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Leselupe.de > Kindergeschichten
Als die Zeit noch Zeit hatte
Eingestellt am 14. 12. 2001 22:40


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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

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Als die Zeit
noch nicht fliegen konnte

Ganz fr├╝her, als die Zeit noch ein ganz junges M├Ądchen war und ├╝berall stehen blieb, wo┬┤s ihr gefiel, da war die Welt noch ganz sch├Ân gem├╝tlich!

Kein Mensch hatte eine Uhr!
Und wenn auch nur ein Mensch eine gehabt h├Ątte, so h├Ątte er sie gar nie und nimmer gebraucht.

Denn damals wu├čten die Menschen noch nicht, was eine Stunde, Minute oder Sekunde ist. Und wie kurz!
Sie ma├čen die Zeit nach Gl├╝ckspunkten.

Und wenn 12 Gl├╝ckspunkte erreicht waren, dann war f├╝r sie wieder ein sch├Âner Tag vorbei.

So hatte jeder Mensch damals viel, ja sehr viel Zeit:
Zeit f├╝r andere Menschen, Zeit f├╝r sch├Âne Dinge,
Zeit f├╝r Tiere, Zeit f├╝r Pflanzen
und auch Zeit f├╝r sich selbst.

Damals, als die Zeit noch ein junges M├Ądchen war,
schaute sie ├╝berall mal herein.
Und da, wo es ihr besonders gefiel,
weil die Leute lustig und fr├Âhlich waren,
da blieb sie besonders lange stehen.
Da konnte sie stundenlang mit den Menschen herumalbern und sich selbst ganz vergessen.
Damals machte ihr das gar nichts aus!

Erst wenn sie vom vielen Herumtollen ganz hundehundem├╝de war, verteilte sie an alle Menschen schnell noch zw├Âlf Gl├╝ckspunkte,
damit auch wirklich jeder wu├čte,
da├č dieser sch├Âne Tag nun zu Ende war.
Und jeder Mensch freute sich ├╝ber die Gl├╝ckspunkte,
die kleinen wie die gro├čen, die jungen wie die alten.
Und keiner wollte l├Ąnger aufbleiben,
wenn er seine Gl├╝ckspunkte hatte.

Alle schliefen sie schnell, gl├╝cklich und zufrieden
in den neuen Tag hinein.
Tag f├╝r Tag und jeden Tag aufs Neue.
Und fast w├Ąre das ja auch so geblieben bis heute,
wenn nicht.....!

Ja, wenn aus dem h├╝bschen, kleinen und gem├╝tlichen Zeitm├Ądchen nicht etwas ganz anderes geworden w├Ąre!
Doch, der Reihe nach:

Dem damals noch so jungen M├Ądchen Zeit gefiel es sehr,
da├č die Menschen so gro├če Freude daran hatten, wenn sie ihre 12 Gl├╝ckspunkte verteilte.
Und es gefiel ihr ganz besonders,
da├č es ├╝berall so fr├Âhlich und lustig wurde,
wenn sie ankam.

Als sie kaum etwas ├Ąlter geworden war,
begann sie pl├Âtzlich,
stundenlang zu gr├╝beln,
bevor sie loszog
um jedem Menschen seine t├Ąglichen 12 Gl├╝ckspunkte zu bringen.
Trotzdem kam sie noch jeden Tag pers├Ânlich.

Manche Menschen merkten schon,
da├č sie immer sp├Ąter kam.
Sie ahnten, da├č es Ver├Ąnderungen geben w├╝rde.
Und sie erz├Ąhlten ihre Bef├╝rchtungen weiter.
So wurde die Freude der Menschen ├╝ber die t├Ąglichen Gl├╝ckspunkte von Tag zu Tag kleiner.
Die Stimmung war von da ab nie mehr so ausgelassen wie zuvor.
Schon Stunden vor der Zeit fragten sich die Menschen:
ÔÇťNa, wird sie heute nochmals kommen?
Wird sie uns vergessen oder verlassen?ÔÇŁ
Und voller Ungeduld schauten sie jeden Abend
aus den Fenstern und T├╝ren ihrer H├Ąuser.





