlimmer wird es. "Ich werde ihn ausziehen müssen." Nun geht es. Ast um Ast hangele ich mich nach oben, hin zum Licht.
Müde. Ich bin so müde... So lange schon klettere ich, doch es ist kein Ende in Sicht. "Habe ich den falschen Weg gewählt?" Mein Röcke zerren an mir; ziehen mich wieder hinunter. "Nein!" Ein Aufschrei. "Ich will nicht zurück in das Dickicht - ich will ans Licht!" Wütend, doch entschlossen, zerre ich an den Röcken. Befreie mich von ihnen. Einer nach dem anderen bekommt meine ganze Wut und meinen ganzen Frust zu spüren:
"Fort mit den alten Regeln! Fort mit dem alten Denken, den Vorurteilen... fort damit!" - Und einer nach dem anderen fällt zurück in das trostlose Dunkel.
So leicht fĂĽhle ich mich auf einmal... und so frei. Ich klettere weiter. Ich gebe nicht auf. Dort oben ist das Licht. Dort will ich hin. Ich spĂĽre, wie die Zweige meine nun blossen Arme und Beine zerkratzen, doch es ist ein guter Schmerz. Er zeigt mir, dass ich noch lebe. Wenn ich ans Licht will, muĂź ich bereit sein, ihn zu ertragen.
Jahrhundert um Jahrhundert an Vorurteilen fällt von mir ab, je weiter ich mich empor arbeite. Stück um Stück, hin zum Licht. Ich werde verletzlicher und auch freier, stärker - alles zugleich. Es ist kein leichter Weg. Doch das Licht ist den Preis wert, den ich dafür zahlen muß.
Um mich herum wird es stetig heller. Freude kommt auf. Immer schneller klettere ich durch die Äste, hinauf zur Baumkrone... - schon lichten sich die ersten Blätter und immer mehr Lichstrahlen schimmern hindurch. Sie blenden meine noch ans Dunkel gewöhnten Augen mit ihrem herrlichen Glanz.
Und dann bin ich da. Vor mir... - unendliche Weite. Unbeschreiblich!
Hier ist alles möglich - wenn ich nur will. Ich breite die Arme aus und schwebe gleitend durch das satte Grün meiner neu geborenen Welt, über mir leuchtend der strahlend blaue Himmel unendlicher Möglichkeiten.
Ich bin frei - und ich bin nicht allein. Auch andere haben den Weg gefunden.
__________________
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