Kam sie dann endlich die Stra├če herunter,
dann war die Freude nat├╝rlich gro├č.
Aber nur kurz.
Denn kaum hatte ein Mensch seine 12 Gl├╝ckspunkte in der Hand, da dachte er auch schon wieder an morgen und fragte sich ├Ąngstlich:
ÔÇťWerde ich morgen auch wieder 12 bekommen?
Oder nur 11 oder 10 oder gar keine?
Wird uns die sch├Âne Zeit ├╝berhaupt noch besuchen?ÔÇŁ

Der sch├Ânen Zeit aber, der ging┬┤s in dieser Zeit gar nicht gut.
Das Gr├╝beln bekam ihr nicht
und kostete sie eine Menge Zeit.
Ja, manchmal lief der Zeit sogar die Zeit davon.

An einem Freitag, den 13. verga├č sie es tats├Ąchlich,
13 Menschen mit 12 Gl├╝ckspunkten zu begl├╝cken.

Diese Menschen und ihre Bekannten und Verwandten
glauben doch tats├Ąchlich bis heute, da├č die Zahl dreizehn eine Ungl├╝ckszahl sei.
Obwohl es doch ein Zufall und Versehen war und kein Ungl├╝ck.
Und obwohl es doch ein Gl├╝ck war, da├č die Zeit damals nur 13 und nicht 14, dreizehnhundert oder gar vierzehntausend Menschen vergessen hat!

Die Zeit gr├╝belte und gr├╝belte,
wie sie alles besser machen k├Ânnte und blieb nirgends mehr stehn.
Weil sie nie mehr stehen blieb, wurden auch die Menschen immer noch ungeduldiger und waren nie mehr so fr├Âhlich, lustig und albern wie zuvor.

Weil es bei den Menschen jetzt lange nicht mehr so gem├╝tlich war, wie es einmal gewesen war,
kam und ging die Zeit ab dieser Zeit immer schneller.
Keine Minute mehr blieb sie stehn.
Wie eine Maschine eilte sie von Haus zu Haus,
w├╝nschte sich, da├č sie fliegen k├Ânnte
und rannte nach Hause
um schnell weiterzugr├╝beln.

Eines Tages aber - gerade als sie ihre letzten 12 Gl├╝ckspunkte abgegeben hatte h├Ârte sie -die Haust├╝r┬┤war gerade erst ins Schlo├č gefallen - laut und deutlich:
ÔÇťWir brauchen eine neue Zeit, so hat das doch keinen Wert mehr. Die kommt doch nur noch wann sie will und zu wem sie will!
Mit der kann man doch ├╝berhaupt nicht rechnen!ÔÇŁ

Da w├╝nschte sie sich noch mehr als sonst,
da├č sie ganz schnell und ganz weit fliegen k├Ânnte
und war soo traurig, wie noch kein Mensch, den sie besucht hatte.
Erst rannte sie, bis sie ganz au├čer Atem war,
dann blieb sie v├Âllig ersch├Âpft und au├čer Puste
an einem Sandkasten stehen,
an dem ein kleiner Junge spielte.

Gedankenverloren und schon wieder gr├╝belnd
schaute sie dem Sandkastenspiel des Buben zu.
Doch pl├Âtzlich sprang sie auf, rief: ÔÇťHurra, ja - das ist es!ÔÇŁ
Gab dem ├╝berraschten Buben einen schmatzigen Ku├č auf die Stirn und sprang hopplahopp davon.

Obwohl sie ja damals noch nicht fliegen konnte
flog sie fast davon - so schnell lief sie!
ÔÇťHurra, das ist es! Hurra jetzt kriegt ihr┬┤s!ÔÇŁ
rief sie immer wieder und rannte und rannte
so schnell, da├č ihre F├╝├če kaum den Boden ber├╝hrten.
(Wahrscheinlich hat die Zeit genau da das Fliegen gelernt!)

Kaum zuhause angekommen,
lie├č sie die Ereignisse nochmals ganz schnell an sich vorbeiziehen:
Den Stre├č des Gl├╝ckspunktverteilens.
Der Menschen Forderung nach einer neuen Zeit.
Den Fall der tausend trockenen Sandk├Ârner aus Bubenhand.

Dann erfand sie die Sanduhr.

Dann den Stundenzeiger, den Minutenzeiger, den Sekundenzeiger.

Die Turmuhr.
Die Wanduhr.
Dann die Tischuhr.
Die Kuckucksuhr, die Armbanduhr, den Wecker,

die Radiouhr, die Digitaluhr, die Fernsehuhr, die Backofen- und Mikrowellenuhr,
die Computeruhr und viele andere Uhren.
Ihre neueste .......-Uhr hat noch keinen richtigen Namen.
Kennst Du sie schon?

Auch heute noch sitzt die Zeit die ganze Zeit in ihrem Geh├Ąuse und t├╝ftelt an neuen Uhren.
Kein Mensch hat sie seit damals pers├Ânlich gesehen.
Ich nicht und Du sicher auch nicht.
Die Uhren der Zeit werden immer genauer,
die Menschen haben ihre ÔÇťneue ZeitÔÇŁ und m├╝ssen sich t├Ąglich immer mehr sputen.
Immer schneller, immer schneller...!

Ob sie das wollten? -
Ob die Zeit das wollte? -
Ich glaube nicht!


Ich freue mich darauf, da├č auch die Zeit
├Ąlter und vern├╝nftiger wird
wie viele Menschen.
Da├č sie ihre Schnelligkeit und Hochmut verliert.

Ich denke, irgendwann ist auch sie alt genug,
da├č sie sich Zeit nehmen kann f├╝r sich selbst und f├╝r die anderen.
Sie wird erkennen, da├č sie in letzter Zeit genug getan.
Ja, mehr als genug.

Ich bin sicher, da├č sie - bevor ihre Zeit abl├Ąuft - noch gen├╝gend Zeit ├╝brig hat,
um sich ganz ohne Zeitdruck
bei Dir oder mir an den Kaffeetisch oder aufs Sofa zu setzen
um - wie fr├╝her - f├╝r jeden Tag 12 Gl├╝ckspunkte zu verteilen.
Alt und reif genug ist sie jetzt.
Uhren und andere Zeitmesser hat sie jetzt genug.
Gl├╝ckspunkte mu├č sie noch eine Menge ├╝brig haben.

Ich freue mich jeden Tag auf sie
und bin gespannt, was sie mitbringt!
Und Du?

Bitte rufe mich an oder schreibe mir gleich,
wenn sie bei Dir zuerst vorbeikommt!


Anmerkung des Verfassers: Diese Geschichte habe ich f├╝r meine Enkel auf einem AppleMacintosh PPC 5200/75 und dem Shareware- bzw. Freeware-Programm TEXTEDITPLUS verfa├čt, mit eigenen Sounds und Bildern hinterlegt - deswegen der merkw├╝rdige Umbruch, den ich jetzt nicht verschlimmbessern m├Âchte. Wem┬┤s gef├Ąllt - bitte melden. Das Original pa├čt auf eine Diskette.

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flammarion
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hallo,

das gef├Ąllt mir ganz ausgezeichnet. und das gibts auch mit t├Ânen und bildern? da w├╝rde ich sehr gern mal draufschauen. bilder hab ich ja auch schon zu einigen geschichten gef├╝gt, aber t├Âne? ja, wenn man die zeit richtig nutzt, kann man sich die welt als m├Ąrchenland gestalten. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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B.Wahr
???
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Hallo flammarion,
danke f├╝rs Lesen und die liebenswerte Kritik. Gern schick ich Dir ein ÔÇŁOriginalÔÇŁ und hoffe Du kannst auf einen Mac mit Tex-Edit Plus zugreifen... Bei dieser Geschichte ist es mit den Sounds von mir gar nicht so weit her: Da sagt halt so┬┤n Opa: 3xTick-Tick-Tack oder so.... Ich werde die Anmerkung wohl besser wieder rausnehmen?

Dein letzter Satz, war der sarkastisch? ...gestalten glaube ich nicht, vielleicht: ÔÇťtapezierenÔÇŁ?

Liebe Gr├╝├če
B. Wahr

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flammarion
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nun,

tapezieren geht auch, aber da wird die welt deinem geldbeutel gerecht beschnitten. nee, ick bleib bei gestalten. schon, wegen der gestalten, die sich einfinden sollen. ich freu mich auf post von dir - wird ja wohl ein link sein. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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